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Ein guter unhysterischer Beitrag

der nichts mit dem Judentum zu tun hat, wohl aber mit der Hysterie um den Islam in Deutschland (siehe hier). Im Spreeblick gibt es dazu einen großartigen Beitrag:

Sach mal, kriegst Du eigentlich hier was von den Hasspredigern mit?
Wie kommsten darauf?
Naja, liest man doch überall.
Liest man wo?
In den Zeitungen, Mann.
Du solltest den Cicero abbestellen, das würde das Problem lösen.
Hm. von hier

Neuköllner Moscheen(be)suche: Keine Reportage erzählt von Moscheebesuchen und überraschenden Einblicken…

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Rabbiner sind begehrt in Deutschland

Jedenfalls titel die Frankfurter Rundschau Schalom, begehrte Rabbiner und bringt einen recht umfangreichen Bericht über die Möglichkeit, dass man nun (?) an der Hochschule für Jüdische Studien in Heidelberg mit dem Ziel studieren kann, Rabbiner zu werden. Laut neuer Studienordnung der HJFS kann man zunächst einen B.A. in Gemeindearbeit (Community Affairs) machen und anschließend wohl seinen Master in Rabbinat (Rabbinical Affairs) machen. Die Smichah soll dann von der Orthodoxen Rabbinerkonferenz Deutschland (ORD) oder dem Schechter College in Jeruschalajim (Masorti) erhalten.
Laut FR-Beitrag ist das aber nicht möglich; denn dort wird beschrieben, die HFJS sei ausschließlich für orthodoxe Rabbinatskandidaten geeignet und Rektor Bodenheimer bestätigt das:

Denn anders als am Geiger Kolleg mit seiner liberalen Ausrichtung, wo derzeit 16 Studenten und Studentinnen eingeschrieben sind, können Frauen an der orthodoxen Hochschule in Heidelberg kein Rabbineramt anstreben.
Der Heidelberger Rektor Bodenheimer verweist auf die vergleichbare Situation der katholischen Kirche und betrachtet dies nicht als Problem: „Männliche und weibliche Studenten wissen, worauf sie sich einlassen.“ von hier

Was stimmt nun also? Ist es nun in Deutschland möglich, ein Studium in Vorbereitung auf eine Smichah jeder Strömung zu erhalten, also liberal (in Potsdam) , konservativ und orthodox? Oder gibt es nur liberal und orthodox? Es ist auch nicht direkt ganz eingängig, wie konservative und orthodoxe Studenten die gleichen Kurse belegen sollen um eine Smichah für ihre Strömung zu erhalten. Gewisse Unterschiede wird es schon geben. Übrigens versucht die gerade Rabbiner Barry Schlesinger in Israel zu verwischen indem er verkündet, Masorti sei der Verbündete der Modernen Orthodoxie (hier).

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Zohan mit dem bösen Akzent

Schlecht nachgemachter Akzent – neuer Film: Adam Sandler und John Turtorro (genau, der in The Big Lebowski Jesus Quintana gespielt hat) sind ab Sommer in einem neuen Film zu sehen: You don’t mess with the Zohan. Der Inhalt ist schnell erzählt. Ein Mossadagent geht nach New York um dort Friseur zu werden, natürlich wird man dort auf ihn aufmerksam und so kommt es zu einigen Verwicklungen.
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Jewschool schreibt dazu:

If the trailer is anything to go by, the film half mocks, half affirms American stereotypes of and fetishes for Israeli soldiers. Still, you know youll see it when it hits the theatres in June. von hier

Schlimmer kann es dann wohl nur mit deutscher Übersetzung werden…

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Reformänderungen

Rabbiner Eric Yoffie zeichnete auf der Versammlung der amerikanischen Reformgemeinden (Biennial) in seiner einstündigen Ansprache ein neues Bild des kommenden Reformjudentums in den USA (das sich bekanntermaßen von den liberalen Strömungen in Europa in einigen Punkten unterscheidet). So soll mehr für die Observanz des Schabbat getan werden:

For most of us, it will not mean some kind of neo-frumkeit; it will not mean the Shabbat of eighteenth-century Europe; it will not mean an endless list of Shabbat prohibitions. We fled that kind of Shabbat, and for good reason.
It will mean instead approaching Shabbat with the creativity that has always distinguished Reform Judaism. It will mean emphasizing the Thou shalts of Shabbatcandles and Kiddush, rest and study, prayer and communityrather than the Thou shalt nots. It will mean expanding our understanding of rest, and defining in new ways what is, and is not, work. It will mean providing Reform Jews with the support of a loving community so that they can feel commanded without feeling coerced. von hier

und beschreibt auch, wie das funktionieren kann. Die Größe der Gemeinden macht es nicht gerade einfacher, alle Mitglieder gleichermaßen anzusprechen und ab einer bestimmten Gemeindegröße ist die Bar-/Bat- Mitzvah nicht nur ein fester Bestandteil des Morgengebets, sondern DIE Hauptsache und nun endlich hat man verstanden, dass dies für die anderen Gemeindemitglieder nicht gerade erfüllend ist:

Lets be honest. There is something profoundly wrong here. On every Shabbat of the year, there are hundreds and hundreds of bar and bat mitzvahs in Reform congregations. But rarely does anyone walk out of those worship services saying: That was so spiritually fulfilling that I cant wait to come back next week. von hier

Was könnte man also unternehmen? Genau, klein beginnen und dann das ganze ausweiten:

Second, select a Shabbat Chavurah consisting of eight to twelve people that will both study about Shabbat and actively observe it over a period of three to four months. This will be a program of Shabbat immersion for an elite group of individuals who want to be Shabbat observers in an authentically Reform way. At times they will come together for study, rituals, and community; and at times they will observe individually and in families. Here too we have prepared materials to guide them. As a Movement, our hope is to learn from them. Let us see what their experience is, what they choose to do and not to do on Shabbat afternoon, what they learn and feel. Let us see how their beliefs about God, covenant and the Jewish people evolve. Let us see what kind of help they need from their synagogues and their Movement. von hier

Die Frage dürfte auch hier sein, ob sich diejenigen, die damit unzufrieden waren, nicht schon Freiräume gesucht haben. In den selbst finanzierten Gemeinden dürfte das kein Problem sein, aus einigen habe ich es schon gehört: Wer einen Bedarf hat, stößt nicht immer auf taube Ohren. Ein gewisses Entgegenkommen ist vorhanden. Zumal man niemanden verlieren möchte, der die Gemeinde mitfinanziert. Wie einige bereits beobachteten, hilft das Internet ebenfalls dabei, schnell Gleichgesinnte zu finden und neue Formen zu finden. Daniel Sieradski ist der Meinung, die nächste umwälzende Entwicklung innerhalb des modernen Judentums kommt nicht aus den Gemeinden:

But the next big Jewish idea will not meet institutional funding guidelines or at least, thats what the rejection letters will say. It will be for any number of reasons: The project is too local; too global; too narrow; too ambitious; the subject too political; the creators too eccentric. Perhaps theyre more creatively-minded than business-minded and are thus bad at writing grants. Maybe theyre too young, or too idealistic. von hier

Alles wird irgendwie 2.0, also etwas, dass Interaktion erfordert und nicht nur bloße Anwesenheit, man könnte es auch die Demokratisierung von Gemeinde nennen. Erst im vergangenen Monat berichtete die New York Times von derartigen Initiativen:

Without a building and budget, Tikkun Leil Shabbat is one of the independent prayer groups, or minyanim, that Jews in their 20s and 30s have organized in the last five years in at least 27 cities around the country. They are challenging traditional Jewish notions of prayer, community and identity.
In places like Atlanta; Brookline, Mass.; Chico, Calif.; and Manhattan the minyanim have shrugged off what many participants see as the passive, rabbi-led worship of their parents generation to join services led by their peers, with music sung by all, and where the full Hebrew liturgy and full inclusion of men and women, gay or straight, seem to be equal priorities. von hier

Das hat natürlich noch nichts mit der Entwicklung in Deutschland zu tun, hier gehen die Uhren ein wenig anders, die Gemeindestrukturen sind um ein vielfaches institutionalisiert und auch die neu gegründeten Gemeinden bauen schnell Strukturen auf; hier wäre es schön, wenn es überhaupt einen Bedarf gibt. Dass dieser entsteht ist offensichtlich die Aufgabe derer, die schon einen verspüren: Die anderen anstecken!

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Trotzdem!

