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Mitgliederstatistik überrascht nicht

Mitgliederentwicklung der Jüdischen Gemeinden 1955 – 2016

Nach Pessach veröffentlicht die ZWST traditionell die Mitgliederstatistik der Jüdischen Gemeinden für das Vorjahr. Wie viele Mitglieder haben die Gemeinden insgesamt? Wie viele hatten sie im Vorjahr? In der Gesamtbetrachtung kann man daraus eine Entwicklung ablesen. Und diese ist seit 2007 rückläufig. Seit diesem Jahr verlieren die Jüdischen Gemeinden Mitglieder. 2006 also hatten die Gemeinden mit 107.794 Personen die höchste Anzahl von Mitgliedern seit 1949. 2015 sank die Zahl erstmals unter die Grenze von 100.000. 2016 nun liegt die Zahl der Gemeindemitglieder bei 98.594.

Woran das liegt, ist offensichtlich. Die Anzahl der »Abgänge« übersteigt die Anzahl der »Zugänge«. Oder weniger euphemistisch formuliert: Es sterben mehr Menschen, als Kinder geboren werden. Es fehlen mindestens 1244 Babys um das aufzufangen.
Zunächst die wichtigsten Eckdaten in der Übersicht:

2013 2014 2015 2016
Geburten 250 243 277 265
Sterbefälle 1244 1335 1476 1498
Übertritte 70 68 59 98
Austritte 418 528 422 412
Einwanderer 444 652 674 409
Auswanderer 150 169 142 187

Wo wir schon bei Babys sind: 1989 gab es in Deutschland 807 Kinder im Alter zwischen 0 und 3.

2016 waren es 1.051. Kling unspektakulär?
Dann formulieren wir das anders. 2016 hatten die Gemeinden mehr als als dreieinhalb mal soviel Mitglieder als 1989 (98.594 gegen 27.711). Wir könnten also 2.800 Kinder in diesem Alter erwarten…

Betrachten wir die Zu- und Abgänge im Detail für das Jahr 2016:

Zugänge versus Abgänge 2016

Und nun noch die Entwicklung der Zu- und Abänge: Hier wird leider eine Tendenz deutlich – bei einer kleiner werdenden Gesamtzahl – steigt die Zahl der Todesfälle.

Entwicklung der Zugänge und Abgänge

Für 2016 kann man festhalten, dass diese Entwicklung nahezu jede Gemeinde erfasst hat. Warum nahezu? Bevor diese Frage beantwortet wird, zunächst ein Blick auf »Gewinne und Verluste« auf Ebene der Landesverbände:

Landesverband 2015 2016 Differenz zum Vorjahr
Baden 5457 5383 -74
Bayern 8753 8709 -44
Berlin 9865 9735 -130
Brandenburg 1091 1224 133
Bremen 940 907 -33
Frankfurt/M. 6604 6503 -101
Hamburg 2445 2447 2
Hessen 4758 4676 -82
Köln 4077 4026 -51
Mecklenburg-Vorpommern 1412 1342 -70
München 9507 9485 -22
Niedersachsen 6843 6724 -119
Niedersachsen (liberale) 1233 1222 -11
Nordrhein 16311 16200 -111
Potsdam 416 414 -2
Rheinland-Pfalz 3181 3145 -36
Saar 918 894 -24
Sachsen 2560 2533 -27
Sachsen-Anhalt 1355 1340 -15
Schleswig-Holstein 1210 1161 -49
Schleswig-Holstein 748 698 -50
Thüringen 739 710 -29
Westfalen 6356 6251 -105
Württemberg 2916 2865 -51

Warum also nahezu? Weil es zwei Ausnahmen gibt: Eine davon ist Hamburg. Hamburg konnte seine Anzahl der Mitglieder von 2.445 in 2015 auf 2.447 im Jahr 2016 steigern. Zwei Personen kamen hinzu. Wenn man sieht, dass die Gemeinde Frankfurt am Main genau 100 Mitglieder verloren hat, dann mag man nicht mehr über einen Zuwachs von 2 schmunzeln. Eine weitere Ausnahme ist Brandenburg. Hier kamen 133 Mitglieder hinzu. Besonders Oranienburg hat Mitglieder hinzugewonnen. Potsdam hingegen massiv verloren. Hatte die Gemeinde 2010 noch 393 Mitglieder, so waren es 2016 nur noch 210. Es scheint, als müsste man bei der Planung der neuen Synagoge berücksichtigen, dass man die Infrastruktur für eine kleine Gemeinde anlegt.
Im Landesverband Nordrhein dürfte die Gemeinde Düsseldorf den größten Verlust von Mitgliedern erleiden. Waren es 2010 noch 7.080, so waren es 2016 noch 6.713. Und das obwohl Düsseldorf als Stadt eigentlich immer mehr Menschen anzieht.

