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Da ist sie wieder

Evelyn Hecht-Galinski war hier ja schon häufiger mal Thema weil sie ihren prominenten Vater als Referenz für ihr heutiges Wirken angibt. Nun wies Henryk Broder gestern hier auf diese Anzeige in der FAZ hin:

IN MEMORIAM
Heinz Galinski s.A.

Ich habe Auschwitz nicht überlebt,
um zu neuem Unrecht zu schweigen.
geboren 28.11.1912 gestorben 19.7.1992
Evelyn Hecht-Galinski

Wer die anderen Beiträge zu der Dame in diesem Blog gelesen hat, wird diese Anzeige schon im richtigen Zusammenhang verstehen. Ein solches Mittel um sich wieder in den Diskurs einzubringen?
Übrigens möchte ich anfügen, dass ich ein großer Freund der Abkürzung sel. A. statt der Abkürzung SA bin…

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Aya Korem

Lisa Goldman präsentiert in ihrem Blog Musik von Aya Korem, den Tipp möchte ich natürlich gerne weitertragen. Sie präsentiert einen Song namens Yonatan Shapira (Yonatan Shapira ist ehemaliger Hauptmann der israelischen Luftwaffenreserve, er verweigerte die gezielte Hinrichtung aus der Luft) und einen namens Kajitz – Sommer für beide Songs liefert sie auch gleich die englische Übersetzung mit. Hier also Yonatan Shapira:

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Bork-Bilder

Für eine Dokumentation über die Autorin Ruth Weiss und ihr Buch Meine Schwester Sara besuchte der Verlag Krapp & Gutknecht im Sommer auch die Synagoge Selm-Bork, die von EtzAmi genutzt wird und dort entstanden einige Fotografien, von denen ich einige natürlich mit den Lesern des Blogs teilen möchte – in aller Bescheidenheit natürlich auch, weil ich selbst mit auf den Bildern bin 🙂

Bei der Torahlesung mit Ruth:
Ruth und Chajm - Torahlesung
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Wer hätte das gedacht?

In Wien wurde in der Nacht von Samstag auf Sonntag die jüdische Schule von Chabad und Lauder durch einen Einzeltäter verwüstet. Als Grund, wer hätte das gedacht, gab er an, er möge Juden nicht:

Der Mann, der in der Nacht auf Sonntag die jüdische Schule am Rabbiner Schneerson-Platz in Wien-Leopoldstadt verwüstete, habe bei seiner Einvernahmen durch Beamte des Landesamts für Verfassungsschutz und Terrorismusbekämpfung (LVT) erklärt, dass er Juden nicht möge. Das sagte ein Sprecher der Wiener Polizei am Montag. Die Identität des Mannes sei weiterhin nicht hinreichend geklärt.
Der etwa 30 Jahre alte Mann habe einen Namen und ein Geburtsdatum genannt, beide müssten noch überprüft werden, sagte der Sprecher. Der Verdächtige sei in Österreich nicht gemeldet und habe ausgesagt, hier auch keine Bekannten zu haben. Wie er auf die Lauder Chabad als Ziel kam und woher er die Eisenstange hatte, mit der er unter anderem Fensterscheiben sowie Waschbecken zertrümmerte, habe er nicht erklärt, sagte der Sprecher. vienna.at

Der bebilderte ORF-Bericht darüber ist nicht weniger verstörend – wie kann es sein, dass jemand seinem Antisemitismus derartig ungebremst freien Lauf lässt? Offensichtlich ist das Gebäude zu schlecht gesichert und offensichtlich ist das auch dringend nötig…

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Das Manifest in Frage gestellt…

Am 16. November wurde hier (in diesem Blog also) über das Manifest der 25 berichtet, dass die Frankfurter Rundschau vollständig veröffentlichte. Gerade durch die Lauffeuerartige Verbreitung über das Internet, muß einiges an Kritik an dem Text laut geworden sein. Nun (am 25.November 2006) legte die Frankfurter Rundschau nach und veröffentlichte eine Gegenrede von Markus Weingardt, der sich mit dem Thema auch tatsächlich auskennt. Er ist Autor des Werks Deutsche Israel- und Nahostpolitik. Zur Geschichte einer Gratwanderung seit 1949. Die Frankfurter Rundschau zeigt schon einiges an Größe, wenn sie diese Gegenrede selber veröffentlicht (hier):

