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Mel Gibson sagts laut

Da hat der Mel nur das gesagt, was man hier schon häufiger gehört hat, wenngleich nur umständlicher formuliertMy life is f***ed! (‚mein Leben ist beschissen‘) – mehrmals. Und dann: F***ing Jews. The Jews are responsible for all the wars in the world. (‚Verdammte Juden. Die Juden sind verantwortlich für sämtliche Kriege in der Welt.‘)“ Die Seite mit der Meldung ist nicht überragend, aber die Meldung wird dennoch wiedergegeben: www.20minuten.ch

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Les vacances du Chajm

Einige regelmässige Leser werden es bereits bemerkt haben: Hier gab es seit knapp zwei Wochen keine neuen Einträge, obwohl doch soviel passierte! Dank dennoch an die fleissigen Kommentatoren hier, die auch mal aktuelle Aufrufe gepostet haben.
Kurz vor Abreise habe ich gesehen, dass die israelische Aktion im Libanon zahlreiche neue Leser zu talmud.de bringt. Die meisten von denen steuerten zielstrebig die Kontaktseite an und sandten von dort aus ihre Botschaften an das Judentum im Allgemeinen für das die talmud.de Autoren offenbar Stellvertreter sind. Die meisten Wörter in diesen Mails entnahmen die Autoren und Autorinnen dem Bereich der Sexualität und bastelten daraus kreative Beleidigungen dem Judentum im Allgemeinen, dem deutschen Judentum gegenüber (oft war die Rede davon, dass bestimmte historische Figuren ihre Aufgabe ja leider nicht zu Ende führen konnten, also das übliche) und natürlich gegen Israel. Die meisten Mails landeten dann natürlich im Papierkorb und die neuen blieben während meiner Abwesenheit völlig ungelesen.

Während ich diesen Blick
View from pool
am ersten Abend von der Poolbar aus genoss, klingelte auch mein Mobiltelefon und eine Dame mit norddeutschem Akzent und leichtem arabischen Einschlag (Nummer wurde angezeigt) teilte mir mit, sie habe meine Nummer aus dem Internet und sie riefe nur an um mir mitzuteilen, dass sie das sehr schlecht fände, dass wir in den Libanon einmarschiert sind. Ich war in bester Urlaubsstimmung und antwortete dementsprechend sie habe sich sicher verwählt und ich sei gerade erst angreist, aber nicht in den Libanon. Sie war eher unzufrieden über diese Antwort, formulierte noch einige Beleidigungen und begann zu schreien. Ich wünschte einen schönen Tag und setzte mich wieder dem feinen Seewind aus.

Aber nicht nur durch diverse Anrufe uns sms blieb der Libanon und die Hiszbollah präsent und ich war froh, dass nicht über das deutsche Fernsehen tun zu müssen. CNN, Newsweek und Times waren also meine vorwiegenden Informationsquellen in dieser Zeit und demnächst werde ich auch hier wieder die Medien diesbezüglich kommentieren.

The
Der Baal haBlog im Urlaub (in Bulgarien übrigens)

In diesem Jahr war also kein libanesisch-israelisches schwules Volleyballturnier am Strand zu erwarten, wie im Vorjahr passiert. Für den Urlaub galt das Sartre-Zitat Die Hölle, das sind die anderen. Zu 95% konnte man entspannen. Die kleinen 5% Ärger wurden fast ausschließlich durch Mitreisende verursacht denen offenbar wichtige soziale Fähigkeiten fehlten. Aufenthalte im Speisesaal waren eine interssante Studie des Publikums. Kinder die Pommes mit den Händen nahmen, Kuchen direkt vom Kuchenbuffet gegessen haben, Schöpflöffel abgeleckt haben oder Essen zurückschütteten waren keine Einzelfälle. Gleiches für die Getränkeautomaten im Speisesaal, diese standen regelmässig unter Wasser, weil die Kinder sich die Wasser- und Orangensafttanks als Spielplatz ausgesucht hatten. Einige Personen rutschten dort auch aus. Unvergesslich bleibt mir, dass ein Kind offenbar keine Unterwäsche trug und trotz seines Alters (etwa 4) mitten in den Speisesaal kotete ohne das die Eltern intervenierten. Der Pool war natürlich bereits um 07:30 Uhr mit Handtüchern gut gesichert. Dort warteten die meisten Gäste auf die magische 11 Uhr (Beginn der All-Inclusive Zeit) um sich das erste Allinclusive-Bier des Tages zu holen. Wohl deshalb folgten nicht viele Gäste den Aufforderungen eines Animationsteams, sich sportlichen Aktivitäten anzuschliessen. Es war ohnehin besser, sich am Strand aufzuhalten…

