30000 Flaschen koscheres Bier aus Sachsen

Simcha BierDas Brauhaus Hartmannsdorf aus dem gleichnamigen Ort in Sachsen stellt seit einiger Zeit und mit recht großer Medienaufmerksamkeit ein Bier namens Simcha mit Hechscher her. Theoretisch ist aber jedes Bier, das nach dem deutschen Reinheitsgebot gebraut wurde sowieso koscher. Es darf ohnehin nur Hopfen, Malz, Wasser und Hefe enthalten. Das Bier war keine Eigeninitiative des Brauhauses und das koschere Bier ist auch auf der Internetseite des Brauhauses zu finden (warum?). Initiatoren waren das Restaurant Schalom (wohl ohne Hechscher)aus Chemnitz und der Verein Sächsische Israelfreunde e.V. und überwacht wird das ganze von Rabbiner Ehrenberg aus Berlin. Nun wurden bereits 30.000 Flaschen des Bieres verkauft und das in alle Welt.
Simcha Bier Gimmick Ein Kasten Bier (24 Flaschen) kostet auf der entsprechenden Internetseite simcha-sachsen.de 30 Euro inklusive Pfand und Versand. Nicht gerade teuer könnte man sagen. Der Hammer kommt aber erst noch: Wer 2 Flaschen Simcha und 1 Simchah-Glas bestellt kann sich einen messianischen Schlüsselanhänger mit der Aufschrift Jesus mit bestellen. Gleich daneben findet sich Werbung für den Fischladen – die christliche Buchhandlung. Mag sein, dass der Inhalt des Getränks koscher ist, die Internetseite ist es aber nicht. Ein Blick in das Impressum verrät, dass die Sächsische Israelfreunde e.V. die Seite betreiben und der Kontakt über den Fischladen läuft. Wer sich die Webpräsenz der Israelfreunde anschaut, der wird feststellen, dass sie auch die Juden für Jesus (dazu mehr hier) verlinkt haben… unterstützt also der Kauf von koscherem Bier einen Verein der wiederum die Judenmission unterstützt? Jüdische Organisationen sollten sich fragen, ob sie das wollen…

Chajm

Chajm ist nicht nur Autor dieses Blogs und Bewohner des Ruhrgebiets, sondern auch Herausgeber von talmud.de und Organisator des Minchah-Schiurs im Ruhrgebiet. Einige seiner Artikel gibt es nicht nur im Internet, sondern beispielsweise auch in der Jüdischen Allgemeinen. Über die Kontaktseite kann man Chajm eine Nachricht senden. Man kann/soll Chajm auch bei twitter folgen: @chajmke. Chajms Buch »Badatz!« 44 Geschichten, 44 zu tiefe Einblicke in den jüdischen Alltag, gibt es im Buchhandel und bei amazon.

22 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Nun, wenn man sich auf der Seite der Israelfreunde umschaut, dann findet man heraus, daß der Restaurantbetreiber und Initiator für dieses koschere Bier auch im Beirat der Zeitschrift l’chajm sitzt. Auch die wird von den sächsischen Israelfreunden herausgegeben und ist eindeutig im Hinblick auf Judenmission positioniert. Die Ausgaben sind als pdf-Dateien eingestellt. Jede/r – also auch Rabbiner Ehrenberg – kann also nachlesen, mit wem er hier paktiert.

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  2. Was erwartest Du von einem Berliner, der sich immer wieder auch zu Veranstaltungen von “Israel-Freunden” wie der “Brücke Berlin-Jerusalem” in die Südsternkirche einladen läßt? Dort sitzt er in der ersten Reihe und wird mit “unser Rabbiner” von den dortigen Christen hofiert. Die Südsternkirche ist übrigens die, in der die Eröffnung des messianischen Zentrums begangen wurde.

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  3. Ich bin mir nicht sicher, ob man das dem Hechscher gebenden Rabbiner ankreiden kann. Er überprüft die technischen Aspekte und hat mit Sicherheit keine Ressourcen, sich eingehender damit zu beschäftigen, wer hinter dieser oder jener Initiative steht… behaupte ich jetzt einfach mal, weil ich ja über die tatsächliche Vergabepraxis (noch) nichts weiß…

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  4. hechscharim sind so eine sache. abgesehen von einer zweifelhaften “hechschermania” frage ich mich, ob im ausland jemand überhaupt nach dem hechscher von rabbiner ehrenberg gehen würde, einem rabbiner, den niemand kennt, und der keiner organisation untersteht. ich erinnere mich, daß ein freund bis nach schweden gemailt hat, um herauszubekommen, wer der rabbiner ist, der das IKEA-knäckebrot hechschert.
    in der regel geht man nach organisationen (K-Manchester, Badaz, OU,je nach dem. einzelne rabbinernamen sind bekannt, haben einen “wert”, aber rabbiner ehrenberg gehört bislang nicht dazu 😉 und oft findet sich auf produkten mehr als ein hechscher.

    vermutlich hat dieser hechscher überhaupt keine bedeutung abseits einem gewissen “spasseffekt”. zumal deutsches bier ohnehin koscher ist, solange es an das strenge reinheitsgebot gebunden ist.

    die verbindung zu den fundamentalistischen christen finde ich skandalös.

