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Taschentalmud

Talmud für die Tasche von ArtscrollArtscroll ist Herausgeber einer ambitionierten englischen Übersetzung des Talmud Bavli, die eine ausführliche Erklärung enthält (wenngleich auch aus der Sicht von Reb Artscoll) und aber auch Tabellen und grafische Elemente. Wenig später gab Artscroll auch eine hebräische Version der vielen Bände heraus und dann begann man mit der Übersetzung des Talmud Jeruschalmi. Nun hat sich der Verlag etwas neues einfallen lassen: Die Schottenstein-Edition (mit englischer Übersetzung und Erklärungen) im Taschenformat (Travelsize)! Dazu wurden die einzelnen Bände der Schottenstein-Edition wiederum in zwei Bändchen eingeteilt und sind nun für je $8.99 bei Artscroll erhältlich. Den Start macht das Traktat Meggilah. Interessantes Angebot. Wenn die Bände eingetroffen sind, kann ich mehr berichten…

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Jeder wills gewesen sein…

wenn es gegen Juden oder jüdische Einrichtungen geht. Tragischerweise tötete heute ein Selbstmordattentäter in Eilat drei Menschen in einer Bäckerei. Gleich zwei Terrororganisationen übernahmen die Verantwortung:

The militant Islamic Jihad organization and the Al-Aqsa Martyrs Brigades – linked to Palestinian Authority Chairman Mahmoud Abbas‘ Fatah movement – both claimed responsibility for the attack.
The ruling Hamas movement said that the attack was a „natural response“ to Israel’s policies.
Islamic Jihad initially said that the bomber had set out from the West Bank, but later named him as Mohammed Fasial al-Saqsaq, 21, from Gaza City. von hier


Seit April 2006 gab es keine Selbstmordanschläge in Israel, die Behörden gehen aber offenbar davon aus, dass weitere folgen werden:

Israel Radio reported that Egyptian security forces on Sunday arrested a would-be suicide bomber in north Sinai, who had left a note for his parents saying that he intended to carry out a suicide attack inside Israel. auch von hier

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Schalter ist kein Schalter

So kurz vor Schabbat macht ein Artikel in der aktuellen Jüdischen Allgemeinen meinen Schabbat viel leichter. In einem Artikel über die letzten Arbeiten vor Einweihung der Gelsenkirchener Synagoge, heißt es nämlich, der Aufzug/Lift im Gemeindehaus sei am Schabbat benutzbar, weil er nicht durch Schalter, sondern über Lichtschranken gesteuert werde… dann werde ich mal langsam beginnen, meine Tastatur mit Lichtschranken zu versehen, dann kann ich den Rechner auch am Schabbes benutzen… Prima!

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Synagogues brules Rpublique en danger

Jewish Quarterly Winter
Die Zeitschrift Jewish Quarterly berichtete in seiner Winterausgabe über die Situation des Judentums in Frankreich. Der Artikel ist sehr ausführlich und beschreibt ganz treffend die Probleme der (noch) sehr großen jüdischen Gemeinde und erinnert an das Schicksal von Ilan Halimi (sel. A.). Interessant ist die Tatsache, dass der vorherrschende Antisemitismus Frankreichs importiert ist – ein Problem dem wir in Deutschland ja auch zunehmend begegnen.
Jüdinnen und Juden ganz selbstverständlich Teil der Nation, wie Nidra Poller beschreibt:

A French Jew can wake up in the morning, go through the day and retire at night without encountering a single real-life antisemitic incident. French Jews are prominent in every sphere, financially successful, respected as intellectuals, visible in the media and show business, elected to political office. Three major contenders for nomination as their partys presidential candidate Dominique Strauss-Kahn, Nicolas Sarkozy and Laurent Fabius are Jewish or half-Jewish. And yet important thinkers Shmuel Trigano, Michel Gurfinkiel, Alain Finkielkraut, Daniel Sibony, Jean-Claude Milner, among others cast doubt on the future for Jews in France. von hier

werden dagegen aber durch den importierten Antisemitismus angefeindet:

