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Erst heiraten und dann Tora lernen – oder umgekehrt?

Die Weisen des Talmuds waren Männer. Doch wir erfahren auch etwas über ihre Frauen – oder aber auch, warum man keine haben sollte, bevor man mit dem Studium fertig ist – je nach Sichtweise. Für die Jüdische Allgemeine habe ich die Sichtweisen kurz erläutert:

Talmudisches – Erst heiraten und dann Tora lernen – oder umgekehrt?

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Adah und Schimon

Schabbat 13a – unten

An den Tagen, an denen der Wind aus dem Süden Sand und Hitze durch das Tal drückte, wartete Adah mit Wasser vor dem Haus. Wenn Schimon kam, küsste er sie auf die Stirn, nahm ihre rechte Hand und lächelte sie an.
Er trank und sie erzählte von ihrem Tag und wer in die Schneiderei gekommen war. Und üblicherweise blickte Schimon auf den Boden und sagte »Wenn ich ein Rabbi bin, dann musst du das nicht machen. Dann handele ich mit Stoffen, so wie mein Vater. Du sollst es gut haben. Nicht mehr lange. Aber wenn ich mich bemühe, werde ich vielleicht eines Tages so gut, wie du es bist.«
Und Adah antwortete »Ich habe nicht gedacht, jemanden wie dich zu finden.«

Er ging früh aus dem Haus, half den jüngeren Studenten, diskutierte mit den Rabbinern und bemühte sich, ebenfalls Vorbild zu sein. Dann kehrte er schnell zurück zu Adah.
Sie gingen dann gemeinsam ins Haus und aßen. Schimon sprach immer gemeinsam mit Adah das Tischgebet. Und oft ging Schimon noch zur alten, fast blinden, Hannah und bereitete ihr Feuerholz vor. Erst nachdem er das getan hatte, sprachen Adah und er über das, was er während des Tages diskutiert hatte. Dann küsste er sie sanft und sie liebten sich. An den Tagen, an denen sie Niddah war, stellte sie das Wasser auf einen Tisch vor dem Haus und beide wussten, dass sie einander nicht berühren würden und warteten ungeduldig auf die Zeit nach der Mikwe.
Dann kam die bleibende Hitze des Sommers und die Regenfälle des Winters. Schimon ging zum Lehrhaus und wurde am Abend von Adah empfangen. Dass sie noch kein Kind hatten, bedauerten sie nicht. Sie hatten einander und genossen die Zeit. Dann kam der Frühling und aus dem Süden kam der Wind auf und Adah wartete vor dem Haus. An einem Tag, an dem der Wind sich legte, kam nicht Schimon den Weg zum Haus herauf.

Als Schimon aus dem Lehrhaus kam, hatte der Wind sich gelegt und alle genossen den kurzen Moment der Entspannung. Die anderen Studenten, die Rabbiner, Kinder liefen wieder umher, die Bäume standen still und man konnte das Wasser des nahen Baches hören. Eine gute Idee, sich hier kurz aufzufrischen, um nicht vollgeschwitzt zuhause anzukommen.
Es war leicht, sich kurz neben den Bach zu knien. Der Boden war fest.
»Schmeckt dir das Wasser mein Freund?«
Schimon wollte sich umschauen, konnte aber nicht, weil ihm die Stimme eine Hand auf den Rücken drückte. Die Stimme erwartete keine Antwort:
»Das Wasser kostet nichts. Aber ich brauche auch etwas zu essen. Gib mir eine Münze mein Freund! Wo ist dein Geldbeutel?«
»Ich habe keinen. Ich war im Lehrhaus.«
»Im Lehrhaus? Wandelt auf dem Pfad des Friedens. Gut ist, wer Torah verbindet mit richtiger Arbeit. Hättest du eine ehrliche Arbeit, dann hättest du mir eine Münze geben können.«

Nicht Schimon stand vor der Tür, sondern zwei seiner Studienfreunde. Sie trugen ein Bündel bei sich. Wortlos reichten die beiden ihr das Bündel. Sie brauchte nicht hinzusehen. Adah wusste, was in dem Bündel war. Sie erinnerte Schimon jeden Tag daran, es nicht zu vergessen.

