Antisemitisch oder nur völlig daneben?

FerkelbuchEines steht fest: wer sein Buch vermarkten will, der muss dafür sorgen, dass es diskutiert wird. Entweder über ein positives Extrem oder ein negatives Extrem. Der freischaffende Philosoph Schrägstrich Schriftsteller Dr. Michael Schmidt-Salomon hat so ein Buch verfasst und sorgt nun für entsprechende Öffentlichkeitsarbeit. Wo bitte geht’s zu G-tt? fragte das kleine Ferkel heißt das Buch das auch die jüngsten zum Atheismus erziehen soll und dabei auf das Mittel der Verspottung setzt und dabei statt Spott auch Blödsinn erzählt. Alan Posener berichtete heute über die schräge Darstellung des Judentums in dem Buch:

Indem die Synagoge vom Rabbi als Tempel bezeichnet und behauptet wird, nur Juden dürften sie betreten. Einzig der Rabbi darf die schlichte Wahrheit aussprechen: Gott, der Allmächtige, ist nicht nett! Eine Wahrheit, die er mit der Sintflut belegt. von hier

und fragt sich, ob das Buch nun antisemitisch oder einfach nur lächerlich ist. Das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend möchte das Buch nämlich indizieren lassen (was sich vielleicht als verkaufsfördernde Maßnahme entpuppen dürfte) und setzt dabei auf die Darstellung des Judentums in dem Werk. Ob man das Buch auf einen Verstoß des 166 StGB geprüft hat, ist mir nicht bekannt. Aber in der Geschichte ist Potential, denn Schmidt-Salomon hat bereits zu der Frage Antisemitismus Stellung bezogen. Auf einer FAQ-Liste seiner Homepage bedient er sich dabei der Ich-kann-überhaupt-kein-Antisemit-sein-Taktik:
Frage: Befürchten Sie nicht, durch die Darstellung des orthodoxen Rabbis in die antisemitische Ecke geschoben zu werden?

Im iranischen Fernsehen wurde vor kurzem noch behauptet, ich sei ein Agent Israels, der mit dem Zentralrat der Ex-Muslime auf typisch jüdische (meint wohl: hinterlistige) Art einen Angriff auf den Islam gestartet habe. Da macht sich das neue Etikett Antisemit doch ganz gut in meinem Portfolio! So viele antisemitische jüdische Agenten dürfte es ja nicht geben
Im Unterschied zu jenen selbsternannten Antifaschisten, die sich bislang über die Figur des Rabbis aufgeregt und dabei überaus merkwürdige Vergleiche gezogen haben, weiß ich aus eigener Erfahrung, was Antisemitismus bedeutet. Wegen meines jüdisch klingenden Namens werde ich seit 1994 regelmäßig als Judensau beschimpft und auch massiv bedroht meist von Christen, mitunter auch von Muslimen. Deshalb nehme ich mir das Recht heraus, in aller Offenheit jene orthodoxen Juden zu kritisieren, die ebenso wie fundamentalistische Christen und Muslime vom Gotteswahn befallen sind. Mit Antisemitismus hat das selbstverständlich nichts zu tun! Wer liberale oder gar säkulare Juden insgesamt glücklicherweise die Mehrheit! von diesen glaubensfanatischen Löckchenträgern nicht unterscheiden kann, der ist wirklich selber schuld! Übrigens: Niemand macht schärfere Witze über Ultraorthodoxe als säkulare Juden von hier

FerkelbuchNochmal zum Mitschreiben: Wer selber für einen Juden gehalten wird, darf orthodoxe Juden glaubensfanatische Löckchenträger nennen…
In erster Linie scheint das Buch Kinder Respektlosigkeit vor den Überzeugungen anderer Menschen zu lehren und leistet damit einen perfekten Beitrag zur weiteren Verschlechterung des gesellschaftlichen Klimas in diesem Land. Das sollte man dem Autoren und dem Zeichner vorwerfen und nicht die plumpe und vorurteilsbehaftete Sicht auf das Judentum, denn das ist nur eine Facette an dem Buch. Vielleicht wäre es besser gewesen, das nirgends zu thematisieren, denn dann hätte das Buch den gleichen Bekanntheitsgrad der anderen Bücher des Alibri-Verlages, denn wer kennt nicht das bahnbrechende Werk Getanzte Zeitgeschichte …