Israelis und Berlin

Berlin liegt im Fokus wenn es um Israelis geht. Wie viele mag es dort geben? Die Jüdische Gemeinde Berlins (135 Mitglieder weniger als im Vorjahr) scheint nicht von dem Boom, sofern es einen gibt, zu profitieren. Da sie dementsprechend nicht bei der Gemeinde angemeldet sind, gehen sie auch nicht in die Statistik ein.

In Berlin waren am 31.12.2016 4.680 Personen mit israelischer Staatsangehörigkeit gemeldet. Israelis, die mit deutscher Staatsbürgerschaft in Berlin leben, dürften damit nicht erfasst sein (rein technisch sind sie ja auch keine Israelis mehr). Das Amt für Statistik Berlin-Brandenburg hat eine smarte Schnittstelle für Datensammler. Die folgenden Daten entstammen dem Einwohnerregister Berlins:

Bezirk Personen
01 Mitte 685
02 Friedrichshain-Kreuzberg 678
03 Pankow 566
04 Charlottenburg-Wilmersdorf 1319
05 Spandau 79
06 Steglitz-Zehlendorf 314
07 Tempelhof-Schöneberg 434
08 Neukölln 375
09 Treptow-Köpenick 54
10 Marzahn-Hellersdorf 32
11 Lichtenberg 70
12 Reinickendorf 74
Berlin insgesamt 4680

Sind sie alle Mitglieder der Jüdischen Gemeinde Berlin? Natürlich nicht.
Wir machen die Gegenprobe. Für den 31.12.2014 hielt das Amt für Statistik Berlin-Brandenburg fest, dass 3.991 Personen mit israelischer Staatsangehörigkeit lebten. Die Zahl hat sich also in zwei Jahren um 689 erhöht. Das müsste dann bedeuten, die Gemeinde hätte in zwei Jahren etwa 680 neue Mitglieder haben können. 2016 meldeten sich 215 Einwanderer (aus welchem Land sie kamen ist unbekannt) bei der Gemeinde an, 2015 waren es überhaupt keine. Also tatsächlich: Diese Gruppe kommt in der Gemeinde nicht an. Aber man stelle sich das vor?! Berlin hat 9.735 Mitglieder. Die Israelis könnten eine große Gruppe innerhalb der Gemeinde bilden und den Kurs erheblich beeinflussen.

Daten

Alle Daten kann man bei der ZWST nachlesen.

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Ergebnisse der Umfrage zum jüdischen Deutschland – Kindergärten und Schulen

Wie ist es um jüdische Kindergärten und Schulen bestellt?
Vor dem Hintergrund, dass die meisten Teilnehmer dieser Umfrage aus größeren Gemeinden kommen (das entspricht durchaus dem deutschen Durchschnitt), überrascht es nicht, dass viele Zugang zu einem jüdischen Kindergarten und einer jüdischen Schule hätten:

Kindergarten

Die Frage, ob es einen jüdischen Kindergarten in der Stadt gibt, beantworteten 170 Personen:

Gibt es einen jüdischen Kindergarten in der Stadt? (170 Antworten)

Gibt es einen jüdischen Kindergarten in der Stadt? (170 Antworten)

Anschließend sollten die Befragten verraten, ob sie ihre Kinder in einen jüdischen Kindergarten schicken würden (generell gefragt). Auf diese Frage gab es 164 Antworten:

Mein Kind würde in den jüdischen Kindergarten gehen

Mein Kind würde in den jüdischen Kindergarten gehen (164 Antworten)

Grundschule

Die Frage, ob es eine jüdische Grundschule in der Stadt gibt, beantworteten 169 Personen:

Es gibt eine jüdische Grundschule

Es gibt eine jüdische Grundschule (169 Antworten)

Auch hier wieder die Frage danach, ob das Kind (theoretisch) eine jüdische Grundschule besuchen würde (162 Antworten):

Mein Kind würde in die jüdische Grundschule gehen

Mein Kind würde in die jüdische Grundschule gehen (162 Antworten)

Weiterführende Schulen

Die Frage, ob es eine weiterführende jüdische Schule in der Stadt gibt, beantworteten 167 Personen:

Es gibt eine jüdische weiterführende Schule in der Stadt (167 Antworten)

Es gibt eine jüdische weiterführende Schule in der Stadt (167 Antworten)

Würde also das eigene Kind theoretisch diese Schule besuchen? Hier gab es 155 Antworten und die Verteilung dieser Antworten überrascht ein wenig:

Mein Kind würde die jüdische weiterführende Schule besuchen (155 Antworten)

Mein Kind würde die jüdische weiterführende Schule besuchen (155 Antworten)

Etwa 35 Prozent der Antwortenden würden ihre Kinder nicht auf die weiterführende Schule schicken. Warum man sich für Ja oder Nein entschieden hat, wurde natürlich im Rahmen dieser Umfrage nicht erfasst, obwohl das sicherlich ein interessantes Projekt wäre.
Ein großer Teil der Juden hätte also theoretisch die Möglichkeit, Kinder in einer jüdischen Einrichtung unterzubringen und ein Großteil der engagierten Juden (nur diese konnte die Umfrage erreichen) tut dies tatsächlich. Warum aus dieser Zielgruppe dies aber nicht alle tun, wäre ebenfalls eine interessante Frage.

Es gab einige Hinweise im Feld für freie Anmerkungen (dieses Feld ist in den downloadbaren Rohdaten nicht enthalten, weil es teilweise Bezüge auf Personen zulassen könnte) zu jüdischen Schulen:

Die Schulfrage – da fehlt: würdest Du Dein Kind um jeden Preis in die jüdische Schule schicken?
Antwort: nein.
Obwohl wir religiös sind. Die Schule muss GUT sein, sonst sollte man keine Kinder dort hinschicken. Eine gute religiöse Schule gibt es in D nicht, alle sind mittelmäßig, auf die eine oder andere Art. Viele andere Fragen fehlen in der Umfrage auch.

und

Die Frage nach dem Kindergarten/der Schule fand ich schwierig. Denn es ist so, dass zb ein Kindergarten wie der von Lauder auch zugleich die Verfasstheit der Eltern widerspiegelt.

Das sind natürlich Einzelwahrnehmungen und Stimmungsbilder. Sie lassen, ohne eine spezielle Erhebung zu diesem Thema, keine Rückschlüsse auf die Gesamtsituation zu. Gerade der Tatsache, dass Einzelmeinungen zum allgemeinen Stimmungsbild gemacht werden (»bei uns ist alles super« versus »bei uns ist alles schlecht«) soll ja mit einer Umfrage entgegengetreten werden.

Unter dem Tag »Fakten zu Juden in Deutschland« findet man weitere Ergebnisse.

Download der Rohdaten

Download_ Jüdisch in Deutschland (Antworten) Im Idealfall fügt jemand andere Sichtweisen hinzu oder arbeitet andere Zusammenhänge heraus. Eine Adaption von Gemeinden oder Organisation für eigene Zwecke wird ausdrücklich begrüßt. Es wäre natürlich fantastisch, wenn auch diese ihre Daten teilen würden.

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Ergebnisse der Umfrage zum jüdischen Deutschland – Gemeindemitgliedschaft

An der Befragung zum jüdischen Leben in Deutschland haben 173 Personen teilgenommen. Unter »Wer war dabei?« kann man sich genau anschauen, wer an der Befragung teilgenommen hat: Personen, die sich aktiv für jüdisches Leben interessieren. Dabei müssen sie nicht zwangsläufig religiös sein oder eine bestimmte Strömung vertreten.

Die Frage nach einer Gemeindemitgliedschaft haben 169 Personen beantwortet. Von ihnen sind 73% Mitglied einer jüdischen Gemeinde. Kann man dies hochrechnen?
Möglicherweise ist das nicht unrealistisch.
Vergegenwärtigen wir uns: Hier haben Aktive geantwortet.
Mitglied einer jüdischen Gemeinde in Deutschland

Aus welchen für Gemeinden kommen die Befragten? Wie groß sind die jeweiligen Gemeinden? Das Ergebnis scheint das zu spiegeln, was auch die Mitgliederzahlen der ZWST aussagen: Etwa die Hälfte der Juden kommen aus großen Gemeinden mit mehr als 2000 Mitgliedern:
groesse_gemeinde

Gemeindegröße
> 2000 54%
1500-1999 1%
1000-1499 5%
700-999 12%
500-699 5%
350-499 4%
200-349 8%
100-199 3%
Keine Ahnung 7%

Einige Befragte haben sogar eine weitere Gemeinde in der Stadt, wie Adass Jisroel, Chabad oder eine liberale Gruppe:

In der Stadt gibt es eine weitere jüdische Gemeinde

In der Stadt gibt es eine weitere jüdische Gemeinde

In den Städten mit größeren Gemeinden gibt es also in der Tendenz auch mehrere Gemeinden. Tatsächlich gibt es Berlin mehrere Gemeinden, in Köln, Düsseldorf und München ebenfalls. In Frankfurt am Main scheinen alle Strömungen unter dem Dach der Gemeinde unterzukommen.