Eigentlich gehört zu dem Trotzdem aus der Überschrift noch eine lange Nase. In meinem Beitrag Das Kreuz mit dem Halbmond? habe ich mich nochmal mit Ralph Giordanos Position dem Islam gegenüber beschäftigt. Zeit Autor Jörg Lau hat das in seinem Blog aufgegriffen und zusammenfassend geschrieben, in dem Artikel stünde alles Wesentliche zur Phoenix-Sendung Das Kreuz mit dem Halbmond?. Die Kommentare zu diesem blog-Eintrag hatten es in sich. Selbsternannte Judentumsexperten wünschten sich eine größere Nähe vom Judentum zum Christentum herbei, andere brachten Lau in die Nähe des Antisemitismus, für viele Islam-Kritiker (so würden sich die Personen wohl nennen) scheint jedoch eines festzustehen: Der Islam gehört nicht nach Deutschland und das Judentum sei aus (irgendeinem Grunde) der natürliche Antagonist dazu. Vielleicht ist das auch der Grund, warum viele Islam-Hasser eine übersteigerte Israel-Solidarität haben. Obwohl die Vermischung der beiden Inhalte dem Judentum eher schadet, weil dadurch der Eindruck gestärkt wird, das Judentum stünde dem Islam feindlich gegenüber. So ist es natürlich nicht. Rabbiner David Rosen:

Few religions have as much in common as Islam and Judaism. As opposed to Christianity which is very much the product of an interaction between Greek and Hebrew culture, Judaism has historically remained overwhelmingly rooted in its Semitic world view and is extremely similar to Islam in its fundamental religious outlook, structure, jurisprudence and practice. At the heart of the two Faiths is an ethical-monotheistic vision which determinedly resists any compromise on the idea of the transcendence and unity of God who is envisaged as just and merciful and who has revealed a way of life in accordance with these values for the benefit of human society.
Rabbi David Rosen Jewish-Muslim Relations, Past & Present

Nicht zufällig habe ich diesen Absatz der jüdisch-muslimischen Mailingliste (zur Entstehung hier) vorangestellt. Aber nicht nur hier, sondern auch bei der großen Versammlung des US-amerikanischen Reformjudentum passierte einiges: Dr. Ingrid Mattson, Präsidentin der Islamic Society of North America sprach zu den angereisten Reformjuden aus der ganzen Welt (die komplette Rede hier):

At the same time, I believe that the Jewish community will also benefit from having Muslim partners in the struggle to uphold the Constitutional separation of church and state, to promote civil liberties, to extend religious accommodation to minorities, and to counter prejudice and hatred.
In his speech at our convention, Rabbi Yoffie discussed the increasing hatred and intolerance that is being expressed in public forums, in the media, and even by politicians towards Muslims. When Keith Ellison, the first Muslim elected to congress chose to have his ceremonial swearing of office using a Quran, he was attacked as un-American and a terrorist sympathizer. Now, during the presidential primaries, we see candidates being asked to prove that they comply with an ever narrower definition of what is means to be a Christian forget about being a Muslim or a Jew. Alarmingly, many Americans implicitly or even explicitly are using a religious test for who should be President of the United States. This and other issues involving the separation of church and state and religious freedom are important areas of cooperation between American Jews and Muslims.

Sie stellt übrigens auch fest, dass beide aus den gleichen Motiven gehasst werden:

I will never forget my visit to the Cathedral of Zaragoza a few years ago, where I was confronted with an image of a Muslim literally being crushed under the feet of Santiago. And on the other side of the Cathedral was a statue of Saint Dominguito the patron saint of choir boys, who, according to our tour guide, the Jews of Zaragossa conspired to murder; all the alleged conspirators all falsely accused were executed. This story and these images are still being told and seen in this European church today. We all know, of course, what happened to the Muslims and Jews of medieval Spain.

Zugleich nennt sie auch einige Knackpunkte und fasst sie ganz gut zusammen:

I am not nave about the challenges we face as we undertake this project. Certainly my Muslim community will need to draw upon the skills we have developed to distinguish true Islam from cultural biases and medieval accretions to our religion when it comes to the Jewish community. Muslim anti-Semitism was never like European Christian anti-Semitism, but it existed in any case. And unfortunately, there are ambitious political rulers in the Muslim world who manipulate religious sentiment against the Jewish people to extend their authoritarian rule.