The current wave of Jew hatred did not arise as a continuation or resurgence of the mid-twentieth-century European antisemitism that culminated in the Shoah, with the extermination of six million European Jews, the destruction of Yiddishkeit and the murmur of a more or less sincere never again. Ill-digested lessons of the Shoah are paving the way for the new Jew-hatred that has risen to fever pitch in Arab-Muslim nations and spread rapidly to Europes Muslim communities. Fellow-travellers promote this lethal hatred that is cloaked in ideals and ideologies multiculturalism, post-colonial guilt and anti-Western resentment.von hier

Mit dramatischen Folgen:

The controversial footage of the death of Mohammed al-Dura presented as the cold-blooded murder of a 12-year-old Palestinian child by Israeli soldiers provoked instant retaliatory attacks against French Jews, their places of worship, shops, homes and cars.von hier

Natürlich setzte man sich auch in Frankreich zur Wehr, organisierte eine große Demonstration und warnte vor dem Antisemitismus im Lande, der auch Auswirkungen auf die gesamte Republik haben würde: Synagogues brules Rpublique en danger – eine Demonstration die in Deutschland noch immer undenkbar ist, obwohl die Vorkommnisse an Berliner Schulen mehr als beunruhigend waren.

When synagogues burn the Rpublique smoulders, they chanted, more than one hundred thousand people, almost all of them Jewish, who marched from Place de la Rpublique to the Bastille in the spring of 2002, to stand up against antisemitism in France, show solidarity with Israeli victims of terrorism, and warn the Republic of imminent danger. The warning was ignored. Four years later the flames are more often directed at buses and the rocks are thrown at policemen. A church was torched at the beginning of November in la Duchre district near Lyon, near to where a synagogue was attacked in 2001. The French Republic is, without exaggeration, in danger. It is not rising to the challenge. The faade is cracking, revealing a breakdown of institutions, a deficit of democracy, an antiquated judicial system, an inadequate police force and rotting prison infrastructure. France, mired in humanitarian cant, has turned its back on meritocracy; it is losing its reputation for industrial innovation, losing its finesse, its intellectual prowess, its vitality. Talented, skilled, ambitious people are looking elsewhere for opportunity.von hier

Autorin Nidra Poller zeichnet ein interessantes Bild von Frankreichs Judentum, ohne Verklärung, die Probleme nicht aussparend. Spielend ließen sich einige Fakten auch auf den europäischen Kontext übertragen, aber diese Gedankenleistung können die geneigten Leser durchaus selber erbringen 🙂

Wer noch mehr über das französische Judentum erfahren möchte, wird auf folgenden Webseiten fündig: www.viejuive.com, Le mouvement Massorti (die Masorti-Bewegung Frankreichs), die Seite des Mouvement Juif Libral de France (die liberale Bewegung in Frankreich), die Seite für alle Strömungen Communaut On Line. Die Fondation Du Judaisme Franais (Sehr nette Seite in flash) kümmert sich um die Bewahrung der jüdischen Kultur in Frankreich.