Hier lag es nahe zu fragen, warum jemand sich für eine Gemeinde entschlossen hat oder gegen die Mitgliedschaft (123 Personen haben diese Frage beantwortet):

Warum man Gemeindemitglied ist
Die Zugehörigkeit zum jüdischen Volk (liest sich vielleicht ein wenig pathetisch) wurde häufiger genannt als Religion. Vielleicht kann das ein Hinweis auf die Veranstaltungen sein, die eine Gemeinde anbieten könnte.

Unter Sonstiges wurde genannt:

  • ohne Mitgliedschaft Nachteile wie höhere Kosten
  • Damit ich durch Wahl versuchen kann, Dinge zu ändern
  • Macht Sinn, da ich in der jüdischen Gemeinschaft aktiv bin.
  • bin da reingeboren
  • Wegen der Beerdigung
  • Gehe zu Chabad, will aber die Gemeinde solidarisch unterstützen

Schauen wir auch, warum man sich gegen eine Gemeindemitgliedschaft entschlossen hat (49 Antworten):
Warum man kein Gemeindemitglied ist
Da gibt es den Punkt »Politik«. Was damit gemeint ist, dürfte den Mitgliedern der Gemeinden bekannt sein: Auseinandersetzungen um den Gemeindevorstand oder Auseinandersetzungen der Mitglieder untereinander. Interessanterweise wurde »Geld sparen« nur in etwa 12% der Fälle genannt.

Unter Sonstiges wurde genannt:

  • keine Gemeinde in der Nähe (mehrfach genannt)
  • Jüdische Gemeinde Berlin bearbeitet Aufnahmeanträge nicht (mehrfach genannt)
  • Gemeindekrieg
  • Persönliche Erfahrungen
  • Ausgetreten. Würde wieder eintreten, wenn ich in den Vorstand kommen könnte.
  • wegen des nicht Akzeptierens meiner nichtjüdischen Ehefrau und Kinder
  • Unterstütze keinen russischen Kulturverein
  • Ausgetreten, weil ich die konservativen Ansichten meiner Gemeinde nicht vertrete
  • Ich nehme sowieso nur an den Hohen Feiertagen an etwas teil

Zur Infrastruktur der Gemeinden – Rabbinerdichte 87 Prozent

Wie sieht es mit der Rabbinerversorgung aus? Gemeint ist natürlich nicht die Versorgung der Rabbiner, sondern die Versorgung mit Rabbinern.
Die Rabbinerdichte scheint bei 87 Prozent zu liegen. Ein Großteil der Mitglieder dürfte also versorgt sein – aber nicht alle Gemeindemitglieder kennen ihren Rabbi vor Ort (172 Personen haben diese Frage beantwortet). Dass 76% (der Aktiven) ihren Rabbiner kennen, scheint kein schlechter Wert zu sein.

Rabbiner in der Stadt

Wie sieht es mit einer Mikwe aus? Der Talmud sagt (Megillah 27a), eine Mikwe sei wichtiger für eine jüdische Gemeinde, als eine Synagoge.
In 71 Prozent der Fälle (170 Antworten) gibt es eine Mikwe. Nur eine kleine Zahl von Nutzern wusste mit dem Begriff nichts anzufangen. Ob die Befragten sie nutzen, wurde nicht abgefragt. Der Fragebogen wollte, um auch beantwortet zu werden, nicht bei allen Themen in die Tiefe gehen.

Es gibt eine Mikwe in meiner Stadt (170 Antworten)

Es gibt eine Mikwe in meiner Stadt (170 Antworten)


Unter dem Tag »Fakten zu Juden in Deutschland« findet man weitere Ergebnisse.

Download der Rohdaten

Download_ Jüdisch in Deutschland (Antworten) Im Idealfall fügt jemand andere Sichtweisen hinzu oder arbeitet andere Zusammenhänge heraus. Eine Adaption von Gemeinden oder Organisation für eigene Zwecke wird ausdrücklich begrüßt. Es wäre natürlich fantastisch, wenn auch diese ihre Daten teilen würden.