Chajm

Chajm ist nicht nur Autor dieses Blogs und Bewohner des Ruhrgebiets, sondern auch Herausgeber von talmud.de und Organisator des Minchah-Schiurs im Ruhrgebiet. Einige seiner Artikel gibt es nicht nur im Internet, sondern beispielsweise auch in der Jüdischen Allgemeinen. Über die Kontaktseite kann man Chajm eine Nachricht senden. Man kann/soll Chajm auch bei twitter folgen: @chajmke. Chajms Buch »Badatz!« 44 Geschichten, 44 zu tiefe Einblicke in den jüdischen Alltag, gibt es im Buchhandel und bei amazon.

19 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Interessant zu beobachten, dass viele Medienmenschen das Buch recht albern finden und viele Blogger und Blogleser in dem Buch ein Vehikel des Humanismus und der Aufklärung sehen. Traurig genug, wenn Humanismus und Aufklärung bedeuten, dass man sich über die Lebensweise anderer Menschen lustig machen darf.

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  2. Ich kann nur immer wieder darauf hinweisen, dass ein solches Buch von außerordentlicher Wichtigkeit ist. Kindern muss die Möglichkeit gegeben werden, sich mit der – hierzulande insbesondere christlich – religiösen Beeinflussung auseinander zu setzen. Das gelingt in diesem Buch sehr gut. Dass diverse Religionsvertreter uns über die Medien und den Religionsunterricht ganz unverholen immer wieder weis machen wollen, „wer Gott nicht kennt, dem fehlt was“, das ist ja vollkommen real. Schaun wir doch mal zusammen mit Ferkel und Igel, ob das wirklich so ist … Die wesentlichen Züge der 3 weit verbreitetsten Religionen wurden in dem Buch sehr gut verständlich für ein Kind dargestellt.

    Ich wünsche mir weitere solche Bücher. Insbesondere auch für Jugendliche!

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  3. (zweiter Anlauf – hoffentlich diesmal ‚ungekürzt‘ – gar nicht so einfach hier einen Beitrag abzusetzen, der nicht von Bad Behaviour geblockt wird oder aufgrund von Sonderzeichen verstümmelt wird 🙂
    Nochmal zum Mitschreiben: Wer selber für einen Juden gehalten wird, darf orthodoxe Juden glaubensfanatische Löckchenträger nennen
    Das Buch (leider werde ich es zur endgültigen Beurteilung erst am Sonntag in den Händen halten) scheint mir anhand der im Netz verfügbaren Informationen eine genereller Rundumschlag gegen religiöse Eiferer aller abrahamitischer Religionen zu sein und diese in ihrem Fundamentalismus gleichermaßen der Lächerlichkeit preiszugeben.
    Die Frage, die sich mir (mal abgesehn von der nicht gerade glücklichen Begründung von Herrn MSS) anhand Ihres Zitates stellt ist folgende:
    Ist (möglicherweise zu plumpgeratene, polemische) Religionskritik am orthodoxen, fundamentalistischem Judentum per se antisemitisch, wenn sie nicht von einem Menschen jüdischen Glaubens geäußert wird?
    Und was bin dann ich, wenn ich als nicht-Katholik Kardinal Meisner einen glaubensfanatischen Kuttenbrunzer nenne? Oder als nicht-Muslim einen Iman wie dem ‚Kalif von Köln‘ einen glaubensfanatischen Turbanträger? Diskreditiere ich damit zwingend die Gesamtheit Christen oder Muslime? Und ist die Sicht auf die anderen dargestellten Religionen nicht gleichermaßen ‚plump und vorurteilsbehaftet‘?
    ich mag anhand der vorhandenen Rezensionen zu dem Schluß kommen, daß das Buch polemisch, respekt-, geschmacklos und für religiöse Menschen schlicht eine Zumutung ist.
    Der Antisemitismus-Vorwurf scheint mir allerdings/leider als Totschlag-Argument herhalten zu müssen, um einer unbequemen, eigentlichen, inhaltlichen Auseindersetzung mit dem Buch aus dem Weg gehen zu können. Denn über Religionskritik müsste man möglicherweise ja reden, Antisemtismus hingegen ist ( – aus Sicht von Menschen die sich von diesem Buch aus welchem Grund auch immer auf die Füße getreten fühlen – praktischerweise) indiskutabel.

