Artikel

Nochmal!

Sarah Silverman hat schon im vergangenen Jahr hier über das Spannungsfeld Chanukkah und Weihnachten gesungen, aber dieses Video ist nicht mehr verfügbar und deshalb schiebe ich das Video in diesem Jahr wieder nach.
40qTXlNJj9s

Wo wir schon bei Wiederholungen sind: Dank der Bildsuche einer großen Suchmaschine kommen nicht wenige Nutzer zu meinem Pessachbeitrag vom letzten Jahr. Ja genau der, auf dem die Dame mit nichts anderes bekleidet ist, als mit einer Matze. Es versteht sich mittlerweile von selbst, dass die meisten Betrachter dieses Bildes aus dem Nahen Osten exklusive Israel kommen…

Artikel

Willkommen im Internet!

Homepage des Verlags Victor Goldschmidt
Jahrzehntelang gab es nur eine einzige Bezugsquelle für Siddurim mit deutscher Übersetzung: Die Verlagsbuchhandlung Victor Goldschmidt in der Schweiz und bis zum Aufkommen des Siddurs Schma Kolejnu war der Vertrieb des Siddur Sefat Emet eines der Geschäfte der Verlagsbuchhandlung. Wenn ich richtig gerechnet habe, lief in diesem Jahr übrigens das Copyright für die Übersetzung aus. Seitdem man Bücher im Internet ohne große Hürden bestellen kann, wurde regelmäßig von talmud.de Nutzern gefragt, wo man denn bitteschön die Siddurim kaufen könne. Meist musste man in der Schweiz anrufen und die gewünschte Ware umständlich ordern. Nun aber, endlich hat die Verlagsbuchhandlung einen Onlineshop. Dafür aber einen brauchbaren mit den Büchern die wir kennen und zahlreichen anderen Artikeln. Längst überfällig, nun aber online. Dementsprechend: Willkommen im Internet!

Artikel

Die Hauptstädte haben gewählt

Wien und Berlin haben gewählt. Die Jüdischen Gemeinden der Hauptstädte haben gewählt und bei beiden Wahlen heißt der Sieger: Atid. Rechnerisch hat die Liste Atid in Berlin um die 60% erreicht (berechnet nach der Liste von Jüdisches Berlin) und wird damit den neuen Gemeindevorstand stellen, in Wien 41,22% (Zahlen von hier) und zumindest in Berlin hat es für einen Kurswechsel offenbar gereicht. In Wien wurde Ariel Muzicant als Präsident der Israelitischen Kultusgemeinde Wien (IKG) praktisch bestätigt, wenngleich seine Liste nicht die absolute Mehrheit erreicht hat. In Berlin gingen 34,51 Prozent (von 9694 Stimmberechtigten) der Wahlberechtigten zur Wahl, in Wien waren es immerhin 54,67 Prozent (von 5214 Stimmberechtigten). In Berlin gingen also nur 500 Personen mehr zu Wahl als in Wien, obwohl die Gemeinde doppelt so groß ist…
Die Welt sieht Lala Süsskind bereits als neue Gemeindevorsitzende (was ja auch mehr als wahrscheinlich ist):

Die Jüdische Gemeinde von Berlin wird in Zukunft von einer Frau geführt. Die Soziologin Lala Süsskind soll neue Vorsitzende von Deutschlands größter jüdischer Gemeinde werden. Deren Wahlbündnis Atid errang bei der Wahl zur Repräsentantenversammlung am Sonntag 13 der 21 Sitze und wurde damit stärkste Fraktion. Die frühere Bundesvorsitzende der jüdischen Frauenorganisation WIZO soll den bisherigen Gemeindechef Gideon Joffe ablösen, dessen Liste Hillel nur noch über fünf Sitze verfügt. von hier

Im Gegensatz zu Berlin, scheint es in Wien eher auf eine religiöse Agenda anzukommen. Die Presse fasst die Ziele der einzelnen Wahlbündnisse zusammen und da fällt schon eine Gruppierung nach Weltanschauung auf. Vor allem scheint jede der Gruppen ein konkretes Anliegen zu haben:

für die Interessen der Juden aus Zentralasien engagiert sich Sefardim Verein der Bucharischen Juden(bisher 3 Mandate). Die bucharischen Juden betreiben Bethäuser nach eigenem Ritus. Sefardim setzt sich für deren Erhalt ein. Auch der Verein Georgischer Juden(bisher 1 Mandat) betont die Bedeutung der eigenen Traditionen, nur eben die der Georgier.
Die Anliegen der orthodoxen (europäischen) Juden vertreten Khal Israel (bisher 3 Mandate) und der Block der Religiösen Juden (bisher 1 Mandat). Beide setzen sich für ein dichtes Netz koscherer Lebensmittelläden und die Förderung der Wiener Jeschiwa (religiöse Hochschule) ein. Misrachi Zionistische Einheit (bisher 1 Mandat) repräsentiert eine teils orthodox, teils modern lebende Betgemeinde und fordert die rasche Umsetzung des Eruv-Projekts von hier – Die Presse

