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David Grossman und der Krieg

Lisa Goldman berichtet in ihrem Blog On the Face über eine Lesung mit dem Schriftsteller David Grossman, der im letzten Libanonkrieg seinen Sohn verlor und zu denen gehört, die hartnäckig für Frieden in der Region eintreten ohne in die Blauäugigkeit zu verfallen (siehe auch hier) und unmögliches zu fordern, ohne dabei allzu akademisch zu werden.

He noted that we were two-and-a-half days before Memorial Day, and that „due to the circumstances,“ he felt a need to end the evening with a short reading from one of his novels, See Under: Love . The excerpt he read from is about a man named Wasserman, who is an elderly Jewish writer in a Nazi death camp, telling a story to one of the German guards. He tells the guard about a child war orphan, named Kazik, whom he and some other elderly Jews adopted. At one point they all take turns expressing hopes and prayers for the little boy’s future, even as the ghetto is burning, the few survivors are being deported to death camps, and the whole world is going up in flames. And one of the old people says, „You know what I wish for him? I wish that he will end his days without knowing anything about war.“ aus Lisas Blog

Aber sie berichtet weiter, mit einem Foto, von einem jungen Mann namens Yonatan, der sich vor seiner Einberufung in den Libanonkrieg mit einem Zettel mit der Aufschrift Ich gehe in den Tod hat fotografieren lassen. Drei Tage später starb er bei dem Versuch, verwundete Kameraden zu bergen. Die Zeitung Ma’ariv brachte die Geschichte am 22.April.

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Arbeitskreis jüdischer Sozialdemokraten

Nein, nein, die Überschrift ist keine historische Bezeichnung.
Wie die Frankfurter Allgemeinen (nur in der Printausgabe) heute berichtet, hat sich innerhalb der SPD, oder aus der SPD heraus, ein Arbeitskreis jüdischer Sozialdemokraten gegründet. Sprecher dieses Arbeitskreises seien der Frankfurter Stadtverordnete Peter Feldmann und der Berliner Rechtswissenschaftler Sergey Lagodinsky. Beide haben sich am Dienstag mit dem SPD-Bundesgeschäftsführer Martin Gorholt getroffen und ihre Pläne vorgestellt. Die SPD hat uns mit offenen Armen begrüßt, sagte Feldmann der Frankfurter Allgemeinen. Der Generalsekretär der Partei Heil sagte der FAZ:

Ich freue mich, dass Juden und Jüdinnen mit dem neuen Arbeitskreis nun auch institutionell in der SPD ihr Engagement zeigen. Wir freuen uns auf die Zusammenarbeit.

Feldmann rechnet mit einigen Hundert Mitgliedern (!!). Der jüdische Arbeitskreis erwartet von der SPD-Führung, bei Fragen zu Israel und dem Nahostkonflikt sowie der jüdischen Einwanderung nach Deutschland gehört zu werden. Er tritt entschieden für das Existenzrecht Israels ein, unterstützt die Teilnahme der Bundeswehr mit Schiffen an der Friedensmission im Libanon und setzt auf eine Sicherheitspolitik im Rahmen des Nato-Bündnisses. Innenpolitisch liegt dem Arbeitskreis daran, dass weiter Juden aus der ehemaligen Sowjetunion nach Deutschland einwandern und diese bei ihrer Integration auf staatliche Unterstützung rechnen können.

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Wer war das gleich?

Wer war denn gleich ????? -Ma’ai im Tanach? Eine sehr nützliche Seite mit den, im Tanach vorkommenden Namen, ist Tanakh Profiles. Zu jedem Namen gibt es einen Satz oder ein kleines Essay mit weiteren Links und Beziehungen. Für unser Beispiel wäre das:

?????
????? ??:??
A ??? and musician who plays in the dedication ceremonies for the walls of ??????? in the time of ????? .

Wer also zwischendurch eine schnelle Referenz benötigt, der sollte sich Tanakh Profiles anschauen.

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In Polen hat die Reform Erfolg

Erst vor wenigen Tagen warf ich hier die Frage auf, ob die Reform in Rußland versagt hat (Artikel hier). Übersehen habe ich dabei eine Erfolgsmeldung aus Polen. Dort hat die Reform Erfolg!