Ship-restaurant and hotel

Leider und unvermeidbarer Weise bin ich wieder in der Realität angekommen und der Urlaub ist zu Ende. So wie die Kariere dieser Kindereisenbahnwaggons:

Rollercoaster career in Sveti Konstantin

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Die Sicht der Dinge

In Deutschland scheint man sich darauf geeinigt zu haben, dass Israel der große böse Aggressor sei und dementsprechend zeigten die Nachrichten von ARD und ZDF in den letzten zwei Tagen 75% der Bilder aus dem Libanon (schreiende Frauen, Explosionen, meist auch blutende Opfer oder blutverschmierte Leichen etc.) und 25% Bilder aus Israel, häufig Soldaten oder Merkavah-Panzer auf dem Weg irgendwohin, wenn man Glück hat, sieht man ein Auto vom MagenDavid Adom. Hier werden keine verstümmelten Leichen gezeigt (obwohl es auch auf israelischer Seite Todesopfer gegeben hat) – und das aus gutem Grund. So verschiebt sich aber natürlich schnell die Wahrnehmung und mir ist es wichtig zu sagen, dass bei den anhaltenden Kämpfen um die Hisbollah geht und nicht um die Gesamtbevölkerung des Libanon. Dort, wo ich auf aufgeklärte Libanesen getroffen bin (die nicht der Hisbollah angehörten selbstverständnlich), sah und hörte ich Menschen die in Frieden leben wollen, die gerne lachen und offenbar gerne feiern. Dazu waren das ausgesprochen schöne Menschen (schekachah lo ba’olamo). Viele sprachen auch mit mir nachdem sie erfahren hatten, dass ich Jude bin. Ähnliches gilt übrigens auch für Menschen aus dem Iran
Eine Zusammenfassung der Fakten hat die israelische Regierung zusammengestellt. Viele der Fragen werden mir (meist in polemischer Form) per e-mail zugesendet, weil man talmud.de wohl mit der Homepage des Staates Israel verwechselt. Weil sie vieles zusammenfasst, gebe ich sie hier wieder:
Der israelische Einsatz im Libanon, Juli 2006: Fragen und Antworten

Fragen und Antworten

F: Warum hat Israel so stark auf die Angriffe aus dem Libanon reagiert?

A: Israel wurde am 12. Juli 2006 von der Terrororganisation Hizbullah, die auch in der libanesischen Regierung vertreten ist, unprovoziert von libanesischem Territorium aus angegriffen. Der Angriff wurde auf israelischem Boden gegen israelische Bürger gerichtet Zivilisten und Soldaten.
Darum hat Israel keine Alternative, als von seinem Recht auf Selbstverteidigung Gebrauch zu machen. Die beiden Ziele der Operation sind zum Einen, die entführten Soldaten zu befreien und zum Anderen die Terrorbedrohung im Norden Israels zu beseitigen.
Aus Israels Sicht ist Libanon für die derzeitige Situation verantwortlich und muss die Konsequenzen dafür tragen.

F: Warum behaupten Israel und andere, dass Syrien und Iran in den Terrorismus der Hamas und der Hizbullah involviert sind?

A: Syrien beherbergt in seiner Hauptstadt Damaskus die Hauptquartiere verschiedener palästinensischer Terrororganisationen, einschließlich das der Hamas.
Seit Jahren stellt Syrien dem Hamas-Führer Khaled Maschal Unterkünfte und logistische Unterstützung zur Verfügung. Von Damaskus aus kommandiert Maschal Terroristen innerhalb der palästinensischen Gebiete, die die andauernden Angriffe gegen Israel und seine Bürger ausführen, einschließlich der Kassam-Beschüsse und den jüngsten Angriff sowie die Entführung des israelischen Soldaten Gilad Shalit.
Syrien unterstützt die Hizbullah, indem sie den Transport von Waffen und Munition und den Offizieren über den Internationalen Flughafen in Damaskus und über die Grenzen in den Libanon ermöglicht. Die Hizbullah könnte nicht im Libanon operieren, würde sie nicht von Syrien unterstützt werden.

Iran, Hauptfinanzier der Hizbullah, gibt Anweisungen und stellt Waffen sowie den Kader der Revolutionsgarde bereit. In jeder Hinsicht ist die Hizbullah lediglich ein Arm des iranischen Djihadregimes.
Iran hat ebenso beträchtlichen Einfluss auf die palästinensischen Terrororganisationen, einschließlich der Al-Aqsa-Brigaden (Fatah) und Iz a-Din al Kassam-Gruppe (Hamas) und unterstützt deren Terrorzellen mit Geldern, technischen Instruktionen und erteilt Handlungsanweisungen.

