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Im Ruhrgebiet wird weitergelernt

Fenster in der Alten Synagoge Essen

Fenster in der Alten Synagoge Essen

Der vorletzte Tag von Chanukkah war der Tag, an dem es in der Alten Synagoge Essen eine Art Regional-Limmud gab und die Synagoge wieder zu einem aktiven Zentrum jüdischer Kultur machte. Viele Räume wurden wieder genutzt, man stritt etwa darüber, ob man Israel kritisieren dürfe, hatte die Möglichkeit sich musikalisch weiterzubilden und zündete am Abend dann gemeinsam im Vorraum der Synagoge die Chanukkah-Kerzen. Das Spektrum der Workshops war groß und es tat gut, sich auch einmal inhaltlich austauschen zu können. Nicht nur Chanukkah-Feier – auch eine Umgebung die dem Thema des Festes gerecht wird: Eine Re-Aktivierung des Judentums. Klingt pathetisch – ist auch so gemeint.

Programm-LimmudAm späten Nachmittag fand ich mich inmitten einer Gruppe von Leuten, in einem Seitenbereich des riesigen Synagogensaals und diskutierte mit ihnen über die zwei Schöpfungen des Menschen gleich zu Beginn der Torah. Ich erzählte, warum mich die Interpretation von Rabbiner Soloveitchik so extrem fasziniert und schilderte ein wenig die Punkte, die ich für wesentliche Beobachtungen im Schöpfungsbericht der Torah hielt. Andere Anwesende ergriffen die Möglichkeit, sich über den Text auszutauschen und es wurde schnell auch sprachlich (und sehr präzise) argumentiert. Warum wird im Hebräischen jene Formulierung verwendet und nicht eine andere? Woher nehmen die früheren Kommentatoren die Gewissheit, dass der erste Mensch beidgeschlechtlich geschaffen wurde? Was spricht dafür? Was dagegen?
Aber mit dem Ende des Limmud-Tages muss das aber nicht enden: Der Minchah-Schiur, der nun schon seit Ende 2011 existiert, knüpft (also ein paar Enthusiasten und meine Wenigkeit) genau da an: Austausch über jüdische Inhalte in einer entspannten Atmosphäre.
Es geht weiter am 10. Januar 2016 in Gelsenkirchen. Jüdische Bewohner des Ruhrgebiets sind herzlich eingeladen, sich auszutauschen. Details und einen Link zu einer Mailingliste gibt es hier.

Interessant dürfte sein, ob die Person, welche die Idee hatte, die Synagoge an den Hohen Feiertagen mit Leben zu füllen, die Idee weiterverfolgt. Das wäre ein sehr interessantes Projekt.

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Limmud im Ruhrgebiet – Alte Synagoge Essen

Fenster in der Alten Synagoge Essen

Fenster in der Alten Synagoge Essen

Die Alte Synagoge Essen ist heute ein Haus jüdischer Kultur. Lange Jahre war die Synagoge ein Gedenkort und ein Ort an dem Pfarrer (ein wenig Polemik darf an dieser Stelle erlaubt sein) über das Judentum referiert haben.
Doch heute ist die Situation eine andere. Das Haus hat seit dem Weggang der langjährigen Leiterin einen Sprung nach vorne gemacht. Die Dauerausstellung informiert über das Judentum und das jüdische Leben, aber nicht nur aus einer religiösen Perspektive und ist nicht nur Ablageort für alte Kultgegenstände. Es geht auch um jüdische Identität und alles, was damit zu tun hat. Viele Dinge kann man anfassen, einige Sachen ausprobieren und die Architektur auf sich wirken lassen. Das Haus wird gerne besucht, auch wenn es heute nicht als Synagoge dient. Heute ist das Gebäude also nicht nur von außen eine Sehenswürdigkeit.