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Ergebnisse der Umfrage zum jüdischen Deutschland – wer war dabei? Wie ist die religiöse Zugehörigkeit?

Mitglied einer jüdischen Gemeinde in Deutschland

An der Befragung zum jüdischen Leben in Deutschland haben 173 Personen teilgenommen. Zunächst also ein großer Dank an alle, die sich die sich die Zeit genommen haben, die Fragen zu beantworten. Möglich gemacht haben diese Befragung alle diejenigen, die sie in den sozialen Netzwerken, per Mail und über persönliche Ansprachen geteilt haben.
Zugleich gibt das einen wichtigen Hinweis zu den erfassten Daten. Natürlich wird hier nicht der Anspruch erhoben, repräsentativ für alle Juden in Deutschland zu sein.
Es sind zahlreiche Punkte zusammengekommen, so dass die Präsentation der Ergebnisse in mehrere Teile geteilt wird und hier nacheinander veröffentlicht wird.
Schauen wir uns also die Ergebnisse dieser Umfrage an und beginnen damit, wer sich gemeldet hat und wie es grundsätzlich mit der religiösen Zugehörigkeit ausschaut. Weiterlesen

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Wieder fünfstellig

Mitgliederzahlen der Jüdischen Gemeinden 2015

Mitgliederzahlen der Jüdischen Gemeinden 2015

100.437 Mitglieder hatten die Jüdischen Gemeinden im Jahr 2014 – sechsstellig. Im Jahr 2015 wurde die Mitgliederzahl wieder fünfstellig mit 99.695 Mitgliedern.
2003 erreichte überschritt die Anzahl der Gemeindemitglieder die Marke 100.000 – 2007 dann der Höhepunkt mit 107.330. In nur 8 Jahren 7.635 Mitglieder weniger. Das entspricht schon einer sehr großen Gemeinde. Wir sind heute ungefähr auf dem Stand von 2002. Wie in den letzten Jahren muss man fragen, ob man nicht ernsthaft die Infrastruktur downsizen sollte. Vielleicht die Synagogen kleiner planen als heute notwendig, nämlich so, dass sie auch in 10 Jahren unterhalten werden können.

Heute sind 53% aller Gemeindemitglieder älter als 60 Jahre alt:

Altersstruktur der Mitglieder 2015

Altersstruktur der Mitglieder 2015

Schlechte Zeiten übrigens für Junge Männer und gute Zeiten für junge Damen: Bei den unter 30jährigen gibt es einen klaren Männerüberschuss. Werden diese jungen Männer ins Ausland gehen? Alle Männer über 30 müssten eigentlich auf ein Überangebot treffen.

Die wichtigsten Eckdaten seit 2013 im Vergleich:

2013 2014 2015
Geburten 250 243 277
Sterbefälle 1244 1335 1476
Übertritte 70 68 59
Austritte 418 528 422
Einwanderer 444 652 674
Auswanderer 150 169 142

Von den 422 Austritten entfallen 109 nur auf die Gemeinde Berlin.

Interessant wäre es nun, wenn man eine Übersicht über die Mitgliedszahlen der beiden Adass Jisroel Gemeinden in Berlin hätte und die Anzahl der Israelis in der Stadt irgendwo verlässlich ablesen könnte. Von ihnen dürften die wenigsten Mitglied der Jüdischen Gemeinde Berlin sein. Dort hat man aber zumindest in zwei Synagogen Erfolge verzeichnen können. In den Synagogen Rykestraße und Fraenkelufer scheint man die jüngeren Generationen ins Boot geholt zu haben. Die Synagogen scheinen also besser besucht zu sein, wohingegen die Mitgliederzahl der Gemeinde kontinuierlich sinkt. 2014 waren es noch 10.009 Mitglieder 2015 waren es nur noch 9.865. Zugänge aus dem Ausland sind für das Jahr 2015 mit 0 beziffert.

Alle Daten kann man in der Statistik der ZWST nachlesen.

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Mitgliederstatistik – noch weniger Mitglieder

Mitgliederstatistik der ZWST für 2014: Mitglieder der Jüdischen Gemeinden in Deutschland

Mitgliederstatistik der ZWST für 2014: Mitglieder der Jüdischen Gemeinden in Deutschland

Eine gewisse Dynamik ist zu erkennen – leider keine positive. Die jährliche Mitgliederstatistik der Jüdischen Gemeinden für das Jahr 2014 bestätigt den negativen Trend der vergangenen Jahre.
901 Mitglieder haben die Jüdischen Gemeinden gegenüber dem Jahr 2013 verloren. Von 2013 zu 2012 waren es 797 Mitglieder weniger. Davor 662 Mitglieder weniger. Bei einer kleineren Gesamtanzahl steigt also die Summe der Verluste. Die Tragik dieses Trends werden auch Nicht-Mathematiker erkennen.