Die Stimme drückte etwas fester auf den Rücken von Schimon. Er konnte dem Druck nicht lange standhalten. Die Stimme musste nun mit dem gesamten Körper auf Schimons Rücken drücken. Er versuchte, dagegen zu drücken. Seine Arme schmerzten und zitterten und schließlich lag sein Oberkörper auf dem Boden. Wasserspritzer kühlten sein Gesicht. Schimon konnte die Augen nicht geöffnet halten, kleine Wassertropfen drangen in sein Auge. Es fiel ihm schwer zu atmen. Die Stimme musste sich auf seinen Rücken gesetzt haben.
»Mein Freund – du wirst ja ganz nass. Dabei ist der Bach nicht einmal tief. Jonah, mein Freund. Jonah. ›Ströme umgeben mich, all deine Brandungen und deine Wogen, sie fahren über mich her‹ – wie wird sich Jonah wohl gefühlt haben?«
Jetzt schrie Schimon mit der Kraft, die ihm noch geblieben war. Aber sein Schrei endete in einem Gurgeln. Schimon versuchte seinen Kopf mit aller Gewalt nach oben zu drücken, aber hielt nicht lange durch. Er schluckte Wasser.

Adah starrte die beiden an und drückte das Bündel gegen ihren Körper. An den Äderchen ihrer Arme konnte man erkennen, wie fest sie es an sich presste.
»Wir haben einen Schrei gehört – als wir am Bach ankamen, haben wir Schimon gefunden.«

An das, was folgte, konnte sich Adah nur noch schwach erinnern. Daran, dass sie die beiden ihr hilflos zusahen, wie sie sich vor Schmerz auf dem Boden krümmte. Daran, dass Schimon am gleichen Abend noch beerdigt wurde. Daran, dass Frauen zu ihr kamen um sie zu trösten und dass sie immer wieder geschrien hatte, als wollte sie das ganze Tal mit ihrem Schmerz füllen.
Tagelang aß sie nichts, wartete vor dem Haus, ging spät schlafen. Wachte in der Nacht auf, weil sie hoffte, er käme doch wieder. So vergingen Tage und in die Trauer mischte sich Wut. Das Bündel, das sie seit der Nachricht ständig bei sich trug, brachte sie nun ins Lehrhaus.

Als Adah eintrat, saßen um die beiden Rabbiner ein paar Studenten herum. Sie diskutierten lebhaft und niemand bemerkte sie, bis sie in die Mitte trat und sie ansah. Kaum war sie im Blickfeld, verstummten die Stimmen der Studenten und die Rabbiner suchten mit ihren Augen nach Halt irgendwo an der Rückseite des Raums. Die Blicke der Studenten waren auf das Bündel gerichtet. Adah griff hinein und zog die Tefillin ihres Mannes heraus.
»Steht nicht geschrieben, dass derjenige, der Tefillin anlegt, ein langes Leben hat? Steht nicht geschrieben, dass derjenige, der sich mit der Torah beschäftigt, ein langes Leben haben wird?«
Niemand antwortete.
»Mein Mann hat mit euch studiert, er hat Torah gelernt, er hat die Mischnah gelernt, er hat den Rabbinern geholfen – warum ist er also so früh gestorben? Habt ihr eine Antwort für mich?«
Noch immer antwortete niemand. Die Rabbiner sahen in die Leere. Die Studenten ebenfalls. Einer sah sie voller Mitleid und Tränen in den Augen an und lief hinaus. Sie folgte seinem Beispiel und ging ohne eine Antwort in ihr Haus zurück.

