Schanah Tovah und Ramadan Mubarak!

Schanah Tovah!
Allen bekannten und unbekannten Leserinnen und Lesern dieses Blogs (und talmud.de) auch auf diesem Wege Schanah Towah!
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Und weil auch in diesem Jahr Rosch haSchanah mit Ramadan zusammenfällt, wünsche ich denjenigen die es betrifft deshalb auch Ramadan Mubarak!
Vielleicht gelingt es uns in den kommenden, wichtigen, Tagen auf gemeinsame Werte zu besinnen und diese herauszustellen. Im vergangenen Jahr habe ich versucht, die Wichtigkeit dieses Dialoges zu unterstreichen und die Ereignisse in den Fokus zu rücken, die dafür wichtig waren. Umso erfreuter war ich natürlich, dass mein Artikel über die Verleihung des Muhammad-Nafi-Tschelebi-Preises an Rabbiner Dr. Henry Brandt in der Jüdischen Zeitung und auf talmud.de, so gut rezipiert worden ist. Selbst in Israel konnte man offenbar darüber lesen.
Preisverleihung an  Rabbiner Dr. Brandt

Ich bewundere die observanten Muslime (kann man das so schreiben?), dass sie ihre Religion tatsächlich leben und das vollständig in ihren Alltag einfließen lassen. Sie zeigen das, selbstverständlich, auch nach außen und empfinden das nicht als ein belastendes Paket ihrer Vorfahren. Ich würde auch gern mit meiner Kippah auf die Straße gehen, leider geht das meist nicht, was wiederum an denjenigen liegt, die ihre Reliogon wohl besonders streng nehmen und mich deshalb nicht tolerieren können und angespuckt zu werden, hier einen der kleineren Zwischenfälle darstellt. Wann übernehmen endlich wieder diejenigen das Ruder und die bestimmen diejenigen das Alltagsbild, mit denen ich in dieser Dialogarbeit zusammengetroffen bin? Diejenigen, die möchten das man ihre Überzeugung ernst nimmt und deshalb auch andere Überzeugungen ebenso ernst nehmen und respektieren. Leider wird nur allzu bereitwillig der Platz freigeräumt für diejenigen, die am lautesten rufen und schreien. Offenbar ist es ein falsch verstandener Respekt der besonders gutmeinenden, wenn man seine eigenen Grenzen nicht zu ziehen vermag. Als ich vor einiger Zeit in einer Moschee eingeladen war, zu einer Trialog-Veranstaltung, um dort über meine heiligen Schriften zu referieren, war ich einer von drei Referenten. Ein junger Mann von der Moschee und eine Dame von einer theologischen Fakultät hier im Ruhrgebiet waren die anderen Referenten. Nach mir (wenn ich mich richtig erinnere), war die Dame an der Reihe, die über die heiligen Schriften des Christentums erzählen sollte. Leider hat sich das nicht getan, sondern sich fortwährend entschuldigt, dass man ja die Schriften des Judentums vereinnahmt habe und darüber erzählt, dass man sich der jüdischen Wurzeln der ganzen Sache bewußt geworden sein. Vermutlich fiel sogar der Satz Jesus war ja auch Jude (mein Tipp an christliche Leser: Vermeiden Sie solche Phrasen bitte- Danke!). Ihr ganzer Vortrag war eine einzige Entschuldigung. Von einer Grenzziehung oder von eigener Substanz keine Spur. Wir wissen doch aber, wie das mit den Zäunen und den Nachbarn ist. Letztendlich empfand ich das Gespräch mit den muslimischen Teilnehmern interessanter und bereichernder, weil sie sich der Grenzen genau so bewußt waren, wie der ähnlichen Alltagsprobleme die man hat, wenn die Religion jeden Bereich des täglichen Lebens durchwirkt.