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Rethinking Synagogues

Rethinking synagoguesRethinking Synagogues (bei amazon.de) ist der Titel eines Buches von Rabbiner Lawrence A. Hoffman. Darin beschreibt er die neuen Herausforderungen und Aufgaben, denen amerikanische Synagogen sich stellen müssen und wie man es möglicherweise anstellen kann, die Synagogen in lebendige Gemeindezentren zu verwandeln. Bevor ich das Buch und seinen Nachfolgeband The Spirituality of Welcoming – How to Transform Your Congregation Into a Sacred Community von Ron Wolfson für die hiesige Lektüre und Anwendung empfehle, noch einige kurze Worte zur Situation hier:
Es ist bekannt, dass die verschiedenen US-amerikanischen Gemeinden in einer völlig anderen Situation sind, als die hiesigen jüdischen Gemeinden. In den USA müssen sich die Gemeinden finanziell selber tragen und sind auf ihre Mitglieder angewiesen, bringen die Mitglieder sich nicht ein oder fühlen sich ausgegrenzt, melden sie sich ab, sind weg und zahlen an eine andere Gemeinde ihre Mitgliedsbeiträge. Das schafft in vielen Fällen natürlich schon eine freundlichere Atmosphäre, weil man auf die Mitglieder angewiesen ist. Es ist aber auch kein Geheimnis, dass dies zuweilen zu einer sozialen Auswahl der Mitlieder durch die erhobenen Beiträge führt. Kann man sich keine hohen Beiträge leisten, muß man draußen bleiben oder sich einer anderen Gemeinde anschließen. Die Gemeinden sind in jedem Falle darauf angewiesen, dass sie Mitglieder anziehen und für neue offen sind, schon auch aus finanziellem Interesse.
Welcoming...In Deutschland haben wir dagegen die Kultussteuer, die meist auch über die Kirchensteuer abgerechnet wird. Das ist komfortabel und wirkt einr Auswahl über Mitgliedsbeiträge entgegen. Dafür müssen hierzulande die Mitglieder nur verwaltet werden, statt kompliziert in die Gemeinde miteinbezogen zu werden. Das führte, gemeinsam mit der Nichtmöglichkeit, sich eine Gemeinde aussuchen zu können, zu den Effekten die wir heute haben: Zuweilen ganze Vorstands-Dynastien, teilweise autokratische Verhältnisse, Entscheidungen über die Köpfe der Mitglieder hinweg, dem Verschlafen aktueller Entwicklungen und vielerorts zu der Die Leute müssen zu uns kommen Mentalität. Das gilt natürlich nicht für alle Gemeinden, selbstverständlich. In einem System, das von den Mitgliedern allein getragen wird, kann man sich das natürlich nicht leisten.
Diesen Hintergrund haben auch die zwei Bücher aus dem Jewish Lights Verlag, die sich mit der Weiterentwicklung der Gemeinden befassen. Aus der Beschreibung von Rethinking Synagogues:

Synagogues are under attack, and for good reasons. But they remain the religious backbone of Jewish continuity, especially in America, the sole Western industrial or post-industrial nation where religion and spirituality continue to grow in importance. To fulfill their mandate for the American future, synagogues need to replace old and tired conversation with a new way of talking about their goals, their challenges and their vision for the future.
In this provocative clarion call for synagogue transformation, Rabbi Lawrence A. Hoffman summarizes a decade of research with Synagogue 2000a pioneering experiment that reconceptualized synagogue lifeproviding fresh ways for synagogues to think as they undertake the exciting task of global change.
America is undergoing a spiritual revolution: only the fourth religious awakening in its history. I plead, therefore, for an equally spiritual synagogue, knowing that any North American Jewish community that hopes to be around in a hundred years must have religion at its center, with the synagogue, the religious institution that best fits North American culture, at its very core. von hier

The Spirituality of Welcoming – How to Transform Your Congregation Into a Sacred Community bei amazon.de geht etwas weiter und versteht sich schon als konkrete Anleitung zur Einführung von Änderungen in den Gemeinden bzw:

A practical guide for envisioningand transformingyour synagogue into a powerful new congregation of welcoming, learning and healing.
The new synagogue we envision is a spiritual center for all those who set foot inside it. It is a kehillah kedoshah, a sacred community, where relationships are paramount, where worship is engaging, where everyone is learning, where repair of the world is a moral imperative, where healing is offered, where personal and institutional transformation are embraced. The times are ripe for this spiritual call.

Vielleicht ist es ja möglich, die Synagogen hierzulande, wieder zu Orten zu machen, die im Mittelpunkt des Gemeindelebens stehen und wirklich alle offen und freundlich empfängt.