Flur in der Alten Synagoge

Flur in der Alten Synagoge

Und jetzt geht man noch einen Schritt weiter: Das Haus hat sich Limmud geöffnet und steht damit an einem Tag Jüdinnen und Juden zur Verfügung um sich zu Geschichte, Musik, Tradition, Politik, Gesellschaft, Literatur, Kunst und natürlich auch Religion auszutauschen. Übrigens unabhängig vom Alter.
Und das alles am Vorabend des letzten Chanukkah-Tages – am 13. Dezember 2015. Alle Informationen dazu gibt es übrigens hier. Es steckt vermutlich keine tiefere Symbolik dahinter (immerhin ist Chanukkah das Fest der »Tempelwiedereinweihung«), aber es ist eine gute Gelegenheit für diejenigen, die im Ruhrgebiet und drumherum leben, sich auszutauschen und ein paar neue Gesichter zu sehen. Ganz nebenbei ist, wie gesagt, das Haus schon eine Attraktion. Wenngleich an diesem Tag recht viele Chanukkahfeiern in den lokalen Ruhrgebietsgemeinden sind, so kann man doch erwarten, dass dieser Tag etwas besonderes werden dürfte. Hoffentlich, vielleicht, eventuell … etwas vergleichbares gab es im Ruhrgebiet noch nicht.

Wer sich überlegt zu kommen, sollte einfach kurzentschlossen hier klicken und sich anmelden.

Der Vollständigkeit halber: In Dortmund gab es schon einmal (2012) eine lokale Ausgabe eines Limmud-Tages. Die wurde aber recht zurückhaltend an die Nachbargemeinden kommuniziert.

Inside the Old Synagogue Essen

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Es ist wieder soweit!

early-bird-2014

Auch dieses Jahr findet wieder das einzigartige, lebendige, intensive, fröhliche Limmud Festival statt: 29.5.-1.6.2014 am Werbellinsee bei Berlin.

Seit Monaten organisiert, diskutiert und trifft sich das Team, plant, textet, verwaltet, rauft sich die Haare, verhandelt, emailt, und freut sich darauf, dass ihr euch anmeldet!
Denn Limmud lebt vom Mitmachen, alle Teilnehmer sind herzlich eingeladen, selbst Sessions anzubieten. Auch aus eigener Erfahrung als Teilnehmerin und Referentin weiß ich, daß man Limmud so seine eigenen Note verleihen und zum ‚eigenen‘ Festival machen kann.

Zu wenig orthodox? Kein Problem! Bietet orthodoxe Inhalte an. Zu wenig liberal? Kein Problem, bietet liberale Inhalte an! Nichts ist unmöglich. Einen ersten Eindruck zum Programm kann man schon mal hier auf dem Limmud-Blog bekommen.

Zwischen dem, und rund um das Programm ist immer genug Zeit und Gelegenheit, sich mit anderen Teilnehmern auszutauschen, einen Spaziergang zum See zu machen, oder einfach mit einem Kaffee draußen in der (hoffentlich!) Sonne zu sitzen und die Atmosphäre auf sich wirken zu lassen.

Ganz nebenbei kann man erleben, wie sich „jüdisches“ Leben anfühlt. Was ist eigentlich koscheres Essen? Na, das, was jeden Tag serviert wird! Was ist eigentlich ein Eruv? Na, das was am Freitag aufgebaut wird, fragt das Team und helft beim Aufbau!
Was ihr mit den Kindern machen sollt? Mitbringen! Es gibt ein tolles Kinderprogramm für Alle von ganz klein bis ganz groß (und Kinderermäßigung bis 17 Jahre).
Auch der Schabbat lebt vom Mitmachen, was zu einem großen Spektrum an Möglichkeiten führt. Die Gottesdienste werden von den Teilnehmern organisiert, also bringt mit, was man braucht, genug Räumlichkeiten gibt es.

Die Early-Bird-Anmeldung geht nur noch bis zum 15.2.!

