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Mehr davon! Begegnungen in Berlin

Im jüdischen Museum Berlin lässt der Verein INSSAN eine Jüdin und einen Muslim öffentlich miteinander sprechen. Das besondere daran ist, dass beide aus der Türkei stammen. Die Jüdin Schlomit Tulgan stammt ebenso aus Türkei wie der der Muslim Ufuk Topkara. Schlomits Vorfahren sind diejenigen sefardischen Juden, die vor der Inquisition in den Balkan und die Türkei kamen. Morgen, am 24. Oktober um 18 Uhr soll der Dialog im Jüdischen Museum Berlin in Form eines Podiumsgesprächs beginnen. Ufuk Topkara ist dagegen nicht unbelastet, hält er doch Führungen im Jüdischen Museum. Seine Abschlussarbeit schrieb der Historiker über Deutsche Juden zwischen 1933-35: Verfolgung und Reaktion.
Wie immer an dieser Stelle der Hinweis auf die jüdisch-muslimische Mailingliste Abraham-Ibrahim

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Zwei Leidenschaften

Der Kommentar zum Kommentar zu Jüdische Sozialdemokraten treffen sich stammt nicht aus meiner Feder, sondern von niemand geringerem als Kurt Tucholsky, der sich freilich nicht wehren kann, wenn ich seine Texte verwende 😉

Das deutsche Volk, hat einmal einer gesagt, besitzt zwei Leidenschaften: das Bier und den Antisemitismus.
Wenn man die Vorbereitungen zu den preußischen Wahlen mitansieht, muß man sagen, dass das Bier zwar achtprozentig, der Antisemitismus aber hundertprozentig ist. Die blinde Wut, mit der in Wahlparolen und an Stammtischen auf die Juden geschimpft wird, schmeckt verdächtig fatal. Was wird hier gespielt?
Die Unzufriedenheit eines übervölkerten und geistig blockierten Landes ist allgemein. Die deutschnationale Wahlparole Schlagt die Juden tot! ist deshalb nicht ungeschickt, weil sie sich auf vorhandene Volksinstinkte verlassen kann, und weil sie gewandt von den wahren Urhebern des nationalen Elends ablenkt. Die Judenriecherei der nationalen Gesellschaft in Deutschland erinnert an die romantische Aufgeregtheit französischer Nationalisten, die hinter allem Unheil der Welt den boche und seine Spione wittern. Hierzulande kann nichts schief gehen, ohne dass Monokelgesichter, die man sich besser in der Hose denkt, den Juden die Schuld geben. Die Filme sind schlecht, weil sie von Juden hergestellt werden, die Lebensmittel sind teuer, weil die Juden wuchern, die Presse ist verjudet, die Regierung ist verjudet (vom lieben Gott verlautet noch nichts Näheres), und den Krieg haben wir verloren, weil Juden heimtückisch die Front unterhöhlten. Nun war der besiegte Militärbeamte Ludendorff kein Jude, und ich wüßte nicht, dass in der deutschen Diplomatie, die in den Krieg hineingeschlittert ist, sehr viel Juden tätig gewesen wären. Die ganz Strammen haben sich sogar ausgerechnet, dass Wilhelm II. in seiner Blutzusammensetzung verjudet sei, und so, in anmutiger Mischung von schnarrendem Offiziersgetön und Biergebrüll gegen die Juden, zieht ein Gesindel in den Wahlkampf, das eine Welt ins Unglück gestürzt hat. Hepp hepp Hurra!
Über den Antisemitismus ist, wie über jede Abneigung einer Rasse gegen die andre, wohl zu reden. Was aber hier getrieben wird, ist Volksverdummung schlimmster Art, und das alte Wort Roda Rodas paßt wie gehauen hierher: Der Antisemitismus … eine ganz nette Sache. Aber er wird wohl erst etwas werden, wenn ihn die Juden in die Hand nehmen! Das ist ganz richtig, denn jeder kluge Jude, der die Nachteile seiner Rasse durchschaut hat, könnte viel bessere und schlagendere Dinge gegen das Judentum anführen, als alle deutschnationalen Vollbärte zusammen.

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Jüdische Sozialdemokraten trafen sich…

Der Arbeitskreis jüdischer Sozialdemokraten traf sich am vergangenen Wochenende zu einem ersten Bundesseminar in Berlin. Für talmud.de hat Wolfgang Sunderbrink darüber berichtet:

Alte und neue Nazis können aufatmen! Die SPD ist wieder eine verjudete Partei!
Am 12. und 13.10.2007 fand im Willy-Brandt-Haus in Berlin das 1. Bundesseminar jüdischer Sozialdemokraten und innen statt. Angereist waren Jüdinnen und Juden aus allen Teilen Deutschlands. …
Die gewählten (und in Rekordzeit bestätigten) Sprecher des Arbeitskreises berichteten über die bisherigen Aktivitäten, hier sei nur erwähnt die Unterstützung für das Recht auf freie Religionsausübung und den Bau muslimischer Kultuseinrichtungen. von hier

Also ein Artikel aus erster Hand und nicht über das Treffen von einer dritten Person.