Das „Manifest der 25“ plädiert dafür, die besonderen Beziehungen zwischen Deutschland und Israel neu zu überdenken. Viele Aussagen sind höchst zutreffend, andere aber höchst beunruhigend.
Es beginnt damit, dass die Autoren die israelische Außenministerin Livni zitieren. Dutzende führende Bundespolitiker ließen sich mit der Leerformel von den „besonderen Beziehungen“ zu Israel zitieren. Und doch muss die israelische Ministerin herhalten, um daran eine Interpretation dieser Besonderheit aufzuhängen. Soll damit vermittelt werden, dass Israel auf eine Besonderheit besteht, die in Deutschland so niemand sieht? Oder soll es als israelische Forderung suggeriert werden, wenn es weiter heißt: „Deutschland hat sich uneingeschränkt (für Israel) einzusetzen.“ Warum? Wer sagt das? Das wird vielsagend offen gelassen und lässt damit Raum für unsägliche Spekulationen. Frankfurter Rundschau online

Bei seiner Argumentation zieht er ein sehr interessantes Beispiel heran:

Der Protagonist offener Israelkritik war Jürgen W. Möllemann. Schon 1978 attackierte er Israels Ministerpräsident Begin u.a. als Kriegsverbrecher und wollte ihn vor einen internationalen Gerichtshof stellen – darauf hinweisend, dass auch der Umstand, dass Begin Jude sei, niemanden an dieser Feststellung hindern könne. Zur Strafe für diese „verbotene Kritik“ wurde er wenig später Staatsminister im Auswärtigen Amt. Später schwadronierte er öffentlich von einer „zionistischen Verschwörung“ gegen seine Person – um anschließend (!) zum Bundesminister für Bildung und Wissenschaft, später gar Bundeswirtschaftsminister aufzusteigen.

Weingardt kommt, ganz unaufgeregt, zum gleichen Schluß wie viele andere, die den Text aufmerksam lasen:

Stattdessen wird ein gefährlich klischeebesetztes Bild von den deutsch-israelischen Beziehungen und von Israel gezeichnet, das darauf hinausläuft: Israel nutzt Deutschland aus und zockt Waffen ab – und Deutschland „hat sich“ zu beugen und ansonsten gefälligst den Mund zu halten.

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Site unseen

Sight site unseen ist der Titel der Ausstellung von Shirley Wegner in der Theatergalerie am Museum X in Mönchengladbach.

Shirley Wegner ist eine israelische Künstlerin, die sechs Monate als Stipendiatin der Stadt Mönchengladbach und der Josef und Hilde Wilberz-Stiftung in Mönchengladbach gelebt und gearbeitet hat.
Eine ihrer großen, raumfüllenden, Installationen führt mich gleich auf den Holzweg. Aus Kiefernholz hat sie einen stürzenden Wachturm gebaut (siehe mein Bild).
Wachturm
Sofort sage ich zu ihr, ein hölzerner Wachturm erinnere mich sofort an Konzentrationslager, sie antwortet, das sei zum Teil provoziert und fordert mich auf, die konstruierte Sicht auf die Wirklichkeit aufzugeben beziehungsweise sie arbeite mit der Annahme, unsere Sicht auf die Dinge sei konstruiert. Wenig später entdecke ich an der Wand in direkter Nachbarschaft eine Skizze der Installation mit einer Fotografie des originalen Turms, aufgenommen im Kibbuz Hanita…

In einem anderen Raum hängen großformatige Fotografien einer verstörenden Landschaft, wieder ein Wachturm, aber diesesesmal auch Spuren von Fahrzeugen im Sand. Bilder dieser Art geistern regelmässig durch die Medien:
Explosion
Zum Teil könnte man meinen, es sei gemalt, dann könnte man meinen, es sei gut fotografiert und das ist es tatsächlich. Lediglich die fotografierte Landschaft ist konstruiert – aus einfachsten Materialien ist sie in ihrem Atelier entstanden und dann durch die Fotografie erst zum Kunstwerk geworden. Möglicherweise ein Kommentar zur Situation in Israel und um Israel herum? Oder zum Umgang mit dem Konflikt?