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Limmud nicht koscher

»Limmud ist nicht koscher« sagt jedenfalls indirekt eine Gruppe von Rabbinern aus Großbritannien. Unter ihnen der recht einflussreiche Rabbiner und Dajan Chanoch Ehrentreu (wer die anderen Rabbiner sind, erklärt Kommentator Yankel Moshe unten). Damit positionieren sie sich eindeutig gegen den neuen britischen Oberrabbiner Ephraim Mirvis. Dieser hatte angekündigt, am britischen Limmud-Festival teilnehmen zu wollen.

Dann erschien das:
Limmud-Schreiben

[…]participation in their conferences, events and educational endeavours blurs the distinction between authentic Judaism and pseudo-Judaism and would bring about tragic consequences for Anglo-Jewry[…]

So wie es ausschaut, wird Rabbiner Mirvis dennoch teilnehmen und die Chance nutzen, zu Juden sprechen zu können, die sonst eben nicht in seiner Reichweite liegen. Weitere Mitglieder der orthodoxen United Synagogue dürften seinem Beispiel dann auch folgen. Die Rabbiner des unterzeichneten Schreibens hatten die Entscheidung zu akzeptieren.

Das dürfte wiederum bedeuten, dass sich auch in Deutschland nichts an der Teilnahme orthodoxer Rabbiner ändern wird – wenngleich Dajan Ehrentreu auch hierzulande respektiert und eingebunden wird. Immerhin ist er Rektor des Rabbinerseminars in Berlin. Die Dynamiken sind schlecht zu durchschauen. Offenbar geht es darum, dass versucht wird, klare Grenzen zu ziehen, während auf der anderen Seite versucht wird, durch Outreach auch Juden zu erreichen, die eine andere Auffassung von dem haben, was Judentum ist. Ein Streit den man bis zum Disput zwischen Rabbiner Samson Raphael Hirsch und Rabbiner Seligmann Bär Bamberger zurückverfolgen kann – jedenfalls in Grundzügen. Der Minikonflikt um das britische Limmud ist also Symptom für eine folgende Richtungsdebatte innerhalb der jüdischen Welt. Abkapselung oder Interaktion?

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Limmud.de 2012

In der Kommandozentrale rauchen die Köpfe, es gibt Aufregung über Druckfehler, Änderungen in letzter Sekunde, Aufstellungen von Ausweich- und Notfallplänen, fröhliche Wiedersehen von alten Freunden, und das Madrichim-Team packt Bergeweise Bastelmaterial aus. Was ist los? Limmud in the City! Erstmals findet dieses nun schon traditionelle Lern-Festival in der Jüdischen Oberschule in Berlin statt, und nicht, wie bisher, auf dem Gelände der EJB Werbellinsee.
Das ist Berlin

