Ohne rote Kuh?!

Halachische Experten an die Front! Wie ich gestern las, plant der neue Sanhedrin (für wen ist der verbindlich? Wer hat dafür gewählt? Hier ist eine Liste der Entscheidungen) ein Korban-Pessach, ein Pessachopfer in Jeruschalajim (wohl als Korbanot Tzibur??) darzubringen… so berichtete Ha’aretz gestern:

The present-day Sanhedrin Court decided Tuesday to purchase a herd of sheep for ritual sacrifice at the site of the Temple on the eve of Passover, conditions on the Temple Mount permitting. […]
The Passover sacrifice is considered a simple ceremony, relative to other works performed in the Temple. On Wednesday, the Sanhedrin will hold its main conference, entitled „Existential threats and ways to correct them.“ Rabbi Menachem Froman, far-right activist Moshe Feiglin, and Nativ editor Arieh Stav will participate in the conference. The guest of honor will be Makor Rishon publisher Shlomo Ben-Zvi. von hier

Irgendwie beunruhigend, weil ich bisher davon ausging, über die Opfergeschichte sprechen wir nochmal, wenn der dritte Tempel errichtet wurde… und nun das. Die teilnehmenden Rabbiner sind ja keine kleinen Lichter in der jüdischen Welt und deshalb gehe mal davon aus, sie wissen, was zu tun ist und was nicht… vielleicht… :questionmark:

Chajm

Chajm ist nicht nur Autor dieses Blogs und Bewohner des Ruhrgebiets, sondern auch Herausgeber von talmud.de und Organisator des Minchah-Schiurs im Ruhrgebiet. Einige seiner Artikel gibt es nicht nur im Internet, sondern beispielsweise auch in der Jüdischen Allgemeinen. Über die Kontaktseite kann man Chajm eine Nachricht senden. Man kann/soll Chajm auch bei twitter folgen: @chajmke. Chajms Buch »Badatz!« 44 Geschichten, 44 zu tiefe Einblicke in den jüdischen Alltag, gibt es im Buchhandel und bei amazon.

5 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. B“H

    Du hast recht; Opferungen gibt es erst wieder mit dem 3. Tempel.

    Ich habe von diesem sogenannten Korban – Pessach noch nichts gehoert. Koennte sein, dass es nur symbolisch gemeint ist. Mir ist unklar, wie das von statten gehen soll, denn es gibt ja keinen Altar bzw. muss es erst sichergestellt werden, ob es sich wirklich um Cohanim handelt. Ausserdem gilt das Gebiet um den ehemaligen Tempel sowie oben selbst als unrein. Auch wir gelten als unrein.
    Ich bin kein Experte, sage aber mal vorsichtig, dass das ganze halachisch gar nicht moeglich ist

    Der Sanhedrin ist hoechst umstritten, wird aber dennoch geleitet von Rabbi Adin Steinsaltz (Chabad).

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  2. Nun ja, in dem zitiertem Artikel heißt es, man hätte beschlossen, Schafe zu kaufen. Das sieht mir schon sehr danach aus, dass man konkreteres vor hat…
    Benötigt man für Korbanot zibur die Asche einer roten Kuh? Darf man die nicht tamej durchführen? Deshalb meine Frage… das ist ein halachischer Komplex bei dem ich mehr als verunsichert bin…

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  3. B“H

    Vor allem benoetigt man fuer Korbanot einen Tempel. Es gibt dafuer Halachot (siehe Mishna Torah vom Rambam und Talmud – Masechet muesste ich erst nachschauen).
    Die Asche der Roten Kuh wuerde den Cohen reinigen, um das Korban ausfuehren zu koennen. Bisher gibt es keine Rote Kuh.

    Ich habe gerade einen ausfuehrlichen Link dazu gefunden, den ich mir spaeter einmal genau durchlesen werde. Anscheinend gibt es unterschiedliche Meinungen:

    http://www.koltorah.org/ravj/korbanottoday.htm

    Ich persoenlich halte mich an die Meinung, dass es erst Korbanot geben wird, wenn der 3. Tempel steht. Ich will in den naechsten Tagen einmal versuchen, noch mehr herauszufinden. In Jerusalem gibt es uebrigens eine Yeshiva, wo die Details ueber Korbanot und alles was mit dem Tempel zu tun hat, gelernt wird.

    Shavua Tov und Purim Sameach.

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    • Die Infra-Orthodoxen gähnen, die Ultra-Orthodoxen stöhnen, die Zionisten klappern mit den Zähnen, die Pragmatiker schütteln die Mähnen. In aller Kürze (Quellen habt ihr schon richtig zitiert; Traktat Pessachim redet davon — Quellen selber nachgucken, weil in der Mischna zu finden, die mit zehn Kapiteln übersichtlich kurz ist): Wenn die Unreinheit von Kontakt mit Leichen herrührt (d. h.: Berührung; Verschiebung ohne Berührung; Überzeltung; habe ich was vergessen? wahrscheinlich) und die Mehrheit der Nation davon betroffen ist (und das ist mit Sicherheit der Fall!), dann ignoriert man die Unreinheit im Wesentlichen und macht einfach weiter. Es gibt noch andere Fälle: (b) Mehrheit der Kohanim ist unrein (ist ziemlich sicher auch erfüllt); (c) Geräte sind unrein (dürfte recht sicher gelten, weil sie aus Metall gefertigt werden sollen und als solche ohne Weiteres empfänglich sind für Unreinheit). Es gibt andere Sorten der Unreinheit (jetzt nicht nachfragen, es sind wirklich viele), die weniger schlimm sind (etwa keine rote Kuh brauchen), etwa Nida, Saw, abgeschwächte Formen der Berührung von Toten, totes Ungeziefer, sogar die Erde von außerhalb Israels, Tora-Rollen (aber nicht Homer, der ist harmlos!) und so weiter. Die meisten von ihnen hindern den Betroffenen, am Pessach teilzunehmen (d. h., auch nur in einer Gruppe aufgenommen zu werden), aber die ganz schwachen bzw. zweifelhaften (klassischer Fall: wer eine am Wegesrand liegende Leiche passiert und nicht garantieren kann, sie nicht überzeltet zu haben) werden für das Pessach als gleichgültig angesehen.

      Kurz: Es ist nicht einfach, aber die rote Kuh ist weniger das Problem als (so meine Sicht, die sich wiederum nicht hinreichend mit der herrschenden Meinung befasst hat) (1) das Grundstück: anderswo als auf dem Hof geht nicht, auch wenn er nicht mehr durch Mauern umgrenzt ist (2) die Kohanim: welche sind echt und welche hatten Opas, die unbedingt die erste Alija wollten?

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  4. Pingback: Chajms Sicht » Noch mehr zum Korban Pessach

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