Artikel

Noch mehr Raketen

Bis zum 7. Juli (siehe hier) wurden seit dem 1. Juli 2014 165 Raketen aus Gaza abgefeuert. Nur wenige Tage später, am 10. Juli 2014 sind es bereits 584. Umgerechnet 292.000 Euro – Geld das man prima für humanitäre Hilfe hätte ausgeben können, oder auch (verrückte Idee) für die Gehälter der Angestellten der eigenen Verwaltung. Diese Details unterstreichen: Der Hamas geht es nicht um ein eigenes Land mit funktionierender Infrastruktur, sondern primär um den Erhalt der eigenen Macht.

Raketen bis zum 10. Juli 2014

Oder man formuliert es um und schreibt, dass die Hamas nach einer breit angelegten militärischen Kampagne ruft, weil sie dringend aus ihrer innenpolitischen Lage muss. Aus irgendeinem Grund hat es ein Artikel, der das ähnlich sieht, auf die Seite von Spiegel Online geschafft.

Es ist wenig überraschend, dass die 584 Raketen von der Propaganda heruntergespielt oder ausgeblendet werden. Und das fruchtet und das ist wirklich überraschend, denn eigentlich sollte es jeden Menschen nachdenklich machen, dass die Hamas von einer humanitären Katastrophe spricht, aber andererseits viel Geld dafür ausgibt, den Staat Israel herauszufordern.
Ist die Propaganda also so gut, dass einfacherer Gemüter in die Falle tappen? Oder ist die Wahrnehmung nur noch ideologisch gefärbt? (Rhetorische Frage)

Denn bereits jetzt gab es erste Demonstrationen gegen Israel. Etwa in Dortmund. Dort durfte »Tod, Tod, Israel!« gerufen werden. Für die Stadt Essen hat der Linkspartei Jugendverband Solid für den 18. Juli zu einer Demo eingeladen (ruhrbarone berichten). Im Aufruf zu der Veranstaltung wird gesagt, was gefordert werden soll: »Sofortiger Stopp der Bombardierungen Gazas durch die israelischen Armee und die Freilassung der politischen Gefangenen.« Ein Text der übrigens zuvor lautete: »Sofortiger Stopp der militärischen Aggressionen der israelischen Armee und die Freilassung der politischen Gefangenen.«

Derweil in Israel :

Etwas, was der Staat hinnehmen soll, nach Ansicht der Demonstrationsorganisatoren.

Artikel

Raketen aus Gaza – was nun?

In Deutschland wurde es die Nacht hindurch und am Morgen auf allen Kanälen gesendet: Aus Gaza werden Raketen abgefeuert. Grund für die eilige Berichterstattung? Auf ein Schiff mit deutschen Urlaubern, die AIDAdiva, fielen Teile von Raketen. Nach Medienberichten Reste israelischer Abwehrgeschosse. Wäre eine Rakete auf dem Schiff niedergegangen würde wohl ununterbrochen berichtet werden. Und das ist sie, die Logik. Werden israelische Städte beschossen, wird Israel zur Zurückhaltung aufgefordert. Sind Urlauber betroffen, erhält die ganze Geschichte gleich eine andere Brisanz.

Und der Beschuss hat wieder zugenommen. Es scheint Phasen zu geben, in denen israelische Reaktionen offensichtlich provoziert werden sollen.

Hier das Jahr 2014 bis Juli (der noch nicht einmal zur Hälfte vorüber ist). Alle Zahlen aus öffentlichen Quellen, möglicherweise waren es sogar mehr Geschosse.

Raketen aus Gaza 2001-2014

Raketen aus Gaza 2001-2014

Wenn man bedenkt, dass eine Rakete in der Herstellung etwa 500 Euro kostet, kann man feststellen, dass die Hamas vom 1. bis zum 7. Juli bereits 82.500 Euro nur für den Beschuss israelischer Städte ausgegeben hat. (In der Grafik die Zahlen)

Raketen Januar 2014 bis Anfang Juli 2014

Raketen Januar 2014 bis Anfang Juli 2014

Mit dem Ergebnis, dass den eigenen Bürgern damit nicht geholfen ist und Israel Reservisten mobilisiert. Rückgerechnet bis zum Jahr 2001 wären das etwa 5 Millionen Euro. Seitdem hat sich die Lage der Bevölkerung nicht verbessert. Sicher hätte man das Geld auch in humanitäre Projekte investieren können? Der Erfolg der Propaganda (»Israel marschiert in Gaza ein!«) ist im Ausland sicherlich groß, aber dennoch: Was hat es an der Lebenssituation der Menschen in Gaza verändert?
Natürlich kann man mit militärischer Aggression über innenpolitische Defizite hinwegtäuschen und die Bevölkerung beschäftigen. Ist das der politische Masterplan? Machterhalt über einen weiterschwelenden Konflikt mit Israel? Offenbar lautet die Antwort Ja.

Von der Angst in der israelische Familien leben müssen, muss an dieser Stelle nicht einmal gesprochen werden. Wer ein wenig Empathie besitzt, kann das vielleicht nachvollziehen.

Artikel

Raketen aus Gaza

Eine Art Reminder ist dieser Beitrag:

Auch wenn sie in den Medien nur dann Erwähnung finden, wenn die israelische Seite reagiert –
es gibt sie noch, die Raketen und Granaten aus Gaza. 2013 waren es 53 Raketen und 12 Granaten. Im Januar 2014 waren 28.
Für Aufmerksamkeit sorgten zuletzt Raketen während der Beisetzung von Ariel Scharon.