Alles Neu bedeutet auch Alles Anders. Es müssen technische Materialien überprüft, Steckdosen gefunden, und Raumplanungen über den Haufen geworfen werden. Auf dem Hof der Schule steht ein riesiges Zelt als Küche und Speisesaal, Bierzelt-Flair mit koscherem Catering. Vor der Schule hat sich eine Bar/Lounge materialisiert, ein Blick hinein übertrifft die kühnsten Erwartungen. Und der Kaffee wird professionell mit aufgeschäumter Milch und Herz-Verzierung vom Barista serviert. Sogar die Pappbecher für den regulären Kaffee zu den Mahlzeiten sind mit Limmud.de – Design. Das Team hat sich, wieder mal, selbst übertroffen! Es ist unglaublich, was diese Leute jedes Jahr auf die Beine stellen, und wie viel Herzblut in die Vorbereitung und Durchführung fliesst. Spätestens nach dem offiziellen Grand Opening lässt der Eröffnungsstreß langsam nach, und auch in der Kommandozentrale (Limmud-Büro in einem Klassenzimmer) wird die Betriebstemperatur etwas heruntergefahren.
Der Programm kommt im neuen Design (und in einer schicken Stofftasche, inclusive Notitzblock) daher, die über 500 Teilnehmer aus Berlin, Deutschland, Europa und der ganzen Welt. Eine kurze Umfrage zeigt, daß viele neue Teilnehmer dabei sind, für die es das erste Limmud ist, aber eine recht große Anzahl ist bereits zum wiederholten Mal angereist ist. Limmudniks, sind, offenbar, Wiederholungstäter.
Dieses Jahr sind mehr und längere Pausen eingeplant als bisher, um die Diskussion unter den Teilnehmern zu fördern, sowie eine lange Mittagspause, was gleichzeitig auch die Entdeckung der städtischen Umgebung ermöglicht.
Inhaltlich gibt es wieder eine gute Durchmischung an Themen: Politik, Religion, Kultur, gesellschaftliche Themen, ebenso eine ekletische Auswahl an Filmen, unter Anderem ein inoffizielles Vor-Screening von Arnon Goldfingers Dokumentations-Film „Die Wohnung“ am Donnerstag.
Am Freitag stand eine Diskussion mit dem Präsident des Zentralrats der Juden Dr. Dieter Graumann auf dem Programm, der sehr offen auf alle Fragen des großen Publikums einging, die eine Vielzahl von Themen umfassten. Zentrales Thema war die Pluralität der Jüdischen Gemeinden Deutschlands, eine Pluralität, die bei Limmud.de bereits lange Tradition hat.
Das dieses Jahr zum zweiten Mal stattfindende Speed-Dating (ab dem zweiten Mal ist es schon Tradition!) war wieder sehr gefragt; mit Spannung wird erwartet, ob es, wie im letzten Jahr, zu weiteren Hochzeiten kommen wird. Ein Bericht über den Ablauf des Datings wird bald in der Jüdischen Allgemeinen erwartet, ein Reporter schlich sich ein, obgleich er schon lange nicht mehr zu haben ist, und wird brandheiß berichten.
An Schabbat wurden dieses Jahr die Synagogen Berlins mit einbezogen, zusätzlich zu vier verschiedenen Minjanim am Veranstaltungsort.
Es gab viel positives Feedback der Teilnehmer zum neuen Veranstaltungsort, es kamen einige Berliner spontan, auch tageweise, und das Angebot der Stadtführungen wurde gut angenommen. Das Flair war natürlich ganz anders, das dörfliche Insel-Gefühl wollte sich nicht so recht einstellen. Dieses Jahr war es eben urban. Mit Coffee-Bar und Lounge.

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Limmud.de 2011

Dieses Jahr größer denn je! Rund 500 Teilnehmer, mit vielen bekannten Gesichtern und vielen Neuen, und einem, objektiv gesehen, im Vergleich doch etwas gesenkten Altersdurchschnitt, tummeln sich bei strahlendem Sommerferienwetter in der EJB-Idylle am Werbellinsee. Intensiver Kiefernduft auf der großen Wiese, vom See weht ein laues Lüftchen. Aus den offenen Fenstern des Seminarhauses klingt es angeregt vielsprachig heraus, während mich die Verdauung des exzellenten Mittagessens zu einem Nickerchen in der Sonne verführt. Aus der Disko klingen smirot Schabbat, die für heute Abend schon mal geübt werden.
Die einmalige und so besondere Atmosphäre ist wieder da, die aus anfangs noch vorsichtig-erwartungsvollen Erstteilnehmern überzeugte Limmudniks und Wiederholungstäter macht.
Schon am Donnerstag, gleich nach der Anmeldung bei den fleißigen Freiwilligen und Organisatoren in den Limmud-T-Shirts, geht es direkt rein ins Vergnügen. Während eine musikalisch umrahmte Einführungsveranstaltung die Neulinge einstimmt, wird schon lebhaft gelauscht, gelernt und diskutiert.
Die Organisatoren haben sich wieder mal selbst übertroffen! Das Programm ist so vielfältig, dass es wirklich schwer fällt, sich für jeweils eine Veranstaltung pro Zeit zu entscheiden, und viele der Dozenten sind schon von vorigen Jahren bekannt und beliebt, so dass man allein schon auf Grund des Dozenten eine Entscheidung trifft. Die Kurse und Veranstaltungen in den Kategorien „Religion“, „Geschichte“, „Literatur/Kunst/Musik“, „Gesellschaft“, „Politik/Israel“ und „Ethik/Philosophie“ sind jeweils gut besucht. Interessenten, die des Deutschen nicht mächtig sind, finden eine große Auswahl an Shiurim in Englisch und Russisch, und die Dolmetscher der letzten Jahre sind auch wieder im vollen Einsatz.

