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Etwas vollkommen anderes: Fußball

FußballUnd nun zu etwas völlig anderem – widmen wir uns dem Fußball. Auf dem Server dieses Blogs läuft seit einigen Tagen auch eine Seite für ein privates Tippspiel zur ersten Fußballbundesliga (hier). Wer von meinen Lesern Interesse daran hat, der kann sich gerne anmelden (zu gewinnen gibt es natürlich nichts). Auf talmud.de dagegen kann man seit Neuestem die israelische Liga verfolgen und natürlich auch dort, fleißigst mittippen (hier), wenn die zwölf Mannschaften der ???? ??? Ligat ha’al ab dem 18. August gegeneinander antreten. Israelischer Fußball steht nicht gerade im Fokus der Öffentlichkeit (außerhalb Israels), aber zuweilen gab es mal Anfragen, wo man sich darüber informieren kann. Nun also auch auf talmud.de.

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Ein interessantes Modell…

Der Tagesspiegel berichtet heute über die Berliner liberale Synagoge Hüttenweg, die laut Bericht, einen enormen Zulauf hat und nun Synagogengemeinde Berlin heißt:

Immer mehr versammeln sich in der Synagogengemeinde Hüttenweg. Da der Platz nicht mehr ausreicht, sucht man nun sogar nach einem neuen Standort. Auch hat sich die Gemeinde um den Rabbiner Andreas Nachama vor kurzem einen neuen Namen gegeben: Statt Synagogenverein Hüttenweg heißt sie nun demonstrativ Synagogengemeinde Berlin. von hier

Wieder der logische und richtige Weg: Wenn etwas nicht oder nur unzureichend angeboten wird, geht man hin und baut es auf, damit es dieses Angebot gibt. Das gilt natürlich für alle Strömungen und Aktive die etwas vermissen. Interessant ist aber das Modell von Gemeinde das Nachama vorschwebt, welches eigentlich völlig auf der Hand liegt und eine einfache Lösung für viele Probleme bieten würde:

Wir fühlen uns aber der Jüdischen Gemeinde nach wie vor zugehörig, sagt Moses, aber sie ist nur noch eine Art Dachverband für uns, kein Kultusverband. Auch Nachama schwebt als Zukunftsmodell eine Jüdische Gemeinde zu Berlin vor, die nurmehr als Dachorganisation fungiert über den einzelnen Gemeinden, die eine größere Eigenständigkeit erhalten sollten. Dieses Modell wird in vielen anderen Ländern praktiziert. von hier

Eine Infrastruktur für viele Betergemeinschaften oder Synagogen mit einer gemeinsamen Verwaltung. Das sorgt auch dafür, dass Entscheidungen die auch den Kultus betreffen und durch wenige getroffen werden automatisch alle Mitglieder einer Gemeinde betreffen müssen. Schwierig allerdings dürfte die Einstellung von Rabbinern durch den Dachverband (beispielsweise) werden. Aber soweit ist man ja noch nicht…

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Die besten Gemeindeblätter

Gemeindezeitungen bzw. Gemeindeblätter erfüllen eine wichtige Funktion innerhalb von aktiven jüdischen Gemeinden, sie informieren über das Gemeindeleben und bevorstehende Termine, berichten über Aktivitäten und versorgen, im Idealfall, die Mitglieder mit Informationen über die jüdische Welt. Einige Gemeinden tun das mit losen Blättern auf denen Termine verzeichnet sind, andere versenden ausgedruckte Worddokumente ohne jedes Layout, wieder andere bedienen sich der Templates von Software aus gängigen Officepaketen und versenden auf diese Weise Informationen. Optimal ist es, wenn zu den Informationen auch eine schöne Form hinzukommt. Einigen Gemeinden ist es auf diese Weise gelungen, informative Magazine zu schaffen. Einige, möglicherweise vorbildhafte, Magazine jüdischer Gemeinden, die zudem noch online eingesehen werden können, stelle ich hier kurz vor:

HakehillotBeginnen wir in den Niederlanden mit dem Magazin Hakehillot der Jüdischen Gemeinde Amsterdam (hier im Netz). Hakehillot, das sich als Organ für die Gemeinden in den Niederlanden versteht und entsprechend breit ist das Themenspektrum. Die Aufmachung als Magazin ist sehr gelungen, die Artikel lang und informativ, im Mittelpunkt stehen Gemeindemitglieder. Dafür kommen Termine etwas zu kurz, aber Bekanntmachungen wie Bar- und Bat-Mitzwahs sind enthalten. Werbung ist selbstverständlich auch enthalten, wie sollte man auch sonst ein solches Magazin finanzieren?

Jüdische Gemeindezeitung Frankfurt am Main Ein hell leuchtender Stern am Himmel der Gemeindezeitungen in Deutschland ist zweifellos die Jüdische Gemeindezeitung Frankfurt (hier online einsehbar), die eigentlich auch Gemeindemagazin heißen müsste, denn das ist sie. Ein dickes Heft mit Informationen aus der Gemeinde, Terminen, Vorstellungen, russischsprachigen Beiträgen und Übersicht über die Aktivitäten der einzelnen Gemeindeeinrichtungen mit zahlreichen Fotografien. Die Berichte über Simches sind ausführlich gehalten und vermitteln anderen Gemeindemitgliedern ein gutes Bild von dem, was zu den verschiedenen Gelegenheiten passierte.

Die Gemeinde - Wien Ein weiteres, deutschsprachiges, aber nicht deutsches Gemeindemagazin, ist Die Gemeinde, das offizielle Organ der Israelitischen Kultusgemeinde Wien (online hier verfügbar). Hier wird, neben den Informationen aus der Gemeinde, auch politischen Themen ein großer Platz eingeräumt und Artikel von Autoren veröffentlicht, die nicht Mitglied der Israelitischen Gemeinde Wien sind. In der aktuellen Ausgabe findet sich, beispielsweise, ein ausführlicher Artikel des Israel-Korrespondenten Ulrich Sahm. In der aktuellen Ausgabe kommt der religiöse Aspekt etwas zu kurz, aber das ist von Ausgabe zu Ausgabe unterschiedlich.

HaKol - Jüdische Gemeinde Zagreb Den Abschluss bildet das Magazin der Jüdischen Gemeinde Zagreb Hakol. Es ergänzt die regelmäßigen Rundbriefe namens buletin um tiefer gehende, bebilderte, Informationen. Da es in Kroatien keine zusätzliche regelmäßig erscheinende jüdische Zeitung gibt, bildet hakol mit seinen politischen, religiösen, kulturellen und historischen Berichten eine wichtige Informationsquelle in kroatischer Sprache und ist zudem ebenfalls im Magazincharakter gestaltet. Online sind die letzten Ausgaben hier erhältlich. Aktuell liegt die hundertste Ausgabe vor. 1996 erschien auch eine englische Version des Magazins.

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Jeschive Road Trip

In Brunoy, südlich von Paris, unterhält Chabad eine Jeschiwa, die Yeshivas Tomchei Tmimim. Den Aufenthalt dort wurde filmisch verarbeitet und zusammen mit einigen anderen Filmen auch ins Internet gestellt und, natürlich, gebloggt, nämlich hier.

Damit hätten wir, meines Wissens nach, die ersten deutschsprachigen jüdischen Filmbeiträge im Internet und man kann nur hoffen, es öffnen sich bald mehr und neue Quellen. Jedenfalls haben die Macher des oben gezeigten Videos schon einmal vorgelegt und veröffentlichen hier auch Videoschiurim.