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Rabbi werden mit Skype

So einfach ist die Welt – da soll jemand sagen, die liberalen und konservativen Juden würden es sich einfach machen.
Wie die JTA meldete, haben drei Studenten aus Deutschland ihre Internetausbildung beendet und wurden nun in Jeruschalajim mit einer Smichah ausgestattet, mit der sie nun zurückkehrten nach Deutschland. Die Smichah scheint durch die Orthodoxe Rabbinerkonferenz anerkannt zu sein, sind doch mindestens zwei ihrer Vertreter auch auf dem Bild zu sehen:

Germany has three new rabbis thanks to a virtual yeshiva.
Benzion Dov Kaplan, Donnell Reed and Yitzhak Mendel Wagner received their ordination Jan. 2 from the Jerusalem-based Shulchan Aruch Learning Program of Pirchei Shoshanim. The Orthodox smicha ceremony, which also included several other candidates, took place at the Western Wall in Jerusalem.
But since Kaplan, Reed and Wagner couldnt leave Germany to study in Israel, the program enabled them to complete their training via Skype, the Internet telephone service, and other Internet sites, Reed said. von hier

Ist das nicht ein beliebtes KO-Argument gegen die Smichah anderer Rabbiner, wenn diese ihre durch ein Fernstudium erhalten haben?
Wenn man Jonah Metzger glauben darf, ist es das nicht mehr:

Though it may seem somewhat unorthodox to learn over the Internet, Reed said several noted rabbis have endorsed the idea. Israels Ashkenazi chief rabbi, Yona Metzger, once told him that since Jews are urged to learn while you sit in your home and while you walk on the way, they ought to take advantage of modern technology to do so, Reed said. auch von hier

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Kabbale und Demos

Eines ist völlig klar und offensichtlich: Dieser Hammandinedschad muß gestoppt werden, seine Rhetorik ist nicht bloß eine verbale Kraftmeierei, sondern offenbart einen tief gehegten Wunsch: Die zionistische Entität vom Erdboden verschwinden zu lassen. Was das heißt ist völlig klar: Völkermord -und das nicht im rhetorischen Sinne. Oft wird dieser Begriff ja im Zusammenhang mit der Nahostpolitik Israels verwendet, nur dass die Gruppe, die diesen Begriff auf sich bezieht, nicht dezimiert wird, sondern anwächst.
Dagegen muß weltweit etwas getan werden und häufig weiß man scheinbar nicht immer wie. So erzählte ich am 3. Januar hier über eine geplante Demo in Berlin, deren (wenig schönes) Ankündigungsplakat durchs deutschsprachige jüdische (und leider auch philosemitische) Netz wandert. Das Plakat zeigt die Tore von Auschwitz und diese Art von Bildersprache ist mir grundsätzlich zuwider. Den Organisator teilte ich das auch mit, der schrieb mir, dass die meisten das gut fänden und ich solls einfach publizieren. Nun ja, einen wahrhaften Konsens konnte man das nicht nennen. Die Veranstaltung wird organisiert von ILI (I Like Israel).
Nun entdeckte ich einen Text von Uriel Kashi, der hart mit den Organisatoren ins Gericht geht:

In einem Interview mit der „Jüdischen Allgemeinen“ betont Zentralratsvorsitzende Charlotte Knobloch zwar die Notwendigkeit, die aktuellen Entwicklungen im Iran Ernst zu nehmen, kritisiert jedoch die Methoden von ILI und spricht den Organisatoren die Fähigkeit ab, nachhaltig zu arbeiten.
Tatsächlich hat Charlotte Knobloch recht. Die Methoden und Wege der politischen Arbeit, die Leo Sucharewicz, der Gründer und Koordinator von „I like Israel“ (ILI) beschreitet, wirken spätestens auf den zweiten Blick kontraproduktiv und drohen dem Image Israels sowie der Jüdischen Gemeinschaft in Deutschland längerfristig mehr zu schaden als zu nützen.
Diese Einsicht ist nicht neu: Bereits 2005 weigerte sich der Bundesverband Jüdischer Studenten in Deutschland (BJSD), den ersten bundesweiten ILI-Aktionstag zu unterstützen. Unter anderem kritisierte der Verband damals, dass ILI mit rechtsradikalen jüdischen und christlich-fundamentalistischen Gruppen kooperierte, deren israelsolidarisches Engagement mit antidemokratischen und rassistischen Positionen einhergingen. Als Beispiel diente damals die Organisation „Standingwithisrael“, die auch als offizieller Unterstützer der ILI-Initiative agierte. Unverblümt veröffentlichte diese auf ihrer Homepage antiarabische Hassartikel, die in der Forderung gipfelten, alle Bewohner des Gazastreifens zu ermorden, um dort eine einzige riesige jüdische Siedlung entstehen zu lassen. von hier