F: Warum werden Hamas und Hizbullah von Syrien und Iran unterstützt?

A: Syrien und Iran unterstützen diese Terrororganisationen nicht nur, weil sie ihre Ideologie des internationalen Djihad und der sofortigen Vernichtung Israels unterstützen, sondern auch, um in Damaskus und Teheran ihre eigenen Regime zu stärken, um von anderen Themen abzulenken, auf die sich der internationale Druck richtet.
Syrien steht wegen seiner Beteiligung am Mord des früheren libanesischen Ministerpräsidenten Rafik Hariri und der Einmischung in libanesische Angelegenheiten in wachsender Kritik.
Auf Iran wächst der internationale Druck wegen seines Atomprogramms. Zusätzlich werden beide Regime von der internationalen Gemeinschaft für ihre Verstöße gegen die Menschenrechte verurteilt.
Konsequenterweise betrachtet Israel die Hamas, die Hizbullah, Syrien und Iran als Hauptelemente der Djihad-Terror-Achse, die nicht nur Israel sondern die gesamte Welt bedroht.

F: Wie wird Israel Syrien und Iran unter Druck setzen?

A: Es gibt einen sich verstärkenden Konsens in der Internationalen Gemeinschaft, dass der Terror der Dschihadisten eine globale Bedrohung ist, welcher mit Entschlossenheit begegnet werden muss. Israel steht im intensiven Kontakt mit ausländischen Regierungen und Weltorganisationen, um den Druck auf diese Regime zu koordinieren und damit zu sichern, dass sie verstehen, dass der Preis, den sie international für die Unterstützung der Terroristen bezahlen, untragbar hoch sein wird.

F: Warum erwartet Israel von der libanesischen Regierung nach Jahren der Passivität endlich zu handeln?

A: Es ist die Verantwortung der libanesischen Regierung ihren Verpflichtungen als souveräner Staat nachzukommen und ihre Kontrolle auf alle Gebiet in ihrer Staatlichkeit auszudehnen, wie auch in den UN-Resolutionen 425 und 1559 gefordert. Durch die gegenwärtigen Operationen erhofft sich der Staat Israel Druck auszuüben, dass die Regierung in Beirut die Initiative übernimmt und die internationalen Ermutigungen und das günstige operative Umfeld zur Entwaffnung der Hizbullah und zur Stationierung der libanesischen Armee an der israelisch-libanesischen Grenze nutzt.

F: Warum greift Israel Gebäude und Infrastruktur an und bringt dadurch Zivilisten in Gefahr?

A: Israel greift nur Einrichtungen an, die den Terrororganisationen für Angriffe auf Israel dienen. Zum Beispiel hat Israel die Start- und Landebahn des Internationalen Flughafens Beirut beschossen, da dieser zum Nachschub von Waffen und Munition für die Terrororganisation Hizbullah diente. Israel hat des Weiteren Gebäude angegriffen, wie die Studios des Hizbullah-Fernsehsenders Al-Manar, die als wesentliches Mittel der Kommunikation der Terroristen dient. Bedauerlicherweise verstecken die Terroristen absichtlich sich und große Mengen von Raketen in Wohngegenden und gefährden damit die benachbarte Bevölkerung.
In jedem Fall unternimmt Israel alle Vorsichtsmaßnahmen, um die Zivilbevölkerung einem möglichst geringen Risiko auszusetzen.

F: Es scheint, dass Israel einem Zwei-Fronten-Konflikt ausgesetzt ist. Sind die beiden Fronten miteinander verbunden?

A: In seiner Pressekonferenz nach den Angriffen am 12. Juli präsentierte der Generalsekretär der Hizbullah, Hassan Nasrallah, eine Liste mit Forderungen zur Freilassung der entführten Soldaten. Diese beinhaltete die Forderung, Hamas-Terroristen sowie Mitglieder der Hizbullah frei zu lassen. Dieser Umstand weist darauf hin, dass zwischen den beiden radikal-islamischen Terrororganisationen nicht nur eine Koordination auf ideologischer Ebene, sondern auf operativer Ebene stattfindet.

F: Israel hat geäußert, dass man nicht mit der Hamas verhandeln wird, was ist mit der Hizbullah?

