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Übersetzte Onkelos-Übersetzung

In vielen Ausgaben des Chumasch finden wir einen Raschi-Kommentar, sowie eine Onkelos-Übersetzung die den Text nochmal durch ihre interpretative Übersetzung ins Aramäische ein wenig klarer macht. Demjenigen, dem der hebräische und der aramäische Text zugänglich ist, bietet das eine große Hilfe und ganz neue Einsichten in den Text. Während es für den Raschi-Text schon einige Übersetzungen gibt (wieder ist es der Artscroll-Verlag, der die beste Ausgabe erstellt hat), war man bei Onkelos wohl ein wenig ratlos. Nun ging aber Israel Drazin her und erstellte eine englische Übersetzung der Onkelos-Übersetzung. Was sich zunächst ein wenig wirr anhören mag ist jedoch ein sehr gelungenes Projekt: Die englische Übersetzung steht dem hebräischen Originaltext gegenüber, neben der Übersetzung findet man den Onkelos-Text. Damit man aber weiß, wo der Clou im Text ist, sind in der englischen Übersetzung die Abweichungen von Onkelos zu Originaltext fett gedruckt. Dazu gibt es einen vokalisierten Raschi-Text, einen Kommentar zur Übersetzung und Hinweise zu wichtigen Punkten. Das Layout erinnert dabei sehr stark an den Artscroll-Chumasch. In Februar erscheint der erste Band: Schemot:

„Onkelos On the Torah: Understanding the Bible Text is a unique and remarkable translation and English commentary of the Targum Onkelos, the first and only rabbinically authorized translation of the Torah:

The Book of Exodus, the first of this five- volume set to be published. is a deluxe edition, which will contain the Hebrew Massoretic text, a vocalized text of Onkelos and Rashi, Haphtarot in Hebrew with an English translation from the Aramaic Targunim, a scholarly appendix, and a Beyond the Text exploration of biblical themes.

The Book of Genesis is being readied for publication and is expected to be released in approximately six months. The remaining volumes are to be published in yearly intervals.“

Ach ja – kosten solls etwa 35 $; momentan kostet es jedoch nur 29.95$
Mehr Informationen hier:Onkelos On the Torah Exodus

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Geht nach Hause Juden…

… möchte wohl die Stadt Hannover sagen. Die Hannoversche Allgemeine schildert heute eine interessante Geschichte über eine drohende Abschiebung nach Israel:

Die 33-jährige Svetlana Shershnov war 1992 aus Weißrussland nach Israel ausgewandert. In Israel fand sie Arbeit in einer Chipfabrik. 1998 kam sie mit ihrer einjährigen Tochter Yanina nach Deutschland. Im Jahr darauf heiratete sie den Koch Yevgen Shershnov aus der Ukraine, der in Hannover als jüdischer Emigrant anerkannt ist. 2000 und 2002 bekamen sie weitere Kinder, Maja und Edwin. Die Familie wohnt in einer 78-Quadratmeter-Wohnung im Sahlkamp und lebt von Sozialleistungen der Grund, weswegen die Stadt die Duldung Svetlana Shershnovs und der drei Kinder nicht verlängert. Seit 2005 droht die Abschiebung. Die Kinder besuchen Schulen und Kindergärten. Wir wissen nicht, was morgen wird, so die Mutter.

Soll der Ehemann nun auch abgeschoben werden? Muss die Familie getrennt werden, weil ein Kontingentflüchtling keine Frau aus Israel heiraten darf? Muß man dann auch nach Hause? – also vermeintlich nach Israel… wobei mir übrigens wieder eine kleine Anekdote einfällt: Auf dem Höhepunkt der Friedmann-Affäre hörte ich verschiedene Statements des kleinen Mannes von der Straße, eines davon lautete der soll dahin zurückfahren wo er herkommt – in die Türkei!. Aber das nur so nebenher.

Anwalt Klaudio Kohn hält es für widersinnig, dass für Svetlana Shershnov die israelische Staatsbürgerschaft zum Nachteil wird. Wäre sie direkt aus Weißrussland nach Hannover gekommen, wäre sie als jüdischer Flüchtling anerkannt worden, argumentiert er. Ein russischer Jude ist nicht jüdischer als ein israelischer Jude. Zudem könne eine besondere Verantwortung aus politische und historischen Gründen nicht entfallen.