Aber Kritik wird gerecht verteilt und erklärt zugleich den Erfolg des Phänomens ILI:

Trotz all dieser Bedenken erfreut sich ILI insbesondere innerhalb der Jüdischen Gemeinden vor allem an der Basis einer zunehmenden Popularität. Vielleicht sind nicht allen Unterstützern die Hintergründe der ILI-Bewegung bekannt. Ein kürzlich erschienener zutiefst polemischer wenn nicht demagogischer – offener Brief von Leo Sucharewitz an den Generalsekretär des Zentralrats Stephan J. Kramer, der eine finanzielle Unterstützung der Demonstration ablehnte, löste allerdings bei nicht wenigen Schadenfreude und Zustimmung aus.
Der Hauptgrund dafür liegt jedoch weniger an den inhaltlichen Differenzen als vielmehr an der zunehmenden Uninteressiertheit, Distanz oder Ablehnung vieler Jüdinnen und Juden gegenüber der Arbeit des Zentralrats. Dieser hat es in den letzten Jahren (oder Jahrzehnten) versäumt, ein vertrauliches und freundliches Verhältnis zur jüdischen Basis zu entwickeln. Viele ehrenamtliche Vertreter aus den Gemeinden oder den Studentenverbänden beklagen sich seit langem über das als arrogant empfundene Auftreten der Repräsentanz. von hier

Interessant ist auch die abschließende Betrachtung, die durchaus auch andere Phänomene innerhalb der jüdischen Gemeinden beschreibt:

Gruppen wie ILI sind somit wohl auch eine Reaktion auf die angestammten und von vielen als veraltet empfundenen Institutionen. Sollte es dem Zentralrat zukünftig nicht gelingen, sich strukturell nach innen und außen zu öffnen, werden sich immer mehr Jüdinnen und Juden nach Alternativen umsehen. Das muss nicht zwangsläufig schlecht sein, birgt aber den Nachteil für die Interessenvertretung gegenüber der deutschen Politik keine, oder nur mehr eine geschwächte repräsentative Instanz zu haben.
So oder so für die Zukunft scheint nichts sinnvoller, als eine offene und aktive Bündnispolitik. Neben parteiübergreifend guten Beziehungen zur politischen Elite, sollte auch die Zusammenarbeit mit migrantischen Gruppen vorangetrieben werden, um mit diesen eine starke Basis für eine demokratische Interessenspolitik zu bilden. So wären gerade jetzt gute Beziehungen zu demokratischen Iranern in Deutschland von Nöten, um gemeinsam mit diesen und den deutschen Parteien gegen die iranische Regierung zu protestieren. von hier

Also ist das Problem im Kleinen (in vielen Gemeinden) und im Großen (im Zentralrat) das gleiche: Der Umgang mit der Basis. Schauen die Mitglieder sich nach Alternativen um, sind sie die Spalter, oder werden ganz schnell von den falschen Freunden umarmt.
ILI reagiert wiederum polemisch auf diejenigen, die die Vorgehensweise kritisieren:

manche unter Euch haben sich wirklich Mühe gegeben und unsere Arbeit erschwert. Die Demo findet statt. Überlegt Euch, von welcher Seite Ihr Applaus erhaltet.
Wir arbeiten ehrenamtlich, problemlos auch 14 Stunden täglich, behandeln gerne Drohungen von Neonazis und radikalen palästinensischen Gruppen, verzichten freiwillig seit Wochen auf unsere Freizeit, reparieren (unfreiwillig) die Schäden, die Ihr anrichtet und initiieren einen europaweiten Protest gegen Ahmadinedschads apokalyptische Drohungen. Unser Gegner sitzt in Teheran.
Und gegen wen kämpft Ihr?

:update:
Kritik deluxe könnte man sagen, denn nun prügelt Die Jüdische wiederum auf Kashi ein, der plötzlich Betreiber eines eines indirekten Israelboykotts sein soll, wie Samuel Laster schreibt (hier) und Kashi einen blassgrünen Hofjuden nennt.