Da haben wir also zwei wichtige Städte des deutschsprachigen Judentums und zwei grundverschiedene (unterstelle ich mal) Wahlen. Die eine ausschließlich politisch motiviert und getrieben von zermürbenden Auseinandersetzungen und eine, die sich nach Zielsetzungen orientiert. Beneidenswert…

Artikel

Wir wollen positive Religion!

Prinzipien der Reformgemeinde
Wir wollen positive Religion heißt es in den Prinzipien der Genossenschaft für Reform im Judenthum die 1844 in Berlin gegründet wurde und ein einen Weg bahnte für das Reformjudentum. Heute betrachten wir die Vorstöße der klassischen Reform als äußerst radikal, zum Beispiel sehr sehr wenig Hebräisch im G-ttesdienst. Einer der Mitbegründer Aaron Bernstein, hat unter seinem Pseudonym A. Rebenstein die Prinzipien der Genossenschaft für Reform im Judenthum mitformuliert. Erfreulicherweise hat man diese aus dem Regal befreit und digitalisiert, so sind sie heute für alle verfügbar, nämlich hier.
Erfreulicherweise ist auch eine vollständige Siddur-Ausgabe online verfügbar, zudem auch eine Version für die Hohen Feiertage. Beide Gebetbücher geben einen guten Eindruck in die Tage der frühen, sehr radikalen, Reform. Die Texte sind schön nachgedichtet, der hebräische Originaltext wurde eher sehr sehr sehr sparsam verwendet. Wer sich dafür interessiert, kann die Texte auch als pdf herunterladen (alles hier).
Reformgebetbuch online

Artikel

Moment mal…

Der Film Liebesleben nach einem Buch von Zeruya Shalev wird augenblicklich überall gelobt und wohlwollend besprochen. Inmitten dieser Besprechungen fiel mir ein Name auf. Die Figur Avie wird gespielt von Rade erbedija, einem kroatischen Schauspieler den ich vor einigen Jahren auch einmal in concert erleben durfte. In einigen Kinoproduktionen wurde Rade häufig auf die Rolle des Osteuropäers gebucht, meist stellte er Russen dar. So auch in dem fulminanten Film Snatch, hier spielt er Boris Das Messer Yurinov. Dies wiederum führt uns wieder zu diesem Blog zurück, denn folgender Ausschnitt hat es definitiv verdient, hier gezeigt zu werden (allerdings ohne Rade erbedija):
ggWz4tDAwkE

Artikel

Mussar auf eine ganz neue Ebene bringen

Rabbiner Mordechaj Elijahu Die Diskussion zwischen orthodoxen und nichtorthodoxen Juden (die säkularen Juden ausgenommen) verläuft zuweilen mit harten Bandagen und man schenkt sich wenig. In den kleinen deutschen Einheitsgemeinden ist das zuweilen hitzig und emotional, viel hitziger kann es aber zuweilen in Israel werden, besonders dann, wenn die Strömungen übereinander sprechen und gegen einander sind, statt zu zeigen, was sie tatsächlich zu bieten haben. Rabbiner Mordechaj Elijahu hat es schon einige Male vorgezogen, gegen das Reformjudentum zu sein als vielmehr für ein vorbildhaftes Verhalten. Der frühere sefardische Oberrabbiner (von 1983 bis 1993) äußerte sich bereits mehrfach in etwas rustikaler Art und Weise über das Reformjudentum, den Tsunami (von 2004) als Bestrafung für Sünden, so wie die Schoah die Bestrafung für den Abfall vom orthodoxen Judentum:

Eliyahu, who was asked what was the sin of those murdered in the Holocaust, responded that they were not to blame. Rather, he said, they suffered because of the sins of the Reform Movement.
„The Reformers started in Germany,“ explained Eliyahu. „Those redactors of the Jewish faith began in Germany. We learn from this that it is forbidden to attempt to change Judaism.“ von hier – Jerusalem Post