Und was für Leute trifft man hier so? Alle Sorten!
Die bunte Mischung aus dem ganzen Spektrum jüdischen Lebens ist ein ganz besonders prägendes Merkmal von Limmud. Von orthodoxer Seite hörte ich schon wiederholt, dass Limmud ja eine liberale Veranstaltung sei, und dass man da lieber nicht hingehen sollte, weil man da sowieso nichts lerne, oder jedenfalls wenn dann nicht das „Richtige“. Das scheint diejenigen Orhodoxen, die hier her gefunden haben, nicht abgeschreckt zu haben, und entspricht auch keineswegs der Realität. Ohne hier eine Diskussion des ewigen Konflikts auslösen zu wollen: Limmud ist wirklich für alle da, und in der Durchführung (Kashrut, Schabbat) möglicherweise sogar deutlich orthodoxer, als manche das aus ihrem täglichen Leben kennen. Und so sind hier eben alle richtig, sowohl die Damen mit Hüten, Scheitels und langen Röcken, als auch die Mädels in hot pants und die Frauen mit Kippa. Und natürlich entsprechende männliche Äquivalente. Nur so kann ein lebendiger Dialog zwischen den Welten entstehen!

Jetzt noch schnell auf dem Weg zum Caf am Shuk vorbei (Bücher, Gummibärchen, Krimskrams), und dann ist auch schon Zeit für den nächsten Workshop!

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Limmud.de 2010 Berlin, Freitag, 2. Teil

In einem atemberaubenden Tempo nimmt uns David Solomon auf eine Zeitreise durch Jahrtausende jüdischer Philosophie mit. Die Simultanübersetzer hatten große Mühe, dem rasanten Tempo zu folgen, meisterten die Herausforderung jedoch bravourös.

Vom großen (jüdischen) Philosophen Philo, der das Konzept des „Logos“ erstmals beschrieb, welches weiterhin im Judentum keine herausragende Rolle spielen sollte, jedoch im Christentum zu einer zentralen Bedeutung wurde, über Saadia Gaon, der erstmals die religiösen Schriften auf rationale Inhalte untersuchte und feststellte, daß Offenbarung und Verstand in Einklang gebracht werden müssen und nicht getrennte Disziplinen sind, und daß die wörtliche Interpretation abgelehnt werden kann, wenn sie dem Sinn und Verstand widerspricht, zu Abraham ibn Daud, und weiter zu Moses ben Maimon (Moses Maimonides, Rambam), der die Philosophie des Aristoteles mit der Torah in Einklang brachte und dies in seinem Hauptwerk „Führer der Unschlüssigen“ (auch hier, Guide for the perplexed) niederlegte.

Hier kommt David Solomon zur zentralen Frage: Wenn Gott ALLES weiß, wo ist dann der freie Wille? Dieser Frage wurde später unter Anderem von Martin Buber in seinem Werk „Ich und Du“ auf den Grund gegangen.

Zurück im Mittelalter kommen wir nun zu Crescas, dem fast vergessenen Autor des Werkes „Or Adonai“ der wiederum die aristotelische Lehre und hiermit das Werk Maimonides‘ ablehnte, da es die Torah mit philosophischen Ideen verwässere (für Interessierte gibt es hier weitere Informationen, allerdings auf englisch), sowie einem seiner Schüler, Albo, der dieses Thema weiter verfolgte und noch grundlegendere, weiter gefaßte Thesen formulierte.