Die wichtigsten Eckdaten direkt im Vergleich zu 2013:

2013 2014
Geburten 250 243
Sterbefälle 1244 1335
Übertritte 70 68
Austritte 418 528
Einwanderer 444 652
Auswanderer 150 169

Die Tabelle zeigt uns ein ganz interessantes Detail: Die Anzahl der Auswanderer ist nicht signifikant gestiegen. Trotz der schlechten Lage 2014 und der Massenauswanderung in Frankreich.

Hier eine Tabelle mit Zugängen und Abgängen. Bemerkenswerte Auffälligkeiten (positiv oder negativ) sind hervorgehoben. Potsdam verzeichnet ein Mitgliederwachstum von 6 Prozent und Saar eine Schrumpfung von 4%.

Mitglieder Zugang Abgang Prozent
Baden 5.282 748 627 2%
Bayern 8.923 125 328 -2%
Berlin 10.157 178 326 -1%
Brandenburg 1.082 49 32 [highlight]2%[/highlight]
Bremen 962 16 32 -2%
Frankfurt/M 6.753 245 331 -1%
Hamburg 2.481 78 107 -1%
Hessen 4.861 94 130 -1%
Köln 4.176 79 129 -1%
Meck-Pom 1.450 14 30 -1%
München 9.434 145 108 0%
Niedersachsen 6.993 91 170 -1%
Niedersachsen/lib 1.200 20 7 1%
Nordrhein 16.649 196 334 -1%
Potsdam 376 40 16 [highlight]6%[/highlight]
Rheinland-Pfalz 3.277 44 82 -1%
Saar 966 7 45 -4%
Sachsen 2.609 45 69 -1%
Sachsen-Anhalt 1.443 18 59 [highlight]-3%[/highlight]
Schleswig-Holstein 1.260 10 43 [highlight]-3%[/highlight]
Schleswig-Holstein lib. 713 37 20 2%
Thüringen 769 17 6 1%
Westfalen 6.583 92 227 -2%
Württemberg 2.939 50 81 -1%
Summe 101.338 2438 3339 -1%

Der Blick in die Zukunft ist über einen Blick auf die Altersstruktur möglich. 45% aller Gemeindemitglieder sind älter als 60 Jahre:

Alterrstruktur der Jüdischen Gemeinden 2014

Alterrstruktur der Jüdischen Gemeinden 2014

Die Arbeit an einer Bereitstellung einer kleineren und effektiven Infrastruktur müsste also langsam beginnen.
Als man optimistisch in die Zukunft sah, schuf man Infrastrukturen für wachsende Gemeinden. Die schrumpfende Gemeinden werden vermutlich nicht die gleichen Mittel aufbringen können, um diese Strukturen langfristig zu erhalten.

Anhand der Darstellung oben kann man ganz gut erkennen, dass die Gemeinden nun so viele Mitglieder haben, wie in den Jahren 2002/2003.

Alle Daten kann man in der Statistik der ZWST nachlesen.

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Weiter weniger Mitglieder

Mitgliederentwicklung der Jüdischen Gemeinden; Zahlen von der ZWST

Mitgliederentwicklung der Jüdischen Gemeinden; Zahlen von der ZWST

Die jährliche Mitgliederstatistik der Jüdischen Gemeinden ist da! Leider ist diese nicht besonders vielversprechend. Der Trend ist weiter negativ. Die Anzahl der Gemeindemitglieder geht weiter zurück.

Kurz gesagt: Von 102.135 auf 101.338 sank die Anzahl der Mitglieder. Das sind 797 Mitglieder weniger. Im Vorjahr waren 662 Mitglieder weniger. Es sind also wieder mehr weniger Mitglieder – um das einmal kompliziert zu formulieren. Weiter kratzen die Mitgliederzahlen also von oben an der Grenze von 100.000 Mitgliedern.

