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Pessach, eine Pflanze mit einem seltsamen Namen und Chol haMoed

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Blick in eine Haggadah
Eine gute Gelegenheit, allen Leserinnen und Lesern ein Chag Pessach Sameach zu wünschen!

Der erste Tag Pessach und der Schabbat fallen zusammen und so wird an diesem Schabbat dementsprechend in den Synagogen der Torahabschnitt für den ersten Tag Pessach gelesen. Gleich zu Beginn dieses Abschnitts, wird davon berichtet, dass das Blut mit einer Pflanze namens Esow an die Türrahmen aufgetragen wird. Häufig wird das mit Ysop übersetzt. Das scheint jedoch nicht ganz korrekt zu sein. Warum man ausgerechnet Esow verwenden sollte, habe ich für die Jüdische Allgemeine erkundet. Der Text ist hier vollständig verfügbar.

Auf die Feiertage folgen dann die Halbfeiertage – die Tage Chol haMo’ed Pessach. Was Chol haMo’ed bedeuten könnte, danach schaue ich hier (ebenfalls für die Jüdische Allgemeine).

Aktualisiert ist übrigens auch der Beitrag mit einem Verweis auf alle Pessachbeiträge in diesem Blog, hier zu finden.

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Haggadah online

Ausschnitt aus der Tegernsee Haggadah

Ausschnitt aus der Tegernsee Haggadah

Eine kleines Projekt, in dem schon ein paar Stunden Aufwand stecken: Eine Haggadah online. Diese gibt es nun eine vollständig (hoffentlich) online und in deutscher Sprache. Was eigentlich ein Novum sein sollte; wenn man über eine Haggadah mit hebräischem Text und einigen Illustrationen spricht.
Der eigentliche Beginn der Seite lag in ein paar Basisinformationen zur Haggadah und der Präsentation der Bilder aus einer Haggadah, die im 15. Jahrhundert entstanden ist. Aber dann kamen aber immer mehr Textabschnitte hinzu und schließlich machte es keinen Sinn mehr, den einen Text mit einer Übertragung vorzustellen, aber einen anderen nicht. Das Ergebnis ist also hier zu betrachten.
Schließlich wurde der Text auch unter eine Creative Commons Lizenz (Creative Commons Namensnennung 4.0 International Lizenz) gestellt. Vielleicht verwenden ja deutschsprachige Nutzer den Text als Startpunkt für eine eigene Haggadah und teilen diese ebenfalls (was sie tun müssten, laut Lizenz). Mal schauen, ob das jemand tut.

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Rund um Pessach

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In den vergangenen Jahren gab es hier schon einige Beiträge zu Pessach. Einige sind möglicherweise auch heute noch interessant. Deshalb hier eine kleine (kommentierte) Liste derjenigen Einträge, die einen Aspekt von Pessach beleuchten – die Beiträge mit den Grüßen zu Pessach verlinke ich natürlich nicht:

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Eine äthiopische Haggadah

Eine äthiopische Haggadah ist sie eigentlich nicht, die The Koren Ethiopian Haggada, vielmehr ist es eine Haggadah über äthiopische Juden. Sie bringt also keinen Seder nach Ritus nach Art der Juden aus Äthiopien mit, sondern vielmehr einen orthodoxen Standardseder angereichert mit Auszügen, Geschichten, Bildern und gestalterischen Elementen, die aus der Welt dieser Juden mit, die lange vom rabbinischen Judentum getrennt waren und dennoch eigene Bräuche und Riten erhalten haben und zum größten Teil Äthiopien verlassen haben (nach zwei großen Auswanderungsoperationen 1984 und 1991).

Ordnung des Seders Amharisch-Hebräisch

Ordnung des Seders Amharisch-Hebräisch

Mein Wissen über den verlorenen Stamm hielt sich in Grenzen. Beschränkte sich eben auf die geschichtlichen Fakten. Über die verbliebenen Bräuche, über die religiöse Welt der äthiopischen Juden wusste ich nicht so sehr viel. Weil es offenbar vielen Menschen so geht, hat Koren wohl diese Haggadah vorgelegt. Es wird die Geschichte des Exodus (und da sind wir beim Seder) aus Äthiopien erzählt, aber auch ein Reihe von Geschichten und Quelltexten in englischer Übersetzung angeboten. Dazu recht viele Fotografien und Dokumente, die das Leben in Äthiopien und später in Israel dokumentieren. Einige dieser Quellentexte stammen von den Falascha selber, andere stammen von Juden, die sich für die äthiopischen Juden interessiert haben, bevor der Staat Israel existiert hat. Etwa von Joseph Halvy.
Einige gestalterische Elemente, die sich aus der äthiopischen Kunst bedienen, wurden ebenfalls verwendet.
The Koren Ethiopian Haggada - Blick ins Innere

