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Talmudisches: Von Räubern und Dieben

Jeder kennt das Wort »Ganove«. Es kommt vom hebräischen »Ganav« und ist über das Jiddische ins Deutsche gelangt. Der Ganove ist ein Dieb oder jemand, dem man nicht trauen kann.

Auch im Talmud, etwa im Traktat Bawa Kamma (79ab), begegnen wir dem »Ganav«. Wie so oft im Talmud wird auch dieser Begriff ganz genau definiert, und wir sehen, dass es, verglichen mit dem heutigen Sprachgebrauch, mitunter Abweichungen gibt. Das zeigt wieder einmal, dass die Verwendung unkommentierter Übersetzungen eine heikle Sache ist.

Den gesamten Text findet man auf den Seiten der Jüdischen Allgemeinen, hier.

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Nur weil einer keine Juden mag?

Nur weil einer keine Juden mag? Ein Kommentar für die Jüdische Allgemeine über jemanden, der sehr darauf bedacht ist, nicht als Antisemitismus bezeichnet zu werden und deshalb gerne klagt. Der Artikel ist hier verfügbar.

Hier folgen ein paar Service-Links zu den Zitaten im Text:

Link

Ischto K’Gufo

Dass sefardische und aschkenasische Juden »in« die jeweils andere Tradition heiraten, ist eigentlich ein »neues« Phänomen.
Herauszufinden, warum wer die Tradition des Ehepartners übernimmt, war deshalb gar nicht so sehr einfach… es gibt ein Prinzip namens Ischto K’Gufo – was das ist, habe ich für die Jüdische Allgemeinen aufgeschrieben:
Wieso Weshalb Warum – Ischto K’Gufo

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Zitat von Rabbiner Jehoschua Ahrens

Wenn wir aber jetzt einzelne Koranstellen anführen, um zu beweisen, dass »der« Islam gewalttätig sei, dann ist das nicht nur analog zu dem, wie Antisemiten die Tora zitieren. Sondern wir gehen dann genauso vor wie Islamisten, die diese Koranverse missbrauchen.

Rabbiner Jehoschua Ahrens in der Jüdischen Allgemeinen (hier)
im März 2015 – nun wieder aktuell

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Ewiges Licht – Ner Tamid

Es gibt Artikel, bei denen hat man schon während des Schreibens die Absicht, vielleicht etwas Widerspruch zu erzeugen und kalkuliert eine heftige Reaktion ein. Bei religiösen Themen ist das zuweilen der Fall, wenn es um besonders umstrittene Bereiche geht, Frauen an der Westmauer vielleicht, Siedlungen sind auch immer ein gutes Thema. Aber manchmal bleibt die Reaktion aus. Man liest, aber reagiert nicht. Dann aber gibt es Themen, die versucht man sachlich darzustellen und erntet heftigen Widerspruch.
So war es bei meinem Artikel zum Kerzenzünden am Schabbat. Dieses Kerzenzünden ist emotional stark besetzt, das unterschätzte ich ganz klar bei der nüchternen Formulierung der Herkunft des Kerzenzündens und des »Hand-vor-Augen-Haltens« (aus dem ein paar Damen die ich dabei beobachten konnte, eine große magische Sache gemacht haben), dass keinerlei mystische Herkunft hat, sondern einfach nur eine Art halachischer Workaround ist (steht alles im Artikel).
Bei dem neuen Artikel »Ner Tamid«, also das »ewige Licht« in der Synagoge war es ähnlich. Es gab mehrere, (aber meist) sehr freundliche, Reaktionen auf dieses Thema auf das Thema. Erneut entschied ich mich, nicht die Interpretation des Lichts zu präsentieren, sondern zu schauen, wo es eigentlich herkommt und seit wann es in den Synagogen verwendet wird.
Übrigens kenne ich mittlerweile ein paar Synagogen in denen das Ner Tamid ein sehr temporäres Licht ist und vom Hausmeister kurz vor dem Gebet eingeschaltet wird. Das scheint allerdings nicht die Tradition zu sein, die sich allgemein durchgesetzt hat…

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Die Zeit dazwischen

Mit dem 17. Tammuz, dem Fastentag der vielleicht weniger populär ist als Tischa beAw, beginnt eine Zeit, die auf Hebräisch Bejn haMetzarim genannt wird. Das könnte man ungefähr mit »zwischen den Bedrängnissen« übertragen. Wenngleich überall in Europa Sommerferien sind und die Zeit eigentlich leicht sein sollte, so haben wir hier einen schweren Gegenentwurf. Damit umzugehen, fällt mir recht schwer.