„There’s been a tremendous resurgence of (Progressive) Jewish life,“ said Rabbi Joel Oseran, vice president of international development with the World Union for Progressive Judaism in Jerusalem. „We see young people searching for Jewish meaning, people who have come anew to their own Jewish identities. And Poland is the best example of that.“ von hier

Trotz der Erfolgsmeldung habe ich den Verdacht, der Artikel unterstellt dem Reformjudentum, es nehme es ganz und gar nicht eng mit den Pfeilern jüdischen Lebens. Das versalzt den Artikel ein wenig:

It is tricky to live an Orthodox life in this staunchly Roman Catholic country of 38 million, where there are perhaps 30,000 Jews, according to some estimates. Pork sausages and other non-kosher foods crown most menus. There’s only one kosher butcher in the entire country, in Bialystok, 110 miles northeast of Warsaw. […]
Unlike the Orthodox, Reform Jews travel on the Sabbath, sit with the opposite sex during services and don’t necessarily adhere to all dietary laws. von hier

Das scheint mir nicht der einzige Grund zu sein. Vielleicht sind hier die Verantwortlichen um ein großes Maß involvierter und treiben die Projekte mit großer Kraft voran. So entdecken viele junge Polen ihr Judentum erst gerade (siehe auch diesen Beitrag) und in dieser Phase scheint es dort Ansprechpartner zu geben. So jedenfalls meine Vermutung. Der Artikel sagt sonst nicht viel über die Arbeit der polnischen Reform, nur, dass sie erfolgreich ist 😉

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Vergangenheitsbewältigung und Antisemitismus

Schon zwei Blogs (soweit ich weiß: Lila und Der Fuchsbau) berichten über den Artikel Judaphobie von Jürgen Krönig in der Onlineausgabe der ZEIT. Krönig ist Korrespondent der ZEIT für Großbritannien und Irland und trägt mit seiner Analyse der dortigen Verhältnisse auch etwas zur Erhellung der Zustände hier bei, nicht so, dass wir das nicht wüßten – aber so selbstverständlich ist das heute nicht mehr.

Der klassische Antisemitismus von rechts, schmuddlig und rassistisch, spielt in Europa nur noch eine untergeordnete Rolle. Bis auf einen unverbesserlichen Bodensatz sind die europäischer Gesellschaften dagegen weitgehend immun geworden. Benny Peiser, Anthropologe an der Universität Liverpool, verweist auf ein Paradox: durch den Holocaust, Auswanderung und die Gründung des Staates Israel gebe es in Europa eigentlich keine jüdische Welt mehr, sondern nur noch vereinzelte jüdische Gemeinden. Vor dem Zweiten Weltkrieg lebten in Europa an die zehn Millionen Juden. Heute beläuft sich ihre Zahl auf kaum mehr als eine Million. In Frankreich und Großbritannien sind mit rund 600.000 bzw. 250.000 die größten Gemeinden zu finden. Doch zugleich nimmt quer durch Europa ein Antisemitismus zu, der aus neuen Quellen gespeist wird. von hier

Recht eindeutig schildert er die Zunahme des re-importierten Antisemitismus der vermehrt unter Migranten aus muslimischen Ländern auftritt, stets gerechtfertigt mit dem Verhalten Israels, dem Juden unter den Staaten, wie man heute sagt. Dabei sind die Themen allesamt aus dem europäischen Antisemitismus entnommen worden. Selbst Ritualmordlegenden erfreuen sich noch immer größter Beliebtheit.
Die Situation in Deutschland gibt dagegen eine Autorin aus den USA am besten wieder. In der jüngsten Ausgabe des Guilt & Pleasure Magazins schreibt Stacy Perman über ihre Deutschlanderfahrungen. Der Artikel heißt bezeichnenderweise Vergangenheitsbewältigung die genau hier an ihre Grenzen stößt:

Its a phenomenon that is as troubling as it is knotty. The surge in anti-Semitic behavior is taking place among third- and fourth-generation immigrant children, mostly of Arab or Palestinian
backgrounds, but also of Turkish descent kids whove been born in Germany, and in some cases whose parents have been born here. Among these youth, the word Jew, once decorously silenced in this country, is regularly used as an insult. Many of them talk about the Holocaust as something of a Jewish falsehood, an exaggeration thats part of a Zionist conspiracy to create a justification for Israel. Many simply do not identify with this chapter of German history, especially amid their own galaxy of national conflicts and internecine struggles. von hier

Eine gute Ergänzung zum Artikel in der ZEIT, aber die Situation wird durch mehr Information nur noch schlimmer…

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Pulitzer-Preis für Fotografie

Am 16. April wurden die Gewinner des Pulitzer-Preises bekannt gegeben. Die Fotografin Rene C. Byer, hat für die Regionalzeitung Sacramento Bee, hat Cyndie Madsen und ihren an Krebs erkrankten Sohn Derek begleitet. Für die daraus entstandene Dokumentation A Mothers Journey hat sie den Preis erhalten.
Pulitzer Preis für A Mothers's journey
Die Bilder sind äusserst eindrücklich, teilweise beklemmend, sie kann man hier betrachten. Wer sich dem stellen möchte oder kann, sollte das auch tun.