In meinem Blog wird es zunächst einmal keine Videos geben, jedenfalls nicht, solange ich kein Videoequipment habe 😉

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Wenn der Jude nicht betroffen genug macht…

… sind wir beleidigt und gehen weg.
So ähnlich kann man wohl die Meldung im Lokalteil der regionalen Zeitung Westfälische Nachrichten interpretieren. In einer Meldung für den Kreis Warendorf wird über ein Seminar mit dem Titel Jüdisches Leben in Deutschland mit Yuval Lapide berichtet. Laut Zeitungsbericht kam es dort zum Eklat:

Anlass waren Äußerungen des Referenten Dr. Yuval Lapide. Der jüdische Religionswissenschaftler aus Frankfurt am Main hatte beschrieben, wie er persönlich das Verhältnis zwischen Christen und Juden empfindet und an der Einstellung der katholischen Christen und ihrer Kirche in Deutschland und vor allem in Polen gegenüber den Angehörigen der jüdischen Glaubensgemeinschaft mit einer unverkennbaren Angriffshaltung heftige Kritik geübt. Noch immer, so Lapide, verspüre er in manchen Begegnungen Ressentiments, die viele Christen noch nicht überwunden hätten. Daraus resultiere bei Juden nicht selten ein Gefühl der Angst und des Misstrauens. von hier

Offenbar war man an Referenten gewöhnt, die sich demütiger zeigen und hier kommen wir schnell an die Grenzen des jüdisch-christlichen Dialoges, wenn er nämlich seine Einseitigkeit verliert in der das Judentum in einer Art Biosphäre betrachtet werden kann mit Schoah, Klezmer und ein paar pittoresken Ritualen von denen stets in der Vergangenheit gesprochen wird. Hier bricht scheinbar der Referent aus dieser Einseitigkeit aus und legt den Finger in die Wunden. Das gefällt den Gesprächspartnern aber gar nicht:

Durch die Auseinandersetzung mit den von den Seminarteilnehmern als unangemessen scharf empfundenen Empfehlungen an die Christen zum richtigen Verhalten innerhalb des jüdisch-christlichen Zusammenlebens wich der Referent von seinem ursprünglichen Konzept ab. So kam es nicht zu den erwarteten Ausführungen, wie der jüdische Alltag in Deutschland heute aussieht oder wie es um das religiöse Leben in den jüdischen Familien und Gemeinden bestellt ist. von hier

Ein Beitrag bei dem ich persönlich schmunzeln musste, weil es dieses Mal jüdisch-christlicher Dialog anders herum war, denn häufig (ich betone: Nicht immer) muss sich der Referent über irgendetwas belehren lassen. Der beliebteste Satz dürfte da nach wie vor sein: Was machen Sie denn da in Israel?
In dem Zeitungsartikel wird aus dem jüdischen Referenten dann übrigens zudem noch die Steigerungsform: Der israelische (jüdische) Referent.

Der von Gastgeber Johannes K. Rücker, Direktor der LVHS, gewünschte christlich-jüdische Dialog mit dem entsprechend vermittelten Hintergrundwissen geriet zu einer Veranstaltung mit einem ernsten Missklang, weil der in Jerusalem geborene 46-jährige Sohn der bekannten jüdischen Religionsgelehrten Pinchas und Ruth Lapide in seiner kritischen Wortwahl scharfe Geschütze auffuhr. Dazu stellte er erklärend fest, dass er erwarten könne, sich so zeigen zu dürfen, wie er sei. Seine Emotionalität und Betroffenheit dürfe ihm nicht vorgehalten werden.