»Das, meine Damen und Herren, ist die Tragik einer Geschichte aus dem Traktat Schabbat. Im Talmud hat sie nur wenige Verse, aber sie verdient es erzählt zu werden. Es ist nämlich nicht nur die Geschichte von Adah und Schimon. Es ist auch meine Geschichte. Auch mein Mann hat studiert, hat mich und die Familie geliebt. Er hat das Judentum ebenso so unerbittlich geliebt und keine Kompromisse gemacht. Und dennoch wurde er in seinen besten Jahren umgebracht. Ich kenne die Wut dieser Frau und ich kenne die Wut und die Trauer der Generationen zwischen ihr und mir. Ich befürchte, es wird auch in folgenden Generationen Frauen und Männer geben, die sich die gleichen Fragen stellen.
Warum ist das Versprechen der Torah nicht wahr?
Ist es nicht wahr?
Warum leiden gute Menschen?«

Hadar sah in den Raum. Ihr Vortrag war beendet. Sie hatte keine Antwort auf ihre eigene Frage und wollte die Zuhörer mit dieser Frage hinausschicken. Nachdem das Publikum brav applaudierte und alle sich auf den Weg machten, hielt sie ein junger Mann auf.
»Wissen Sie, dass die Geschichte im Talmud noch einige Zeilen mehr hat?«
»Ja. Ich weiß, der Prophet Elijahu persönlich kümmert sich um die Frau.«
»Warum erzählen sie das den Leuten nicht?«
»Weil Elijahu sich hier nicht kümmert, sondern eine halachische Diskussion führen wird.«
Hadar konnte im Gesicht ihres Gegenübers ablesen, dass er keine Frage gestellt hatte, sondern nur sich selber aufforderte, ihre Ausführung zu kommentieren.
»Wissen sie, der Prophet fragt die Frau, ob sich das Paar an die Reinheitsgesetze gehalten haben und die Frau stimmte zu. Wissen sie das? Dann fragt der Prophet, ob sie sich auch nach der Periode an die Reinheitsgesetze gehalten haben?«
Er räusperte sich beim Wort »Periode« ein wenig. Offenbar war ihm das unangenehm. Aber er fuhr fort:
»Nein und ein klares Nein. Sie gibt dann zu, dass die beiden gemeinsam gegessen und getrunken haben, ja sie haben sogar nah beieinander geschlafen!«
Hadar versuchte einzulenken:
»Sie sagt aber, dass sie sich nicht berührt haben, bis die sieben Tage nach der Menstruation vorüber waren.«
»Ja, ja das kann sein. Aber sie wissen doch, was Elijahu sagt? Er sagt daraufhin ›Gepriesen ist der G-tt der ihn tötete – er zeigte der Torah gegenüber keinen Respekt‹, die Torah hat ja verboten, sich der Frau zu nähern.«
Zum Ende des Satzes wurde der junge Mann ein wenig energischer und auch ein wenig lauter.
Hadar kannte den Text natürlich, war aber schockiert, dass jemand das mit einer solchen Inbrunst verteidigte:
»Sie meinen, Schimon hat seine Strafe erhalten? Ich meine, hier soll nur die Auslegung von Rabbi Akiwah verteidigt werden, denn nur er war der Ansicht, man dürfe in dieser Zeit seiner Frau nicht nahekommen. Wissen Sie, was Raschi schreibt? Ein wahrhaftiger Gelehrter braucht keinen physischen Schutz vor Übertretung eines Gebots. Er hat sich im Griff. Ich wünschte, sie hätten das auch. Haben sie vielleicht daran gedacht, dass Elijahus Antwort auch abschreckend gemeint sein könnte, oder dass er die Frau vielleicht verletzt?«
»So steht es aber geschrieben« sagte ihr Gegenüber und verließ den Raum.

Nach Schabbat 13a/13b
Der Text im Talmud ist knapp gehalten und so liest man ihn schnell herunter und macht sich vielleicht nicht klar, welche Emotionen eigentlich auf den handelnden Personen lasten müssen. Dieser Text ist der Versuch, das zu schildern und es vielleicht ein wenig eindrücklicher zu machen. Ausnahmsweise also keine satirische Geschichte. Feedback ist dementsprechend besonders erwünscht.