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  4. Die Frage ob das Buch antisemitische Passagen enthält, wurde von mir überhaupt nicht beantwortet. Die zitierte Passage brachte der Autor des Buches in seiner FAQ selber auf den Tisch mit seiner Antisemitismusverteidigung. Wahrscheinlich wäre es sinnvoll gewesen, auf das Buch und die Darstellung des Judentums dort einzugehen, statt sich selber als Antisemitismusresistent darstellen zu wollen und dann gleich eine Respektlosigkeit nachzuschieben.
    Die Emotionalität die damit zum Ausdruck kommt zeigt übrigens, meine ich, dass der Autor seine Sache genau so verbissen betreibt wie diejenigen Vertreter der Metaphysik die er da lächerlich machen will…

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  5. Wenn alle Bücher auf den Index kämen, die für nichtreligiöse Menschen eine Zumutung sind, dann gäbe es jetzt aber bald eine sehr lange Liste. Da müssten alle Bücher dabei sein, die Nichtgläubige Menschen diffamieren – ganz oben die Bibel!

    Dieses Kinderbuch, um das es hier geht, diffamiert aber nicht. Es klärt ja nur auf. Religionen sind nun mal teilweise gefährlich und teilweise eben auch grotesk. Wie soll man etwas Groteskes, wenn man es real darstellt, nicht grotesk darstellen? Es wird ja nur gezeigt, wie es ist … und wie es auf unvoreingenommene, nicht religiös indoktrinierte Menschen (hier dargstellt durch Ferkel und Igel) wirkt.

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  6. Wenn Person A eine Aussage B über einen Sachverhalt C macht,
    so sagt B oft mehr über A als über C aus. Soll heissen:
    Orthodoxes Judentum als „fundamentalistisch“ zu bezeichnen
    und mit Haßpredigern, Massenmördern und ähnlichen
    Gestalten in Verbindung zu bringen,
    offenbart bloß mangelnde Sachkenntnis
    und ein gerüttelt Maß an Vorurteilen.

    Judentumsfeindliche Äußerungen können übrigens auch dann
    antisemitisch sein, wenn sie von Juden kommen.
    Müssen aber natürlich nicht.
    Die meisten orthodoxen Juden haben keine „Löckchen“.

    YM

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  7. @Yankel Moishe

    „Orthodoxes Judentum als fundamentalistisch zu bezeichnen
    und mit Haßpredigern, Massenmördern und ähnlichen
    Gestalten in Verbindung zu bringen,
    offenbart bloß mangelnde Sachkenntnis
    und ein gerüttelt Maß an Vorurteilen.“

    Sehr richtig, über diese dumme Aussage kann ich auch nur den Kopf schütteln, wobei wir ja genau da beim Thema antisemitische Klischees sind.

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  8. Das Buch ist entgegen aller Vermutungen pro-jüdisch und neben vielen anderen hässlichen Dingen v.a. anti-christlich & anti-muslimisch. Komisch dass das noch keiner (kaum einer?) gesehen hat.

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  9. Also, das Urteil ist vom Tisch, die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien hat den Antrag des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, das Buch auf den Index zu stellen, abgelehnt.
    Einen spannenden und sehr eloquenten Artikel von Andrea Livnat dazu gibt es hier: http://www.hagalil.com/archiv/2008/03/ferkel.htm
    Abgesehen von der ungeheuren Chuzpe des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend ( CDU ) in dem Antrag die eigenen, christlichen Probleme mit dem Buch in das anmaßende Deckmäntelchen
    des Antisemitismusvorwurfs zu hülen, den offensichtlichen Wissenslücken des Autors und seine unsägliche Verteidigungsschrift:
    http://www.ferkelbuch.de/Verteidigung.pdf
    wirft das Buch trotzdem eine wichtige und nachhaltige Frage auf:
    in einem Forum zu dem Bücherstreit tauchte die Polemik auf,
    ob dann nicht die Thora als solche mit ihren Gewaltdarstellungen als jugendgefährdent einzustufen sei.
    Ohne diese Polemik in irgendeiner weise unterstützen zu wollen,
    stellt sich mir bei genauerem Hinsehen wirklich die Frage,
    ob man die Thora Kindern unhinterfragt vorlesen kann,
    oder ab welchem Alter die Thoralektüre empfehlenswert ist.
    Nicht nur wegen der darin enthaltenden Gewaltdarstellungen,
    Märchen sind nicht weniger gewaltvoll,
    sondern wegen des in der Thora zum Ausdruck kommenden Gttes-
    und damit Menschenbildes.
    Um das an einem konkreten Beispiel festzumachen,
    nehmen wir, da bald Pessach ist, nehmen wir den Auszug aus Mizraim:
    das es da einen Gtt geben soll ( pardon, ich bin apikoirer Shabbesgoi )
    der sich eines versklavter Menschen annimmt und sie in die Befreiung führt finde ich persönlich super, und das ist bestimmt auch ein Punkt, den Kinder gut finden, weil es ein ganz starkes Moment der Gerechtigkeit hat.
    Aber wie sieht es jetzt mit den 10 Plagen und dem Untergang der Mizraim im Schilfmeer aus ? Kinder denken sehr bildlich, und da sind die 10 Plagen und das Bild von Menschen, die hoffnungslos dem Ertrinken ausgeliefert sind, ungeheuer erschreckend. Hinzukommt, dass Adoschem sogar noch den Geist des Pharao immer wieder verstockt, um auch wirklich alle 10 Plagen durchführen zu können und seine Macht zu beweisen. Da Frage ich mich doch als Erwachsener, und Kinder werden sich das erst recht fragen, wenn Adoschem die Menschen grundsätzlich mag, oder sogar liebt, ist es auf der einen Seite wunderbar, wenn er das versklavte Volk befreit, aber muß er dabei so gemein und mörderisch sein ? Wenn er schon Wunder tut, um das Volk Israel zu befreien, warum kann er denn dann kein Wunder machen, unter dem keine anderen Menschen zu leiden haben, sondern, wenn schon einer bestraft werden muß, warum dann nicht nur Pharao ?
    Warum kann Adoschem nicht einfach per Wunder bewirken, dass Pharao einsieht, dass Versklavung unmenschlich ist, und er deshalb das Volk Israel einfach so ziehen läßt.
    Egal ob man die Paraschen zur Befreiung orthodox liest, als Gttes eigenes an Moshe diktiertes Wort, oder reformiert als Bericht von Menschen, die an Adoshem glauben und in ihrer Geschichte sein Wirken sehen, bleibt für mich die provokante Frage:
    hat es Adoschem wirklich nötig, hier den dicken Max zu machen, nur um zu beweisen, wie mächtig er ist, und unzählige Mizraim, die gar nichts dafür können, müssen unschuldig drunter leiden ?
    Was ist das dann für ein Gtt ?
    Und diese Stelle ist nicht die einzige in der Thora, die einen rächenden und strafenden Gtt schildert, dessen Urteile und Sanktionen für Menschen nur sehr schwer nachvollziehbar sind,
    zumindest unter der Prämisse, dass Adoschem ein grundsätzliches Interesse an den Menschen hat oder sie sogar liebt.
    Wie müssen die Menschen leben, die diesem Gtt gerecht werden können?
    Wie und in welche Richtung prägt man Kinder, wenn man ihnen diese Paraschen vorliest ? Welches Gttesbild und welches Menschenbild entsteht das bei den Kindern ?
    Wie gesagt, nicht als Provokation, sondern nur als ernstgemeinte Frage
    in den Raum gestellt.

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  10. Hallo Schabbesgoj,

    viele Deiner Fragen stellen sich aus jüdischer Sicht so gar nicht,
    weil Juden den Text der Torah nicht ohne Kommentare lesen.
    Was viele Dinge relativiert bzw einige Deiner Fragen beantwortet.

    Im Ergebnis bleibt festzustellen, das jüdische Kinder,
    die bereits als dreijährige mit diesem Text konfrontiert werden,
    eher nicht zu asozialem Gesocks heranwachsen. Im Gegenteil.
    Kann also nicht soweit her sein mit der Jugendgefährdung.

    YM

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  11. sholem Yankel!
    Jüdische Kinder werden also schon im zarten Alter mit der Thora samt Kommentar „konfrontiert“ und werden deshalb nur ordentliche und gesetztestreue Bürger? Pardon, is natürlich nicht so als chuzpe gemeint,
    ich konnte mich aber nur schwer zurückhalten.
    Ich glaube Dir gerne, dass meine Fragen sich einem gläubigen Juden so nicht stellen, deshalb stelle ich sie ja, weil ich eben ein shabbes-goi bin.
    Das Gttesbild in der Thora, jenseits der Kommentare, zeigt einen sehr strafenden und rachsüchtigen Adoschem, wodurch das Menschenbild natürlich sehr auf Gehorsam getrimmt wird.
    Entweder hälst Du Dich an die Weisungen, oder Du wirst zur Salzsäule,
    fliegst aus dem Gaden Eden, etc.
    Also daher die Frage, ab welchem Alter werden denn die Kommentare gelesen? Und, relativieren die Kommentare das Bild des strafenden und rachsüchtigen Adoschem ?
    Wie gesagt, nicht als Provokation, sondern als Frage nach dem Gttesbild (hat ja in diesem Zusammenhang nichts mit Götzen zu tun )
    und dem Menschenbild in der Thora )
    Mit den besten Wünschen, gestern einen schönen shabbes gehabt zu haben, dein shabbes-goi

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  12. Hallo Shabbes-Goi,

    Nicht nur, aber wohl nachweislich überwiegend
    und weit überproportional.

    Es mag sein, dass das G-ttesbild der Torah für jemanden,
    der sie durch die Brille des „NT“ liest, das des strafenden
    rachsüchtigen ist. Muss ja auch so sein, in irgendwas
    (ausser dem Einbringen heidnischer Konzepte) muss ja
    die angebliche Innovation des Christentums gegenüber dem
    Judentum liegen.

    Juden haben ihren G-tt allerdings nie so gesehen.

    Jüdische Kinder kennen übrigens die Kommentare oft schon
    vor dem eigentlichen Text; und können im Schnitt deutlich
    früher lesen.

    Gehorsam? Das Verhalten des Geschöpfes zum Schöpfer soll
    nach jüdischer Auffassung geprägt sein von Liebe und Ehrfurcht.

    Danke, mein Schabbes war ganz prima.

    YM

    Antworten

  13. Sholem Yankel!
    Tja, tut mir leid, mit ner Brille kann ich leider nicht dienen,
    weder Lese- noch NT Brille. Das Goi steht nicht für Christ, sondern für apikoirer Goi, obwohl ich wohl irgendwann mal Christ gewesen bin, aber das ist schon länger her. Da Adoschem der Gtt der Juden ist und nicht meiner,
    ich hab ja keinen, er interessiert mir nur sehr, stellt er sich mir eben so dar, wie er sich durch sein in der Thora beschriebenes Verhalten geschildert wird, und dass ist reichlich autoritär und sehr gewaltbetont.
    Ich mein, warum das Ganze, wenn er uns doch nach seinem Bild, also seiner Vorstellung geschaffen hat, weiß er doch, wie wir ticken und funktionieren. Wie kann er da den Baum der Erkenntnis in den Gaden Eden stellen, und gleichszeitig verbieten, davon zu probieren. Da hätte er uns doch gleich direkt vor die Tür setzen oder den Baum eben außerhalb des GadenEden hinter einer Dornenhecke pflanzen können.
    Übrigens, zu Deiner Hymne auf die hohe Sozialität jüdischer Kinder im Vergleich zur Asozialität des übrigen Gesocks: in Sachen reiner Sozialität bzw. Asozialität zählen ja eigentlich eher die noachidischen als die mosaischen Mitzwot, denn Sozialität ist ja keine streng rein halachische Frage. Und die noachidischen Gebote gelten ja auch für das andere Gesocks, soweit es sich christlich oder muslimisch orientiert.
    A gitt woch
    Dein apikoirer shabbes-goi

    Antworten

  14. Hallom Shabbes-Goi,

    Mir ist durchaus klar, dass Du Dich als Apikoires bezeichnest.
    Mir scheint es nur für im Westen aufwachsender unvermeidlich,
    die christliche Lesart des „AT“, auch unbewußt, anzunehmen.
    Denn auch die vermeintlich sekuläre Presse bedient sich oft
    der NT-Brille.

    Bzgl der noachidischen Gesetze hast fast recht.
    Das Problem ist natürlich, dass die kaum jemand kennt.
    Außerdem gibt es viele weitere „soziale“ Mitzwot.

    Autoritär: vielleicht, aber trotzdem liebend.
    Es ist möglicherweise ein post-68-Mißverständnis,
    das das Nicht-setzen von Grenzen für entwicklungsförderlich hält.
    Die jüdische Position ist da anders.
    Das entscheidende ist, stark verkürzt formuliert,
    eine ausgewogene Balance zwischen
    „Chessed“ (Liebe, Wohltätigkeit, …)
    und „Din“ (Begrenzung, Recht) zu haben.

    Es gibt verschiedene Erklärungen, warum G-tt Entwicklungen wie
    – Griff nach der Frucht des Baumes von der Verbindung
    von Gut und Böse
    – Goldenes Kalb
    zugelassen hat.
    Natürlich ist Er allwissend.
    Aber wir nicht.
    Das war also u. a eine Demonstration unserer Schwäche,
    was uns hilft einzusehen, dass wir eines Regelwerks bedürfen,
    um Spiritualität zu erreichen.

    Wer wollte bestreiten, dass es auch jede Menge selbstdisziplinierte
    Christen, Moslems und Säkuläre gibt.

    Mir ist ein gewaltbereiter G-tt, der Gerechtigkeit walten läßt,
    wesentlich lieber als gewaltbereite Menschen.
    Und wer wirklich an G-tt und sein Gewaltmonopol glaubt,
    wird weniger versucht sein, Selbstjustiz zu üben.

    Grüße

    YM

    Antworten

  15. Nochmal zum Artikel in Hagalil über das Ferkelbuch
    Die Einschätzung von Andrea Livnat zum Buch teile ich zwar, allerdings wundere ich mich über zwei Dinge.
    1.) War es wichtig/ nötig, die „Woher kommt der Judenhass“ Dikussion hier noch einmal aufzufrischen? Alle Beteiligten haben den Fehler sofort eingesehen und sich um Schadensbegrenzung bemüht, warum hat Hagalil Interesse daran, dem noch eins draufzusetzen?
    2.) Ich wundere mich sehr, warum Andrea Livnat Kramers Rolle in der Diskussion nicht etwas realistischer beschreibt.
    Richtig ist, dass Kramer das Buch zwar nicht als Antisemitisch einschätzt, dafür aber als „Jugendgefärdend“ da auf der letzten Seite nackte Menschen abgebildet sind, die den Kindern Angst machen würden. Und natürlich wollte Kramer das Buch auch verbieten, nämlich wegen seines „militanten Atheismus“, wie es die Frankfurter Rundschau beschreibt. Nu, das ist keiner Erwähnung wert?
    Vielleicht liegt es daran, dass Stephan Kramer sich mal für Hagalil eingesetzt hat, als es Probleme mit dem BMFSFJ gab. Ein etwas objektiverer Blick auf alle Beteiligten hätte dem Artikel jedoch gut getan.

    Antworten

  16. „Alle Beteiligten haben den Fehler sofort eingesehen und sich um Schadensbegrenzung bemüht, warum hat Hagalil Interesse daran, dem noch eins draufzusetzen?“

    So einfach ist es nun leider wirklich nicht. Man kann mit Sicherheit nicht sagen, dass ALLE den Fehler eingesehen haben. Der Verlag anscheinend, obwohl man das Buch „Woher kommt der Judenhass?…“ noch ohne Probleme zu kaufen bekommt, aber nicht von den beteiligten Autoren, die nur eine labidare Begründung auf ihrer Internetseite gebracht haben.
    Die Frage ist immer noch, wie konnte einem Verein, der sich gegen Antisemitismus engangiert und dafür vom Staat Fördermittel bekommt, solche gravierend antijudaistischen und antisemitischen Fehler unterlaufen?
    Keiner von denen, die dies zu verantworten haben, hat sich dieser Frage bisher gestellt.
    Auffälliger ist allerdings, dass sich die Öffentlichkeit eigentlich gar nicht zu Worte gemeldet hat, wie eben bei diesem vergleichsweise harmlosen Buch. Das finde ich schon sehr erstaunlich, um es mal vorsichtig auszudrücken.

    Antworten

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