Paraschot in Israel, der Reformwelt und der orthodoxen Welt


Wie vermutlich viele der Leser wissen (und bestimmt gerne darüber debattieren oder diskutieren), dauert das herannahende Schawuot-Fest in der orthodoxen Diaspora zwei Tage, in den meisten liberalen oder Reformgemeinden, sowie einigen konservativen nur einen Tag (gemäß der Vorschrift in der Torah). In der Regel bringt das auch keine Schwierigkeiten mit sich, nur ab kommenden Schabbat, verabschieden sich also die gerade genannten Gruppen für einige Wochen von den Paraschot der orthodoxen Welt. Während also in einigen Synagogen der Abschnitt für den zweiten Tag Schawuot gelesen wird, lesen die meisten Synagogen schon den Abschnitt Naso. Erst am 15. Juli lesen wir wieder alle gemeinsam die Paraschah Pinchas. Natürlich möchte ich Euch eine moderatere Meinung diesbezüglich aus dem Lager des Reformjudentums nicht vorenthalten:

Reform Jews throughout the world observe Pesach and Sukkot for seven days and Shavuot and Shemini Atzeret-Simchat Torah for one day. This is also the practice in traditional congregations in Israel. Traditional Jews in the Diaspora add an extra day to these festivals. When, in the Diaspora, the eighth day of Pesach or the second day of Shavuot fall on Shabbat, Reform congregations read the sidra assigned to the following week in the standard religious calendars. However, in order to preserve uniformity in the reading of Torah throughout the entire community, it is suggested that on these occasions, the sidra be spread over two weeks, one portion to be read while traditional congregations are observing the festival,and another portion to be read the following Shabbat. Chaim Stern “Gates of the House” Seite 283

Heute wissen wir, dass das Argument schwach ist, denn in den USA (wie ich nicht müde werde zu schreiben) sind ja etwa 75% der jüdischen Gemeinden nicht-orthodox und entscheiden sich heute entweder frei für das israelische Schema oder die oben genannte Doppelung. Orthodoxe Leser werden vielleicht mit den Augen rollen; aber ich halte das für ein nicht gerade unwichtiges Thema. Der Kalender, den früher das Abraham-Geiger-Kolleg herausgab und heute von Anette Böckler herausgegeben wird, bemerkt zu dieser Besonderheit des jüdischen Kalenders, meines Wissens nach, in seinem Kalendariumsteil nichts. Dort sind die orthodoxen Einteilungen abgedruckt; was mich etwas irritiert hat, so konnte ich nicht herausfinden, ob die Unionsgemeinden sich an die orthodoxe Regelung halten oder nicht. Dennoch wünsche ich allen Leserinnen und Lesern Chag Schawuot Sameach und Schabbat Schalom! – ob sie nun einen Tag feiern oder zwei…

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Von Chajm

Chajm Guski ist nicht nur Autor dieses Blogs und Bewohner des Ruhrgebiets, sondern auch Herausgeber von talmud.de und Organisator des Minchah-Schiurs im Ruhrgebiet. Einige seiner Artikel gibt es nicht nur im Internet, sondern beispielsweise auch in der Jüdischen Allgemeinen. Über die Kontaktseite kann man Chajm eine Nachricht senden. Man kann/soll Chajm auch bei twitter folgen: @chajmke. Chajms Buch »Badatz!« 44 Geschichten, 44 zu tiefe Einblicke in den jüdischen Alltag, gibt es im Buchhandel und bei amazon. Sein Buch »Tzipporim: Judentum und Social Media« behandelt den jüdischen Umgang mit den sozialen Medien. || Um per Mail über neue Beiträge informiert zu werden, bitte hier klicken

Ein Kommentar

  1. Schreib Frau Dr. Böckler doch eine Email, das wird sie bestimmt selbst am besten wissen.

    Jedenfalls finde ich einerseits, dass in den USA mehr Orthodoxe tatsächlich aktiv sind als Reformer, andererseits erwarte ich aber von den liberalen Gemeinden auch nicht, in ihren Paraschaleseungen auf die Orthodoxen Rücksicht zu nehmen, denn der Fall, dass ein Orthodoxer mal bei den Liberalen beten geht, ist schon eher selten, und wir nehmen ja auch nicht auf die Liberalen Rücksicht.

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