A: In Folge der Angriffe vom 12. Juli 2006 sagte Ministerpräsident Ehud Olmert: Israel wird sich nicht der Erpressung beugen und wird nicht mit Terroristen über das Leben von israelischen Soldaten verhandeln.

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Kasper aus der Kiste

Wie ein Kasper aus der Kiste bin ich gestern Nachmittag am Steuer meines Autos herumgesprungen nachdem ich auf WDR2 den Kommentar – Klartext von Jürgen Hanefeld zu den Kämpfen im Süden Libanons gehört habe. Dieser scheint kein Freund der langen Beschäftigung mit einem Thema zu sein und deshalb stellt er die Fakten etwas verdreht da und beschreibt die Offensive gegen die Hisbollah so: Es ist ein Überfall. Auf einen souveränen und friedfertigen Staat. gerade so als hätte es die Raketenangriffe auf Israel und die vorhergehenden Angriffe auf israelische Grenzposten nicht gegeben. Aber es geht noch weiter, denn er stellt nämlich den Iraen und Nordkorea mit Israel auf eine Ebene Nicht Syrien, nicht Iran, nicht Nordkorea – keiner der üblichen Verdächtigen hat seine Grenzen überschritten und die seiner Nachbarn verletzt, es ist Israel.. Dann wird natürlich Israel als Gefahr für den Frieden dargestellt etc. und schließt dann mit:

Ein westlicher Diplomat bemerkte neulich, Israel glaube immer noch, Anspruch auf die Sympathien des kleinen David mit der Steinschleuder zu haben. Und merke nicht, dass es längst als aggressiver Goliath wahrgenommen wird. Wer sagt es Herrn Olmert?

Wer ist denn der westliche Diplomat? Von wo aus gesehen liegt der Iran oder Syrien im Westen?

Einigermassen versöhnt mit der öffentlichen Meinung hat mich überraschenderweise die WELT mit einem Kommentar von Andrea Seibel:

Israel hat keine Wahl. In einem hochgradig feindlichen Umfeld, in dem man bei Libanon, Syrien oder Iran nicht von „Nachbar“-Staaten sprechen kann, scheint dies die einzige Sprache, die Terroristen verstehen. Man hat sich vergangenes Jahr aus Gaza und Jahre zuvor aus dem Südlibanon zurückgezogen und auf politische Lösungen gesetzt. Doch dies wurde nur als Schwäche interpretiert – eine bittere Lektion. Israel muß weiter mit der schier unerträglichen Tatsache leben, daß ein Großteil der arabischen Welt es am liebsten ausgelöscht sähe.

Hier noch Filmdokumente zur Bombardierung Israels durch die Hisbollah:

und auch hier:

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Der Ort an dem man sich auskotzt

Das muß man mal in aller Offenheit sagen: Die ZEIT veröffentlicht regelmässig ganz ausgewogene (meint: nicht immer) ganz ausgewogene und realistische Darstellungen zur Situation in Israel. Auch in dem Artikel Neue Eskalationsstufe wird wohl versucht, ein klares Bild zu vermitteln. Das interessante aber ist das leicht zu übersehene Leserforum, das ist (man muß es so drastisch sagen) wohl der Ort, an dem sich die Leser wahrhaftig auskotzen:
Die Zeit – Lesermeinungen Naher Osten

Wie:

Israel sollte sich vonseiner europäischen und kolonialistischen zionistischen völkischen und rassistischen Blut und Boden Ideologie trennen und endlich den Weg frei machen für einen gemeinsamen Staat aller in Palästina ansässigen Gruppen. (hier)

oder:

Den Krieg hat ja wohl Israel angefangen,
ganz abgesehen davon, dass es ja an der Tagesordnung für Israel ist, fremdes Gebiet zu besetzen. (hier)

oder mit Originalzitaten aus der Hisbollah-Propaganda:

Zunächst seit doch mal festgestellt, dass sich Israel nur aus dem Libanon zurückgezogen hat (wo Israel ja nun wirklich nichts zu suchen hat), weil es die Hizbollah gab und gibt. Die Hizbollah hat den Libanon befreit. (hier)

Oder mein Lieblingsposting, dass gleich auch den Titel talmudic venegance trägt. Hier wird gleich klar, in wessen Tradition die Leser/innen stehen Dieser Hass auf Israel wartet offenbar nur darauf einen Kanal zu finden und dann wirds gleich auch mit NS-Vergleichen oder Ritualmordgeschichten rausgelassen, denn was sonst ist es, wenn man behauptet der Talmud würde zur Gewalt gegen Nichtjuden aufrufen? Es gibt Zeitungen von deren Lesern man eigentlich mehr erwartet hätte. Vielleicht auch nur ein Vorurteil

