Dame Edna bloggt

Bisher durfte Edna Brocke sporadisch für die WAZ jüdisches kommentieren und nutzte die Chance auch gleich, um den Liberalen ihre Meinung zu sagen (siehe bsp. hier, ein Kommentar zu diesem Artikel führte mich auch auf die Fährte), nun hat die Leiterin der Alten Synagoge Essen und Hannah Arendt-Nichte ein erweitertes Betätigungsfeld erhalten: Sie bloggt für die Zeitung, vielmehr: sie schreibt Kommentare für den Internetteil der WAZ, denn Interaktivität findet eigentlich nicht statt. Jedenfalls geht sie auf die Kommentare unter den Blog-Einträgen nicht ein. Hier im Ruhrgebiet hat sie viele Fans, meistens sogenannte interessierte Nichtjuden die an ihren Lippen kleben und sich von ihr das Judentum erklären lassen und sie dafür ganz toll finden und gerne auch mal betroffen sind. Kurzum, sie gilt als Autorität.
Wenden wir uns aber ihren Blog-Einträgen zu, den Blog-Einträgen einer wahrhaften Autorität. Diese befremden mich ein wenig, so kenne ich einige Menschen, die sich für die Stolpersteine einsetzen, ja sogar in Ungarn dies als Aufgabe empfinden, um das Gedächtnis an die Opfer wach zu halten, und diese Leute kommen gar nicht gut weg bei Frau Brocke:

Man könne/dürfe doch nicht zur Arbeit oder in den Urlaub fahren, ein Brötchen beim Bäcker holen oder einfach nur Shoppen gehen, ohne an die Massenmorde des NS-Regimes erinnert zu werden. Wer sich dagegen wehrt, wird umgehend in eine Ecke gestellt. …
Die Eroberung des Alltags geht mit dem erhobenen Zeigefinger munter weiter. In Bürgersteige eingelassene Gedenksteine sollen die Menschen stolpern lassen. Es wäre ja auch schlimm, würde man sie auf dem Weg zum Friseur oder zum nächsten Kiosk sich selbst überlassen. Nun sollen die Bahnhöfe mittels volkspädagogischer Eroberung erreicht werden. von hier

Der Beifall ist ihr sicher – nur sicher aus der falschen Ecke. Hier werden (meiner Meinung nach) zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen: 1. Die entgültige Anbiederung an diejenigen, die von allem genug haben und 2. natürlich die Aufwertung der eigenen Einrichtung. Vielleicht kratzt da wer am Monopol, wenn die Erinnerung demokratisiert wird (im Sinne von: einer größeren Masse unkommentiert zugänglich gemacht wird). Diejenigen, die sich also für derlei Aktionen engagieren müssten sich, laut Frau Brocke, also schnell ein anderes Betätigungsfeld suchen…

Vielleicht für die Freunde der 1. Fliege schreibt sie in einem anderen Artikel:

Sie [die Feststellung Klaus J. Bade] widerspricht dem gerne gepflegten Mythos, Zuwanderung wäre per se eine Bereicherung für dieses Land. Realitätssinn scheint sich zu entwickeln aber erst als zartes Pflänzchen. von hier

woanders dann auch:

Gleichzeitig hat man nur rd. 900 hoch qualifizierte Ausländer zu einer Beschäftigung in Deutschland gewinnen können.
Mit anderen Worten: Menschen, die als Leistungsträger dringend gebraucht werden, gehen, – und Leistungsträger aus dem Ausland kommen nicht. Sie gehen lieber in die USA und in andere attraktive Einwanderungsländer.
Dies ist nur die eine Botschaft der Zahlen. Während dieser Brain-Drain der Hochqualifizierten nicht gestoppt werden kann, leben hier zahlreiche Zuwanderer, die bis heute nicht in diesem Land angekommen sind weder mental, noch beruflich. von hier

Da wird es einem direkt unheimlich, ein Resümee zu ziehen… Am Ende aber dann sagen: Oh – hier gibt es Menschen die rechts denken… Vielleicht bin ich aber auch nur zu empfindlich.

Chajm

Chajm ist nicht nur Autor dieses Blogs und Bewohner des Ruhrgebiets, sondern auch Herausgeber von talmud.de und Organisator des Minchah-Schiurs im Ruhrgebiet. Einige seiner Artikel gibt es nicht nur im Internet, sondern beispielsweise auch in der Jüdischen Allgemeinen. Über die Kontaktseite kann man Chajm eine Nachricht senden. Man kann/soll Chajm auch bei twitter folgen: @chajmke. Chajms Buch »Badatz!« 44 Geschichten, 44 zu tiefe Einblicke in den jüdischen Alltag, gibt es im Buchhandel und bei amazon. Sein Buch »Tzipporim: Judentum und Social Media« behandelt den jüdischen Umgang mit den sozialen Medien. || Um per Mail über neue Beiträge informiert zu werden, bitte hier klicken

3 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Mein gespaltenes Verhältnis z. “Gedächtniskult” ist hinlänglich bekannt. Tote Juden zu bestimmten Terminen hervozuzerren ist eine Sache. Aber zu zeigen, wo Juden LEBTEN, wie sie in den Alltag integriert waren, daß sie ein Bestandteil des Lebens waren, ist die andere Sache. Mit den Stolpersteinen wird das frühere jüdische Leben gezeigt. Ein Buchladen, das früher einmal eine jüdische Metzgerei war, warum nicht? Ein Drogeriemarkt, früher Eisenwarenhandlung, warum nicht? Ich kenne die Vorbehalte von Geschäftsleuten in Brühl. Einige meinten, das würde dem Umsatz schaden. Ein Lehrer hatte den Einwand, seinen Kindern würde es seelisch schaden zu wissen, daß in seinem Haus früher Juden gewohnt haben. Wenn es solche Meinungen gibt, dann können Stolpersteine nichts bewirden. Aber nicht nur Stolpersteine. Dann hilft nichts. Auch nich Dame Ednas Kommentare und und Vortäge für “interessierte Mitbürger” Dann werden wir auf Museen, Mahnmale, Reden und Edna B. reduziert.

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  2. Ups, jetzt habe ich in meinem Blogg meinen Senf dazu gegeben, da ich ja auch schon mit Dame Edna konfrontiert war, prompt erreicht mich eine unerwartete “Leserbriefflut”. Offensichtlich wird es von einigen gar nicht gern gesehen, wenn man die alleinseligmachende Gedenkverwalterin ankratzt… naja, manche scheinen ihren til zu brauchen….

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  3. Pingback: Chajms Sicht » Der Islam mit antisemitischem Fundament

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