In allen Phasen der Geschichte hat das jüdische Volk ähnliche Erfahrungen gemacht. Manchmal sogar zu ähnlichen Zeiten im Jahr. Ereignisse kehren immer wieder. Die Verfolgungen mit der Absicht das gesamte Judentum auszulöschen etwa.
Deshalb würde ich die Geschichte des Judentums als eine Art Helix betrachten, wie die Wendeltreppe unten. Bestimmte Arten von Ereignissen wiederholen sich – sogar zu ähnlichen Zeiten im Jahr. Das alles läuft besonders in der Zeit Bejn haMetzarim zusammen.

VaticanMuseumStaircase2
von Das Original wurde von Ralf Roletschek in der Wikipedia auf Deutsch hochgeladen (Übertragen aus de.wikipedia nach Commons.) [GFDL oder CC-BY-SA-3.0], via Wikimedia Commons

Bereits die Mischnah nennt tragische Ereignisse dieser Zeit (siehe hier Ta’anit 4,6).
In diese Zeit fielen etwa die Pogrome zu Beginn des ersten Kreuzzugs (1095), bei denen Tausende Juden aus Frankreich und dem Rheinland getötet wurden. Es folgte die Vertreibung der Juden aus England (1290), das Ultimatum, bis zu dem alle Juden Spanien zu verlassen hatten (31. August 1492) und zuletzt das Terrorattentat auf das jüdische Gemeindezentrum in Buenos Aires 1994 mit 86 Todesopfern. In der charedischen Welt ist Tischa beAw auch ein Tag des Gedenkens an die Schoa.
In einem Artikel für die Jüdische Allgemeine (im Volltext hier) beschreibe ich den Charakter dieser Zeit. Es geht nicht nur um Trauer und das zurückschauen, sondern auch um das »nach-vorne-schauen« und die Frage, was ich als Einzelperson tun kann, um die Welt zu ändern.

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Schnee

von Marius*86 (Eigenes Werk) [Public domain], via Wikimedia Commons

von Marius*86 (Eigenes Werk) [Public domain], via Wikimedia Commons

Schnee führt dazu, dass man im Winter zu spät zur Arbeit kommt und im Winterurlaub dafür, dass man ein wenig Spaß damit hat. Man könnte Schneemänner bauen oder Schneebälle formen. Aus Schneeballschlachten haben die Japaner übrigens eine eigene Sportart gemacht: Yukigassen.

Doch Schnee liegt nicht nur herum, stört, dient als Spielzeug und sieht sehr, sehr weiß aus, sondern er verändert die Umwelt in einer Art und Weise, die aus halachischer Sicht nicht so sehr uninteressant ist:
Wer sich im Schnee bewegt, hinterlässt Spuren. Das klingt unspektakulär, könnte aber am Schabbat eine Rolle spielen.
Einen Text dazu gibt es in der aktuellen Ausgabe der Jüdischen Allgemeinen. Im Volltext hier.

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Hass und Lebensgrundlagen

Die aktuellen Ereignisse und Diskussionen bestätigen einen Text, der kurz vor Har Nof geschrieben wurde. Eigentlich geht es um Jizchak und den Wochenabschnitt Toldot.
Aber am Rande geht es um Ereignisse rund um Brunnen:

Kaum haben Jizchak und seine Leute einen Brunnen fertiggestellt (19–20), kommen die Hirten Gerars. Obwohl sie oder ihre Verwandten vorhandene Brunnen zugeschüttet haben, wie der Text der Tora berichtet (26,15), und sie sich nicht für das Wasser interessiert haben, sagen sie nun: »Das ist unser Wasser!« Aber erst, nachdem Jizchak einen neuen Brunnen gegraben hat.
Volltext auf den Seiten der Jüdischen Allgemeinen

Wenngleich Wasser eine wichtige Lebensgrundlage ist, so werden Brunnen dennoch zugeschüttet: Das Gegenüber wird so sehr gehasst, dass man bereit ist, die eigene Lebensgrundlage zu zerstören.
Aktuell ist das, weil denjenigen, die in Israel Attentate begehen, bekannt ist, dass die israelische Regierung ihr Haus vermutlich zerstören wird. Eine umstrittene Maßnahme (aus der Zeit der britischen Mandatsregierung), die offenbar vor dem Hintergrund erdacht wurde, dass sich die Menschen wenigstens um das Wohl ihrer eigenen Familie sorgen und vielleicht auf sie Rücksicht nehmen würden.
Seit 2005 sollte diese eigentlich auch nur in extremen Fällen Anwendung finden.

Aber: weit gefehlt. Diese Empathie scheint nicht vorhanden zu sein.
Man überlässt dann die Arbeit der Propaganda der Bilder. Die entsprechenden Fernsehbilder haben dann auch die Wirkung, die man gerne hätte.
Hier trifft auch das zu, was ich über Jizchaks Brunnen schrieb:

Ihre Feinde hassen sie mehr, als dass sie an die Sicherung der eigenen Zukunft denken.
Volltext auf den Seiten der Jüdischen Allgemeinen