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Angriffe auf Israel

Die Hisbollah griff am 12.Juli vom Libanon aus (ja, sie sind zurück in ihren Stellungen) Nord-Israel an. Bereits am Mittwoch versuchten ihre Kämpfer Posten auf israelischer Seite zu überfallen. Die Zahal reagierte umgehend und entsandte Merkavah-Panzer von denen einer wahrscheinlich in eine Sprengfalle geriet (200 kg). Dabei wurden vier israelische Soldaten getötet: Benin Eyal, 22 aus Be’er Scheva; Torjeman Schani, 24, aus Beit She’an; Nazel Wasim, 27, aus dem Dorf Yanuch. und Nimrod Cohen, 19 aus Mizpe Shalom. 2 Soldaten sind entführt worden. Die Regierung des Libanon scheint dem Treiben der Milizen im Süden des Landes tatenlos zuzusehen, ignoriert dabei (oder nimmt billigend hin?), dass das Land um Jahrzehnte zurückgeworfen wird in seiner Entwicklung.
Pierre Heumann von der Schweizer Weltwoche schreibt auf spiegel.de dazu:

Die Schiitenmiliz spielt nämlich eine trickreiche Doppelrolle. Einerseits ist sie im libanesischen Parlament vertreten und delegiert Minister in die Regierung des Landes, anderseits bildet sie einen Staat im Staat. Nicht die libanesische Armee, sondern die Milizen der Hisbollah kontrollieren den Süden des Libanon sowie ganze Stadtteile in der Hauptstadt Beirut, in die sich die libanesischen Sicherheitskräfte nicht vorwagen.

Israel will die libanesische Regierung deshalb mit der Invasion unter Druck setzen, die radikal-muslimische Hisbollah zu entwaffnen. Doch es ist fraglich, ob die libanesische Regierung dazu in der Lage ist. Die Hisbollahmilizen sind nämlich stärker als die libanesische Armee. Zudem können sie sich auf ihre Freunde in Damaskus und in Teheran verlassen.

Während die Zahal ihre Angriffe auf Stellungen der Hisbollah im Libanon angreift, prasseln weiterhin Katjuscha-Raketen auf Nord-Israel ein (hier). Während einige Zeitungen die Zahl nennen (ungefähr 60 bis Donnerstag 08:00), schreibt die Welt, Schiitische Milizionäre feuerten unterdessen mehrere Katjuscha-Raketen auf Israel ab. – was angesichts der Tatsachen etwas beschönigend wirkt. Die Salzburger Nachrichten berichten, der Libanon fordere eine Einberufung des UNO-Sicherheitsrates, der Libanon sei für die Entführungen nicht verantwortlich. Die Salzburger-Nachrichten fügen aber sinnvollerweise an:

Der Libanon hat die Einberufung einer Dringlichkeitssitzung des UNO-Sicherheitsrates gefordert. Die libanesische Regierung sei nicht verantwortlich für die Entführung von zwei israelischen Soldaten, mit der Israel seine Angriffe rechtfertigt, erklärte Informationsminister Aridi. Seit 2005 ist die Hisbollah in der libanesischen Regierung vertreten. Der Hisbollah-Funktionär Fneich ist Energieminister, unter schiitischer Leitung steht auch das Außenministerium; der Chef der libanesischen Diplomatie, Faouzi Salloukh, steht der Hisbollah nahe.

Die internationale Gemeinschaft sieht das freilich anders und fordert die Freilassung der Soldaten und erkennt das erhebliche Gefahrenpotential (das auch ohne Atombombe vom Iran ausgeht):
Die internationale Gemeinschaft forderte die Freilassung der verschleppten Soldaten und warnte vor einer schweren Krise im Nahen Osten. Der Sprecher des Nationalen Sicherheitsrates der USA, Frederick Jones, machte Syrien und den Iran für die Verschleppung verantwortlich und forderte die „bedingungslose Freilassung“. UN-Generalsekretär Kofi Annan verlangte die Freilassung der Soldaten, verurteilte aber zugleich die israelische Offensive im Libanon. von hier


Der Fortgang des Konflikts liegt auch hier wieder in den Händen der Fernsteuerer in Damaskus und Teheran, die alles tun um den Frieden in der Region zu verhindern und die Situation eskalieren zu lassen. Schnellere Updates zur Situation liefert (wahrscheinlich) Lila.