Vielleicht schaffen wir es im kommenden Jahr 5767 den Schreihälsen weniger ein Forum zu geben als denjenigen die tatsächlich etwas wichtiges zu sagen haben und vielleicht lernen die Gutmenschen endlich zwischen Islam und Islamismus endlich zu unterscheiden und helfen somit uns allen die Konflikte tatsächlich zu lösen. Man muß dazu aber die Dinge beim Namen nennen: Selbstmordterroristen sind keine Widerstandskämpfer und terroristische Milizen sind keine Truppen irgendeines Landes das überfallen worden ist. Wenn man Juden auf der Straße anspuckt oder verprügelt, dann ist das kein soziokulturelles Problem von Jugendlichen, sondern tradierter Antisemitismus, den man auch so nennen darf. Man tut niemandem einen Gefallen, wenn man diese Dinge zugunsten eines Dialoges mit zugekniffenene Augen, unter den Tisch fallen lässt. Jemand anderer wird unsere Probleme nicht lösen. Reden wir mit denen, die auch reden wollen. Alle anderen wollen nicht Teil einer Gesellschaft sein, in der alle gleichberechtigt miteinander leben.
Übrigens verweist Velveteen Rabbiauf einen sehr guten Artikel über den Fastenmonat Ramadan: The tent of Abraham – The Meaning of Ramadan.

Im Buche des Lebens, des Segens, des Friedens und gesegneter Erhaltung mögen wir bedacht und vor dir eingeschrieben werden wir und dein ganzes Volk, das Haus Jisrael, zu glücklichem Leben und zum Frieden!

Chajm

Chajm ist nicht nur Autor dieses Blogs und Bewohner des Ruhrgebiets, sondern auch Herausgeber von talmud.de und Organisator des Minchah-Schiurs im Ruhrgebiet. Einige seiner Artikel gibt es nicht nur im Internet, sondern beispielsweise auch in der Jüdischen Allgemeinen. Über die Kontaktseite kann man Chajm eine Nachricht senden. Man kann/soll Chajm auch bei twitter folgen: @chajmke. Chajms Buch »Badatz!« 44 Geschichten, 44 zu tiefe Einblicke in den jüdischen Alltag, gibt es im Buchhandel und bei amazon.

4 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Auch auf die Gefahr hin, mißverstanden zu werden: Die Haltung der Dame, die sich fortwährend dafür entschuldigte, dass man ja die Schriften des Judentums vereinnahmt habe usw. erscheint mir typisch für die derzeitige “öffentliche Meinung” in Deutschland zu sein. Und zwar nicht nur für das Verhältnis nichtjüdischer Deutscher zu Juden. Sie ist meiner Ansicht nach gekennzeichnet durch a) anerlerntes Schamgefühl gegenüber den Opfern bzw. ihren Nachkommen. Die Frau hat gelernt, dass “man” gefälligst ein schlechtes Gewissen bzw. Schuldbewußtsein zu zeigen hätte – was sie anscheinend überreichlich tat, b) dem Hang, sich den “Opfern” anzubiedern, nach Bestätigung zu suchen – nicht der “Opfer” wegen, sondern der eigenen verletzten Eitelkeit zuliebe, um sich selbst als “guter Mensch” bestätigt zu sehen. c) dem Verzicht auf die offenbar unbequeme Erkenntnis, dass die Konsequenz aus schlechtem Gewissen – ob echt oder nur der “pc” wegen vorgespielt – sein sollte, es besser (im ethischen bzw. moralischen Sinne) zu machen. Jammern und anbiedern ist da offensichtlich bequemer. Worauf es ankommt, ist das aktuelle Tun und sind die Ziele.
    Der deutlichen Grenziehung zuliebe hätte sich die gute Frau meiner Ansicht nach auf die christliche Bibel, das “neue Testament” konzentrieren sollen – und wenn sie schon mit dem christlich-jüdischen Verhältnis auseinandersetzt, sie besser die antijüdische Aussagen innerhalb der heiligen Schrift des Christentums reflektiert hätte.
    Allerdings – da ich weder Christ noch Jude noch Moslem bin, steht es mir im Interesse der notwendigen Grenzziehung streng genommen nicht zu, zu diesem Thema meinen Senf abzugeben. Grenzziehung ist ein schwieriges Geschäft.

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