Jedenfalls weise hier nachdrücklich auf die die Rede hin!

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Synagogeneinweihung in Bochum

Die neue Synagoge am Rande der Bochumer Innenstadt, in direkter Nachbarschaft des Zeiss-Planetariums, für die Gemeinde Bochum-Herne-Hattingen ist noch nicht in allen Details fertig (so fehlen einige kleine bauliche Kleinigkeiten), so wurde sie doch am heutigen Sonntag der Gemeinde übergeben und die drei Torahrollen der Gemeinde durch die Rabbiner Apel, Brandt und Soussan in den Aron haKodesch eingebracht. Damit hatten wir auch wichtige Vertreter des modernen Judentums in Deutschlands beisammen. Die Rabbiner Apel und Soussan als Verteter einer modernen Orthodoxie und Rabbiner Brandt als Vertreter der traditionsverbundenen liberaleren Strömung. Rabbiner Brandt war ja auch bereits bei der Grundsteinlegung Im Jahre 2005 zugegen.

Einweihung der Synagoge Bochum - Dedication of the Bochum synagogue
(Einige andere Bilder von mir findet man auf flickr, also hier klicken)

Die offiziellen Feierlichkeiten mit den dazugehörenden Festreden nahmen etwa 3 Stunden in Anspruch und so war die letztendliche Einbringung der Torahrollen für viele Zuhörer geradezu erlösend. Diejenigen Redner, die die Politik vertraten, wie etwa Bundestagspräsident Norbert Lammert (von der CDU), und der Ministerpräsident NRWs Dr. Jürgen Rüttgers (ebenfalls von der CDU) und auch Zentralratspräsidentin Charlotte Knobloch spannten in ihren Reden einen Bogen von den Novemberpogromen zum Bau der neuen Synagoge und betonten vor allem, dass man als Jude wieder in Deutschland leben könne. Dr. Jürgen Rüttgers freute sich über die Tatsache, dass man als Jude wieder selbstverständlich eine Kippah in der Öffentlichkeit tragen kann – Jede Synagogeneinweihung sei ein Zeichen für die Weltoffenheit des Landes und speziell Nordrhein-Westfalens. Zumindest auf dem Zug vom Platz der alten Synagoge zur neuen konnte man tatsächlich seine Kippah unbehelligt tragen.

Einweihung der Synagoge Bochum - Dedication of the Bochum synagogue

Der Präsident des Bundestages (und Bochumer) Dr. Lammert sagte in seiner Rede, er habe sich immer dafür eingesetzt, dass jüdisches Leben in Deutschland wieder möglich werde und dass die jüdische Immigration nach Deutschland aus den GUS-Staaten die Folge von Antisemitismus sei und holte weiter aus. Nahezu alle Redner rekapitulierten auch die Geschichte der Gemeinde Bochum und so wurden einige Fakten wiederholt vorgebracht – das ist das wohl das Schicksal der meisten Redner, die nach jemandem sprechen, der schon alles wichtige zusammengefasst hat. Der 88 jährige Alfred Salomon sprach als erster und berichtete ebenso als erster von der feierlichen Zeremonie zur Einweihung der alten Bochumer Synagoge, die während der Novemberpogrome niedergebrannt wurde. Er sagte, er könne den Brandgeruch nie vergessen: Ich werde es nie begreifen, dass dies geschehen konnte. Der Gemeindevorsitzende Grigory Rabinovich griff das auf und führte dann aber einen Programmpunkt ein, der nicht in den Programmen abgedruckt war. Die in Kiew geborene Poetry-Slammerin Irina Bondas fasste in einem grandios vorgetragenem Text zusammen, was es bedeuten kann jüdisch zu sein. Ein winziger Aussschnitt aus ihrem Text:

Hier in Deutschland
hat man Angst vor Juden
wir sind Deutschlands schlechtes Gewissen
zweifelhafte Ehre des auserwählten Volks
auserwählt zu wissen
was es heißt:
Ist da noch Gas drin ?
Wir tragen unser Judentum als Hut auf dem Kopf
als Stern auf der Brust
als Last auf dem Rücken
Ist da Gas drin ?
Wir werden als Juden geboren
und sterben als Juden
wir sind Menschen, Juden
wollen Frieden
Ist da Gas drin ?
komm, spiel es aus
sag das du jüdisch bist
gib ein bisschen an
nutz es aus

Damit war vieles gesagt und doch folgtem im Anschluss daran erst die Reden der Politikprofis.

