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Rosch haSchanah – Rückschau

Shofar on Rosh haShanah - #roedelheim #machzor

An Rosch haSchanah ist auch Rückschau angesagt. Hier im doppelten Sinne. Auf das persönliche Rosch haSchanah und insgesamt auf das gesamte Jahr im Allgemeinen. Dass man am Ende des Jahres zurücksieht, ist ansonsten keine besondere Neuigkeit.
Man schaut, was das vergangene Jahr gebracht hat, aber man sollte nicht vergessen zu schauen, wo man vielleicht selber vollkommen daneben gelegen hat. Im Idealfall kommt man über diesen Weg darauf, was man im Folgejahr verbessern müsste. So baut man an sich selber weiter. Im Sinne von Rabbiner Josef Soloveitchik, der schreibt, dass Teschuwah ein aktiver Akt des Menschen sei. Der Einzelne erschaffe in diesem Prozess der »Teschuwah« ein vollkommen neues »Ich« und deshalb ist sie individuell.

Im schlechten Fall schreibt säuert man formelhafte Entschuldigungen zwischen Rosch haSchanah und Jom Kippur ab – über facebook, twitter oder per Mail »Ich entschuldige mich bei allen, denen ich bla bla bla«. Möglichst unpersönlich und wenig anlassbezogen.

Aber auch im größeren, organisatorischen, Rahmen: Was kann man verbessern und ändern? Wie kommen wir alle besser weg? Strukturelle Veränderungen?

Und wenn wir über strukturelle Veränderungen, mit Bezug auf das Judentum in Deutschland, sprechen, kommen wir um einen großen Spieler nicht herum: Chabad.
Deshalb habe ich die Aussicht darauf, einer von 10 Betern zu Schacharit in einer nicht so sehr kleinen Synagoge zu sein, kurzerhand gegen eine kleine Chabad-Synagoge eingetauscht.
Die kleine Synagoge war bis auf den letzten Platz besetzt und nahezu alle Beter machten aktiv mit und vermissten keinen Einsatz in den Pijutim oder sonst überall, wo Interaktion mit dem Vorbeter/Schaliach Tzibur gefragt ist. Es gab sogar Birkat Kohanim und bei Mussaf war ich der einzige, der nicht vollständig auf dem Boden kniete – obwohl dieser mit Teppich ausgelegt war. In den letzten Jahren wäre ich der einzige gewesen, der das gemacht hat und irgendwie kommt man sich dann doch freaky vor, wenn einen die anderen Beter fragend beobachten. Der Nussach Ari (Machzor zum anschauen) weicht in Bezug auf die Schmoneh Essre und Mussaf nicht gravierend vom aschkenasischen Ritus ab. Die Psukej de’Zimrah sind jedoch ein wenig verwirrend, wenn man mit einem aschkenasischen Machzor mitbetet.
Die Atmosphäre war dicht, dem Tag angemessen und offen. Deshalb war es kein Problem, sich unter die Stammbeter zu mischen. Durch die kleine Synagoge hatte alles auch irgendwie einen informellen Charakter – möglicherweise würde dieser in einem größeren Gebäude auch verloren gehen.
Kurzum: Als Beter fühlte man sich wohl. Sicher ist dies ein(!) Mosaiksteinchen des Erfolges von Chabad, aber natürlich ist eine solche Atmosphäre nicht nur durch Chabad oder den lokalen Abgesandten von Chabad, herstellbar.
Ich hatte jedenfalls nicht den Eindruck, die Anwesenden würden dort ihre Zeit absitzen.
Ein angenehmer Beginn von 5774 – auch in der Rückschau.

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Schanah Towah allen!


Das kurze Video der Maccabeats fasst eigentlich schon alles zusammen, um was es kurz vor Rosch haSchanah geht.

Und weil doch noch einige wenige Tage sind, hier noch ein Rückgriff/Rückblick auf sefardische Slichot. Beeindruckend das Durchschnittsalter im Bejt Midrasch (irgendwie haben die bestimmt getrickst, aber trotzdem smart):

(Ja, irgendwie stimmt etwas mit dem Ton am Ende nicht, das soll auch nur ein Einblick sein)

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Für die zehn Tage: Avinu Malkejnu

In den Tagen vor den Rosch haSchanah gab es hier eine ganze Reihe von Musik-Videos für Rosch haSchanah. Während der gesamten Hohen Feiertage begegnet einem immer wieder Avinu Malkejnu. Die traditionelle Variante gab es hier zu sehen. Menachem Weinstein hat diese Melodie zwar auch verwendet, aber etwas zeitgemäßer ins Bild gesetzt:

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Koren Machzor

Eine weitere, ausführliche Rezension mit anderen Schwerpunkten, ebenfalls meinerseits, ist auch in der Jüdischen Allgemeinen erscheinen. Hier online zu finden.

Genau genommen heißt der Machzor natürlich Koren Sacks Rosch HaSchana Machzor, weil der britische Oberrabbiner Jonathan Sacks die Übersetzung und den ausführlichen Kommentar angefertigt hat und da sind wir schon genau im Thema. Dies hatte er auch beim Koren Siddur getan, der 2009 auf den Markt kam und gleich viel Bewegung in den Markt brachte, denn vor allem die jüngeren Juden, die auf zeitgemäße Gestaltung setzten, hatten nun etwas anspruchsvolleres. Mit voller Absicht sieht jede Seite des Siddurs und des Machzors anders aus. Im Siddur hat man schnell das Schriftbild des entsprechenden Gebets im Kopf, wenn man es mehrmals gelesen hat. Ein Machzor nimmt man ja weniger häufig zur Hand.
Auch hier findet man ebenfalls den hebräischen Text auf der linken Seite und die Übersetzung auf der rechten Seite. Viele Beter sind das nicht gewohnt und blicken zunächst auf die andere Seite. Tatsächlich aber beginnen Originaltext und Übersetzung nun am gleichen Punkt. Diese Anordnung scheint etwas natürlicher zu sein.

Werfen wir einen Blick auf die Seiten.
Hier die hebräische (linke) Seite. Der Text wird hier eingeleitet durch einige erklärende Anweisungen, hier mit hebräisch geschriebenen Wörtern für wichtige Begriffe. Auf der englischen und gegenüberliegenden Seite sind die Begriffe vollständig übersetzt (siehe weiter unten). Teilweise wird die einleitende Erklärung im Text wieder aufgenommen. Etwas verwirrend ist, dass die Erklärung unten, auf der rechten Seite (also wie in nicht-hebräischen Büchern) weiterläuft. Gesetzt ist der Text in der Schrift, die Elijahu Korngold 1981 speziell für seinen Korensiddur gestaltete. Etwas früher schuf er eine spezielle Schrift für seinen Tanach. Zitiert der Gebetstext einen Text, wird die Stelle auf dem Rand angegeben. Es gibt also keine Sternchen oder keine kleinen Zahlen im Text. Lediglich das Symbol (der Pfeil) für das Einsetzen des Schaliach Tzibburs befindet sich am Text. Übrigens ist hier offenbar der Guide to the reader ausgelassen worden. Dieser erklärt im Siddur etwa, dass die Koren-Siddurim zwischen Kamatz Gadol und Kamatz Katan durch unterschiedlich große Symbole unterscheiden und andere Feinheiten.

Koren Machzor - hebräischer Teil

Koren Machzor - hebräischer Teil

Betrachten wir auch die englische Übersetzung Weiterlesen