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Die jüdische Kefije

Die Kefije, auch Palästinensertuch genannt, wird hierzulande (eigentlich überall in der westlichen Welt) gerne als modisches Accesoire von linksgerichteten Jugendlichen getragen, dabei ist es aber in seiner ursprünglichen Intention eigentlich ein Symbol für den Kampf gegen Israel. Manchmal wird sie diffus als Symbol für den Widerstand verstanden, in erster Linie steht sie aber, wie bereits beschrieben, für den Kampf gegen Israel. Die FAZ beschreibt, wie das Tuch nach Deutschland kam:

Das Palästinensertuch kam, folgen wir den Hinweisen von Forschern, die sich mit der Geschichte der 68er-Bewegung befaßt haben, in die dafür völlig unvorbereitete Bundesrepublik Deutschland, als sich Mitglieder des Palästina-Komitees – eines Sprosses des Sozialistischen Deutschen Studentenbundes – nach Palästina aufmachten, um sich vor Ort die PLO und deren Kampfmethoden anzuschauen und davon zu lernen. Die gleiche Situation: Die Sonne schien, die Häupter brauchten Schutz. Die Tücher lagen für die Gesandten griffbereit. FAZ-online

Für junge Jüdinnen und Juden ist/sollte das Tuch daher eigentlich ein Tabu sein. Damit man aber modemäßig nicht zurückbleiben muß, gibt es jetzt auch die Kefije Jisraelit

Kefije israelit

Diese stellt Daniel Sieradski auf Orthodox Anarchist vor:

For Mark Israel, creator of the kaffiyeh yisraelit, The Khaffiya has become a trendy accessory among students but has obvious connections to the Arab cause preventing Jews from wearing it. Our idea was to produce an Jewish/Israeli version that would allow the wearer to identify themselves with Israel and at the same time be fashionable. In that, Israel wanted to allow Jewish people to wear this popular item without any reference to being a supporter of Arab or anti-Israel groups.

As an art piece, I consider it an intellectual provocation a think piece, if you will particularly when contextualized within the safe setting of an art gallery. As a fashion accessory? I find it a somewhat troubling co-optation of a Palestinian symbol of resistance one with a lot of baggage, as the kaffiyeh rises in ascendancy on the far-Right and the far-Left as a symbol of explicit hostility towards Israel and its supporters. von hier

Eine Bezugsadresse hat er auch genannt:

Pre-orders, props, and hate mail can be directed to mark at bianca-alena dot co dot uk.

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Sich weiter einmauern…

Die israelische Orthodoxie sieht ihre Pfründe schwinden, deshalb (vgl. Rabbi Lior sagt Nein zu Klal Jisrael) kommt der sefardische Oberrabbiner Shlmoh Amar nun mit einem neuen Vorschlag um die Ecke – wie die Jerusalem Post berichtete, strebt er eine Änderung des Rückkehrgesetzes an. So soll es so modifiziert werden, dass ausländische Übertritte nicht mehr in der Form anerkannt werden, dass mit ihnen die israelische Staatsbürgerschaft erlangt werden kann.

„We don’t want a situation where the Law of Return and the rights that it grants are being used indiscriminately,“ Amar said. „[The proposal] relates to the conversion aspect of the Law of Return, and to those who convert. They are able to come as citizens through other laws, and that is fine. They can come and request citizenship. There are a lot of people that do this, and of course they will be considered.“ Jerusalem Post

In dem Artikel wird weiter berichtet, der Oberrabbiner habe behauptet, den Vorschlag an das Büro des Premierministers übergeben zu haben. Dort wisse man allerdings nichts über diesen Vorschlag.