Interessante Situation: Was passiert mit Kontingentflüchtlingen, die zwischendurch die israelische Staatsbürgerschaft erworben haben? Ich selbst kenne einige Rückkehrer – gibt man die jetzt auch zur Dep Abschiebung frei?
Im Dezember 2004 ist publik geworden, dass die Kontingentflüchtlingsregelung, die seit 1991 für jüdische Zuwanderer aus den Ländern der ehemaligen Sowjetunion gilt, mit Inkrafttreten des Zuwanderungsgesetzes am 1. Januar 2005 wegfallen wird. Nach Deutschland einwandernde Juden sollen dann anderen Migranten gleichgestellt werden. Erst nach Protest des Zentralrates der Juden in Deutschland verhandeln der Zentralrat und die Union Progressiver Juden mit den Innenministern der Länder. Im Sommer 2005 kam folgendes dabei heraus: Es wird keine Altersbeschränkung geben, Familien werden nicht auseinander gerissen. Jüdische Zuwanderer sollen ihren Lebensunterhalt in Deutschland eigenständig bestreiten können. Weitere Bedingung für die Zuwanderung soll der Nachweis von Grundkenntnissen der deutschen Sprache sein. Schließlich soll der Zuwanderer in eine jüdische Gemeinde aufgenommen werden können. Künftig wird die Zentralwohlfahrtsstelle der Juden in Deutschland (ZWST) für jeden Einreisewilligen eine Integrationsprognose erstellen. Das heißt konkret, sie prüft zunächst, ob der Antragsteller Jude ist. Die Union Progressiver Juden soll in das Prüfverfahren eingebunden werden. Dennoch sehe ich eine Tendenz dazu die jüdischen Zuwanderer zu unterscheiden: Produktive und Unproduktive…

Artikel in der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung

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27. Januar

Der 27.Januar ist der Tag, an dem das Konzentrationslager Auschwitz von der roten Armee befreit wurde und der zum deutschen Gedenktag an die Schoah bestimmt wurde. Wie das mit solchen Tagen so ist, werden sie schnell zur Seite geschoben und letztendlich dann auch irgendwann vergessen.
In einer Fernsehsendung sah ich kürzlich Fotoaufnahmen aus Auschwitz (von denen ich einige zuvor schon sah). Später erfuhr ich aber, dass es wohl nur diese Aufnahmen von diesem schrecklichen Ort gibt. Sie zeigen die Ankunft von Juden aus Ungarn im Jahre 1944. Viele der gezeigten Personen hatten nach der Aufnahme der Bilder nur noch zwei Stunden zu leben, Frauen mit Kindern wurden direkt, gemeinsam mit alten Männern, in die Gaskammern geführt. Viele der Bilder habe ich in den, einfach gehaltenen, Schoah-Artikel auf talmud.de eingearbeitet.

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Demokratie abwählen

Gestern Abend lief schon auf ARTE eine Reihe von Reportagen die den Zuschauer auf die Vorherrschaft der Hamas einstimmte. Je nach Reporter unterschieden sich die Israelis nur in den Stufen ihrer Böshaftigkeit.. Einer der Beiträge hieß beispielsweise Gaza, ein Freiluftgefängnis ?. Interessant waren auch einige Widersprüche zwischen den Reportagen. In einer hieß es, die Fischer könnten sich höchsten einige Meter vom Strand entfernen und würden dann beschossen, in dem anderen waren es schon 10 Kilometer. Die Beiträge gibt es hier. Gesprächsgäste waren Abdallah Frangi (Chef der Fatah im Gazastreifen) und
Mahmoud Zahar, der Führer der Hamas, der sowieso nur vorgab interviewt zu werden, weil er, unabhängig von der Frage, lediglich Parolen von sich gab. Seltsam genug, dass man solchen politischen Figuren ein Forum gibt.