Nun ist Kashi bei Cilly Kugelmanns Wanderzirkus gelandet, das ab und an auch als jüdisches Museum Berlin bezeichnet wird. Die Jobs wechseln, die Argumentation bleibt. Kashi hatte es auf einige Christliche Organisationen abgesehen, die mit Israel Solidarität bekundeten und „rechtsradikalen jüdischen Organisationen“.
Die Argumente Kashis ähneln denen des Generalskretärs des Zentralrates auf frappante Art[…] von hier

… nur, möchte man selber fortfahren, wird dem Zentralratssekretär nicht gefallen, dass Kashi auch die Versäumnisse der Zentralratsgemeinden aufzeigt und benennt, woran es hapert. Ein erster Schritt zu einer wirklich entwaffnenden Argumentation könnte sein, dass man bei ILI benennt, wer da genau mitmacht und welche Organisationen mitwirken. Dann kann man ja ausschließen, dass sich irgendwelche Gruppen, die auch Judenmission betreiben, eingehängt haben und ihr eigenes Süppchen kochen. Transparenz könnte also das Zauberwort heißen um Kritiker zu entwaffnen, denn dann könnte jeder sehen, ob sich tatsächlich rechte Gruppen und Evangelikale hinzugesellt haben.

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Haftarot-Liste

Liste der Haftarot - Bild
Vor einiger Zeit warf ich in der tikschoret-Liste die Frage auf, ob es auch mögliche Alternativen (wie etwa die wenigen liberalen Alternativen) zu den Haftarot gäbe. Die Antworten darauf waren bunt gemischt, eine wahre Alternative ergab sich nicht, also durchsuchte ich das Web nach allem, was zu diesem Thema listenartig zusammengestellt worden war und generierte eine Tabelle, die Ihr in Form einer (hebräischen) pdf-Datei herunterladen könnt. Die Liste berücksichtigt die meisten Minhagim, allerdings fehlen hier die liberalen Änderungen:
Liste der Haftarot

Wie ich ausgerechnet jetzt auf dieses Thema komme? Letzten Schabbes hätte der Maftir der aus einer zweiten Rolle gelesen werden müssen (Numeri 28:11 – 30:1), weil Schabbat RoschChodesch war. Üblicherweise wird dazu eine zweite Torah ausgehoben und diese nach dem siebenten Aufruf für den Maftir geöffnet. Der Vorbeter in meiner Heimatgemeinde, der praktisch nur Gastkantor war (einer der Guten 🙂 ), wies erst vor dem Aaron haKodesch den Vorsitzenden darauf hin, dass wir eine zweite Torah benötigen (der Rosch Kehillah wußte das nicht) und als die Torahlesung soweit war, wurde es interessant. Der Vorbeter wollte, wie es üblich ist, sich anschicken den Maftir (aus Pinchas) zu lesen. Zu diesem Zweck wurde die erste Torah zusammengerollt , Halbkaddisch gesagt und zur Hagba’ah vorbereitet und diese wurde auch gemacht… dann schritt der Rosch Kehilah ein und verlangte, dass der Maftir sowohl den Maftir-Abschnitt aus Wa’era, als auch den aus der zweiten Rolle lesen müsse. Der Vorbeter protestierte nur kurz, der Rosch war beharrlicher… also wurde dieser Abschnitt aus einem Chumasch gelesen und dann wurde noch lange in der zweiten, nicht eingestellten, Torahrolle nach Pinchas gesucht und meine Geduld rieselte durch eine winzige Sanduhr dem Nullpunkt entgegen. Durch das Gesuche und Diskutiere konnte ich mit viel Zeit beide Haftarot in meinem Chumasch lesen und wurde daran erinnert, dass viele liberale Gemeinden den Maftir gegen einen aus der Paraschah Bereschit ausgetauscht haben, in dem über die Zeichen für Monate und Zeiten gesprochen wird.

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Kaufbefehl: Diaspora

Hong-Kong
Copyright Frdric Brenner, courtesy Howard Greenberg Gallery.