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Magazin über virtuelles Judentum

SecondLife MagazinSecond Life ist als Trendthema ein wenig abgeflaut und die Artikel sind ein wenig versachlichter und zu schnell erregen andere Services das Aufsehen der Medien (wie etwa twitter.com). Im Februar vertrat ich in der Jüdischen Allgemeinen Seiten wie SecondLife brächten das Judentum nicht voran. Dieser Meinung bin ich nach wie vor, dennoch passiert einiges im jüdischen Teil von SecondLife, sogar soviel, dass es nun ein Magazin nur zu diesem Thema gibt und einen virtuellen Journalisten in der virtuellen Welt virtuelle Interviews führen lässt. Das 2lifemagazine, berichtet von nun an für eine jüdische Leserschaft aus der bunten Welt von Second Life. Wie der Forward berichtet, hat die Schweizerische Jüdische Medien AG, die Tachles und den Aufbau herausgibt, mit dem SecondLife erfahrenen, in New York lebenden, Journalisten Julian Voloj (Kafka Schnabel im SecondLife) die Initiative ergriffen und das Magazin auf die Beine gestellt. Zu Pessach schon erschien die erste Nummer.
Themen sind natürlich jüdische Orte in der SecondLife Welt und die Vorstellung jüdischer Avatare dort.

This is an outlet where they feel secure to be Jewish. Because youre just a computer animation, you can basically do whatever you want. So a lot of people are discovering Judaism there, he said. von hier

Sicher ist es natürlich, weil man einigermassen anonym durch die gerenderte Welt schreiten oder fliegen kann, so wie mein virtueller Abgesandter Talmy Writer, mit dem ich natürlich auch mehrere Blicke in die Synagoge geworfen habe.
Synagoge in Second Life
Dort unterwegs, traf ich natürlich auch schnell Antisemiten die vermutlich nicht nur virtuell nicht viel von Juden halten. Vor den nervenden Avataren konnte man sich durch einfaches Teleportieren in einen anderen Teil der Onlinewelt retten, das ist ein unbestreitbarer Vorteil dieser anderen Realität.
Die aktuelleste Ausgabe des 2lifemagazines kann man auf der Homepage des Magazins herunterladen.

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Hat das Reformjudentum in Russland versagt?

David Shneer schreibt auf jewcy darüber, was die Gründe dafür sein könnten, dass das Reformjudentum in Russland nicht übermäßig erfolgreich ist, Chabad aber schon.
Natürlich ist das in erster Linie ein Vergleich der Arbeitsweise der beiden Strömungen und es ist kein Geheimnis, dass Chabad hervorragende Kontakte in den Kreml hat und von den richtigen Leuten finanziert wird.

As I and my co-author Caryn Aviv write in our recent book, New Jews, for most of the 1980s, while most American Jews were chanting Let My People Go in order to save Soviet Jewry, Chabad was already building an underground infrastructure for Jewish life in the Soviet Union. When Communism fell apart, Chabad was there ready to inherit a post-Communist Russia. While American Reform Jews were paying for plane flights and teaching new immigrants English, Chabad brought Judaism to Jews in the former atheist state. von hier

Shneer ist nicht zimperlich mit seiner Beurteilung der Lage und genau diese präsisen Beobachtungen können uns hier auch behilflich sein, sind doch hier Gemeinden mit einem großem Anteil von russischen Juden…

Russian Reform leadership is trained on a western model of Jewish community and religious pluralism. Since there are no Reform seminaries in Russia all Russian Jews who get trained as Reform rabbis end up in one of three placesthe U.S., Israel or England (and recently the Reform movement began ordaining rabbis in Germany). This means that Russias Reform rabbis are trained as western rabbis and then sent back. Farbman and Shulman, for instance, both trained at Leo Baeck in London, learning the ins and outs of western Reform Judaism, including its vision of the rabbinate. Each returned to Russia for personal and professional reasons, and each has now called the Russian Reform rabbinate quits for personal and professional reasons.
Reform rabbis are trained to be educators and to give pastoral care, but ultimately many of them see their primary role as CEOs of the Jewish community, appointed by wealthy boards of donors, and charged with the operations of the community. For Reform Judaism, at least in its American and British forms, the rabbinate is a job, not a calling.

Auch hier geht es darum, wie Outreach eigentlich funktioniert:

Second, as long as Reform Jewish communities rely solely on local wealth to build synagogues, Russian Reform is going to have a hard time. Farbman built the St. Petersburg synagogue with funds from the West End Synagogue in London, at which he was an assistant rabbi before moving to St. Petersburg. Local Russian Jews in Moscow and St. Petersburg have a hard time fathoming paying hundreds of thousands of rubles in membership dues to build their communities. Chabad has a much more global funding model and gets people involved before it ever asks for money.

Letztendlich hat der Erfolg von Chabad nichts mit dem Judentum zu tun, welches sie transportieren (was keine Wertung implizieren soll), sondern wie sie es transportieren. Hier ist schon oft darüber geschrieben worden, aber Chabad arbeitet effektiv und nutzt Ressourcen und es gibt kein Copyright auf diese Methode. Warum wird sie also nicht häufiger eingesetzt?