Transliteriert und linear übersetzt

Mehr geht eigentlich nicht und das erkennt man dann auch am Layout der Seite… Artscroll gehört zu den Pionieren jüdischer Verlagstätigkeit und die Siddurim hatten Vorbildcharakter für andere Veröffentlichungen (was nichts darüber aussagt, ob sie es besser gemacht haben. Im Prinzip ist es das gleiche wie früher, nur etwas schöner, dazu siehe auch meinen Blog-Eintrag hier– mit der großen Diskussion). Nun erschienen die Tehillim hebräisch, transliteriert, linear übersetzt und kommentiert:
Tehillim
Die Transliterated Linear – Seif Edition (hier bei Artscroll anschauen) ist eines von vielen anderen Büchern auf dem Weg zu vollständig transliterierten Gebeten. Meine Sorge dabei wäre allerdings, dass man mit einem solchen Service keine Veranlassung mehr sieht, Hebräisch lesen zu lernen. Dagegen gibt es eine fantastische lineare Übersetzung, die vielleicht dabei behilflich sein könnte, tatsächlich zu verstehen, was man liest.

Veröffentlicht am
Kategorisiert in Jüdisches, Siddur

Von Chajm

Chajm Guski ist nicht nur Autor dieses Blogs und Bewohner des Ruhrgebiets, sondern auch Herausgeber von talmud.de und Organisator des Minchah-Schiurs im Ruhrgebiet. Einige seiner Artikel gibt es nicht nur im Internet, sondern beispielsweise auch in der Jüdischen Allgemeinen. Über die Kontaktseite kann man Chajm eine Nachricht senden. Man kann/soll Chajm auch bei twitter folgen: @chajmke. Chajms Buch »Badatz!« 44 Geschichten, 44 zu tiefe Einblicke in den jüdischen Alltag, gibt es im Buchhandel und bei amazon. Sein Buch »Tzipporim: Judentum und Social Media« behandelt den jüdischen Umgang mit den sozialen Medien. || Um per Mail über neue Beiträge informiert zu werden, bitte hier klicken

16 Kommentare

  1. Das ist eigentlich genau das, was ich nicht mag. Ein Argument hast du schon genannt. Hebräisch lesen für Faule. Darüber ist mir das Layout viel zu unruhig. Man fühlt richtig, wie die Augen umherirren. Und das ganze Thema Orthodoxie a la Artscroll mal ganz aussen vorgelassen.

  2. Zuerst muß ich sagen, daß ich große Schweirigkeiten habe, transcriptierte Texte zu lesen. Bei diesem Layout fällt es mir zusätzlich schwer, mich nicht von dem hebräischen Text ablenken zu lassen. Das bekannte, alltägliche Wortbild bekommt zu viel Präsenz, besser wäre es gewesen, den transcriptierten Text kleiner zu setzen. Hier ist für mich zu viel Ablenkung. Nein, das wird wohl nicht mein Siddur, vielleicht ein Übungsbuch.

  3. Ich denke nicht, dass man mit Artscroll unbedingt etwas versteht, wenn man die Übersetzung liest. Die ist nämlich oft “politisch korrekt”, also es wird so übersetzt, dass es zur ultraorthodoxen Doktrin passt.

    Andererseits, wenn sich die Artscroll-Transkiptionen hier in Deutschland durchsetzen, wird das dem unseligen Trend zur Aufgabe des sprachlichen Minhag und zur Einführung der sefardischen Aussprache etwas entgegensetzen.

  4. Ich meine eigentlich, dass, durch den großen Erfolg von Artscroll bedingt, die kleinen aber immer wieder interessanten Unterschiede in den Minhagim rund um den G’ttesdienst der vielen Synagogen verschwinden und alles ein großer Nussach Artscroll wird.
    Okay, manche deiner Mitleser sehen das anders, aber ich mag auch nicht die aschkenasische Aussprache, wie sie Artscroll zu propagieren meint. Zum einen habe ich meine Zweifel, ob die Leute, die einen Artscroll Siddur in die Hand nehmen, Hebräisch in der aschkenasischen Art und Weise sprechen, weil diese Leute nämlich, meiner Erfahrung nach, Lernende sind und oft nur wenig Hebräisch sprechen können. Ich weiß, dass die aschkenasiche Aussprache eine lange Tradition hat, nichtsdestotrotz glaube ich auch, dass die sefardische Aussprache dem Hebräischen von anno Dunst näher kommt. Ich finde es deshalb schade, wenn -wie Elisabeth schreibt- in M’gladbach die sefardische Aussprache wieder verschwunden ist.

  5. Die Aussprache wird von demjenigen geprägt, der die G’ttesdienste leitet. In MG war ursprünglich die askenasiche Aussprache üblich, schließlich war das eine deutsch-osteuropäische Gemeinde. Später kamen andere Mitglieder dazu, die die sefraddische Tradition kennengelernt haben, die G’ttesdienst wurden auch entsprechend geleitet. Jetzt sind vorwiegend Mitglider da, die kaum Herbräisch können. Sie passen sich den orthodoxen Rabbinern (Plural!!! der alte Rabbiner ging nach einem Jahr, jetzt ist alles offen) an, und die drei bis vier (an Jahren) alten Mitglieder freuen sich über die Tradition der Kindheit. MG versucht, eine orthodoxe Gemeinde zu sein und die Rabbiner, die für sie infrage kommen, bevorzugen nun einmal diese Tradition.