Wie es in dem Artikel heißt, verließ ein Großteil der Besucher das Seminar – wohl aus Verärgerung…
Auf der anderen Seite ist es interessant, dass ein Jude über jüdisches Leben informieren will und das ausgerechnet am Schabbat macht, wie uns der vorbereitende Bericht verrät:

Das Seminar findet am Samstag von 10 bis 16 Uhr in der LVHS statt.
von hier

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Ein Jahr

Banim.orgEin Jahr lang werden nun schon die zwei Soldaten Ehud Goldwasser und Eldad Regev von der Hisbollah irgendwo im Libanon (wahrscheinlich) festgehalten. Ebenso lange wie Gilad Schalit der am 25. Juni 2006 durch militante Palästinenser in (!) Israel gefangen genommen wurde und anschließend in den Gazastreifen gebracht wurde.
Um darauf aufmerksam zu machen, dass bereits Jahr vergangen ist, haben heute einige wichtige israelische Webseiten für fünf Minuten offline gegangen.
Beispielsweise

Jerusalem Post
die Jerusalem Post

Haaretz
Ha’aretz und

Maariv
die Seite von Ma’ariv und zahlreiche andere.

Alle diese Seiten verwiesen auf die Website banim.org, die beständig daran erinnert, dass die drei noch immer festgehalten werden (und die heute einem massiven Besucheransturm ausgesetzt war, so dass es vielleicht einen Moment dauern kann, bis die Seite im Browser erscheint) – dort gibt es auch in Informationen in deutscher Sprache und ein Gebet für die drei. Es könnte nach der Torahlesung gesagt werden, wenn auch für den Staat Israel gebetet wird.

Hat Tip an Mobius von jewschool

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Leon Zelman sel.A.

Leon Zelman sel.A.
(CC) Gryffindor Für das Bild:Creative Commons Attribution 2.5

Heute früh verstarb der, in Österreich recht bekannte, Publizist und Leiter des Jewish Welcome Service Vienna Leon Zelman im Alter von 79 Jahren. Innerhalb der Kultusgemeinde polarisierend, so war er doch einer bekannteren Köpfe der Gemeinde Wien und auch bei den nichtjüdischen Wienern recht beliebt. Über den Jewish Welcome Service organisiert er Austauschprogramme für Jugendliche zwischen Israel, USA und Österreich und zahlreiche andere Projekte, wie Besuche in Wien geborener Juden.
1928 in Szczekociny (Polen) geboren, überlebte er Auschwitz und Mauthausen-Ebensee und wurde dort im Mai 1945 befreit. 1946 kam er nach Wien, beendete dort sein Abitur und begann dort ein Studium der Publizistik, das er 1954 mit dem Doktorat abschloss. Während des Studiums war er aktiv bei der Jüdischen Hochschülerschaft und begründete dort die Zeitschrift Das Jüdische Echo, die seit 1951 als Mitteilungsblatt der Jüdischen Hochschülerschaft herausgegeben wurde. Er betrieb sie auch nach seinem Studium als Chefredakteur weiter und machte sie zu einem überregional bekannten Forum für Kultur und Politik mit Beiträgen von Publizisten und Wissenschafter aus Österreich und dem Ausland.
1963 übernahm Leon Zelman vom Österreichischen Verkehrsbüro die Leitung des Reisebüros City, um den Israel-Tourismus aufzubauen. 1980 gründete er dann die Non-Profit-Organisation Jewish Welcome Service Vienna und so war er jemand voller neuer Ideen und mit der Aufgabe, das Geschehene nicht in Vergessenheit geraten zu lassen:

Zur Feier des 25-jährigen Bestehens des JWS sagte Zelman, es sei eine Pflicht, die Menschen darauf hinzuweisen, dass die Verfolgung der Juden nicht in den Konzentrationslagern begonnen habe, sondern schon viel früher. Vor allem jungen Menschen wollte Zelman mit seinen Zeitzeugenberichten klar machen, dass „Auschwitz und Mauthausen nicht der Anfang, sondern das Ende waren“. von hier

Die Israelitische Kultusgemeinde Wien zu Zelmans Tod:

„Österreich und die jüdische Welt verlieren mit ihm einen großartigen Menschen von hoher moralischer Integrität, geprägt von der Katastrophe der Shoah. Trotz seiner bitteren Traurigkeit suchte er keine Vergeltung, sondern Versöhnung und wollte besonders der Jugend helfen, den Weg in eine neue Welt der Toleranz und des gegenseitigen Verstehens zu finden.
Wir verlieren in ihm, dessen Familie ermordet wurde, eine Vaterfigur für die nachkommende Generation, war er doch einer der Gründer der
Vereinigung Jüdischer Hochschüler nach dem Krieg verwaisten Jugendlichen zur Ersatzfamilie wurde, und einen großen Sohn für uns alle, hieß es. von hier