„This draft legislation proposes… that conversions – Orthodox, Conservative or Reform – will no longer give the convert an automatic right to citizenship. Rather, the convert will be allowed to naturalize in accordance with objective criteria of citizenship.“
According to sources close to the Justice Ministry, both Attorney-General Menahem Mazuz and the deputy attorney-general for legislation, Yehoshua Schoffman, oppose the proposed legislation. They reportedly are critical of the fact that converts who converted years ago for purely religious reasons would also be denied citizenship.

Ein möglicher (wahrer) Grund für diese Aktion könnte sein, dass die Orthodoxie ihre Muskeln spielen lassen will und ihre Wichtigkeit für den Staat (und im Staat) Israel untermauern will, während auf der anderen Seite das Reformjudentum langsam an Boden gewinnt. Derzeit gibt es 21 progressive Synagogen in Israel und etwa 33 konservative (Masorti) Synagogen mit etwa 50000 Mitgliedern. Da (größtenteils in den USA) 75% aller Menschen, die überhaupt Synagogengemeinden angehören, zu einer nicht-orthodoxen Synagoge gehören, müssen nun natürlich die Claims abgesteckt werden. So gehören folglich natürlich auch viele übergetretene Jüdinnen und Juden zu diesen Gemeinschaften und einige planen natürlich auch die Alijah. Der Kampf geht in eine weitere Runde – auf der anderen Seite verlangt Amar nach einer gesetzlichen (nicht religiösen?) Regelung der Staatsbürgerschaft (vielleicht schafft er es hier den Jüdische Mutter Passus einzubauen), die sich eventuell später gegen ihn wenden könnte, denn wer garantiert schon, dass das Gesetz in seinem Sinne umgesetzt werden würde.
:update: Ein Artikel auch auf den Seiten von Haaretz

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Wem gehört Diebesgut wohl?

Nur wenige (aber aufgeregte) Sätze über die rezente Raubkunstberichterstattung:
Hat der Dieb eine moralische Verpflichtung seinem Diebesgut gegenüber?
Oder der Hehler? So kommt es einem vor, wenn man dieDiksu Diskussion um die sogenannte Raubkunst verfolgt. Die Sachverhalte sind eigentlich einfach: Die Nazis enteigneten jüdische Familien, arisierten ihren Besitz. In der Nachkriegszeit finden wir die Gemälde, Bilder und andere Kunstgegenstände in Museen und Galerien. Später wurde in der Washingtoner Erklärung festgelegt, dass eine Rückgabe der geraubten Kunstwerke durchaus erstrebenswert sei. Das passiert nun allmählich. Die Bilder gelangten nun zu ihren rechtmäßigen Besitzern. Und: Oh Grauß! Einige Besitzer veräusserten die Kunstgegenstände auf Auktionen. Nun kommt Hast in den Kunstmarkt:

Transparenter, koordinierter und nachvollziehbarer“ soll die Rückgabe von Kunstwerken künftig sein. Darauf verständigte sich Kulturstaatsminister Bernd Neumann mit Museumsdirektoren und Kunstexperten. Eine Arbeitsgruppe soll die derzeitigen Handhabungsregeln „im Hinblick auf ihre friedensstiftende Wirkung und auf ihre Praktikabilität“ überprüfen. Spiegel online

Im Falle von Ernst Ludwig Kirchners Straßenszene, Berlin aus dem Jahr 1913, sprach der Freundschaftskreis des Museums sogar von Verschenkung des Bilds(siehe auch hier) und damit meinten sie nicht die Enteignung durch die Nazis.
Im Zusammenhang mit der Berichterstattung über derlei Vorgänge war oft von den heutigen jüdischen Besitzern zu hören, die die Bilder so schnell wie möglich zu Geld machen wollen. Ist es 1.) nicht so, dass ich als Besitzer einer Sache damit machen kann, was ich für richtig halte und 2.) der geldgierige Jude wieder in den Köpfen der Menschen unterwegs ist?