Damit aber nicht genug. Nun berichtet YNET, dass er sich dieses Mal sicher sein kann, vor Gericht gebracht zu werden:

„I was once invited to a building housing three synagogues on three floors,“ the rabbi was quoted as saying. „At the entrance I saw a sign indicating that a Reform prayer house is located on the first floor, a Conservative synagogue on the second floor, while the Orthodox place of Torah study is only on third floor. And I wondered: How can I enter and pass by these synagogues which have the fragrance of hell?“ von hier

Beeindruckender als Flüche und Verurteilungen in die andere Richtung ist meist ein ein vorbildhaften Verhalten in der Art und Weise wie man sie propagiert. Während seiner Amtszeit als Oberrabbiner ist Mordechaj Elijahu auch in die Kibbutzim gegangen die nicht religiös ausgerichtet waren und hat dort über das Judentum erzählt und sich nicht nur an diejenigen gewandt, die ihm ohnehin schon zuhören. Vorbildlich. Sich nun aber gegen die zu wenden, die seine Ansichten nicht teilen: Nicht vorbildlich.

Artikel

Viel verändert und dennoch nahezu unbekannt

Rafael FrankSeine Verdienste für die jüdische Welt sind nicht gering, dabei zählt er zu den deutschen Juden, die einiges bewegt haben, wenngleich auch nicht in religiöser Hinsicht. Die Rede ist von Rafael Frank. Rafael wer? möchten vielleicht einige fragen und da teilt er vielleicht das Schicksal mit vielen seiner, nur einem Fachpublikum bekannten, Kollegen. Rafael Frank ist nämlich der Schöpfer der allgegenwärtigen hebräischen Schrift Frank-Rühl. Nach dieser Schrift haben sich viele viele nachfolgende orientiert und auch die Schrift selber wurde in zahllosen hebräischen Publikationen verwendet. Während einer kleinen Recherche für die Auflistung der populärsten hebräischen Schriften bin ich darauf gestoßen, dass man dieses Wirken fast nirgends ausgiebig würdigt. Es existiert kaum eine Internetseite (eine kleine Ausnahme) auf der man sich eingehend über Rafael Frank informieren könnte, trotz seines Verdienstes für die Kultur des Judentums – was hiermit ja praktisch geändert wird.
Detailansicht der Schrift Er wurde am 11. März 1867 als drittes Kind der Familie von Gerson Frank in Ichenhausen (zwischen Ausgburg und Ulm) geboren. Wenngleich die Familie offenbar materiell nicht besonders gut gestellt war, so lernte er früh Klavier und Violine und wurde auf Drängen seines Musiklehrers nach München zum Musikstudium geschickt. Dieses jedoch musste Frank auf Drängen des Vaters aufgeben, er konnte es sich einfach nicht leisten. Statt dessen wurde er an ein Lehrerseminar in Köln geschickt und zum Religionslehrer ausgebildet. Nach Tätigkeiten in Neuss und Halle kam er in dieser Funktion schließlich nach Leipzig. Weil er während seiner Zeit in Köln seine musikalische Ausbildung nicht vernachlässigte und ein hervorragender Kantor war, erfüllte er in Leipzig die Funktion des Kantors und des Religionslehrers. Sein Interesse galt jedoch auch der hebräischen Sprache und der Kunst und so galt er schon als Autorität auf dem Gebiet des Schriftwesens als er in Leipzig seine Stelle antrat. So wurde er 1909 zwei christlichen Theologen der Leipziger Universität gebeten, eine hebräische Druckschrift zu entwerfen. Diese wurde dann in der Gießerei Rühl angefertigt. Bei der Erschaffung der Schrift hatte er jedoch nicht nur ihre Verwendung für religiöse Schriften im Blick, sondern dachte bereits an die zionistische Bewegung, die sich zur Befruchtung und Verbreitung der nationaljüdischen Idee des Mittels der hebräischen Sprache und Schrift bedienen will wie er seinem begleitendem Werk Über hebräische Typen und Schriftarten. schreibt.
Im März 1920 erkrankte Rafael Frank schwer und starb im Alter von nur 53. Jahren. Wie eingangs erwähnt: Seine Schrift hat jeder (der regelmäßig mit Hebräisch zu tun hat) bereits gesehen oder am Computer benutzt, dass der Schöpfer der Schrift nicht Frank Rühl hieß, wissen nicht viele, dabei ist sein Verdienst kein geringer.