Ausgelassen dagegen wurde es zum Minchah, die anwesenden orthodoxen Rabbiner und der Vorbeter der Gemeinde sorgten dabei für eine ausgelassene Stimmung. Es war mittlerweile etwa 16:00 Uhr durch und einige der Teilnehmer konnten dennoch mobilisiert werden, an der kurzen Tfillah teilzunehmen.
Einweihung der Synagoge Bochum - Dedication of the Bochum synagogue

Einweihung der Synagoge Bochum - Dedication of the Bochum synagogue

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Neue Synagoge Bochum – Preview

Am kommenden Sonntag wird die neue Synagoge von Bochum eröffnet, leiten wird den religiösen Part Rabbiner Dr. Brandt, emeritierter Landesrabbiner von Westfalen-Lippe und Vorsitzender der Allgemeinen Rabbinerkonferenz. Heute hatte ich Gelegenheit, schon vorab in das Gebäude zu werfen. Ein Bericht über die Feierlichkeiten wird natürlich folgen.
Synagoge Bochum
Die neue Synagoge wird für Bochum, Herne und Hattingen nun das Gemeindezentrum sein. Sieben Millionen Euro hat der Neubau in Bochum gekostet und das Ergebnis kann sich sehen lassen. Gleich neben dem Planetarium, auf einer Erhebung, steht nun gut sichtbar der Kubus in dem die Synagoge untergebracht ist. Das Gemeindezentrum ist etwas vorgelagert.
Synagoge Bochum
Obwohl eine Empore vorhanden ist, wird sie nicht genutzt werden, soviel hat man schon verraten. Wie im alten Gemeindezentrum, werden Frauen auf der einen und Männer auf der anderen Seite sitzen.

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Letzte Chanukkah-Nacht

Die Wenigen, die klar sehen, führen den Umsturz herbei und retten das Judentum. Während sich alle assimilieren, widersteht eine kleine Minderheit und führt die Umkehr herbei. Chanukkah at home (last night)
Der Anbruch der letzten Nacht Chanukkah (alle Bilder entstanden heute nach dem Kerzenzünden) soll Anlass für ein paar Gedanken zu diesem Thema sein. In Rabbiner David Einhorns (für den heutigen Geschmack recht radikalen) Siddur Olat Tamid finden wir folgendes Gebet:

Schon hatten viele Schwächlinge, welche mehr Furcht vor Menschen, als vor Dir empfanden, zum Verrate sich verleiten lassen, schon war dem mächtigen Tyrannen die Schändung des Tempels auf dem Berge Zijon gelungen, schon hatte es den Anschein gewonnen, als ob Dein Volk und Deine Lehre machtlos untergehen sollten im Strome der Heidenvölker. Da erhob sich das heldenhafte Makkabäer Geschlecht, umgeben von der kleinen Schar Deiner Verehrer, in glühender und todesmutiger Begeisterung zum heiligen Kampfe für Dich, den Einig-Einzigen, der Du die Schwachen mit Kraft gürtest und den Bogen der Helden zerbrichst. Und Du kröntest den ungleichen Kampf mit den glorreichen Triumphen. Die Gewalt Deines Wortes, das Schwert Deiner Wahrheit machte die Wenigen größer und stärker, als die mächtigen Heere des Feindes, und einer der glänzendsten Siege der Welt war errungen für die Welt, für die gesamte Menschheit.