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Jüdisch-muslimischer Testballon

Nun habe ich es einfach gemacht und eine google-Gruppe zum Thema jüdisch-muslimischer Dialog angelegt. Sozusagen als Testballon. Meldet sich niemand an, OK in Ordnung, melden sich einige an: Wunderbar! Bisher gibt es, meines Wissens nach, solch ein Projekt noch nicht in deutscher Sprache, nötig ist es aber allemal.
Buchstäblich jeder ist also eingeladen, sich zu beteiligen:

Sehr vereinzelt und lokal wirkend gibt es bereits Gruppen für den Jüdisch-Muslimischen Dialog in Deutschland. Mit dieser Mailingliste soll ein Forum geschaffen werden um eine regelmäßige Diskussionen zu ermöglichen, Terminankündigungen etc. zu verteilen oder Ansprechpartner zu finden. Judentum und Islam haben vieles gemeinsam (auch wenn wir trennendes nicht verschweigen) und dies wollen wir gemeinsam hervorheben und diskutieren. Konkrete Projekte wären schön und würden einem friedlichen/freundschaftlichem Miteinander nicht abträglich sein. Die Gruppe „Abraham-Ibrahim“ ist für Juden und Muslime gedacht.
Wer selber nicht interessiert ist, könnte aber so freundlich sein, und die Einladung bitte weiterleiten und auf die Gruppe
http://groups.google.com/group/abraham-ibrahim/
aufmerksam machen.

Ob viel oder überhaupt Interesse besteht, wird sich zeigen. Es wäre schön, wenn dies der Fall wäre.

Google Groups
Abraham-Ibrahim beitreten
E-Mail:
Diese Gruppe besuchen

Alternativ steht auch ein Anmeldefenster auf der Gruppen-Seite von talmud.de zur Verfügung.
:update:
Die e-mail Liste ist um eine eigene Projektseite erweitert worden: talmud.de/abraham-ibrahim

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Oremus et pro perfidis Judaeis

Das lateinische Oremus et pro perfidis Judaeis bedeutet in deutscher Sprache Lasset uns auch beten für die treulosen Juden und war früher, also bis 1959/62 Bestandteil der katholischen Karfreitagsliturgie. 1969 wurde dann wohl die katholische Liturgie reformiert und folgende Bitte verwendet:

Oremus et pro Iudaeis, ut ad quos prius locutus est Dominus Deus noster, eis tribuat in sui nominis amore et in sui foederis fidelitate proficere.
Lasst uns auch beten für die Juden, zu denen Gott, unser Herr, zuerst gesprochen hat: Er bewahre sie in der Treue zu seinem Bund und in der Liebe zu seinem Namen, damit sie das Ziel erreichen, zu dem sein Ratschluss sie führen will.

Dem jüdisch-christlichem/katholischem Dialog war es ganz zuträglich, dass der Gesprächspartner nicht mehr davon ausging, dass er sein Gegenüber als treulos betrachtete, oder den Partner als verlorene Seele sah. Möglicherweise wird aber der Prä-1969-Zustand nun wieder hergestellt, denn der Papst lässt diese Form der Messe wieder zu:

Dieser Papsterlass hat vorab mindestens so viel Aufsehen erregt wie die erste Enzyklika Benedikts XVI – kein Wunder. Auf den ersten Blick wirkt der Schritt spektakulär: Eine zumindest teilweise Rückkehr hinter eine Reform von vor rund 40 Jahren. „Summorum Pontficum“ – das ist der Titel des Papiers, mit dem der deutsche Papst die lateinische Messe wieder ein Stück weit stärkt. von hier