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  5. B”H

    In Israel wird in einigen Geschaeften Dosenfisch mit dem Hechscher von Ehrenberg verkauft, was mich bisher immer vom Kauf abhielt.
    Zugegeben, ich achte auf Details beim Hechscher und Rabbiner Ehrenberg ist meines Wissens nach kein professioneller Maschgiach, denn die muessen extra Kurse absolvieren. So kenne ich das zumindest von den Badatzim (Beit Din Zedek der Chassidim).

    Auf technische Details muss R. Ehrenberg bei der Bierherstellung nicht achten, denn ich gehe einmal von einem sauberen dt. Betrieb aus. 🙂
    Auch ist die Bierherstellung, wie Chaim erwaehnte, gibt es kein Kaschrutproblem, da in Deutschland keine Chemikalien verwendet werden.

    Im Gegensatz zu Israel laesst sich in Deutschland mit einem Hechscher mehr Geld verdienen, nehme ich einfach mal an. In Israel ist es so, dass ein Restaurant oder eine Herstellungsbetrieb das Geld an das Oberrabbinat oder das jeweilige Beit Din Zedek ueberweist. Dies sind mehrere Tausend Shekel pro Monat. Bis zu 10.000 Shekel und mehr fuer drei Monate.
    Das Rabbanut und die Batei Zedek wiederum zahlen ihrem Maschgiach nur ein Angestelltengehalt.

    Nehmen wir dagegen Deutschland, so sehen wir, dass es kein Rabbanut geschweige denn ein chassidisches Beit Din Zedek gibt. Was heisst, dass der Maschgiach, in dem Falle R. Ehrenberg, das gesamte Cash einstreicht und nicht nur ein Angestelltengehalt. Hoffentlich versteuert er das auch recht schoen. 🙂

    Ich kann mich einmal bei einem Maschgiach von Chassidut Belz informieren, was genau bei der Bierherstellung beachtet werden muss.

    Zur christl. Herkunft des Bieres: Weder das Rabbanut noch ein Beit Din Zedek wuerden sich mit solchen Leuten einlassen. Das waere vor allem fuer das Rabbanut zu brisant und von sowas laesst man die Finger. In Deutschland aber kennen sich die wenigsten aus und vieles faellt nicht auf. Hauptsache die Kasse und das Ansehen stimmen.

    Im Ausland wird das Ehrenberg – Bier bei Haredim auf keinen Genuss stossen, denn gute Maschgichim kennt man einfach und er gehoert nicht dazu.

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  6. “Nehmen wir dagegen Deutschland, so sehen wir, dass es kein Rabbanut geschweige denn ein chassidisches Beit Din Zedek gibt.”

    Was kein Wunder ist und manche brauchen auch keinen chassidischen, wenn man sich nicht chassidisch definiert.

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  7. Ich würde nicht so weit gehen und es dem Rabbiner anlasten, dass der Vertrieb des koscheren Bieres von Christen betrieben wird, die Judenmission gut heißen. Das sind bisher zwei verschiedene Paar Schuhe. Das der Hechscher nicht überall anerkannt wird, ist ja nichts neues… und das trifft ja auf viele zu. Überraschend wäre es, wenn es einen gibt, der überall anerkannt wird…

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  8. B”H

    @Chaim

    Du wirst lachen, aber das Badatz – Hechscher der Edah HaCharedit wird ueberall anerkannt. Es ist das hoechste Hechscher ueberhaupt.
    Aber einige zicken aus politischen Gruenden herum:
    Die Sepharadim, die unbedingt ihr Badatz Beit Yosef als das beste Hechscher durchsetzen wollen.

    Beit Yosef = Rabbi Yosef Karo, der Autor des Shulchan Aruch

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  9. Das ist leicht, das zu behaupten… Du schreibst ja selber, dass die Sfardim herumzicken … 😉 Es gibt mehr als tausend (!) ausstellende Stellen und Badatz wird von allen anerkannt?? Das würde ich nicht sofort und unmittelbar unterschreiben. Natürlich spielen auch politische Gründe da immer eine Rolle, aber das schloss ich ja zuvor nicht aus.