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Der Tango der Rashevskis

Es gibt nicht übermäßig viele europäische Filme die sich unverkrampft mit jüdischen Themen auseinandersetzen. Der Tango der Rashevskis gehört zu den guten – wie übrigens auch der deutsche Film Zores, der den gefeierten Alles auf Zucker schlecht aussehen lässt und Klischees nur nutzt um sie vorzuführen. Gleich zu Beginn des Films spielt eine Klezmergruppe im Gemeindehaus. Noch bevor man umschalten kann, kommen die jüdischen Protagonisten ins Bild: Klezmer – Ja, die da wollen das so. und dann wird die nichtjüdische Delegation der örtlichen Stadtverwaltung gezeigt, die natürlich ganz hingerissen ist… Leider wurde Zores nur ein einziges Mal bisher im TV ausgestrahlt.
Klischeeklippen müssen die Rashevskis nicht umschiffen, das französische (jüdische) Team hat einen Film über etwas selbstverständliches gemacht… Hier ist jedenfalls ein kleiner Trailer des Films über die Familie Rashevski:
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Das passende Vorurteil zu jeder orthodoxen Gruppe

The all inclusive guide to judging and labeling every orthodox Jewish sect bietet ein passendes Vorurteil zu (fast?) jeder orthodoxen Grupperierung (bitte zur Kenntnis nehmen, dass es sich um Satire handelt), so hat man schnell eine passende Meinung, wenn man danach gefragt wird.
Der Autor hat sich wirklich Mühe gemacht, zu vielen der zahllosen Varianten ein passendes Vorurteil anzubieten (auf der anderen Seite: es kursieren ja genug): Charedi, Chassidisch, Modern Chasidish, Flexidish, Yeshivish Black Hat, Yeshivish Modern, Modern Orthodox Black Hat, Modern Orthodox Machmir, Modern Orthodox Liberal, Lubavitch (non-yechi), Lubavitch (Meshichist), Lubavitch Modern, Carlebachian, Shomer Mitzvot, Conservadox, Flexidox, 612 Mitzvahdox, Athiestadox, Ruraldox, Kahanadox, Femidox, Issurdox, Veganox, Homodox. Später hinzugekommen sind Oldschool Orthodox und Angry Orthodox (alles hier).
Für Deutschland müsste man auf alle Fälle noch Non-observant-orthodox und traditionell anfügen, was wohl beides für die gleiche Einstellung stehen könnte. Für die nichtorthodoxen Gruppen in Deutschland und in den USA würden mir auch noch zahlreiche Variationen einfallen.

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Guilt and gelt

Warum koscheres Bier anscheinend so beliebt ist klärt Daphna Berman in Ha’aretz. Er fasst noch einmal zusammen, was ich hier vor einiger Zeit schrieb und lässt noch einige andere Personen sehr klar zu Wort kommen:

Other members of the Jewish community echo Guski’s opinions. „No one needs this beer,“ said Akiwa Heller, the owner of Aviv, a kosher grocery store in Frankfurt. „Nearly all German beers are kosher and to tell you the truth, 90 percent of the Jews in Germany don’t care about the kosher question.“
Rabbi Andrew Steiman, from Frankfurt, says he has never tasted Simcha beer and believes the whole concept is a „hoax.“ „I don’t know a single Jewish person who drinks it. People who keep kosher don’t need a hechshher (kosher certification) on beer. This is just nareshkeit (foolishness). The hechsher is for [non-Jewish] Germans, so they can say they had a kosher beer.“
Simcha beer, Steiman says, is about the confluence of business, money and German guilt. „It’s very bizarre,“ he said, „and it’s only possible in a country like Germany with all the history.“ von hier Hebräisch hier

Dennoch wäre es interessant zu erfahren, welche Geschäfte hierzulande das Bier tatsächlich verkaufen und an wen…

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Chuzpe weg vom Fenster?

Chuzpeblog
Nach einem Jahr der Inaktivität kann man annehmen, dass sich ein jüdisches deutschsprachiges Blog von der Öffentlichkeit verabschiedet hat. Im Chuzpeblog geht scheinbar nichts mehr. Im November 2003 gestartet, gehörte es zu den frühen jüdischen Blogs in deutscher Sprache. Übrigens war diese Geschichte nicht weniger frech als das Magazin Chuzpe das es mal von irgendeinem Studentenverband gab und leider eingestellt wurde.

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SoCalled – Jewish Cowboy?

Was hat das nur mit einem jüdischen Cowboy zu tun? Weiß ich auch nicht, die Frage wird aber zu Beginn des Videos aufgeworfen. Gemacht hat es SoCalled (hier Infos und zwei mp3 Dateien). SoCalled beschreibt sich so:

Acclaimed Canadian beat maker and renaissance man Socalled is back with his next installment in the reinvention of Jewish music through hip-hop.

Das Musikvideo jedenfalls ist empfehlenswert – sowohl Musik als auch die Umsetzung im Bild:

8tS4OWiozmw
via jewlicious – Thank You!