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So geht Hetze

Die russische Nachrichtenagenur RIA behauptete gestern: Israel setzt chemische und radioaktive Kampfstoffe gegen Palästina einRIA Novosti – Politik – International – Israel setzt chemische und radioaktive Kampfstoffe gegen Palästina ein
und beruft sich dabei auf palästinensische Quellen:

DAMASKUS, 11. Juli (RIA Novosti). Israel setzt beim Beschuss des Gaza-Streifens chemische und radioaktive Kampfstoffe ein.

Die Studie beruht auf der Untersuchung von Verletzten in palästinensischen Krankenhäusern.

Beim Eindringen solcher Splitter wird ein Mensch buchstäblich von innen zerrissen und verbrannt. Wie die Ärzte feststellten, kann die verheerende Wirkung der Waffe auch während der medizinischen Behandlung nicht neutralisiert werden. Die Splitter zerstören Knochen und anderes Gewebe, darunter auch innere Organe, und bilden große Schnittwunden. Die untersuchten Splitter waren mit geringen Mengen chemischer und radioaktiver Stoffe versehen.

Echte Fakten werden natürlich nicht geliefert. Eine echte Meisterleistung an propagandistischer Hetze…

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Russisch, deutsch oder einfach nur jüdisch?

Passender geht es gar nicht: Die Kommentare zu meinem Posting Willkommen im Ruhrgebiet! Oder so entwickeln sich langsam zu einer Diskussion darüber, ob wir eigene russischsprachige Gemeinden brauchen oder nicht. Für meine Heimatgemeinde stellt sich die Frage nicht, hier wird nicht mehr Deutsch gesprochen, zu keiner Gelegenheit. Selbst die Vollversammlung ist ausschließlich in russischer Sprache. Baruch hSchem verstehe ich den größten Teil Zurück zum Thema: Wieder habe ich es der judaismus-Gruppe von talmud.de zu verdanken, dass ich auf einen Artikel von Sergey Lagodinsky in der Süddeutschen Zeitung aufmerksam wurde (Samstag/Sonntag, 10./11. Juni 2006) (hier), der sich darüber beklagt, dass die Gemeindevertreter nicht die Mehrheit der Mitglieder vertreten. Nun wurde der Artikel in der aktuellen Ausgabe der Jüdischen Zeitung nochmals veröffentlicht und nun habe ich mein Posting aus der judaismus-Gruppe nochmals überarbeitet, so dass ich hier öffentlich auf den Artikel antworten kann:

Der Autor des Artikels besticht durch seine unschuldige Naivität, wenn er schreibt, niemand habe bei der Wahl des neuen Präsidenten des Zentralrats der Juden mit einem Wunder gerechnet und es sei auch keines eingetreten, die Gesichter seien die alten geblieben. Das ist ja auch tatsächlich kein Wunder, weil die Auswahlmöglichkeiten von vorneherein durch das Wahlverfahren begrenzt sind. Neue Gesichter kann man also nicht mal eben in die ZR-Spitze rufen: Das Direktorium setzt sich aus Vertretern der einzelnen Mitgliedsverbände bzw. Landesverbänden zusammen. Es überwacht die Tätigkeit des Präsidiums und wählt den Generalsekretär bzw. Geschäftsführer. Jeder Landesverband entsendet pro angefangene 5000 Gemeindemitglieder einen Vertreter. Das Direktorium wählt aus seiner Mitte sechs Mitglieder, die für die Dauer von vier Jahren dem Präsidium angehören. Das Präsidium führt die Geschäfte des Zentralrats. Es hat insgesamt neun Mitglieder und wählt aus seinen Reihen den Vorstand bestehend aus dem Präsidenten und zwei Vizepräsidenten, die den Zentralrat der Juden
in der Öffentlichkeit vertreten. Der Generalsekretär führt die laufenden Geschäfte des Zentralrats und wird für fünf Jahre gewählt. Sogar das, kann man bis ins Detail auf der Homepage des Zentralrats nachlesen.
Ferner fragt der Autor, was die Öffentlichkeit aus dem neuerlichen Wechsel an der Spitze lernt. Offen möchte ich antworten: Die Öffentlichkeit“ erfährt über das Judentum in Deutschland hier primär überhaupt nichts, da das Amt oftmals nach außen hin politisch aktiv war bzw. ist und über die inneren Zustände der Gemeinden in der Öffentlichkeit in der Regel nicht gesprochen wird.
Dann schreibt er:

Diese Krise resultiert aus einer für Kenner offensichtlichen Differenz: Eine Gemeinschaft, die zu 85 Prozent Russisch spricht, wird von einer Spitze verwaltet und vertreten, die weder die Sprache noch die Mentalität dieser Mehrheit versteht. Es ist erstaunlich, wie die jüdische Gemeinde in Deutschland, die sich ja seit eh und je als Avantgarde im Streben nach einer offenen deutschen Gesellschaft versteht, die Fehler der Mehrheitsgesellschaft unbewusst wiederholt. Auch in den jüdischen Gemeinden wird gegenüber Neuankömmlingen genau das propagiert, was so lange in der gesamtdeutschen Gesellschaft angeprangert wurde das Primat einer Leitkultur“ der Alteingesessenen gegenüber den Fremden.