Klartext dagegen in den Blogs. Lila hat eine kleine Zusammenfassung geliefert und den ersten Schock festgehalten:
Lila schreibt in Letters from Rungholt:

„Ich gebe zu, ich bin entsetzt, einfach nur entsetzt. Ja, die Europäer sähen wohl gern, daß wir uns freudig an einen Tisch mit der demokratisch gewählten neuen Hamas-Regierung setzen, aber ist ihnen schon aufgefallen, daß die Hamas das gar nicht will? Ich beneide Olmert nicht, der mitten im Wahlkampf steckt und nun irgendwie auf dieses Wahlergebnisbei unseren Nachbarn reagieren muß. Muß unsere Regierung wirklich Verhandlungen suchen, wenn heute früh von Seiten der Hamas folgendes erklärt wird:“

A senior Hamas official said Thursday recognizing Israel and talks with the Jewish state are „not on our agenda.“

„Negotiations with Israel are not on our agenda,“ said Mushir al-Masri, who won the election in his home district in the northern Gaza Strip.

„Recognizing Israel is not on the agenda either now,“ he said.

Meanwhile, despite its pledge to cooperate with all Palestinian factions, however, Hamas stressed the group has no intention to disarm, with al-Zahar reiterating Hamas does not plan to „change even one word“ in its charter, which calls for Israel’s destruction.

Erste deutsche Reaktionen:
Hamas soll gewonnen haben Deutsche Welle
oder DIE ZEIT: Gewinnt die Hamas?
Der ohnehin nur noch von israelischer Seite betriebene Prozeß des Friedens wird, bei einer tatsächlichen Regierungsbildung durch die Hamas, wohl weiterhin erschwert.

Wer oder was ist die Hamas überhaupt?

Ende 1987 bildete sich die Hamas als militanter Ableger der palästinensischen Muslimbruderschaft. Verschiedene Hamas-Unterorganisationen haben politisch oder mit Gewalt (Terror), agiert, um ihre Ziele zu erreichen. Die Hamas ist in zahlreiche Organisationen geglieder, die öffentlich oder im Untergrund in Moscheen und sozialen Hilfseinrichtungen arbeiten. In erster Linie um Mitglieder zu werben und Gelder zu sammeln, Aktivitäten zu organisieren und Propagandamaterial zu verteilen.

Die neue Polularität dieser Organisation liegt einerseits in ihrem bewaffneten Kampf, andererseits in ihren wohltätigen Aktionen zugunsten der palästinensischen Bevölkerung begründet. So behauptet ihr Führer Mahmud as-Sahar, die Hamas habe für die Vertreibung der Siedler aus dem Gaza-Streifen gesorgt.

Die Hamas verwendet Selbstmordattentate gegen israelische Zivilisten als eines der Mittel ihrer Kriegsführung gegen den Staat Israel dessen Existenzrecht sie ablehnt.

Friedensinitiativen und Gespräche werden von der Hamas als reine Zeitverschwendung und sinnlose Bemühung abgelehnt. Sie seien nichts anderes als ein Mittel, um Ungläubige als Schlichter in den islamischen Ländern zu bestimmen für Palästina gäbe es keine andere Lösung als den Jihad. (Artikel 13 der Charta hier auf Englisch)

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200 Austritte aus der Gemeinde Hamburg allein 2005

Im Hamburger Abendblatt konnte man vor fünf Tagen folgendes lesen:

Im Jahre 2005 hat die Jüdische Gemeinde Hamburg mehr als 200 Mitglieder verloren. Das bestätigte der Gemeindevorsitzende Andreas Wankum am Freitag morgen auf NDR 90,3. „Die Austritte sind fast ausschließlich mit der Einführung der Kultussteuer begründet worden“, erklärte Wankum am Freitag gegenüber dem Abendblatt. Die Kultussteuer entspricht der Kirchensteuer.

