In Polen meint man…

… Juden sind Fremdkörper in Europa. Natürlich meinen das nicht alle Polen, aber erstens ist das eine plakative Überschrift für diesen Beitrag und zweitens die Meinung des polnischen Politikers Professor Maciej Giertych, so berichtet das Schweizer Magazin tachles:

Maciej Giertych, ein einflussreiches rechtsextremes Mitglied der nationalistisch-katholischen Liga der polnischen Familien, veröffentlichte sein Werk unter dem Titel Zivilisation im Krieg in Europa in Strassburg, dem Sitz des Europaparlaments. Giertychs Sohn Roman, polnischer Erziehungs- und stellvertretender Premierminister, ist heute Chef der Liga, die sich seit Jahren gegen das Image wehren muss, eine antisemitische Vereinigung zu sein. In seinem 32-seitigen Werk versucht Vater Giertych zu beweisen, dass es in Europas Kultur, Erziehung und Moralität nur für eine Zivilisation Platz hat. Polen und andere Teile Europaswerden als Gegend mit einer katholischen Basis dargestellt, die, wie der Autor meint, nicht mit der auf der Thora basierenden Kultur der Juden koexistieren könne. von hier

Wurde nicht erst vor zwei Wochen eine Jeschiwah in Lublin eröffnet? Ist Polen nicht ein EU-Land?

Nun, das Buch des Professors ist auch auf seiner Homepage verfügbar. Dort finden sich, neben einigen Zeilen über die verschiedenen Menschenrassen, auch Abschnitte über das Judentum:

Those Jews who followed Christ merged within the Christian universality. Those who rejected Him became wanderers throughout the world, among believers of other religions, jealously nurturing their chosenness, this messianic consciousness, which gives a defining mark to their civilisation.
It is a civilisation of programmed separateness, of programmed differentiation from the surrounding communities. In Judaism there is no specified theology that one could get to know and accept as a convert. One can only get married into Judaism, that is biologically become part of it. Jews do not seek converts. By their own will, they prefer to live a separate life, in apartheid from the surrounding communities. They form their own communes (kahals), they govern themselves by their own rules and they take care to maintain also a spatial separateness. They form the ghettos themselves, as districts in which they live together, comparable to the Chinatowns in the USA. Von hier, Seite 23

In this way, situation ethics developed, which for us is something completely alien. We recognise only a total ethic, the same ethic for all occasions. But are we always faithful to this understanding? For example, do we not sometimes treat differently the stealing from a neighbour as compared to the stealing of state property or the lies told to friends as opposed to those told to enemies? Such situational ethics derives from the Jewish civilisation and we should avoid it. Von hier, Seite 25

Auf Seite 27 dann:

Both our position and the Jewish position make sense, but only within the context of our respective civilisations. This clearly demonstrates that no middle ground is possible on issues differentiating civilisations.

Ach ja: Giertych ist auch Mitglied des europäischen Parlaments, also nicht nur jemand der irgendwo Stimmung macht, sondern im Herzen der europäischen Demokratie…

Chajm

Chajm ist nicht nur Autor dieses Blogs und Bewohner des Ruhrgebiets, sondern auch Herausgeber von talmud.de und Organisator des Minchah-Schiurs im Ruhrgebiet. Einige seiner Artikel gibt es nicht nur im Internet, sondern beispielsweise auch in der Jüdischen Allgemeinen. Über die Kontaktseite kann man Chajm eine Nachricht senden. Man kann/soll Chajm auch bei twitter folgen: @chajmke. Chajms Buch »Badatz!« 44 Geschichten, 44 zu tiefe Einblicke in den jüdischen Alltag, gibt es im Buchhandel und bei amazon.

3 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Das ist der größte Schwachsinn, den ich jemals gelesen habe.
    Schon alleine die Behauptung : “In Polen meint man, Juden sind Fremdkörper in Europa”. Sogar wenn dahinter steht, dass das nicht alle Polen meinen würden – diesen Satz zu veröffentlichen bringt mich zum Fremdschämen, denn der Hauptsatz hat seinen Sinn erfüllt, er bleibt im Gedächtnis.
    Maciej Giertychs Aussagen werden auch in Polen stark kritisiert. Ihn als Vorlage für Polen (oder nicht alle, wie du meinst) zu nehmen, ist als würde ich mir einen Deutschen auswählen, von dem ich weiß, dass er zum rechtsextremen neigt und sein Weltbild als das “deutsche” Weltbild zu nehmen und zu verbreiten.
    Was tut man nicht alles, um Leser zu angeln, nicht wahr?

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