Raketen 2001-2014 (Januar)

Raketen 2001-2014 (Januar)

Artikel

Das Ende des Geduldsfadens

Definitiv ist nun der Geduldsfaden gerissen. Nachdem 2008/2009 Israel auf den massiven Beschuss aus Gaza reagierte und Bodentruppen einsetzte, wurde zwar die Anzahl der Raketen und Mörsergranaten kleiner als in den Jahren zuvor, aber die Tendenz stieg neuerlich wieder.
Übrigens: Als im Oktober syrische Granaten in der Türkei niedergingen, war die Hysterie groß.
In ähnlichen Situationen rät die Weltöffentlichkeit Israel zur Besonnenheit. Dabei gingen dort seit 2001 etwa 13 000 Flugkörper nieder:

Anzahl der Raketen die auf Israel abgefeuert wurden

Anzahl der Raketen die auf Israel abgefeuert wurden – seit 2001


Zuletzt also mit steigender Tendenz. Was für ein Signal soll das aussenden? Es ist natürlich eine Aufforderung zur Handlung, eine beständige Provokation an die Adresse Israels. Möglicherweise gerade mit dem Ziel, Israel zu einer Reaktion zu zwingen. Wohl wissend, wie die Medien der Welt auf die Verteidigung Israels reagiert. Ein Kalkül dessen Rechnung natürlich die Bevölkerung Gazas zahlt. Deren Schicksal muss freilich den Plänen der Regierenden in Gaza untergeordnet werden. Tote Palästinenser verkaufen sich für die Propagandamaschine gut. Jedenfalls besser als die schiitischen Muslime, die durch die Hand anderer Muslime starben.

Und so eröffnete Israel nun tatsächlich Kampfhandlungen seinerseits nach einer Zeit der Geduld, die für die betroffenen Bewohner Israels zermürbend war.
Wo? Auf twitter scheinbar. Dort wurde die Aktion angekündigt:

und auch der Name der Aktion veröffentlicht:

Pillar of defense in englischer Sprache und Amud Anan in hebräischer Sprache. Ein Begriff den religiöse Leute schnell zuordnen können. Gemeint ist damit die Wolkensäule aus dem zweiten Buch Mosche, Kapitel 13 und 14 (Beschallach):

Und der Engel G-ttes, der vor dem Heere Jisraels herzog, brach auf und trat hinter sie; und die Wolkensäule brach auf von vorn und stellte sich hinter sie.
Und sie kam zwischen das Heer der Mitzrim und das Heer Jisraels, und sie wurde dort Wolke und Finsternis, und erleuchtete hier die Nacht; und so nahte jenes diesem nicht die ganze Nacht.

Eine Wolkensäule, welche die Kinder Jisraels beschützte und sogar die Steine und Pfeile der Ägypter, der Mitzrim, abwehrte, so kommentiert Raschi diese Stelle jedenfalls weiter. Hört sich zunächst pathetisch an, stellt aber einen interessanten und naheliegenden Zusammenhang her. Jedenfalls einen klareren als Pillar of defense.

Und im Gegensatz zur eigenen Administration, sorgt sich die Tzahal um die Zivilbevölkerung Gazas und fordert sie auf, von den Einrichtungen der Hamas fern zu bleiben. Dieses Mal reicht die Unterstützung für Israel sehr weit, auch in die progressiveren Lager hinein. JStreet ist dabei und auch die Union for Reform Judaism versichert ihre Solidarität. Die Orthodox Union steht ebenfalls nicht zurück.
Nun blicken alle gespannt auf Israel. Die einen, weil sie ihre vorgefertigten Worthülsen endlich rausfeuern möchten (Gewaltspirale, Eskalation, Auge um Auge, Unverhältnismäßigkeit der Mittel) und ihren Hass abfeiern möchten. Die anderen, weil sie sich um die Menschen sorgen. Aufrichtig.

Artikel

Wie viele Raketen waren es tatsächlich?

In einem Kommentar zu meinem Beitrag »Den Militärschlag herbeigesehnt« wurde behauptet, der Beschuss mit Kassamrakten und Granaten habe nach einem Angriff Israels Ende November wieder angefangen.
So ist es aber nicht. Bevor der einseitige Waffenstillstand ausgerufen wurde, wurden massenhaft Projektile auf israelisches Gebiet abgeschossen. Im Januar 2008 wollte Israel durch eine Blockade des Gazastreifens gegen den Beschuss vorgehen, der sich aber verstärkte. Am 19. Juni 2008 dann wurde die von Ägypten ausgehandelte sechsmonatige Waffenruhe in Kraft gesetzt. Israel wollte seine Blockade über den Gazastreifen schrittweise lockern. Der Beschuss wurde ab dem 19. Juni 2008 dann tatsächlich sehr eingeschränkt, kam aber niemals vollkommen zum erliegen.
Das zeigt die kleine Grafik, die ich anhand der Daten, welche die Tzahal in ihrem neuen Blog (IDF Spokesperson) nennt, aufbereitet habe.

Statistik der Raketen

Diese Grafik soll keinerlei Form der Aufrechnung dienen, sondern illustrieren, dass der Beschuss kein gelegentliches Ereignis darstellt oder erst kürzlich begonnen habe. Wenngleich »Projektile« eigentlich Geschosse meint, die aus Schusswaffen abgegeben werden, so habe ich dies hier als Sammelbezeichnung verwendet. Ausgewiesen sind auch Granaten. Für Grad Raketen gab es im Jahr 2007 keine Angaben.
Wer sich die Anzahl anschaut, kann vielleicht nachvollziehen, was das mit den Bewohnern der Städte macht, die auch bis zu 16 Mal am Tag einen Schutzraum aufsuchen müssen. Es bleibt zu hoffen, dass bald eine Lösung gefunden wird, die beiden Bevölkerungen ein enspannteres Leben ermöglicht.