    Die Diskussion hier ging aber um etwas anderes. Und deshalb meine ich, daß in einem Siddur nicht die Aussprache entscheidend sein soll. Artscroll schein also für mich eher verwirrend als hilfreich zu sein. Frage also an die Wissenden: Welchen Vorteil hat überhaupt Artscoll anderen Siddurim gegenüber

  6. Also wenn Du eine Gemeinde voller Menschen hast, die eine bestimmte Aussprache zuhause (was ja heute eher selten ist) erlernt haben, dann werden sie auch in dieser Art und Weise dawenen. Wenn man aber auf den Vorbeter konzentriert ist, dann übernimmt man natürlich leicht seine Aussprache. Auf der anderen Seite kenne ich junge Leute (einen jungen Mann) der zuhause eine sefardische Aussprache erlernt hat (weil seine Eltern hebräisch auch erst als junge Erwachsene erlernten), sich aber ein grauenhaft affektiertes osteuropäisches aschkenosisches Hebräisch draufgeschafft hat. Die deutschen Gemeinden scheinen also leicht beeinflussbar zu sein 😉
    Im schon so oft zitierten Gebetbuch für das ganze Jahr werden die Feiertage und Gebete noch so dargestellt: Ma Tauwu, Elauhaj neschomo, Olejnu, G-ttesdienst am Hauschano rabbo… Die Tradition wäre also wahrhaftig aschkenasisch. Auch der Siddur Schma Koleinu aber gibt eine sefardische Aussprache vor. In kaum einem Siddur findet sich eine Tabelle mit dieser Variante der Aussprache.

    ArtScroll Siddurim haben den Vortteil, dass sie dir alles genau erklären und vorkauen: Warum mache ich jetzt das, wann setze ich mich, wann stehe ich auf, wann kommt welches Gebet (was meist nur eine Frage des vernünftigen Aufbaus ist). Ganz nebenbei wirst Du natürlich auf deren Halachah geimpft…

  7. Und – ganz wichtig – der Leser muss bei einem Artscroll-Siddur nicht dauernd hin- und herblättern. Ich sage nur: Siddur Sefat Emet! Das versuchen viele der neueren Siddurim nachzumachen, wobei das nie zu 100% aufgeht, weil einiges da und dort gelesen werden kann, z.B. das Schir Hakawod.

  8. Genau! Alles ist gut strukturiert bzw. gut strukturiert dargestellt. Sefat Emet setzt ja voraus, dass man weiß was man gerade tut und so ist es nur so eine Art Werkzeug für jemanden der etwas tut – Artscroll Siddurim sind eher leitend. Obwohl ich eine eher emotionale Beziehung zum Sefat Emet habe, würde ich gut strukturierte und aufgeräumte bevorzugen. Mangels Nachfrage gibt es auf dem deutschen Markt in diese Richtung ja leider kaum Bewegung… Was ist mit dem Zürcher? Kann man das nicht neu auflegen und vor allem: Günstiger?

  9. Den kenne ich leider nur vom Hörensagen. Mir ist noch nie ein Exemplar in die Hände gefallen. Meine persönliche Hitliste ist folgende:
    1) Sim Shalom, v.a. die Neuauflage für Schabbat und Chol 2) Siddur tow lehodot – das ist der Siddur der liberalen Gemeinden in den Niederlanden. Er sollte zunächst eine Kopie vom Sim Shalom werden, Ergebnis war aber ein eigenständiger Siddur 3) Rinat Yissrael – kein Brimborium und einfach nur von vorne nach hinten durchzublättern und dann schon 4) Artscroll – Vorbild für viele Siddurim.

  10. Gibt es zu Siddur tow lehodot irgendeine online-ressource auf der man sich zumindest eine Seite oder das Cover anschauen kann? Das würde ich gerne einmal sehen. Über das Zürcher gibt es, soweit ich weiß, auch überhaupt keine online-Informationen. Vielleicht maile ich einfach mal die Gemeinde an.
    Du meinst den israelischen Rinat Yissrael? Mit dem ins Hebräisch übersetzte Kaddisch? Schöne Schrift, gut zu lesen…
    Eine gute Liste 😉

  11. Leider, leider nicht. Ich habe nachgeschaut. Es ist leider auch ziemlich aufwendig, bei ljg.nl den Siddur zu bestellen, weil sie überhaupt nicht auf Bestellungen aus dem Ausland eingestellt sind. Für Deutschsprachige gewöhnungsbedürftig ist die Transkribierung hebräischer Wörter: Sidoer oder Sjoel und dergleichen.
    Genau – ich meine den israelischen Rinat Yissrael, der von der Idee her v.a. für den Schulgebrauch konzipiert worden ist. Der Idee ist es zu verdanken, dass schwierige Wörter kurz erklärt werden.

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