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Talmudisches: Von Räubern und Dieben

Jeder kennt das Wort »Ganove«. Es kommt vom hebräischen »Ganav« und ist über das Jiddische ins Deutsche gelangt. Der Ganove ist ein Dieb oder jemand, dem man nicht trauen kann.

Auch im Talmud, etwa im Traktat Bawa Kamma (79ab), begegnen wir dem »Ganav«. Wie so oft im Talmud wird auch dieser Begriff ganz genau definiert, und wir sehen, dass es, verglichen mit dem heutigen Sprachgebrauch, mitunter Abweichungen gibt. Das zeigt wieder einmal, dass die Verwendung unkommentierter Übersetzungen eine heikle Sache ist.

Den gesamten Text findet man auf den Seiten der Jüdischen Allgemeinen, hier.

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Steinsaltz Talmud jetzt online

2012 erschien der erste Band der neuen englischen Ausgabe des Steinsaltz Talmuds (siehe auch hier). Die Übersetzung nenne ich deshalb Steinsaltz Talmud, weil sie (naheliegenderweise) von Rabbiner Steinsaltz stammt. Aber er verfasste auch zahlreiche Hinweise und Klarstellungen. Die reine Übersetzung ist jeweils fett gesetzt. Die Übersetzung ist nicht unanspruchsvoll, dementsprechend aber auch nicht zu vereinfachend. Schnell ist man beeindruckt, wie viel Text zusammenkommt, wenn eigentlich nur fünf Wörter Originaltext übersetzt worden sind. Es ist, als würde man den Talmud mit jemandem lesen, der den Text fortwährend erklärt: Den Kontext, die Zitate aus dem Tanach und den Fluss der Argumentation. Erst diese Informationen bringen Licht in den reinen Text des Talmuds.
Am 7. Februar 2017 kündigte das Sefaria-Projekt an, der Talmud von Steinsaltz sei nun frei im Netz lesbar!

22 Traktate sind verfügbar, bis zum Ende des Jahres 2017 sollen die letzten 15 folgen. Aber damit nicht genug. Der Text steht auch unter einer »Namensnennung-Nicht kommerziell 4.0 International (CC BY-NC 4.0)« Lizenz zur Verfügung. Bedeutet im Klartext, man darf das Material in jedwedem Format oder Medium vervielfältigen und weiterverbreiten, es bearbeiten, verändern und darauf aufbauen, man darf dies jedoch nicht für kommerzielle Zwecke tun. Der Urheber muss ebenfalls vernünftig genannt werden und das so entstandene Material wieder unter dieser Lizenz verfügbar sein. Kurzum: Großartig. Man darf die Texte also vervielfältigen und in Lerngruppen verwenden.
Moment: Das würde erlauben, dass fleißige Menschen auch einen Teil ins Deutsche übersetzen und veröffentlichen dürften…

Im Traktat Berachot (2a) kann man sich einen guten Eindruck verschaffen. Dort liest man den kommentierten Text und kann auch auf die verlinkten zusätzlichen Quellen zugreifen: Raschi, Tosafot, Chiduschej Halachot, Abraham Cohens Fußnoten zum Talmud, Raschba und Ritva. Möglichkeiten gibt es also zahllose.

Diese Online-Ausgabe wird nun übrigens nicht als Steinsaltz-Ausgabe bezeichnet, sondern als William Davidson Talmud. Im Andenken an ihn, war eine, nach ihm benannte, Stiftung an der Durchführung des Projekts beteiligt. In Zusammenarbeit mit dem Korenverlag.

Ende 2017 wird es also eine vollständige, vernünftig kommentierte und übersetzte Ausgabe des Talmuds online geben. Vielleicht kann man damit ein wenig den gängigsten Mythen über den Talmud entgegentreten.

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Der Talmud – Hypertext

Torah Or

Torah Or – Zitat plus Stelle

Der Talmud war schon »Hypertext«, bevor das Wort überhaupt modern war. Ein Text, der wiederum auf andere Texte verweist und auf den selber von anderen verwiesen wird. Dieser wird wiederum ergänzt durch weitere Kommentare, auf die wiederum verwiesen wird und die selber auf andere verweisen. In den meisten Ausgaben des Talmud gibt es die Spalte Torah Or, die auf Zitate aus der Torah verweist. Aber auch innherhalb der Gemarah wird querverwiesen auf andere Talmud-Texte und Zitate. Es liegt also fast auf der Hand, dieses Geflecht auch so abzubilden, dass man einen Text hat, der nahezu grenzenlos ist.
Als die ersten sehr wenigen und exemplarischen Übersetzungen des Talmud auf talmud.de erschienen, zeigte sich schnell, dass eine Übersetzung des Textes eigentlich nicht ausreicht und man einen Kommentar gut brauchen kann, um die Diskussion überhaupt zu verstehen. Auf welchen Text wird verwiesen? Wer sagt was? Ein Teil wurde dann auf moreschet.de veröffentlicht. Der Originaltext mit Übersetzung und kleinem Kommentar war schon recht nett. Problematisch war und ist, dass eine Pflege der Daten und Texte nicht durch eine einzelne Person geleistet werden kann. Es wäre doch nett, wenn man bei Torahzitaten, auch die Stelle findet, diese anklicken kann und gleich auch einen Kommentar dazu hat (Raschi etwa). Tatsächlich stehen all diese Informationen mittlerweile in deutscher Sprache zur Verfügung. Allerdings nicht an einer Stelle.
Mit dem zweiten Schritt von moreschet.de soll jetzt ein weiterer Schritt probiert werden: Die Möglichkeit, diesen Hypertext zu ergänzen,zu korrigieren und zu bearbeiten. Beispielhaft wurde auch schon ein wenig Material vorbereitet.
Man interessiert sich etwa für Berachot 2a:
screenshot_berachot2

Im Text ist ein Verweis auf 1. Mosche 1,5 – diese Stelle kann natürlich geöffnet werden:
screenshot_bereschit

Wer noch weiter einsteigen möchte, kann einen Blick in den Raschi-Kommentar werfen:
screenshot_raschi_al_bereschit

oder in einen Midrasch. Alles das ist auch über mobile Geräte ganz gut aufruf- und benutzbar.
Chance und Gefahr ist die Möglichkeit, dass jeder Nutzer die Texte bearbeiten kann:
jonah_bearbeit
Gefahr nicht unbedingt, weil nicht absehbar ist, was User dort eintragen, sondern vielmehr, weil es durchaus sein könnte, dass die Beteiligung an der Textarbeit sehr zurückhaltend sein wird – das Interesse am Inhalt jedoch sehr hoch.
Die Möglichkeiten sind groß, die Praxis wird zeigen, ob sie nicht vielleicht zu groß sind und wie groß das Interesse sein wird, sich selber einzubringen.
Hier also: moreschet.de/m/

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Tanach-Zitate im Talmud – der Index

Torah Or

Torah Or – Zitat plus Stelle

Ein Blatt Talmud enthält im Aufbau der Ausgabe von Wilna in der Regel in der äußersten Glosse die Rubrik Torah Or. In dieser kann man Zitate aus dem Tanach, die im Talmud-Text auftauchen, vollständig lesen und auch sehen, woher sie stammen. Umgekehrt gibt es in den Standardausgaben keinen Hinweis darauf, welche Stellen im Talmud wiederum sich auf welche Stellen aus dem Tanach beziehen, oder sie zitieren – also eine Art Konkordanz der Tanach-Zitate aus dem Talmud. Diese Arbeit hat sich nun Kirchenrat im Ruhestand Dr. Hans Maaß gemacht. Dieses Bibelstellenregister zum Babylonischen Talmud steht sogar online als pdf zur Verfügung (hier). Von Bereschit bis zu den Diwrej haJammim werden (nahezu) alle Zitate des Tanach im Talmud aufgelistet: In deutscher Sprache natürlich. Für Interessierte an der Materie bietet das Material sicherlich eine große Hilfe. Leider, muss man sagen, hat Dr. Maaß mit der Übersetzung und den Kommentaren von Lazarus Goldschmidt gearbeitet. BibelstellenregisterVielleicht wäre eine Arbeit mit der Glosse Torah Or noch sehr viel ergiebiger gewesen, denn die referenziert mehr Stellen, als Goldschmidt zitiert. Ein Beispiel wäre direkt Bereschit 1,5. Dieses Zitat ist im Bibelstellenregister für Ber 26a; Schab 10a; Pes 2a; 88a; Meg 10b; 20b; Chag 12a; Nas 7a (Seite 5) nachgewiesen. Tatsächlich taucht dieses Zitat bereits auch auf Blatt 2a von Berachot auf. Aber es wäre unfair, das hilfreiche Dokument von Dr. Maaß damit herabzuwürdigen. Auch wenn das Vorwort sich an den fachlich interessierten Christen wendet, so bietet sich das Dokument dennoch an, wenn man schauen will, in welchen Zusammenhängen ein kurzer Textabschnitt aus dem Tanach noch verwendet wird. Das kommt zwar nicht so sehr häufig vor, aber es eröffnet interessante Querverbindungen. Ein ähnliches Projekt gibt es als Buch bei Feldheim. Organisiert nach den Abschnitten des Talmuds, bringt Tanach on the Daf alle Zitate aus dem Tanach. Eine Art erweiterte und ausführliche Torah Or-Geschichte. Im ersten Band gibt es ein ähnliches Bibelstellenregister.
Einen thematischen Index bietet übrigens HaMafteach.

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Not, Tugend und Talmud?

Koren digital edition

ArtScroll hat seine Talmud App für iOS Geräte auf den Markt gebracht. Diese bringt den Talmud von Artscroll auf Mobilgeräte und soll zugleich das Lernen erleichtern. Jeder Talmud-Band der Schottenstein-Ausgabe wurde dafür digitalisiert. 73 Bände gibt es. Jeder Band kostet als App $13,99. Zusammen kostet der gesamte Talmud für die iOS Geräte also schlappe $1021.27 und wenn ich das Betriebssystem wechsele, oder ein anderes Tablet oder Mobilgerät, dann habe ich keinen Zugriff auf meine Tausenddollar-Talmud-Bibliothek. Um zwischendurch mal in das Meer des Talmuds zu tauchen, sicherlich nicht uncharmant. Aber irgendwie scheint die Variante auf Papier im dekorativen Einband etwas mehr Charme zu haben. In das Buch kann ich auch nach einem Umzug hineinschauen. Ärgerlich natürlich, wenn man zuhause wenig Platz hat.
ArtScrolls neuer Konkurrent/Marktbegleiter, der Koren-Verlag hat mit seiner neuen (und großartigen) Talmud-Ausgabe, dem Steinsaltz-Talmud, direkt große Käuferschichten erschlossen, aber auch von Beginn an eine App für das iPad angekündigt. Die ist bisher nicht gekommen. Warum ist nicht ganz klar.
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Zwei Seiten täglich

Steinsaltz Talmud Cover In der aktuellen Ausgabe der Jüdischen Allgemeinen führe ich (wie hier) in das Konzept des Daf Jomi ein und stelle die zwei Talmud-Ausgaben vor, die für den Leser geeignet sind, der sich über einen Kommentar und eine Verständnishilfe nähern möchte.
In Frage kommen also nur die Ausgabe von ArtScroll und von Koren, wobei mir nach häufigem Vergleichen die Ausgabe von Koren mehr zusagt. So verzichtet ArtScroll auf ein vokalisiertes Wilna-Blatt und bläht den Umfang der Bände, durch die mehrmalige Wiedergabe des klassischen Blattes auf jeder Doppelseite, doch erheblich auf. Koren ist hier ein Risiko eingegangen und hat die Frage nach der Wiedergabe des Originaltextes mutiger gelöst (wie hier schon beschrieben worden ist). Ideal ist es natürlich, beide im Zugriff zu haben, aber privat kann man sich das vermutlich kaum leisten.

Der Artikel ist vollständig hier zu finden.