Unbestreitbar gibt es mancherorts eine wahnsinnige Angst davor, dass die Russen“ die Gemeinden übernehmen, auf der anderen Seite haben Vertreter dieser Mehrheit tatsächlich die Möglichkeit, sich in die Gemeinden und die Landesverbände wählen zu lassen; und so letztlich auch in den Zentralrat.

Hingegen verstehen sich die Russen“ als ethnische, weniger als religiöse Juden. Ihre Beziehungen zu Israel sind stark, aber die zu ihren Herkunftsländern nicht weniger. Und der Holocaust ist für sie obwohl sie einst die eigentlichen Zielscheiben von Hitlers Ausrottungspolitik waren meist in den Kontext des Großen Vaterländischen Krieges“ der Sowjetunion eingebettet.

Über das Selbstverständnis müsste man nochmal mit dem Autoren des Artikels reden. Es hat in der letzten Zeit immer wieder zu gravierenden Missverständnissen über die Aufgaben einer jüdischen Gemeinde geführt. Sie sind ja keine Kulturvereine, sondern sollen jüdisches Leben organisieren. Als ich die Aufsicht über die Vorstandswahlen in meiner Stadt hatte, tauchten lauter Leute auf, die nicht auf den Wahllisten standen und auch nicht als Gemeindemitglieder gezählt wurden. Die meisten von ihen waren Zeugen“ oder gehörten mittlerweile offiziell einer Freikirche an. Sie haben nicht verstanden, dass sie keine Juden mehr sind.
Bevor wir möglicherweise darüber in eine halachische Diskussion einsteigen, füge ich noch ein paar Basics zu dieser Frage ein. Sie stammen nicht von mir. Sondern von Rabbiner Bentzion Kravitz. Im Buch der Könige, wird Elijah der Prophet ausgesandt, um Juden zu warnen, die einem fremden Gott mit Namen Baal dienen. In 1. Könige 18:21 sagt Elijah zu ihnen: Wie lange wollt ihr auf zwei Ästen sitzen? Wenn der H-rr der G-tt ist, so folget ihm; wenn aber Baal, so folget ihm. Mit anderen Worten, du bist entweder ein Jude oder ein Diener von Baal; du kannst nicht beides sein. Die Geschichte endet damit, daß die Juden sich von ihrem Götzendienst abwenden und zum Judentum zurückkehren. Daraus ziehen wir eine wichtige Lehre. Ein Jude, der einer anderen Religion folgt, ist nur in dem Maße jüdisch als dass er eine spirituelle Verpflichtung behält, zu bereuen und zum Judentum zurückzukehren. Solange jedoch sein Glauben götzendienerisch und dem Judentum fremd ist, kann er sich selbst nicht einen Juden nennen. Die Bezeichnung Messianischer Jude oder Hebräischer Christ ist ein Widerspruch,

Diese Juden denken und empfinden mithin anders. Aber auch sie fühlen sich als Juden, und haben sich immer als solche empfunden. Doch passen sie nicht zu dem leitkulturellen Bild der Juden in Deutschland, das die Gemeinden und die deutsche Mehrheitsgesellschaft im Laufe der Nachkriegszeit konstruiert haben.

Die deutschen Gemeinden waren in erster Linie Schicksalsgemeinschaften und ein paar Gemeinden waren tatsächlich der Zusammenschluss gleichgesinnter Jüdinnen und Juden mit starken religiösen Bedürfnissen. Das ist unbestritten und auch vollkommen in Ordnung.
Meiner Meinung nach ist das Leitbild für die Mitgliedschaft in einer jüdischen Gemeinde die Halchah – ganz gleich ob man sie orthodox oder liberal auslegt.

Weiter heißt es einer Minderheit den übrigen 85 Prozent der Juden in Deutschland aufzuzwingen, nur noch grotesk. Langfristig bedeuten solche Umerziehungsbemühungen, dass Menschen eher von den Gemeinden abgeschreckt werden, anstatt dass sie sich einbinden lassen.