The Koren Ethiopian Haggada - Blick ins Innere


Die Fülle des Materials ist riesig, gestaltet ist das Buch hervorragend (Koren halt). Es ist spannend, darin zu blättern und etwa die äthiopischen Sagen über Mosche zu lesen. Am Sederabend wird man kaum dazu kommen, wirklich alles vollständig wahrnehmen zu können (es sei denn, der Leiter des Seder ist wirklich sehr sehr langsam). Die Texte sind jedoch kein Kommentar zur Haggadah, sondern erzählen die Geschichte eher begleitend. Für diejenigen, die schauen wollen, dass jüdisch nicht nur aschkenasisch bedeutet, ein guter Schritt. Immerhin müssen sie nicht einmal ihren eigenen Nussach verlassen und lernen dennoch etwas dazu.

Die Haggadah ist derzeit auch über amazon erhältlich.

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Pessach!

Pessach CD

Pessach! das ist kurz und einprägsam. Pessach! ist der Titel einer CD auf der Rabbiner Michael Goldberger (er war von 1993 bis 2003 Rabbiner in Düsseldorf und lebt und arbeitet heute wieder in seinem Heimatland Schweiz) Lieder und Melodien für den Sederabend ein- und vorgesungen hat.
Neben der technischen Vorbereitung (Chametz wegräumen, aufräumen, Mazzen besorgen, einkaufen, Kochen, Haggadot vorbereiten etc.) ist das das Bestandteil einer inhaltlichen Vorbereitung die den Seder sehr viel lebendiger machen. Klar, man kann den Seder runterspulen und die notwendigen Texte lesen und die richtigen Handlungen in der richtigen Reihenfolge durchführen, aber ist das ein Erlebnis?
Im Booklet zur CD schreibt Rabbiner Goldberger:

Die Sederabende waren nie Geschichtslektionen. Sie waren immer persönlich. Es ging stets um ureigene Ägypten, ureigene Wüsten und ureigene gelobte Länder. Oft bin ich an Pessach selbst ausgezogen und wiedergeboren worden.

Das muss ja nicht einmal perfekt gesungen werden. Rabbiner Goldberger fasst das im Booklet zur CD ganz gut zusammen:

Die Haggada ist wie Trockenpulver. Die persönlichen Erzählungen sind das Wasser, welche es beleben und geniessbar machen. Die Melodien aber sind die Gewürze, die Geschmack und Sinn verleihen.

Allerdings singt Rabbiner Goldberger die 65 (!) Stücke mit einer angenehmen Stimme die nicht abhebt und so zumindest mitsingbar bleibt. Ich würde sogar sagen, die Melodien sind zugänglich. Es ist ja etwas anderes, ob ein Sänger versucht Klasse zu beweisen und stimmliche Mätzchen macht, oder ob er eine Melodie so darbietet, dass der Hörer in die Lage versetzt wird, mit einzustimmen und dadurch erst eine gewisse Kunst zeigt.
Zudem wird nicht ein Seder präsentiert, was diese CD von anderen CDs gleicher Art unterscheidet. Es wurden ja bereits einige ähnliche CDs von Rabbinern und Kantoren vorgestellt, die es dem Hörer ermöglichen wollen, den Seder zu führen. Pessach! präsentiert zu vielen Bestandteilen des Seders verschiedene Varianten wie etwa traditionell (gemeint ist wohl aschkenasisch traditionell, traditionell ist wohl eine Frage des Blickwinkels), sefardisch, Modziz, Chabad und Carlebach. Echad Mi Jodea ist in fünf Varianten vorhanden, Ma Nischtana in drei.

Pessach! Cover

Vielen die den traditionellen Ablauf des Seders aus der Familien kennen, dürfte die CD ein paar neue Impulse geben. Denjenigen, die etwas Hilfe benötigen, bietet die CD diese an. Will sagen: Sie ist etwas für Anfänger und Fortgeschrittene.
Ihren eigentlichen Zweck dürfte die CD dann erfüllt haben, wenn wir die erlernten Melodien dann etwas schief (für mich selber gilt: sehr schief) und gemeinsam am Sedertisch singen.

Von meiner Seite aus ergeht eindeutig ein Kaufbefehl!