Nun kommt schließlich Moses Mendelssohn zu Wort, der als einer der großen Aufklärer im Judentum gilt und in seinem Spätwerk „Jerusalem oder über religiöse Macht im Judentum“ über das Verhältnis von Religion und Staat sowie die Folgen des eigenen Verhaltens und die Freiheit in der Religion schreibt.
Das Schlußwort des gegen Ende aus Zeitgründen etwas gerafften Vortrages erhält Franz Rosenzweig, womit der Bogen zurück geschlagen wird zu Maimonides und der Philosophie als Kontrast und Ergänzung von Religion.

Auch wenn in diesem Vortrag mehr Fragen als Antworten gegeben wurden, so war er doch sicherlich ein guter Impuls und Leitfaden, sich näher mit jüdischer Philosophie zu beschäftigen.

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Limmud.de Berlin 2010, Freitag

Ja was denn nun, religiös oder sekulär? Interessiert, desinteressiert, anti-interessiert? Atheist gar? Eher individualistisch, oder eher traditionell? Normkonform oder Reform? In, out, oder dazwischen? Heiße Diskussionen bei der Podiumsdiskussion um die Frage, was denn nun das jüdisch-sein definiert, und wer das Recht der Definition dieser Frage hat. Eigentlich ging es hier weniger um die ewige, nicht schlüssig beantwortbare Frage, wer denn nun ganz genau, präzise und universal gesehen ein Jude ist, sondern eher darum, was jüdisch-sein ausmacht, und wie man sein jüdisch-sein lebt. Das Podium war besetzt mit Vertretern unterschiedlichster Meinungen und Ausprägungen, und das Publikum gab sein Bestes, anhand teils sehr persönlicher Beispiele seine Meinungen zu diesem Thema mitzuteilen. Einerseits kam zur Sprache, wie sehr die Orthodoxe Rabbinerkonferenz Deutschlands (ORD) die Einheitsgemeinden prägt und hierdurch eine deutliche Gewichtung zugunsten traditioneller Werte und Religiosität setzt, andererseits was das bedeutet für Menschen, die sich zwar durchaus in sozialer, geschichtlicher, kultureller und emotionaler Weise als jüdisch fühlen, sich aber von der orthodox gelebten Religiosität nicht angesprochen oder repräsentiert. Diese Problematik rührt, wie Barbara Spectre (Paidea, Schweden) erläutert, unter Anderem daher, daß das Judentum eine Kombination aus Religion und Nation ist, die weltweit einzigartig ist. So ist es zwar möglich, ein atheistischer Jude zu sein, jedoch, definitionsgemäß, nicht möglich, ein atheistischer Muslim oder Christ.

Durch Ismar Schorsch (Jewish Theological Seminary, New York) wurde als Vergleich die Situation in den USA geschildert, wo es durch eine vollständige Trennung von Religion und Staat eben keine offiziellen religiösen Organisationen mit so ausgeprägtem Einfluß gibt wie die ORD, was zu einer sehr lebendigen Vielfalt an religiösen Ausprägungen führt mit einem großen Spektrum, von der nontheistischen Society for Humanistic Judaism, Renewal, Reconstrucionist, Conservative Judaism, Modern Orthodox, bis zu Charedim und ultraorthodoxen Sekten.
Er betonte, daß Synagogen als Orte des Lernens den Hauptimpuls geben zum Erhalt jüdischer Identität, und daß durch Jugendbildung sowie durch Programme wie Taglit Birthright ein nicht zu unterschätzender Einfluß gegen vollständige Assimilation gegeben wird. In den USA seien etwa 50% aller Juden sekulär, was er mit Desinteresse an religiösen Inhalten sowie organisierter Religion begründete. Hier widersprach Judith Kessler, die sich als sekulär, jedoch durchaus interessiert beschrieb und aussprach gegen die Monopolstellung der Orthodoxie als definierende Richtung jüdischer Identität. Da in Deutschland viele jüdische Menschen mit sehr unterschiedlichen Hintergründen leben sollte es auch für areligiöse bzw sekuläre Juden Möglichkeiten geben, sich im jüdischen Sinne weiterzubilden und weiter zu entwickeln. Dank iPod, so Judith, könne man sich heutzutage auch auf dem Fahrrad weiterbilden und so zum Beispiel den Tanach als Hörbuch herunterladen.