Die harten Fakten für 2013:

  • 250 Geburten und 1244 Todesfälle
  • 70 Übertritte und 418 Austritte
  • 444 Zuwanderer und 150 Auswanderer

Einer Geburt stehen also (leider) etwa fünf Todesfälle gegenüber. Übertritte sind natürlich kein Werkzeug, um die weitere Schrumpfung aufzuhalten. Eine Maßnahme wäre vielleicht eine Verminderung der Austritte.
Helfen, ohne etwas auf die Entwicklung auszuwirken, dürfte eine Anpassung der Infrastrukturen an kleinere Gemeinden sein. Viele wurden eingerichtet mit dem Blick auf die steigenden Mitgliederzahlen zwischen 1999 und 2004. Kleine Infrastrukturen dürften einfacher in ihrem Erhalt sein.
Kleine bis mittlere Gemeinden werden das vermutlich nicht durchhalten und jüdisches Leben wird sich auf bestimmte Zentren in Deutschland und Europa konzentrieren. Weniger auf viele kleine Gemeinden.

Die Altersstruktur spricht nicht für den Umkehr des gegenwärtigen Trends:
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Nach der Renaissance des jüdischen Lebens

Wenn man die jährliche Mitgliederstatistik der Jüdischen Gemeinden betrachtet, kann man eine gute Nachricht vermelden: Die 100.000 Mitgliederschwelle ist 2012 noch nicht unterschritten worden.

Von 102.797 auf [highlight]102.135[/highlight]. Das sind nur 662 Mitglieder weniger.
Im Vorjahr gingen 1227 Mitgieder verloren (von 2010 auf 2011).
Das negative Wachstum ist also abgeschwächt, aber noch vorhanden.
Gesamtstatistik 2012
Bemerkenswert ist die individuelle Betrachtung von Landesverbänden und Gemeinden. Hier gibt es Landesverbände, die weiterhin zulegen und welche, die in einem permanenten Schrumpfungsprozess stecken. Der Landesverband Baden etwa, wächst jährlich um zwei Prozent. Weitere Wachstumskandidaten sind Brandenburg (?), Nürnberg und der liberale Landesverband von Schleswig-Holstein. Negative Spitzenreiter sind Hamburg, Thüringen und Saar. Einige andere Landesverbände setzen ihren Minus-zwei-Prozent-Kurs fort. Westfalen-Lippe oder Würtemberg etwa.
Zugänge und Abgänge
Berlin bleibt ebenfalls interessant. Trotz eines gewissen Zores-Levels, wächst Berlin leicht. 112 Austritten stehen 249 Zuzügler aus dem Ausland, 99 aus anderen deutschen Gemeinden und 27 Übertritte gegenüber. 181 Todesfällen allerdings nur 17 Geburten (Frankfurt, München und Nordrhein sind fleißiger – bei weitaus weniger Mitgliedern).
Die Renaissance war 2004/2005 herum – mit einem Aufbau der entsprechenden Infrastruktur. 2006 war der Scheitelpunkt erreicht und nun müsste man sich vielleicht Gedanken machen, wie man trotzdem eine kleinere Infrastruktur schafft, die auch von kleineren Gemeinden aufrecht erhalten werden kann. Sofern die Notwendigkeit dafür besteht.
Alle Daten kann man in der Statistik der ZWST nachlesen.

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Rasant

Formulieren wir das mal mit politischem Vokabular: Wenn wir die Statistik der Juden betrachten, die Mitglieder einer jüdischen Gemeinde sind, müssen wir von einem deutlichen Negativwachstum sprechen. Die Rede ist nur von einem Prozent, aber in absoluten Zahlen ist es beeindruckender: Eine mittlere Gemeinde geht nun jährlich verloren. Von 104.024 im Jahr 2010 auf 102.797 im Jahr 2011. 2012 wird sicher den Trend nicht abschwächen:

Mitgliederentwicklung der Jüdischen Gemeinden in Deutschland

Mitgliederentwicklung der Jüdischen Gemeinden in Deutschland

Die Frage ist, ob die 100.000 Marke schon 2012 im negativen Sinne geknackt wird. Eine Wendung wird eher nicht eintreten, wenn man sich die Altersstruktur der Gemeinden von 2010 anschaut:

Wenn man den Prozess für einen Landesverband betrachtet, werden die Zahlen noch deutlicher. Westfalen-Lippe bietet sich an, weil er einige größere und kleinere Gemeinden im städtischen Umfeld umfasst, einige eher im ländlichen Randbereich und eine Gemeinde in einer absoluten Insellage (Münster):
Von 7008 Mitgliedern im Jahre 2009 auf 6789 Mitglieder im Jahre 2011. Vom Jahr 2009 auf das Jahr 2010 gab es ein negatives Wachstum von einem Prozent. In der Folgeperiode sogar von zwei Prozent. Rasant also. Für andere Landesverbände und Gemeinden nachzulesen in der Statistik der ZWST.
Wie wird es also weitergehen? Werden sich kleinere Gemeinden halten können? Welche, die vor wenigen Jahren erst gegründet wurden?