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  10. leute, ich halte auch weniger den zettel eines berliner rabbiners für problematisch, da wie schon alle meine vorschreiber berichtet haben, bier nach reinheitsgebot koscher ist (mal schauen, ob sich hierzu etwas in der nächsten koscherliste ändern wird). es ist ein netter gag und ich meine mich zu erinnern, dass schon eine andere biersorte extra für den export nach israel ein hechscher erhalten hat. also wen störts.

    störend ist aber, dass die verbindung zu den christlichen fundis in den jüdischen medien so wenig beachtet wurde, bzw. ganz außen vor gelassen wurde. wir sollten uns klar darüber sein, dass viele jüdische produkte, die in deutschland hergestellt und vertrieben werden, nur durch die gute zusammenarbeit mit christlichen produzenten und organisationen funktionieren und dafür braucht man sich auch nicht zu schämen.

    aber es sollte tranzparent sein, so dass wir konsumenten wissen, wohin unser geld letztendlich fließt. gerade im falle von missionsgemeinden die hinter einen produkt stehen, ist dies absolut notwendig. und da kaum die hersteller freiwillig alles offenlegen, was eventuell “schädlich” sein kann, ist der journalismus gefragt. einem ganzseitigen jubelbericht über das “wunder von sachsen” in unserer wochenzeitung hätten ein paar kritische untertöne gutgetan.

    dir chajm gebürt dank, dass du es recherchiert hast.

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  11. Ich habe vor ein paar Tagen im munter dudelden “Büroradio” einen regelrechten Jubel-Beitrag über das “koschere Bier” gehört – und war einigermaßen entsetzt, als ich erfuhr, dass der, nun ja, Werbebericht eine Übernahme aus einer Sendung des “Deutschlandfunks” war. Offensichtlich bestand auch dort kein Bedürfnis, mal einige nahe liegende Fragen angesichts des “fischigen” Schlüsselanhängers zu stellen.

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  12. Schalom, Freunde! Wen wundert’s, das man sich über “Fundis”, “Christen”, “Jecken”, “Juden” und “Islamisten” so aufregt?! Da haben ganz einfach gläubige Juden die Idee gehabt, das “erste koschere Bier” in Deutschland brauen zu lassen. Na und?
    Sich darüber zu zerfleischen, was ein Rabbi Ehrenberg in Berlin damit zu tun hat, welche Befugnisse er haben könnte… hm? Habt ihr keine anderen Sorgen?
    Fakt ist ganz einfach, das eben dieses “SIMCHA”- wenn auch in noch bescheidenem Rahmen- auch in Tel Aviv, Hadera oder Toronto getrunken (und gesucht) wird.
    Nicht alles schlecht machen und alles schlecht reden, Freunde!
    Mal am Rande: Meiner Einer weiß wovon er schreibt…
    Zuri

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  13. Schalom! So ist es, weil es das gleiche Bier ist, wie es in Chemnitz (bei Chemnitz!) gebraut wird.
    Wenn alles gut geht, gibt es “SIMCHA” sehr bald nicht nur “als Geheimtipp” in Israel …
    Man arbeitet intensiv daran.

    Zuri

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  14. Nach unserem mehrwöchigen privaten und geschäftlichen Aufenthalt in IL zum Thema “SIMCHA” Folgendes:
    Bemerkt habe ich, das selbst russische Biersorten (!) ein K- Zertifikat aufgepickt bekommen haben. Allerdings von zugelassenen Rabbis in Il. SIMCHA hat man sich angeschaut, die Flasche gedreht und gefragt, “…wer- bitte schön- ist Yizak Ehrenberg in Berlin?”
    “Was willst du für eine Flasche haben?” (wohlgemerkt: 0,33!)
    …. “Bist du verrückt?!” Es ist ein “normales Pilsener”. Zu dem Preis? Geht (leider) gar nicht.

    Also, was machen wir? Wir werden im März/ April zur Saisoneröffnung und der Einführung interessanter, neuer Biersorten in den Strandbars am Strand von Tel Aviv zu Gast sein, uns nicht besaufen, sondern nur kosten.

    M.l.G.!

    Zuri

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  15. Es ist kein Geheimnis, dass jedes in Deutschland gebraute Bier (da nach deutschem Reinheitsgebot gebraut) de facto koscher ist. Zudem gab es schon vor Jahren eine Brauerei an der Ostsee, die ein koscheres Bier mit Zertifikat braute – allerdings nur für den Export nach Israel.

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  16. Ja ja, Miles, wie recht Du hast!! Kleiner Reisebericht: Habe mich für 3 Tage von meiner Familie in Hadera “verabschiedet” und bin in den Norden gefahren. Viel Nebel und Mt. Hermon unter einer Wolkenkappe. Hm. Aber Katzrin mit seiner Brauerei (Golan- Beer) war interessant… wirklich empfehlenswert und das dort gebraute Bier (übrigens nach “bayrischen Reinheitsgebot”) schmeckt nicht nach “Tempo- Bier” oder “Coca- Cola” …

    Nastro …!

    Zuri

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