Die Kluft zwischen Orthodoxie und Nicht-Orthodoxie wird größer

zumindest in den USA. Dies soll der neue Meinungsjahresbericht des American Jewish Committee aussagen. Der vollständige Bericht kann hier heruntergeladen werden. Die präsentierte Sicht gilt natürlich nur für die jüdische Bevölkerung der USA. JewishJournal.com schreibt

The AJCommittee’s 2007 Annual Survey of American Jewish Opinion focused mainly on the political preferences and concerns of Jews leading into this election season.
It showed that while Jews across the religious spectrum have maintained their political party affiliation, on specific issues the Orthodox are becoming much more conservative than Jews who affiliate with the more liberal religious streams of Judaism. von hier

Eigentlich nicht überraschend sind die Zahlen:

According to the survey, 69 percent of Orthodox Jews said they feel „very close“ to Israel, compared to 29 percent of Conservative Jews and 22 percent of Reform Jews. Only 4 percent of the Orthodox said they feel „fairly distant,“ as opposed to 14 percent of Conservatives and 25 percent of the Reform.
Fifty-seven percent of Orthodox Jews said the United States „did the right thing“ when it invaded Iraq and support U.S. military action against Iran. Only 27 percent of Conservative Jews backed the Iraq war and 38 percent favored strikes against the Islamic Republic; among Reform Jews the totals were 22 percent and 32 percent. von hier

22 Prozent der amerikanischen Reformjuden fühlen sich Israel nahe – da ist offensichtlich noch einiges an Arbeit zu leisten…

Chajm

Chajm ist nicht nur Autor dieses Blogs und Bewohner des Ruhrgebiets, sondern auch Herausgeber von talmud.de und Organisator des Minchah-Schiurs im Ruhrgebiet. Einige seiner Artikel gibt es nicht nur im Internet, sondern beispielsweise auch in der Jüdischen Allgemeinen. Über die Kontaktseite kann man Chajm eine Nachricht senden. Man kann/soll Chajm auch bei twitter folgen: @chajmke. Chajms Buch »Badatz!« 44 Geschichten, 44 zu tiefe Einblicke in den jüdischen Alltag, gibt es im Buchhandel und bei amazon.

10 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Na, dann will ich mal ebenso naiv antworten 😉
    In den Principles der CCAR heißt es doch:

    We are committed to the (mitzvah) of (ahavat Yisrael), love for the Jewish people, and to (k’lal Yisrael), the entirety of the community of Israel. Recognizing that (kol Yisrael arevim zeh ba-zeh), all Jews are responsible for one another, we reach out to all Jews across ideological and geographical boundaries.
    We embrace religious and cultural pluralism as an expression of the vitality of Jewish communal life in Israel and the Diaspora.
    […]
    We are committed to (Medinat Yisrael), the State of Israel, and rejoice in its accomplishments. We affirm the unique qualities of living in (Eretz Yisrael), the land of Israel, and encourage (aliyah), immigration to Israel.
    We are committed to a vision of the State of Israel that promotes full civil, human and religious rights for all its inhabitants and that strives for a lasting peace between Israel and its neighbors.
    We are committed to promoting and strengthening Progressive Judaism in Israel, which will enrich the spiritual life of the Jewish state and its people.
    We affirm that both Israeli and Diaspora Jewry should remain vibrant and interdependent communities. As we urge Jews who reside outside Israel to learn Hebrew as a living language and to make periodic visits to Israel in order to study and to deepen their relationship to the Land and its people, so do we affirm that Israeli Jews have much to learn from the religious life of Diaspora Jewish communities.

    Das Statement of Principles for Reform Judaism kann unter
    http://ccarnet.org/Articles/index.cfm?id=44&pge_id=1606 eingesehen werden.

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  2. Abgesehen von inhaltlichen Fragen, scheinen diese Rabbiner zu wissen, dass und wie sie sich zu Israel bekennen wollen. Ob das aber (noch) viel mit Gemeidenmitgliedern nationwide zu tun hat? Eher unwahrscheinlich, insb. beim Anblick obiger Angaben. Anscheinend gibt es zwei Möglichkeiten: Der Text so zu ändern, dass er der Wirklichkeit entspricht; oder die Wirklichkeit bzw. die tatsächlichen Gemeindemitgliedern zu ändern, damit sie dem Text entsprechen… was bei dir „Arbeit zu leisten“ heißt.

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  3. Ich finde es immer problematisch, Religion mit politischen Sympathien zu verbinden. Ist man nun ein schlechter jüdischer Gläubiger, wenn man sich dem israelischen Staate eher ferner fühlt?

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  4. Was die Theorie angeht, bedüfte es eines ganzen Beitrages… In der Praxis bin ich aber der Meinung, dass man gar nicht den Versuch unternehmen soll, mit solch komplexen Zusammenhängen durch einfache Maximen fertig zu werden. Mit anderen Worten: Wenn die CCAR nicht der Meinung gewesen wäre, dass eine Bezugnahme auf den modernen Staat Israels notwendig wäre bzw. zu einer „Grundsatzerklärung“ dazugehören würde, bestünde jetzt nicht die Problematik, auf die du hingewiesen hast, nämlich die Diskrepanz zwischen dem verallgemeinernden Text und der differenzierten Wirklichkeit.

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  5. @Claude & Yoav: Hier geht es doch im Grunde um eine Kernfrage. welches Verhältnis hat das Judentum in der Galut zum Staat Israel? Welche Verbindungen haben wir? Welche Verbindung sollten wir haben? Ich würde enge Beziehung präferieren, aber das niemandem aufzwingen…

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  6. „[D]as Judentum“? „Wir“? Oi, a Krechz…

    „niemandem aufzwingen“: Warem redest du also in der Mehrzahl und vom „Judentum“?

    Rede doch von dir selbst. In der Einzahl. Welches Verhältnis, welche Verbindungen willst *du* haben? Was andere denken, soll hier letzten Endes keine Rolle spielen. Und was du denkst, ist für andere im Endeffekt genauso unverbindlich.

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  7. In der Mehrzahl, weil ich mich noch immer auf die Umfrage bezog 😉 Mein Verhältnis ist mir klar, das muss ich nicht erfragen. Mir ist wichtig, was andere meinen. Häufig hilft das bei der Verortung des eigenen Standpunktes. Völlig klar, dass ich meine (das war in diesem Blog ja verschiedene Male zu lesen), ein modernes Judentum kann nicht ohne Bezug auf den Staat Israel existieren und umgekehrt.

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  8. Aus dem zitierten Artikel:
    http://www.jewishjournal.com/home/preview.php?id=18898

    > „In the liberal religious communities“, [Prof Fishman] said,
    > the leaders may be thinking about the issue,
    > but their followers are generally apathetic and Jewishly illiterate.“

    Das würde auch den signifikanten Unterschied
    zwischen CCAR-Erklärungen
    (die von „leaders“ geschrieben werden)
    und demographisch gemessenen Einstellungen
    (der „followers“) erklären.

    > Orthodox children, in other words,
    > make up 38 percent of that younger cohort.

    > „in the year 2050, … one sociologist suggests that
    > 50 percent of that universe of people concerned with Jewish life
    > may be Orthodox.“

    Das orthodoxe heute erfolgreicher sind als früher,
    ihren Nachwuchs bei der Stange zu halten,
    hat wohl auch mit folgendem zu tun:
    > „It has become a rite of passage
    > for Orthodox Jewish day school and yeshiva students
    > to spend a year or two years studying at yeshivas in Israel
    > after high school and before college.“

    Grüße

    YM

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