Artikel

Aus religiösen Gründen nicht für den Staat Israel

Es vermutlich bekannt, dass nicht alle jüdische Gruppen, vor allem in der Orthodoxie (säkulare Juden die aus politischer Überzeugung gegen den Staat Israel sind, zählen wir mal nicht dazu – Jüdisch bezieht hier Religion mit ein) , die Schaffung eines jüdischen Staates mit politischen Mitteln unterstützen. Ja, einige Gruppen sind sogar gegen die Schaffung eines Staates Israel und oder auch gegen den existierenden Staat. Neturei Karta ist wohl die bekannteste Gruppe unter ihnen. Miriam Woelke hat einen umfassenden und lesenswerten Artikel darüber verfasst, welche Gruppierung warum den Staat Israel ablehnt. Sie bezieht sich dabei in erster Linie auf die Satmarer Chassidim und die Edah HaCharedit (eine grafische Darstellung der meisten Strömungen erarbeite ich gerade). Zudem erfährt man, dass die Neturei Karta längst nicht für alle Gruppierungen spricht:

Eines der gravierensten Vorurteile bezüglich der Edah HaCharedit ist, daß sie ausschließlich von der Neturei Karta regiert wird und überhaupt seien da alle sicher nur Neturei Karta. Dieses Vorurteil betrifft auch immer wieder die Satmarer Chassidim. Trotzdem es in London und Antwerpen Satmarer Gemeinden gibt, ist die weltweit größte chassidische Gruppe mit ca. 100.000 Mitgliedern in Europa eher unbekannt. Die Mehrheit der Satmarer Chassidim lebt in Israel und insbesondere in New York (Williamsburgh und Monroe / Kiryat Yoel). Ihr extremer Antizionismus bringt des öfteren den ungerechten Ruf eines Neturei Karta Ablegers mit sich. Allerdings ist nicht abzustreiten, daß die Neturei Karta durch Satmar einen gewissen Einfluß auf die Edah HaCharedit hat. von hier

Eine eingehendere Darstellung religiöser Motive, den Staat Israel abzulehnen ist mir in deutscher Sprache jedenfalls nicht untergekommen.

Artikel

Auch wenn es alle tragen

dadurch wird es nicht unpolitischer. Die Rede ist abermals von der Kefije, dem sog. Pali-Tuch. Hier wurde freundlicherweise darauf aufmerksam gemacht, dass die kostenlose Studentinnenzeitschrift UniQueen das Tuch als modisches unpolitisches Accessoire feiert:
Textausschnitt
(Ausschnitt von hier)
Dem kann man nur entgegen halten, was in diesem Blog bereits geschrieben wurde und was die Verfasser eines Flugblattes formuliert haben:

Ob Du willst oder nicht, solange Du dieses Tuch trägst, symbolisierst Du damit Dein Einverständnis und Deine Unterstützung des Kampfes gegen Israel und die Juden und der Mittel, mit denen er geführt wird. Du stellst Dich auf die Seite derer, die den Frauen nicht einen gleichberechtigten Platz in der Gesellschaft zugestehen wollen, sondern die jeden Menschen zwingen, sich den Ansprüchen ihrer*seiner Kultur zu fügen, wie menschenverachtend sie auch immer sein mögen. Kurz: Du stehst damit auf der Seite von Unterdrückung und Gewalt und nicht auf der von Individualität und Freiheit.
Deswegen: runter mit dem Palituch! von hier

Ab welchem Zeitpunkt also kann man behaupten, dass ein Gegenstand seine politische Aussage verloren hat? Wann hat das Tuch seine ursprüngliche Aussage verloren und wann ist es als modisches Accessoire freigegeben worden? Eine Analogie (möglicherweise keine saubere) ist das inflationäre Tragen von Shirts mit dem Konterfei von Che Guevara. Sollte man die Leute ansprechen und fragen, was sie über Che Guevara wissen? Carlos Santana trug 2005 ein solches Shirt bei einem öffentlichen Auftritt, womit er den Unmut einiger Exilkubaner auf sich zog. Der Musiker Paquito D’Rivera formulierte einen offenen Brief, in welchem er Santana heftigst kritisierte für seine (vermeintliche?) Unterstützung des Schlächters von Cabaa. Cabaa war ein Gefängnis, in welchem Che Guevara wohl die Exekution zahlreicher Regimegegner überwachte, unter ihnen auch Verwandte von D’Rivera selber. Für D’Rivera war es also kein trendiges Symbol…