Weiteres zum Thema der jüdischen Identität wurde durch Alex und Julia in einem Workshop web 2.0 zu jüdischen blogs und Webseiten diskutiert. Ja, Chajm, auch diese Seite wurde vorgestellt! Vieles spricht dafür, daß gerade für jüngere Generationen das Internet eine nicht zu unterschätzende Rolle in der Identitätsbildung bei Juden spielt, durchaus auch bei religiösen, die Gleichgesinnte ihren Alters zum Austausch suchen, diese aber nicht in ihrer Gemeinde finden.

Zu weiteren Freitagsthemen folgt ein weiterer Beitrag….

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Limmud.de Berlin 2010, Donnerstag

Es ist wieder soweit, ein neues Jahr, ein neuer Limmud, am alten Ort, mit alten und neuen Gesichtern, mit alten und neuen Geschichten!
Durch den frühlingsgrünen Mai, quer durch Deutschland angereist nach Werbellinsee, im Gepäck viel Vorfreude und den Schirm. Dieses Jahr ist es etwas kühler, aber nur das Wetter! Das Programm ist eher noch dicker, noch vielfältiger, und die Wärme kommt von innen.
Es ist spannend, wie schnell man mit Menschen in ein Gespräch kommt, hier bei Limmud, und wohin diese Gespräche dann führen können. Zwar sind rund 400 Menschen hier, in diesem idyllischen Pionierlager nordöstlich von Berlin, doch scheint es ein sehr familiärer Rahmen zu sein, in dem man allen irgendwann wieder begegnet, und in dem man leicht gemeinsamen Gesprächsstoff findet. Als Wiederholungstäter hat es sich schnell eingelebt, die lange Anreise ist vergessen (und überhaupt ist Limmud jede Anreise wert, das muss hier mal gesagt sein!), das Zimmer gefunden, die Tasche ausgepackt.
Bereits vor und während des wieder mal sehr leckeren Abendessens können erste Vorträge und Workshops besucht werden, ein egalitärer und ein orthodoxer Minjan finden statt, und der erste Abend klingt aus mit einem Filmabend, der open stage, und der Limmud-Bar.
Da man ja (als Muggle), wie bereits letztes Jahr bemerkt, anders als Hermione in Hogwarts, eben nicht zur gleichen Zeit an verschiedenen Orten sein kann, kann man entweder, wie manche, Limmud-hopping machen und von Kurs zu Kurs gehen, von allen ein Bisschen mitnehmen, aber keinen ganz, oder sich für das verlockendste Angebot entscheiden. Ein Film schien genau das Richtige an diesem kühlen, müden Abend. Als Bonus gabe es zusätzlich zum geplanten Arranged den oskargekrönten Kurzfilm West Bank Story. Beide sind uneingeschränkt empfehlenswert.
Arranged erzählt die Geschichte zweiter junger Frauen in New York, die so nur dort hätte stattfinden können. Eine als Kind eingewanderte syrische Muslima und eine orthodoxe Jüdin freunden sich an, als sie gemeinsam in einer Schule als Lehrerinnen arbeiten. Beide kommen aus traditionellen, religiösen Familien, und beide sollen heiraten. Der Film zeigt die Gemeinsamkeiten, die Unterschiede, die Möglichkeiten, das Dilemma, und die Vorurteile, die traditionelle, religiöse Lebenseinstellungen und arrangierte Ehen mit sich bringen. Sicher ein komplexes Thema, das nicht erschöpfend mit einem Film beantwortet werden kann, aber auch gar nicht beantwortet werden soll.
Die Diskrepanz zwischen religiösem und sekulärem Leben, zwischen traditionellen und modernen Werten, zwischen Glaube und Unglaube, wird in den nächsten Tagen immer wieder zum Thema.