Chanukkah at home (last night)Tatsächlich haben die Makkabäer das Judentum gerettet und uns eines der assimiliertesten Feste geschaffen, zumindest in der westlichen Diaspora steht Chanukkah ja stark unter dem Eindruck von Weihnachten; über die Melodie von Maoz Tzur schrieb ich ja bereits. Dann kommt hinzu, dass die Textquellen für das Chanukkah-Fest ausgerechnet in der Sprache des Feindes überliefert sind: Nämlich in griechischer Sprache.
Heute würde es uns beunruhigen, wenn es eine kleine Gruppe militanter Juden (oder anderer Religionsangehöriger) gibt, die für sich in Anspruch nimmt, die ungefilterte Wahrheit zu vertreten und auch dafür mit der Waffe in der Hand aktiv wird. Vereinzelt haben wir das schon beobachten dürfen.
Chanukkah at home (last night) Ist das aber die Botschaft von Chanukkah? Die Auslöschung des Feindes und die unbarmherzige Beseitigung von allen Elementen, die uns an den Kontrahenten erinnern? Die Tatsache, dass viele Dinge, die mit Chanukkah zu tun hatten und haben, nichtjüdischen Ursprungs sind, ist auch ein Hinweis darauf, wie wir Chanukkah heute verstehen müssen. Was wäre Chanukkah ohne das Buch der Makkabäer (welches ja nicht als Haftarah verlesen wird, wäre interessant zum Schabbat Chanukkah – eine griechische Haftarah)? Nicht viel. Nur in der Einbeziehung einer fremden Kultur erreicht Chanukkah den Stellenwert, den es heute hat. Das könnte eine der Bedeutungen von Chanukkah sein. Weitere kommen ständig hinzu, andere werden ja nach politischer oder religiöser Bedarfslage eingesetzt.

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Wirklich Kunst


Oded Ezer, der sich der experimentellen hebräischen Typografie verschrieben hat, schuf als neuestes Werk eine wirklich sehenswerte Ketubbah. Wer sich anschließend genauer mit Oded Ezer befassen will, kann sich ein Interview mit ihm im japanischen PingMag durchlesen (hier)
und erkunden, welchen modernen Einflüsse die hebräische Schrift heute haben kann und warum er sich dazu entschlossen hat, mehr mit Hebräisch zu arbeiten als mit Englisch.

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Das Kreuz mit dem Halbmond?

Das Kreuz mit dem Halbmond war am Wochenende der Titel einer Diskussionsrunde auf dem Sender phoenix. Der Titel der Sendung legt nahe, es handele sich um eine kontroverse Auseinandersetzung zwischen Christen und Muslimen. Tatsächlich hat phoenix nur Muslime und Juden eingeladen.

Unter der Leitung von Guido Knopp diskutieren der Schriftsteller Ralph Giordano, erklärter Gegner des geplanten Moscheenbaus in Köln, die Soziologin und Islamkritikerin Necla Kelek, Aiman Mazyek, Generalsekretär des Zentralrats der Muslime in Deutschland, Cem Özdemir, Europaabgeordneter BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und erster Abgeordneter türkischer Herkunft im Deutschen Bundestag sowie der Publizist Rafael Seligmann. von hier

Natürlich auch Ralph Giordano, der scheinbar einige hassende Fans mitgebracht hatte und ansonsten leider keine Argumente, sondern ausschließlich beängstigende Meinungen. Er hat nicht verstanden, oder will nicht verstehen, dass man all seine Argumente auch spielend gegen einen Synagogenbau einwenden könnte und nach wie vor bin ich überzeugt, dass eine Mehrheit der Menschen gegen einen Synagogenbau stimmen würde, wenn sie darüber abstimmen dürften. Selbstverständlich wurde er schnell zur Stimme der Kölner Moscheegegner und Seligmann wendet in dieser Runde natürlich zu Recht ein:

Wenn eine Jude sich zur Stimme des Volkes macht, dann wird er schnell missbraucht

Verblüffend ist die Offenheit, mit der Giordano hasst. Hier in der Talkrunde wiederholt er, dass er den Islam für das Problem hält. Stellen wir uns vor, jemand tritt öffentlich auf und sagt Das Judentum ist das Problem. Mit Sicherheit würde Giordano gegen diesen Menschen auftreten.
Dann schreit er heraus:

Wenn die offenen Haare die muslimischen Männer so derartig in Aufruhr versetzen, dann wäre es besser, ihnen Handschellen anzulegen als den Frauen Kopftücher.

Damit bedient er vielleicht den Mob, aber was ist wirklich dran? Vielleicht hat Herr Giordano schon bemerkt, dass es Jüdinnen gibt, die ihre Haare bedecken. Ist er bisher dagegen vorgegangen? Hat er der liberalen Gemeinde am Ort für ihren Einsatz gedankt? Möglicherweise hat er das. In der Öffentlichkeit jedenfalls nicht.
Eine eigene Meinung kann man sich bilden, wenn man das Video selber betrachtet: