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Große Synagogen und so

Westend-Synagoge (Frankfurt am Main) von Dontworry (Eigenes Werk) [CC BY-SA 3.0], via Wikimedia Commons

Westend-Synagoge (Frankfurt am Main) von Dontworry (Eigenes Werk) [CC BY-SA 3.0], via Wikimedia Commons

In zahlreichen Synagogen (vor allem im Ausland, vereinzelt auch in den Groß-Groß-Gemeinden in Deutschland) muss man sich Platzkarten für die Gebete an Rosch haSchanah und Jom Kippur besorgen. Das sind ja DIE Tage, zu denen man sich in der Synagoge sehen lässt.

Gebete in großen Gemeinden sind beeindruckend, oft gut durchorganisiert und etwas für diejenigen, die eine konzertartige Atmosphäre schätzen. In der Vergangenheit habe ich mich bei einem Jom-Kippur Gebet in einer großen Synagoge gefragt, wie das Gebet gewesen sein muss, bei dem Franz Rosenzweig beschloss, zum Judentum zurückzukehren. Vielleicht war das eben keine große Synagoge.
Vielleicht auch eine mit wenig Zuschauern, als vielmehr mit zahlreichen Mitbetern und das allein macht für mich die Stimmung der Hohen Feiertage aus:
Wenn alle Anwesenden sich auf eine ähnliche Sache konzentrieren und vom Tag beseelt sind (darf man dieses Wort noch verwenden?) – da spielt es keine Rolle, ob es eine große oder kleine Synagoge ist – ob 700 Beter anwesend sind oder 10.
Rosch haSchanah und Jom Kippur war ich in einer mittelgroßen Synagoge einer kleinen Gemeinde und leider waren kaum Beter da. Selbst an Jom Kippur kam erst am späten Vormittag ein zehnter Mann.
Und dennoch war die Stimmung nicht so sehr schlecht. Es wäre sicherlich etwas gemütlicher gewesen, wenn wir eine kleinere Synagoge hätten nutzen können. Es bleiben während der normalen Gebete viele Plätze leer und das drückt auf die Atmosphäre, man kann auch sagen, es lässt nicht so sehr viel Kawanah zu.

Dann gibt es aber auch (große) Synagogen, in denen die Atmosphäre weniger konzertartig ist; aber nicht, weil alle mit voller Konzentration dabei sind, sondern eher, weil viele eher mit anderen Dingen beschäftigt sind.
Dass man sich zwischendurch unterhält ist verständlich oder mindestens nachvollziehbar. Aber wenn man das auf richtig viele Anwesende hochrechnet, dann wird es doch relativ unruhig und das lenkt wiederum von der Hauptsache ab.

Vielleicht sogar so unruhig, dass auch erfahrene Organisatoren das Handtuch werfen. Der (neue?) Blogger Daniel war wohl Organisator (Experten sprechen von einem Gabbaj) in der Westend-Synagoge (Frankfurt am Main) – nicht die kleinste Gemeinde und nicht die kleinste Synagoge. Jedenfalls hat er nun das »Handtuch geworfen«, wie er schreibt.

Immer und immer wieder haben wir uns in den letzten zehn Jahren im Synagogenvorstand gemeinsam mit den verschiedenen Gemeinderabbinern, der Gemeindedirektion oder auch diversen Vorstands- und Gemeinderatsmitgliedern den Kopf darüber zerbrochen, was man wohl alles noch tun könne, um insbesondere zu den hohen Feiertagen für mehr Ruhe und Würde in der Synagoge zu sorgen.
von hier (danielsblog.kornfamily.de)

Dem könnte man entgegnen: »Luxusprobleme! Seid doch froh, wenn die Leute kommen!«
Aber das greift vielleicht doch zu kurz, weil es das Problem nicht treffend beschreibt, welches wir heute haben. Es mag sein, dass zu gesellschaftlichen Aktivitäten recht viele Leute erscheinen, aber wenn es um Inhalte geht, wird es schon etwas dünner. Wenn es dann um religiöse Inhalte und eine Auseinandersetzung geht, wird es noch weniger.
Die Aufgabe sollte also nicht lauten:
Wie bewege ich mehr Leute in die Synagoge
– sondern:
Wie bewege ich mehr Leute dazu, in die Synagoge kommen zu wollen.

Das dürfte dann auch die negativen Begleiterscheinungen mildern.

Vielleicht wäre das Motto des Shtiebels Budapest ein guter Start: »We just need a minyan plus one«. Ein Projekt, das winzig(st) begann und dann von innen heraus gewachsen ist (2011 erwähnte ich das Projekt hier).

Update nach einem Kommentar von Yankel Moishe:

Tiergarten Synagoge

Tiergarten Synagoge

Die Synagoge in der Franz Rosenzweig an Jom Kippur des Jahres 1913 zum Judentum »zurückkehrte«, war die die Synagoge »Potsdamer Brücke« in der Rabbiner Dr. Marcus Petuchowski tätig war. Dr. Marcus Petuchowski war Absolvent des Berliner Rabbinerseminars, welches von R. Hildesheimer gegründet wurde. Die Synagoge soll etwa 100 Plätze gehabt haben – war also mittelgroß. Betrieben wurde die Synagoge durch den Verein »Tiergarten-Synagoge e.V.«. Sie wurde 1875 erbaut und 1928 abgerissen, weil die Mitglieder sich innerhalb Berlins andere Wohnorte gesucht haben (sollen).

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Zwei Meldungen zu Synagogen

Zwei Meldungen, die unterschiedlicher nicht sein könnten:

  • aus Berlin: Die Synagoge Fraenkelufer boomt – dank Facebook, schreibt der Deutschlandfunk hier. Die Synaoge scheint gerade auf einer Beliebtheitswelle zu reiten und immer mehr jüngere Juden zu begeistern. Was hat man dort richtig gemacht? Wenn man ich es richtig verstehe, dann hat man Engagement zugelassen und einfach mal laufen lassen.
  • Die Synagoge Luzern muss wohl schließen, berichten die Schweizer Zeitung »Der Bund« und das Online-Magazin zentral+. Der Artikel von zentral+ lässt jedoch eine gewisse abwertende Tendenz erkennen. Er sieht das Problem vor allem in der Orthodoxie, die hier als abgrenzend wahrgenommen wird. Tatsächlich nimmt die Gemeinde keine Mitglieder auf, die in Mischehen leben. Interessant, was passieren würde, wenn man das auch in Deutschland einführen würde. Das würde die Mitgliederzahlen dramatisch sinken lassen.

Irgendwo zwischen den zwei Meldungen finden sich zahlreiche Gemeinden wieder.
Einige spüren die sinkende Gesamtzahl der Gemeindemitglieder in Deutschland, andere arrangieren sich irgendwie und suchen nach Auswegen. Ein winzigkleines Erfolgsrezept (funktioniert nur in Gemeinden, die zumindest manchmal von Interessierten besucht werden) scheint jedoch zu sein (bitte nachmachen), dass Gemeinden, die sich um neue Gesichter kümmern, diese neuen Gesichter auch vermutlich wiedersehen. Ich war schon in einigen Gemeinden, in denen ich von der Ankunft bis zum Aufbruch unbehelligt blieb. Zwar wurde über den Besucher gesprochen, aber nicht so sehr häufig mit ihm. Es fehlt also scheinbar am »Neue-Leute-Management« und vielleicht kann man neue Gesichter mit einem freundlichen »Schabbat Schalom – schön jemanden neuen zu sehen«, als mit einem »Haben Sie das Handy ausgemacht?«.

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Ewiges Licht – Ner Tamid

Ner Tamid

Es gibt Artikel, bei denen hat man schon während des Schreibens die Absicht, vielleicht etwas Widerspruch zu erzeugen und kalkuliert eine heftige Reaktion ein. Bei religiösen Themen ist das zuweilen der Fall, wenn es um besonders umstrittene Bereiche geht, Frauen an der Westmauer vielleicht, Siedlungen sind auch immer ein gutes Thema. Aber manchmal bleibt die Reaktion aus. Man liest, aber reagiert nicht. Dann aber gibt es Themen, die versucht man sachlich darzustellen und erntet heftigen Widerspruch.
So war es bei meinem Artikel zum Kerzenzünden am Schabbat. Dieses Kerzenzünden ist emotional stark besetzt, das unterschätzte ich ganz klar bei der nüchternen Formulierung der Herkunft des Kerzenzündens und des »Hand-vor-Augen-Haltens« (aus dem ein paar Damen die ich dabei beobachten konnte, eine große magische Sache gemacht haben), dass keinerlei mystische Herkunft hat, sondern einfach nur eine Art halachischer Workaround ist (steht alles im Artikel).
Bei dem neuen Artikel »Ner Tamid«, also das »ewige Licht« in der Synagoge war es ähnlich. Es gab mehrere, (aber meist) sehr freundliche, Reaktionen auf dieses Thema auf das Thema. Erneut entschied ich mich, nicht die Interpretation des Lichts zu präsentieren, sondern zu schauen, wo es eigentlich herkommt und seit wann es in den Synagogen verwendet wird.
Übrigens kenne ich mittlerweile ein paar Synagogen in denen das Ner Tamid ein sehr temporäres Licht ist und vom Hausmeister kurz vor dem Gebet eingeschaltet wird. Das scheint allerdings nicht die Tradition zu sein, die sich allgemein durchgesetzt hat…

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In der Portugiesischen Synagoge

Portugese synagogue in Amsterdam

Portugese synagogue in Amsterdam

Der erste Eindruck von der Portgiesischen Synagoge in Amsterdam ist »groß«.
Es riecht nach altem Holz, Sand liegt auf dem Boden.
Man blickt über viele Bankreihen zum Aaron haKodesch, dem Schrein, in dem die Torahrollen aufbewahrt werden.
Ein großartiges Gefühl, wenn man in der alten (aus dem 17. Jahrhundert) Synagoge steht, die heute tatsächlich auch noch als Synagoge genutzt wird. An vielen Orten Europas kann man das heute nicht mehr so einfach nachvollziehen, weil viele Fäden mit der Schoah abgeschnitten wurden.
Heute hat die Gemeinde (der Portugiesischen Synagoge) etwa 600 Mitglieder. Eine fantastische Bibliothek gehört ebenfalls zum Synagogenkomplex dazu. Die Ets Haim Bibliothek hat damit begonnen, ihre Bestände zu digitalisieren und auch diese Einblicke sind faszinierend (hier klicken).

Wintersynagoge der Portugiesischen Synagoge in Amsterdam

Wintersynagoge der Portugiesischen Synagoge in Amsterdam

Fast (noch) interessanter (für mich persönlich) war aber der Besuch in der kleinen »Wintersynagoge«, die für einen kleinen Minjan und tatsächlich im Winter genutzt wird, weil die große Synagoge nicht beheizt werden kann. Die Synagoge hat nämlich keine Heizungsanlage, aber auch kein elektrisches Licht.
Das ist übrigens nicht nur ein Problem alter Synagogen, die gar keine Heizungsanlage haben. In einigen Gemeinden mit einer großen und neuen Synagoge hat man bemerkt, dass es sehr teuer ist für ein paar wenige Beter zu heizen und den großen Raum vorzubereiten. Im letzten Winter war ich in einer Gemeinde, die ihre Synagoge deshalb im Winter nicht nutzt und statt dessen die Torahrollen und den Minjan in einen anderen Raum im Gemeindezentrum umzieht. Auch der wäre vollkommen ausreichend. Vielleicht nicht zu den Hohen Feiertagen, aber dennoch…

Kleine Synagogen würde ich jederzeit den großen vorziehen. Jedenfalls dann, wenn der Besuch eher mäßig ist und viele Beter weit entfernt voneinander sitzen und dadurch auch ein wenig Atmosphäre verloren geht.

Winter synagogue of the Portugese synagogue.

Mienchat dotar – a siddur especially for Minchah according to the Minhag of the Netherland–Portugese Jews

Hier habe ich versucht, etwas Atmosphäre aufzufangen. Jemand übte Singen in der großen Synagoge:

Für jüdische (und interessierte) Besucher ist der Komplex rund um die Portugiesische Synagoge keine Touristenfalle, sondern ein interessantes Ziel. Anschauen kann man sich die meisten Einrichtungen, wie die Mikweh, den Aufbewahrungsraum für die vielen Kerzen und den Kidduschwein, die Torahmäntel etc. Vielleicht sollte man nicht gerade zu einer touristischen Hauptzeit erscheinen.

Zitat

Fraenkelufer

»Keine Synagoge muss leer sein. Wo Leute die Initiative ergreifen, sich nicht bremsen lassen, dranbleiben, auch wenn es schwierig wird, da bewegen sie auch etwas. Und das spornt dann wieder andere an«, so Jonathan Marcus. Das sei der Schlüssel für ein lebendiges Gemeindeleben: aktiv sein von unten und nicht institutionalisiert von oben.

Jonathan Marcus zur Belebung der Synagoge Fraenkelufer in der Jüdischen Allgemeinen(hier)

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Begehung der karolingischen Synagoge von Köln

In Köln soll ein Museum entstehen, welches die jüngsten archäologischen Entdeckungen zur jüdischen Präsenz in Köln dokumentiert. Dort wurde eine Synagoge gefunden, von der man sagt, sie sei die älteste bekannte Synagoge nördlich der Alpen. Datiert wird sie in die karolingische Epoche, also noch vor dem Jahr 800 und diese Synagoge habe wiederum auf einer gestanden, die aus dem 4. Jahrhundert stammt. Also aus einer Zeit, in der das Christentum in Köln noch nicht fest etabliert war.
Die Mikweh sei in allen Phasen der Bebauung genutzt worden.
Das Gebäudeensemble wird von der Archäologischen Zone Köln in einer virtuellen Begehung vorgestellt:

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Bimah

Old Jerusalem Hurva Synagogue Bimah
Die Bimah in der Hurva Synagoge: By Utilisateur:Djampa – User:Djampa (Own work – Travail personnel) [GFDL or CC-BY-SA-3.0-2.5-2.0-1.0], via Wikimedia Commons

Die Bimah befindet sich in Deutschland bei nicht wenigen Syangogen vorne. Direkt vor dem Schrank, in dem die Torahrollen aufbewahrt werden. Das ist für Gäste ein false friend, wie das im Bezug auf Sprachen heißt: Etwas, was so ähnlich ausschaut, wie eine Sache, die man kennt. Also wird die Bimah nicht selten als Altar bezeichnet.
Diese Raumaufteilung geht auf die Anfänge des Reformjudentums zurück und ist aus mehreren Gründen nicht sonderlich optimal. Die Aufmerksamkeit und der Fokus dürfte bei einer Torahlesung inmitten der Menge etwas größer sein, als ein Ereignis, welches irgendwo vorne stattfindet. In einigen neueren Synagogen wurde dies (wieder) berücksichtigt. So etwa in Bamberg, Dresden oder Bochum.

Eine ausführliche Darstellung ist diese Woche in der Jüdischen Allgemeinen zu finden, den Text findet man hier.

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Die Synagoge

Einweihung der Synagoge Bochum - Dedication of the Bochum synagogue Es hat einige überrascht, dass die Synagoge nicht DAS (institutionelle) Gebäude jüdischen Lebens einer jüdischen Gemeinde ist. Einfach, weil es uns vielfach anders begegnet.Im gelebten Judentum stehen ja eigentlich das eigene Haus und die Familie im Mittelpunkt, deshalb hat auch der Bau einer Mikwe Vorrang vor dem Bau einer Synagoge. Um die Errichtung einer Mikwe bezahlen zu können, darf die Gemeinde sogar eine Synagoge oder eine Torarolle verkaufen. Warum die Synagoge aber doch auch ein Zentrum des Gemeindelebens, auch ohne Minjan, ist, steht in meinem aktuellen Artikel für die Jüdische Allgemeine. Hier kann man den Volltext online lesen.

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Das jüdische Jahr in Glas

Die Fenster des alten Betsaals der Jüdischen Gemeinde Gelsenkirchen schilderten das jüdische Jahr in nucem und gaben die wichtigsten Symbole des Jahres sehr gut wieder.
Nach dem Umzug der Gemeinde in das Gebäude der Neuen Synagoge, hängen sie nun direkt vor dem eigentlichen Synagogenraum und haben dort, bei entsprechender Ausleuchtung noch eine ganz andere Wirkung. Ein Bericht in der Lokalzeitung (und eine daraus resultierende Anfrage) erinnerte mich daran, dass sie natürlich auch für eine breitere Öffentlichkeit interessant sein könnten. Vor einige Zeit schon habe ich ein paar Fotografien davon gemacht:

Gesamtansicht:
Windows from the old synagogue in Gelsenkirchen

Details:
Man beachte, dass man bei den Jamim Noraim auch zwei Hände aufgenommen, die einander gereicht werden wie es in dieser Zeit auch sein sollte. Dies als wichtiges darstellendes Element der Festtage, neben dem Schofar, aufzunehmen, fand ich bemerkenswert.

Windows from the old synagogue in Gelsenkirchen

Windows from the old synagogue in Gelsenkirchen

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Neu gebaut und umgezogen?

SynagogeDuisburg Atrium

Die Duisburger Synagoge ist ein Vorzeigeprojekt auf das immer wieder gerne hingewiesen wird. Architekt Zvi Hecker schuf ein ein ungewöhnliches Gebäude an Duisburgs Innenhafen. Sie wurde am 21. Februar 1999 eingeweiht und sollte als Zentrum der Jüdischen Gemeinde Duisburg-Mülheim-Oberhausen dienen. Die Gemeinde zog damals von Mülheim an der Ruhr nach Duisburg. 9 Millionen Euro hat das Projekt damals gekostet.
Jetzt überlegt man, laut Rheinischer Post, den Standort zu wechseln:

Die jüdische Gemeinde Duisburg-Mülheim-Oberhausen überlegt, aus ihrem derzeitigen Domizil am Innenhafen auszuziehen. „Wir haben zwar keine konkreten Pläne, aber es gibt solche Überlegungen“, sagt der Geschäftsführer der Gemeinde, Michael Rubinstein. von hier

Warum?
Dazu gibt es gleich mehrere Antworten. Zum einen liest man:

Die jüdische Gemeinde Dusiburg-Mülheim-Oberhausen will sich von der Synagoge am Innenhafen trennen. Grund: Der Neubau sei zu klein und zu weit abseits gelegen. Man habe bereits ein neues Domizil im Auge, verrät Vorstandsmitglied Patrick Marx. von hier: Der Westen

Das war am 17.3.2011. Am 18.3.2011 heißt es dann etwas erhellender:

Aufgrund fehlender thermischer Abschirmung einiger Gebäudeteile ist die Synagoge am Innenhafen bereits nach zehn Jahren in einem schlechten Zustand. Je nach Höhe der Sanierungskosten müsste sich die Gemeinde nach einer Alternative umschauen. von hier: Der Westen

Dem Artikel ist zu entnehmen, dass die Betonfinger, die Architekt Zvi Hecker entwarf, offenbar ein größeres Problem darstellen (auf dem Bild unten zu erkennen). Sie wurden wohl auf Anweisung des Architekten hin nicht ausreichend gegen Umwelteinflüsse abgeschirmt. Das Material arbeitet also. Dehnt sich aus, zieht sich zusammen. Wasser kann in das Material eindringen und weil alles miteinander verbunden ist, wirkt sich das auch auf das Hauptgebäude aus.

Duisburg Jewish Community Center-Zvi Hecker

Die Sanierungskosten dürften erheblich sein. Auf Der Westen.de heißt es weiter:

Damit nicht genug: Der bauliche Grundfehler wäre damit nicht behoben. Dazu müssten die Betonfinger vom Gebäude getrennt werden. Und hier kommen wir in einem Konflikt mit den Urheberrechten des Architekten, so Rubinstein. Von hier: Der Westen

Notbremse also? Nach zehn Jahren erkannt, dass die Lage nicht gut ist, die Bausubstanz schlecht und die Gemeindemitglieder eigentlich woanders leben.

Die Realität schlägt also mit der großen Faust zu.

Der Architekt erkennt aber, laut Rheinischer Post, nicht, wo das Problem liegt:

Insgesamt sei es um eine Summe von 800 000 Euro gegangen, die die Duisburger Gemeinde vom Architekten verlangt hatte. „Die Gemeinde hat nie architektonisches Verständnis gezeigt. Ich war nicht einmal zur Grundsteinlegung und zur Eröffnung eingeladen“, sagt Hecker. von hier: Rheinische Post

Die Gemeinde habe also kein architektonisches Verständnis? Es scheint also eine gewisse Kommunikationsprobleme zu geben. Eine Gemeinde benötigt einen praktischen, sicheren und ausbaufähigen Raum (heute wohl auch ökonomisch und ökologisch anspruchsvoll). Der Architekt wünscht sich ein Projekt, bei dem gezeigt werden kann, was möglich ist. Viel Symbolkraft (ähnlich wie in Mainz) müsste mit praktischen Belangen verschmolzen werden. Ob Duisburg einen Wendepunkt zeigen wird? Man wird das Projekt weiter beobachten müssen.