Mir ist gar nicht klar, was der Autor will und ob er begriffen hat, was eine jüdische Gemeinde leisten soll und kann. Die Gemeinden die funktionieren, pochen auf ihren Wertekanon“ und schaffen es dadurch die Menschen in die Gemeinde zu integrieren.

In der Berichterstattung zur Wahl der neuen Präsidentin wurde wiederholt auf das Integrationsproblem hingewiesen. Bezogen auf die jüdischen Gemeinden ist Integration“ jedoch der falsche Begriff. Er lenkt nur ab von den eigentlichen Problemen aus zweierlei Gründen. Gemeinde-intern kann man eine 85-prozentige Mehrheit von Zuwanderern schon rein logisch nicht in eine 15 Prozent starke ursprüngliche Gemeinde integrieren“. Statt das Integrationsmantra zu wiederholen, sollte man auf einen intensiven Dialog der Zuwanderungsmehrheit mit der herkömmlichen Minderheit setzen. Der muss auf einer Augenhöhe stattfinden und sich einen neuen Identitätskompromiss zum Ziel setzen.

Was ich (persönlich) am problematischsten finde ist, dass die 85% sich hervorragend in die Mehrheitsgesellschaft integriert haben und dann wenig vom Judentum übrig bleibt. Der Autor scheint aus einer großen Gemeinde zu kommen. In meiner kleinen Gemeinde gefährdet der Assimilationsprozess den Fortbestand der jüdischen Gemeinde und das ist wahrhaftig sehr gefährlich.

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Zu Gast in Oldenburg – Der Gemeindetest

Kehille-Test

Eine neue Folge des Synagogentests, diesmal von Elisabeth.

Nein, zufällig kommt man nicht zu dieser Gemeinde, sie liegt abseits der üblichen Touristenrouten. Es lohnt sich aber, gezielt dorthin zu fahren, denn sowohl die Stadt als auch die Gemeinde sind mehrere Besuche wert.

Zweimal im Jahr steht bei mir die große Frage an: wo sage ich als Frau Kaddisch nach meinen Eltern, welche Gemeinde ist nun endlich so weit, dass sie diese für mich nicht mehr einsehbare – ausgrenzendeTradition abschafft hat. Meine Gemeinde hatte an diesem Schabbat keinen Gttesdienst, also fuhren wir wieder einmal in die Welt hinaus, unsere Entscheidung fiel auf Oldenburg.

Mein erster Besuch liegt etwa 10 Jahre zurück, ich war auf Rabbiner Wyler gespannt, durch sie bekam die jüdische Landschaft eine neue Farbigkeit, seitdem zieht es mich immer wieder nach Oldenburg.

Erwähnenswert sind viele Dinge.

Polizeischutz war nicht erkennbar, Sicherheitsüberprüfung nicht vorhanden, sehr angenehm!!!!

Die Synagoge ist eine ehemalige Baptistenkapelle, die geschickt und geschmackvoll umgestaltet wurde.

Die Gttesdienste werden von den Mitgliedern gehalten, gekonnt und souverän, Rabbiner Wieler hat hier gute Arbeit geleistet, Rabbiner Alter hat einen beneidenswerten Start. Als nicht sehr wissende Besucherin, konnte ich dem Gttesdienst (SIDDUR SEFAT EMET) gut folgen.

Die Gemeinde ist offen und gastfreundlich. Keine skeptischen Blicke, begrüsst wurde ich nicht nur von der Vorsitzenden, Frau Schumann und von Rabbiner Alter, auch die Mitglieder gingen auf mich zu, die Atmosphäre empfand ich als entspannt und wohltuend.

Für Kidduschtouristen ist Oldenburg nicht zu empfehlen, wichtiger als die gemeinsame Mahlzeit ist die Kommunikation. Dennoch war die Einladung nach Schabbat Schacharit (die üblicherweise von Mitgliedern ausgerichtet wird), besonders reichhaltig und überaus schmackhaft ausgefallen, durch einen familiären Anlass.

Schabbat-Gttesdienste finden14- tägig statt, Freitag 19.00 Uhr, Samstag 10.00 Uhr, Besucher sind jederzeit willkommen.

Von den (von Chajm vorgegebenen) 5 Punkten bekommt Oldenburg von mir 4,9. Eine kleine Steigerung ist immer möglich und dient der Motivation. :5:

Jüdische Gemeinde zu Oldenburg e.V.
Wilhelmstraße 15-17
26121 Oldenburg
Tel. 0441-13127
Fax 02441-14456
e-mail: Jgemeindeo@aol.com