Die CD gibt es bei amazon und bei books&bagels

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Kitnijot

Vorsicht Kitnijot

Vorsicht Kitnijot


Nicht wirklich Chametz, aber auch nicht wirklich erlaubt für Pessach: Kitnijot. Man darf es im Haus haben, aber nicht essen. Die Nachbarn dürfen Kitnijot vielleicht essen, weil sie Sefarden sind. Auf einigen Lebensmitteln kann man auch entsprechende Hinweise lesen.
Bamba-Flips dürfte man also zuhause haben, aber nicht essen. Ist vielleicht etwas zu hart? Vielleicht sollte man sie zumindest aus dem Blickfeld räumen?
Wo kommt der Brauch also her? Sind wir zu vorsichtig? Einen Blick auf diese Frage findet man in (m)einem Artikel in der Jüdischen Allgemeinen. Zur Einstimmung eine Woche vor Pessach: Den gesamten Text findet man hier.

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Orangen und Sederteller

Sederteller und Banane

Im Ruhrgebiet legt man ein Stück Kohle auf den Sederteller. Ein Symbol für den Strukturwandel und den Niedergang der Industrie in der Region.
Kaffeebohnen auf dem Sederteller erinnern uns an die ausgebeuteten Arbeiter auf den Kaffeeplantagen der Welt, eine Banane erinnert uns an die Globalisierung.
Sufganijot erinnern uns an Chanukkah und die Feiertage die an Pessach keine Rolle spielen, ja skandalös marginalisiert werden!
Ich weiß nicht, ob bei Broder(s) eine Kartoffel auf dem Sederteller liegt, als Symbol für die deutsche Bevölkerung die irgendwie mit dem Islam zurecht kommen muss.

Oben genannte Symbole gibt es natürlich nicht. Aber man könnte sich einige gut vorstellen. Je nach Region und politischem Anliegen kann man sich weitere Varianten überlegen und wenn man politisch besonders sensitiv ist, legt man sich alle anderen auch auf den Teller. Bis der überquillt.
Aber die Realität ist dieser Fiktion hart auf den Fersen. Auf einigen Sedertellern findet man heute zuweilen Orangen. Zuweilen hört man, das sei ein feministisches Symbol. Tatsächlich geht es aber um die Anerkennung von homosexuellen Juden. Dann gibt es noch Oliven. Die sollen für die israelische Besatzung Palästinas stehen.
Artischocken schlägt Rabbi Geela Rayzel Raphael vor. Im gleichen Dokument schlägt Jim Keen Kiwis vor. Er beruft sich bei der Einführung der Kiwi auf die Einführung von Orangen. Die Kiwi soll die Nichtjuden symbolisieren, die am Seder teilnehmen.
Weil Veganer keine Eier essen, muss auch hierfür ein Ersatz gefunden werden. Noch interessanter wird es, wenn die Sederorganisierer den politischen (und scheinbar religiösen) Grund für das neue Symbol ausschweifend erklären können, aber bei den Klassik-Symbolen ins Stottern geraten.
Das musste auch mal gesagt werden

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New American Haggadah

New American Haggadah
Jonathan Safran Foer, Nathan Englander, Jeffrey Goldberg, Lemony Snicket, Rebecca Newberger Goldstein und Nathaniel Deutsch. Das könnte das Who is Who der modernen jüdischen US-amerikanischen Intellektuellen sein und das ist es vermutlich auch. Gemeinsam haben sie aber eine neue Haggadah herausgebracht, die New American Haggadah (hier kann man hineinschauen) nicht zu verwechseln mit The New American Haggadah die aus der rekonstruktionistischen Bewegung kommt.
Mit Oded Ezer kommt noch ein innovativer israelischer Typograph hinzu. Zugleich ist es eine Haggadah, die den traditionellen Text mitbringt, ihn jedoch mit modernen Elementen verschmilzt und über die Typographie eine starke gestalterische Gewichtung erhält. In seinem flickr-Stream präsentiert er einige Einblicke (anschauen!).
Es hat den Anschein, als sei für alle etwas dabei: Für die jüdischen Hipster, für die Literaturbegeisterten, die Design-Interessierten, für die Orthodoxen, für die Liberalen oder einfach nur für alle, die sich intellektuell mit der Geschichte auseinandersetzen wollen, die zum Seder erzählt wird. Jedenfalls ein gutes Beispiel dafür, was alles machbar ist und über welche Wege man sich dem Thema annähern kann.
Die Haggadah hat 160 Seiten und ist bei Little, Brown and Company erschienen. In Deutschland wäre sie über amazon erhältlich.