Viel verändert und dennoch nahezu unbekannt

Rafael FrankSeine Verdienste für die jüdische Welt sind nicht gering, dabei zählt er zu den deutschen Juden, die einiges bewegt haben, wenngleich auch nicht in religiöser Hinsicht. Die Rede ist von Rafael Frank. »Rafael wer??« möchten vielleicht einige fragen und da teilt er vielleicht das Schicksal mit vielen seiner, nur einem Fachpublikum bekannten, Kollegen. Rafael Frank ist nämlich der Schöpfer der allgegenwärtigen hebräischen Schrift Frank-Rühl. Nach dieser Schrift haben sich viele viele nachfolgende orientiert und auch die Schrift selber wurde in zahllosen hebräischen Publikationen verwendet. Während einer kleinen Recherche für die Auflistung der populärsten hebräischen Schriften bin ich darauf gestoßen, dass man dieses Wirken fast nirgends ausgiebig würdigt. Es existiert kaum eine Internetseite (eine kleine Ausnahme) auf der man sich eingehend über Rafael Frank informieren könnte, trotz seines Verdienstes für die Kultur des Judentums – was hiermit ja praktisch geändert wird.
Detailansicht der Schrift Er wurde am 11. März 1867 als drittes Kind der Familie von Gerson Frank in Ichenhausen (zwischen Ausgburg und Ulm) geboren. Wenngleich die Familie offenbar materiell nicht besonders gut gestellt war, so lernte er früh Klavier und Violine und wurde auf Drängen seines Musiklehrers nach München zum Musikstudium geschickt. Dieses jedoch musste Frank auf Drängen des Vaters aufgeben, er konnte es sich einfach nicht leisten. Statt dessen wurde er an ein Lehrerseminar in Köln geschickt und zum Religionslehrer ausgebildet. Nach Tätigkeiten in Neuss und Halle kam er in dieser Funktion schließlich nach Leipzig. Weil er während seiner Zeit in Köln seine musikalische Ausbildung nicht vernachlässigte und ein hervorragender Kantor war, erfüllte er in Leipzig die Funktion des Kantors und des Religionslehrers. Sein Interesse galt jedoch auch der hebräischen Sprache und der Kunst und so galt er schon als Autorität auf dem Gebiet des Schriftwesens als er in Leipzig seine Stelle antrat. So wurde er 1909 zwei christlichen Theologen der Leipziger Universität gebeten, eine hebräische Druckschrift zu entwerfen. Diese wurde dann in der Gießerei »Rühl« angefertigt.
Bei der Erschaffung der Schrift hatte er jedoch nicht nur ihre Verwendung für religiöse Schriften im Blick, sondern dachte bereits an die »zionistische Bewegung, die sich zur Befruchtung und Verbreitung der nationaljüdischen Idee des Mittels der hebräischen Sprache und Schrift bedienen will« wie er seinem begleitendem Werk »Über hebräische Typen und Schriftarten.« schreibt.
Im März 1920 erkrankte Rafael Frank schwer und starb im Alter von nur 53. Jahren.
Wie eingangs erwähnt: Seine Schrift hat jeder (der regelmäßig mit Hebräisch zu tun hat) bereits gesehen oder am Computer benutzt, dass der Schöpfer der Schrift nicht Frank Rühl hieß, wissen nicht viele, dabei ist sein Verdienst kein geringer.

Chajm

Chajm ist nicht nur Autor dieses Blogs und Bewohner des Ruhrgebiets, sondern auch Herausgeber von talmud.de und Organisator des Minchah-Schiurs im Ruhrgebiet. Einige seiner Artikel gibt es nicht nur im Internet, sondern beispielsweise auch in der Jüdischen Allgemeinen. Über die Kontaktseite kann man Chajm eine Nachricht senden. Man kann/soll Chajm auch bei twitter folgen: @chajmke. Chajms Buch »Badatz!« 44 Geschichten, 44 zu tiefe Einblicke in den jüdischen Alltag, gibt es im Buchhandel und bei amazon. Sein Buch »Tzipporim: Judentum und Social Media« behandelt den jüdischen Umgang mit den sozialen Medien. || Um per Mail über neue Beiträge informiert zu werden, bitte hier klicken

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