Das Kreuz mit dem Halbmond?

Das Kreuz mit dem Halbmond war am Wochenende der Titel einer Diskussionsrunde auf dem Sender phoenix. Der Titel der Sendung legt nahe, es handele sich um eine kontroverse Auseinandersetzung zwischen Christen und Muslimen. Tatsächlich hat phoenix nur Muslime und Juden eingeladen.

Unter der Leitung von Guido Knopp diskutieren der Schriftsteller Ralph Giordano, erklärter Gegner des geplanten Moscheenbaus in Köln, die Soziologin und Islamkritikerin Necla Kelek, Aiman Mazyek, Generalsekretär des Zentralrats der Muslime in Deutschland, Cem Özdemir, Europaabgeordneter BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und erster Abgeordneter türkischer Herkunft im Deutschen Bundestag sowie der Publizist Rafael Seligmann. von hier

Natürlich auch Ralph Giordano, der scheinbar einige hassende Fans mitgebracht hatte und ansonsten leider keine Argumente, sondern ausschließlich beängstigende Meinungen. Er hat nicht verstanden, oder will nicht verstehen, dass man all seine Argumente auch spielend gegen einen Synagogenbau einwenden könnte und nach wie vor bin ich überzeugt, dass eine Mehrheit der Menschen gegen einen Synagogenbau stimmen würde, wenn sie darüber abstimmen dürften. Selbstverständlich wurde er schnell zur Stimme der Kölner Moscheegegner und Seligmann wendet in dieser Runde natürlich zu Recht ein:

Wenn eine Jude sich zur Stimme des Volkes macht, dann wird er schnell missbraucht

Verblüffend ist die Offenheit, mit der Giordano hasst. Hier in der Talkrunde wiederholt er, dass er den Islam für das Problem hält. Stellen wir uns vor, jemand tritt öffentlich auf und sagt Das Judentum ist das Problem. Mit Sicherheit würde Giordano gegen diesen Menschen auftreten.
Dann schreit er heraus:

Wenn die offenen Haare die muslimischen Männer so derartig in Aufruhr versetzen, dann wäre es besser, ihnen Handschellen anzulegen als den Frauen Kopftücher.

Damit bedient er vielleicht den Mob, aber was ist wirklich dran? Vielleicht hat Herr Giordano schon bemerkt, dass es Jüdinnen gibt, die ihre Haare bedecken. Ist er bisher dagegen vorgegangen? Hat er der liberalen Gemeinde am Ort für ihren Einsatz gedankt? Möglicherweise hat er das. In der Öffentlichkeit jedenfalls nicht.
Eine eigene Meinung kann man sich bilden, wenn man das Video selber betrachtet:

Chajm

Chajm ist nicht nur Autor dieses Blogs und Bewohner des Ruhrgebiets, sondern auch Herausgeber von talmud.de und Organisator des Minchah-Schiurs im Ruhrgebiet. Einige seiner Artikel gibt es nicht nur im Internet, sondern beispielsweise auch in der Jüdischen Allgemeinen. Über die Kontaktseite kann man Chajm eine Nachricht senden. Man kann/soll Chajm auch bei twitter folgen: @chajmke. Chajms Buch »Badatz!« 44 Geschichten, 44 zu tiefe Einblicke in den jüdischen Alltag, gibt es im Buchhandel und bei amazon.

3 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Ralph Giordano zeigt nur einmal mehr, wie wenig Ahnung er von seiner eigenen Kultur hat, wenn er das Kopftuch angreift, den Scheitel oder das Tichl aber außen vorlässt – nebenbei ist meine Meinung, daß das es nicht das Problem ist, was AUf dem Kopf, sondern, was sich IN Köpfen befindet. Unangenehm, wenn er “die Juden” repräsentiert und dabei so wenig in der Lage ist, zu übertragen (s. Bespiel Moscheenbau – Synagogenbau). Meine Meinung ist, daß er viel zu viel Stimme bekommt, aber es auch klar, daß die Medien ihn immer wieder gerne heranziehen – schließlich versprechen seine Ansichten einerseits Zustimmung aus der Bevölkerung und andererseits Kontroverse.

    Ich bin im übrigen ziemlich konsterniert über die Tatsache, daß zum Thema “Das Kreuz mit dem Halbmond” keine Christen eingeladen wurden. Warum ist die große Frage – hier lassen sich verschiedene Spekulationen anstellen. Auf jeden Fall ist es ohnehin skandalös, denn schliesslich sind WIR nur eine Minderheit – die Mehrheit der deutschen Gesellschaft besteht aus Christen bzw. Menschen, die aus einem im weitesten Sinne christlichen Hintergrund stammen.

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  2. Die wenigsten Christen werden wahrscheinlich in der populistischen Deutlichkeit, mit der Giordano zu Werke geht, in aller Öffentlichkeit die Ausweisung der Muslime zu verlangen. Das geht ein wenig unter in der Diskussion, aber er fordert das auseinanderbringen nennt er das. Wenn er die Identitätsbewahrung anprangert, muss er sich auch gegen die jüdischen Gemeinden wenden. Im besten Falle arbeiten die ja auch daran, dass man sich eine jüdische Identität erhält. Völlig richtig, wenn Du schreibst, wichtig sei, was IN den Köpfen ist. Seligmann hat das wohl so gemeint, wenn er sagt, alles was ihn interessiere sei die Einhaltung des Grundgesetzes…

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  3. … was AUf dem Kopf, sondern, was sich IN Köpfen befindet. Unangenehm, wenn er die Juden repräsentiert und dabei so wenig in der Lage ist, zu übertragen …

    Wie, Giordano repräsentiert DIE Juden? Toller Scherz, selten so gelacht! Nur der guten Ordnung wegen: mich repräsentiert er ganz sicher nicht!

    Shalom

    Miles

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