In Deutschland heißt es, Passagen die sich gegen das Judentum richten, sollen weiterhin nicht gesagt werden:

Unbestätigten Berichten zufolge soll der alte Ritus in der Karwoche unterbleiben. In diesem Punkt bestehen vor allem bei Juden große Bedenken. Der deutsche Salesianerpater Norbert Hofmann arbeitet im päpstlichen Ökumene-Rat, der für die Beziehungen zum Judentum zuständig ist. Er erläutert: „In der Liturgie der tridentinische Messe ist zwar die Formulierung der „perfiden Juden“ gestrichen, aber es gibt immer noch ein Gebet zur Bekehrung der Juden und es wird von den Juden gesprochen, die im Dunkeln wandeln.“ auch von hier

In der englischen Welt hört sich das jedoch anders an:

Even if that language were not changed, Rev. Neuhaus said relations between Catholics and Jews would remain strong. „We’re not talking about a major part of Catholic worship,“ he said.
„We’re talking about one sentence that occurs once a year. That’s not to say it is unimportant, but the things done with Catholic-Jewish relations over the past half-century is not going to be compromised. The church’s commitment to a respectful dialogue with Judaism is irrevocable.“
The chairman of the board of the Catholic League for Religious and Civil Rights, the Reverend Philip Eichner, said the traditional Good Friday references to conversion are well meaning not anti-Semitic
„We would say everyone who doesn’t see Jesus is living in a certain amount of darkness, and we want them to see the light,“ he said. von hier

Nun kann man einwenden: Hey das ist doch Sache der Katholiken -das ist doch ihre Liturgie Darauf kann man zwei Dinge antworten:
Wer in seiner Liturgie (das ist ja keine Ansammlung irgendwelcher Texte) davon spricht, dass bestimmte Personengruppen bekehrt gehören, kann sich nicht anschließend mit ihnen über Dialog auf Augenhöhe verständigen.
Die katholische Kirche ist für einige Veränderungen an unserem Nussach mitverantwortlich. So wurde das Alejnu-Gebet ja auch zensiert (im Siddur Sefat Emet hat man die Stelle in der Übersetzung durch drei Punkte kenntlich gemacht). Hier der ursprüngliche Text:

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An uns ist es, den Ewigen, den Herrn des Alls zu loben, den Schöpfer des Anbeginns!
Er hat uns nicht erschaffen gleich den Völkern der Länder und uns nicht gleichgemacht hat dem ihren, und unser Schicksals-Los gleich den all ihrer Menge, denn sie verneigen sich vor Nichtigkeit und Leere und beten zu einem Gott der nicht hilft.

In den meisten alten Handschriften und im sefardischen Ritus ist diese Form des Alejnu erhalten. Ismar Elbogen schreibt dazu:

Um 1400 trat ein getaufter Jude mit der Verleumdung auf, dass die genannten Worte sich auf Jesus beziehen, und bewies es durch den Hinweis, dass ???? denselben Zahlenwert wie ??? = 316 hatte. Die Beschuldigung wurde häufig wiederholt, und wo die Zensur sich um die Bücher der Juden kümmerte, wurde der Satz durch einen mehr oder minder starken Eingriff geändert. In Preußen wurden die Juden 1702 mit besonderer Heftigkeit wegen dieses Gebetes angeklagt. Wahrscheinlich beruht es hierauf, dass der Satz aus den deutschen Gebetbüchern endgültig verschwunden ist. Nach I. Elbogen: Der jüdische Gottesdienst Frankfurt am Main 1931; 10, 11.

Das Zitat selber stammt übrigens aus Jeschajahu 45:20
Natürlich ist es zum jetzigen Zeitpunkt unmöglich zu sagen, wie die Vorgaben durchgeführt werden und was letztendlich gesagt werden wird, jedenfalls ist es auch für das Judentum von Interesse, wenn die Uhren wieder zurückgestellt werden…