Sergio Della Pergola, Bevölkerungswissenschaftler an der Hebräischen Universität in Jerusalem, schätzt mit Blick auf die derzeitige Entwicklung des europäischen Judentums, dass über kurz oder lang nur noch Gemeinden mit rund 4.000 Mitgliedern eine realistische Überlebenschance haben. Bezogen auf Deutschland hieße dies: Lediglich Gemeinden wie Berlin, Frankfurt, München, Düsseldorf, Hannover und Köln wären auf der sicheren Seite. Julius H. Schoeps, Jüdische Allgemeine vom 19.11.2009

Einige Juden sind nicht in der Statistik erfasst. Wenn sie, aus verschiedensten Gründen, nicht Mitglieder einer jüdischen Gemeinde sind, dann tauchen sie auch nicht auf. Oder wenn die Gemeinde nicht Mitglied im lokalen Landesverband ist und somit auch nicht durch den Zentralrat der Juden in Deutschland repräsentiert wird. In Berlin leben vermutlich und ungefähr 18.000 Israelis. Die wenigsten dürften Mitglied der Gemeinde sein. In anderen großen Städten Deutschland trifft man zuweilen Israelis die länger in Deutschland sind, aber nicht Mitglied der örtlichen Gemeinde. Im Oktober hat sich übrigens ein Artikel in der Jüdischen Allgemeinen mit dem Phänomen beschäftigt (hier).

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Mitgliederentwicklung der Gemeinden

Der Schrumpfungsprozess setzt sich fort. Laut Mitgliederstatistik der ZWST hat sich der dramatische Trend der letzten zwei Jahre jedoch etwas abgemildert. So waren es am 31.12.2010 nur 217 Mitglieder weniger. Nach dem rasanten Schrumpfen im Vorjahr ist diese Zahl eine Überraschung.
Vom Aufblühen konnte man also bis 2006 sprechen. Jetzt stehen, trotz der moderaten Schrumpfung 1.081 Todesfälle 168 (!) Geburten gegenüber. Dazu kommen 423 Austritte, aber offenbar wieder 667 Einreisen aus den Staaten der ehemaligen Sowjetunion. Immerhin 354 Juden aus anderen Ländern kamen noch Deutschland und wurden hier Mitglieder einer Gemeinde.

Schauen wir uns an, wie sich die Altersstruktur verschoben hat:

Zuwächse sind nur bei den Gruppen der 22-30 jährigen, den 71-80jährigen und den über 80jährigen zu verzeichnen.

Übertritte zum Judentum – Ein Phänomen?
Soviel ist klar: Übertritte federn den Mitgliederverlust nicht auf. Von 23 wurden in nur 11 Landesverbänden Übergetretene neue Mitglieder. Insgesamt 81 Neumitglieder wären das insgesamt. Weil die Zahl nicht so sehr aussagekräftig ist, weil klar ist, dass in Landesverbänden mit großen Gemeinden größerer absolute Zahlen stehen werden, habe ich das auf Übertritte pro Tausend Gemeindemitglieder heruntergerechnet und so entstand eine kleine Hitliste:

  1. Berlin 3,26 pro Tausend Mitglieder
  2. Baden 1,75 pro Tausend Mitglieder
  3. Westfalen 1,71 pro Tausend Mitglieder
  4. Niedersachsen (liberale) 1,71 pro Tausend Mitglieder
  5. Mecklenburg?Vorpommern 1,20 pro Tausend Mitglieder
  6. Frankfurt/M. 1,17 pro Tausend Mitglieder
  7. Nordrhein 0,41 pro Tausend Mitglieder
  8. Niedersachsen 0,28 pro Tausend Mitglieder
  9. Köln 0,23 pro Tausend Mitglieder
  10. München 0,21 pro Tausend Mitglieder
  11. Bayern 0,11 pro Tausend Mitglieder

Neben Berlin liegt Baden vorne. Der Blick in den Landesverband Baden scheint zu lohnen, die Zahlen sind, entgegen dem Gesamttrend, immer positiv.

Mit großem Dank an Kommentator Yankel Moishe, der auf die neue Statistik aufmerksam gemacht hat.