Wieder ist es der Onlineshop von Zweitausendeins, der ein hervorragendes Buch zu einem mehr als hervorragendem Preis verkauft: Diaspora von Frdric Brenner. es erschien bereits 2003 und zeigte die Vielfältigkeit der jüdischen Diaspora und zwar buchstäblich überall auf der Welt. So finden wir Bilder aus Frankreich, den USA, Afrika und aber auch China und den arktischen Regionen. Ein ganz guten Vorgeschmack bietet die Internetseite zum Buch diaspora homelands in exile.

Diaspora-BuchWir alle wissen mehr darüber, wie Juden starben, als wie sie heute leben.“ Mit diesem Leitsatz machte sich der junge französische Ethnologe Frdric Brenner auf den Weg, um jüdische Lebensformen auf der ganzen Welt kennen zu lernen. Im Alter von 19 Jahren erreichte er die frommen Bewohner von Mea Schearim, die im Nahen Osten die getreue Kopie eines osteuropäischen Schtetls der Vorkriegszeit errichtet haben. Doch das war erst der Beginn einer über zwei Jahrzehnte dauernden Reise durch mehr als 40 Länder. Brenner fotografierte Menschen in Gibraltar und im Jemen, in Tunesien und in Bosnien, in Moskau und in New York, in Argentinien, in Indien und Alaska.
Auf eine außergewöhnliche Gemeinde stieß er mitten in Äthiopien. Die Menschen dort pflegten über tausend Jahre hinweg in völliger Isolation uralte Bräuche und erfuhren erst in den 1930er Jahren von ihren „weißen“ Glaubensbrüdern. Auch in Deutschland konnte Brenner ein wieder erwachendes jüdisches Leben dokumentieren. „Kaum ein Buch ist mir in den letzten Jahren so nahe gegangen …
Brenner besuchte die Orthodoxen und die Assimilierten, die Sephardim und die Askenasim – und allen gab er mit seinen sensiblen Schwarzweiß-Aufnahmen ein Gesicht und eine Identität. Im Wechsel von Reportagebild und streng gebautem Foto ist Brenner ein einzigartiges Dokument über die Vielfalt jüdischer Lebensformen gelungen“ (Axel Hecht, Art). „Brenners Bilder sind auch eine Hommage an die Diaspora, an das Glück im Exil“ (Stern).
So entstand ein Jahrhundert-Projekt, das erstmals die ganze Vielfalt des zeitgenössischen jüdischen Lebens in aller Welt dokumentiert.
„Kaum ein Buch ist mir in den letzten Jahren so nahe gegangen … Brenner besuchte die Orthodoxen und die Assimilierten, die Sephardim und die Askenasim – und allen gab er mit seinen sensiblen Schwarzweiß-Aufnahmen ein Gesicht und eine Identität. Im Wechsel von Reportagebild und streng gebautem Foto ist Brenner ein einzigartiges Dokument über die Vielfalt jüdischer Lebensformen gelungen“ (Axel Hecht, Art). Seine Aufnahmen legte Brenner Intellektuellen wie Jacques Derrida, Benny Lvy, Elfriede Jelinek, Carlos Fuentes, George Steiner u.a. vor, die 60 der Fotos ausführlich kommentieren. von hier

Das Buch kostet nun statt 98,00 nur 19,95 ; die Bilder sind großartig, die Texte im zweiten Band sind es nicht weniger, denn Bildband und Textband sind voneinander getrennt, eine ausgezeichnete Entscheidung. Die Texte sind unter anderem von Jacques Derrida, Erfriede Jelinek, Benny Levy, Stephen Greenblatt, Ammiel Alcaly, Carlos Fuentes und Tavi Blanchard. Sie beschreiben nicht direkt was der Betrachter ohnehin sieht, sondern was die Autoren sehen und verfassten kleine Prosatexte dazu. Bemerkenswert ist auch ein Satz aus dem Vorwort:
Lässt man sich ernsthaft auf Brenners Fotos ein, so begreift man, dass die jüdische Identität ja die Wirklichkeit überhaupt viel zu fließend ist, um in ein einzelnes Bild oder eine einzelne Definition gebannt zu werden.
hier gibt es das Buch