Es ist natürlich ein leichtes zu behaupten die Kirchensteuer/Kultussteuer sei Schuld an den Austritten. Die Frage ist doch, was die Gemeinde den verbliebenen Mitgliedern anbietet und ob es für sie überhaupt Sinn macht, weiterhin Mitlglied einer Gemeinde zu sein die sich nicht um ihre Mitglieder kümmert. Die erst kürzlich enstandenen liberalen Gemeinde im Hamburger Umland spielen da vielleicht auch eine Rolle. Die Hamburger Gemeinde pflegte ja kein besonders entspanntes Verhältnis zu diesen Gruppen.
Jüdische Gemeinde Hamburg: Mehr als 200 Austritte

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Synagogen-Architektur


Der Vorteil von US-Amerikanischen jüdischen Webseiten ist natürlich, dass dort vieles praxisbezogen ist und nicht nur theoretisch oder historisch. Die Union for Reform Judaism hat nun eine Webseite erstellt (die wohl weiterhin wachsen soll), die wesentliche Punkte zum Bau einer Synagoge zusammefasst. Eine kleine Fotogallerie ist dabei, wie auch praktische Hinweise. Etwa wie man den passenden Architekten findet oder welche Einrichtungen man benötigt:
Union for Reform Judaism Synagogue Architecture
Beim Einstieg in die Seite Worship wird man durch ein Bild des Temple Oheb Shalom, Baltimore Maryland begrüßt. Abgebildet ist wohl die kleinere von zwei Synagogen der Gemeinde, die ich schon sehr gut und modern finde…

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Ganz vorne…

In aller Bescheidenheit, ich war schneller!! Auch N24 berichtet nun über den iranischen Blogger; übersetzt aber einige Begriffe falsch…
N24.de – Iranischer Blogger reist nach Israel:

Derakhshan schreibt, er besuche Israel sowohl als Bürgerjournalist als auch als Friedensaktivist. Während seines Aufenthaltes wolle er auf Englisch und Persisch bloggen, sowie viele Bilder und Videos ins Internet stellen.

Bürgerjournalist ist eine interessante Übersetzung von citizen journalist, auf Deutsch heisst aber wohl Graswurzel-Journalismus. Statt den N24-Artikel zu lesen, folgt lieber meinem Link und lest es im Original. Mittlerweile gibt es schon erste Updates dieses Unterfangens…

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Iran-Israel -> Israel – wohin?

Hoder Herausgeber eines englischsprachigen Blogs aus dem Iran ist heute von Berlin aus nach Israel gereist um sich vor Ort zu informieren. Vorbildlich was? Der Blogger selber weiß jedoch, dass der Iran wohl Probleme bei der Wiedereinreise machen wird:

This might mean that I wont be able to go back to Iran for a long time, since Iran doesn’t recognize Israel, has no diplomatic relations with it, and apparently considers traveling there illegal. Too bad, but I don’t care. Fortunately, I’m a citizen of Canada and I have the right to visit any country I want….
As a citizen journalist, I’m going to show my 20,000 daily Iranian readers what Israel really looks like and how people live there. The Islamic Republic has long portrayed Israel as an evil state, with a consensual political agenda of killing every single man and woman who prays to Allah, including Iranians…
There are many Iranian Jews residing in Israel now including the president and the minister of defense. Many still speak Persian and love where they were born and raised. I’m going to talk to them and show Israel and Iran from their point of view.

Hossein Derakhshan’s weblog (English)
Wir dürfen gespannt sein, wie sich die Geschichte weiter entwickeln wird…

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Bezahlt mich dafür!

Nicht unsere Baustelle… aber dennoch bemerkenswert: Der Vatikan wünscht sich für jedes wiedergegebene Wort des Papstes Geld. Enzykliken und Reden fallen seit neuestem unter ein Copyright-Gesetz und produziert so bare Münze für die katholische Kirche. Bisher bin ich davon ausgegangen, diese Organisation hätte ein Interesse daran, ihre Botschaft zu teilen… dann eben nicht…
Die TIMES schreibt:
Vatican ‚cashes in‘ by putting price on the Pope’s copyright – World – Times Online

A Milanese publishing house that had issued an anthology containing 30 lines from Pope Benedicts speech to the conclave that elected him and an extract from his enthronement speech is reported to have been sent a bill for 15,000 (10,000). This was made up of 15 per cent of the cover price of each copy sold plus legal expenses of 3,500.