Unfähig zum Frieden?

Wir werden erst Frieden mit den Palästinenensern haben, wenn sie ihre Kinder mehr lieben als dass sie uns hassen. Golda Meir

Das Zitat von Golda Meir, der Frau über die Ben Gurion angeblich sagte, sie der einzigen Mann im Kabinett , hat einige Dinge gesagt, die sich heute immer mehr bewahrheiten und die in diesem Blog schon mehr als einmal Thema waren.

Gerade las ich in Lilas Blog über Yoram Bin Nur, einem Reporter von Channel 2, der sich um eine faire Berichterstattung aus der Westbank bemüht. Er stellt fest, was wir auch hier in Deutschland immer verstärkter erleben:

Bin Nur, frei zitiert: Ich habe noch nie Material gefilmt, das mir mehr Bauchschmerzen gemacht hätte. Diese Reportage zu machen fand ich schwierig. Die neue Generation – das sind schon nicht mehr die Palästinenser, die in Israel gearbeitet haben, die sich noch an Dudi und Shlomi erinnern und gut Ivrit können. Es sind Kinder, die sich nicht an die Osloer Verträge erinnern, nicht an Arafat, sie kennen nur Gewalt und Kampf. Ihre Helden – die Märtyrer und Kämpfer der verschiedenen Bewegungen in der Westbank, und, so seltsam es klingt – die israelischen Soldaten der Einheiten, gegen die sie kämpfen. An denen einen nehmen sie sich ein Beispiel, an den anderen messen sie sich. Es ist eine Generation ohne Hoffnung, ohne Zukunft, bereit, sich für ihren Kampf zu opfern.
Unwissenheit, Hoffnungslosigkeit, Verhetzung. Gestern hat hier schon jemand Links zu palästinensischen Schulbüchern, Kindervideos und ähnliches Material eingestellt. von hier

Unwissenheit gepaart mit dem auswendigen (immerhin!) Aufsagen von Parolen, darauf stieß ich nämlich auch, als ich einem Trackback zu dem Artikel über Nonie Darwish folgte. Ein gutmeinender Forennutzer eines Forums für Kinder deren Eltern als Immigranten nach Deutschland kamen, postete einen Verweis auf meinen Artikel und in den darauffolgenden Stunden konnte man beobachten, was Hass und Agitation aus jungen Leuten gemacht hat (ich nehme an, es handelt sich zu einem großen Teil um Schüler und junge Erwachsene) die geographisch überhaupt nichts mit dem Konflikt zu tun haben und auch sonst nichts darüber wissen. Die Betreiber des Forums haben, wie es scheint, die heftigsten Beiträge, in denen tatsächlich das Existenzrecht Israels heftigst geleugnet/verneint wurde, gelöscht. Aber auch die anderen Beiträge können sich sehen lassen:

Was ist mit den Zigtausend palestinensischen Flüchtlingen, die wegen den Juden ihr Land verlassen mussten???
Was ist mit den Tausenden (sic!) jüdischen Siedlungen auf palestinensischen Gebiet???

Für unzählige Massaker an Babys, schwangere Frauen und Greise wurde Israel von der Weltgemeinschaft international angeprangert.

Davon ganz abgesehen, dass Juden, meiner Meinung nach, gar kein Anrecht auf ein eigenes Land haben

ey ihr Supertypen, ihr habt ja so ein kleines Land und regiert trotzdem die Welt, was hält ihr davon, wenn wir Euch noch n bissl von unserem geben?

Dem Hass und den uralten Vorurteilen gegenüber dem gesamten Judentum kann man nur fassungslos gegenüberstehen.

Zufällig zu diesem Themenkreis passend der Artikel: Zahlen Juden wirklich keine Miete in der taz:

Werner Bab bleibt gelassen. Er hat in seinem Leben schon ganz andere Dinge erlebt, da bringen ihn freche Fragen junger Schüler nicht aus der Fassung. “Stimmt es, dass Juden keine Mieten für ihre Geschäfte bezahlen müssen?”, fragt die 17 Jahre alte Kolad den Holocaustüberlebenden Bab. von hier

Chajm

Chajm ist nicht nur Autor dieses Blogs und Bewohner des Ruhrgebiets, sondern auch Herausgeber von talmud.de und Organisator des Minchah-Schiurs im Ruhrgebiet. Einige seiner Artikel gibt es nicht nur im Internet, sondern beispielsweise auch in der Jüdischen Allgemeinen. Über die Kontaktseite kann man Chajm eine Nachricht senden. Man kann/soll Chajm auch bei twitter folgen: @chajmke. Chajms Buch »Badatz!« 44 Geschichten, 44 zu tiefe Einblicke in den jüdischen Alltag, gibt es im Buchhandel und bei amazon.

3 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Das wäre eine Frage, die man durchaus zivilisiert betrachten könnte. Aber wer seinen Kindern den Kopf mit Hassparolen füllt, der will auf lange Sicht keinen Frieden haben. Hier gibt es also noch Verbesserungsbedarf 😉

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  2. Nein, sie sind nicht alleine Schuld. Auch die arabischen Staaten haben über Jahre alles dafür getan, dass sich die Situation für die Palästinenser nicht verbessert, egal ob in Gaza, im Libanon oder sonstwo. Und dann hat die EU auch eine unrühmliche Rolle gespielt, indem sie Terroristen wie Arafat subventionierte, die mit den verfügbaren Milliarden nicht den Aufbau eines Staates förderten, sondern den Kampf gegen Israel. An Israel liegt es jedenfalls nicht (und zwar schon lange nicht mehr).

    Ich denke, dass dieser Ausspruch tatsächlich das Dilemma sehr genau auf den Punkt bringt:

    “Wir werden erst Frieden mit den Palästinenensern haben, wenn sie ihre Kinder mehr lieben als dass sie uns hassen. Golda Meir”

    Sobald mal im Westjordanland ein Roman erscheint, indem auch das Leid thematisiert wird, dass den Israelis durch den palästinensischen Terror entsteht – umgekehrt wird dies in der israelischen Kunst in Hinblick auf die Situation Palästinenser getan -, könnte ein Ende der Gewalt wirklich in greifbare Nähe rücken. Aber solange die Palästinenser nicht einmal Ansatzweise so etwas wie Empathie für die andere Seite empfinden und es feiern, wenn israelische Teenager vor Discos in die Luft gesprengt werden, solange sind sie für einen Friedensschluss unfähig.

    Warum: Man macht keinen Frieden mit Menschen die man töten will.

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