Zitat

Zitat von Rabbiner Jehoschua Ahrens

Wenn wir aber jetzt einzelne Koranstellen anführen, um zu beweisen, dass »der« Islam gewalttätig sei, dann ist das nicht nur analog zu dem, wie Antisemiten die Tora zitieren. Sondern wir gehen dann genauso vor wie Islamisten, die diese Koranverse missbrauchen.

Rabbiner Jehoschua Ahrens in der Jüdischen Allgemeinen (hier)
im März 2015 – nun wieder aktuell

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jüdisch, muslimisch, intellektuell, typisch?

Dr. Hugo Hamid Marcus (Mitte) Verwendung des Bildes mit freundlicher Genehmigung des Lahore Ahmadiyya Islamic Movement  Berlin Mosque and  Mission

Dr. Hugo Hamid Marcus (Mitte)
Verwendung des Bildes mit freundlicher Genehmigung des Lahore Ahmadiyya Islamic Movement
Berlin Mosque and Mission

In seinem Buch »Children of Abraham: An Introduction to Islam for Jews« erwähnt der Autor Khalid Durán einen Berliner namens Hamid Marcus, der als Jude zum Islam konvertierte und Mitautor einer Koranübersetzung ins Deutsche war. Er schreibt dann kurz und knapp, Marcus sei im KZ ermordet worden. Dahinter steckt offensichtlich eine tragische Geschichte. Tatsächlich war die Lebensgeschichte von Dr. Hugo Hamid Marcus eine andere. Eine sehr spannende und vielleicht der Ausdruck einer Zeit im Umbruch, die durch den Nationalsozialismus ein Ende fand. Um es vorweg zu nehmen. Dr. Hugo Hamid Marcus starb 1966 in der Schweiz. Vollkommen vereinsamt.

Ein jüdischer Mann, der zum Islam konvertierte?

Zumindest war er nicht der einzige in der Zeit vor dem zweiten Weltkrieg. Nicht wenige Juden beschäftigten sich mit dem Islam sehr intensiv und dass es auch Konversionen gab, scheint demzufolge folgerichtig. Bevor wir also Dr. Marcus im Detail betrachten, hole ich etwas weiter aus. Weiterlesen

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Der Islam mit antisemitischem Fundament

Böse Zungen behaupten, ich hätte mit einem Glas Wein auf die Nachricht reagiert, dass Frau Brocke die Einrichtung Alte Synagoge Essen verlassen würde. So ist es natürlich nicht. Ich habe den Korken einer Sektflasche knallen lassen. Jetzt konnte eine andere Richtung eingeschlagen werden. Die Stadt Essen wollte ein Haus jüdischer Kultur aus dem Haus machen. Wenn man im Ruhrgebiet lebt, hat man große Erwartungen an einen solchen Titel.
Natürlich kommt es immer anders als man denkt und der Kurs, den Frau Brocke eingeschlagen hat, geht irgendwie nun doch weiter. Unter dem kommissarischen Leiter Dr. Schwiderwoski (der die Amtsgeschäfte führt, bis der neue Leiter Dr. Uri Kaufmann im September seine Arbeit aufnimmt) macht das Haus nach dem Personalwechsel nicht mit einem inhaltlich jüdischen Thema Furore, sondern indem man gegen etwas ist. Die Beschäftigung mit Antisemitismus ist übrigens kein jüdisches Thema, es sollte eigentlich Thema der Gesamtgesellschaft sein.

So kündigte die Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit Essen einen Vortrag von Chaim Noll im Haus Jüdischer Kultur an, der zunächst unter der Überschrift Antisemitismus heute daherkommt. Das klingt zunächst nach einem Standardthema einer Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit und für die Alte Synagoge mit altem Profil ohnehin. Der kurze Text der Ankündigung kommt jedoch weniger verschlafen daher:

Judenfeindliche Ressentiments spielen seit der Niederschrift des Korans im 7. Jahrhundert und dem Massaker gegen die Juden von Medina im Jahre 628 durch Mohamed im Islam eine fundamentale Rolle. Bis heute kann dieser traditionelle Judenhass reaktiviert und politisch instrumentalisiert werden. Ein Beispiel dafür liefert die im Gaza-Streifen herrschende Organisation Hamas in ihrer Charta. Judenhass wird auf den Staat Israel übertragen, dessen Zerstörung das erklärte Ziel dieser Bewegung ist. Von hier

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Das jüdisch-christliche Abendland?

Im Zusammenhang mit der Hysterie um die Rede von Bundespräsident Christian Wulff zum Tag der deutschen Einheit, kam wieder ein interessanter Begriff im Schlagabtausch der Meinungen auf. Der Begriff von einer christlich-jüdischen Tradition in Deutschland. Um nur ein populäres (leider) Beispiel zu nennen; Hugo Müller-Vogg von der Bild:

Unser Verständnis von Freiheit und Menschenwürde gründet auf unserer christlich-jüdischen Tradition und der Aufklärung. von hier

Mir kommt es ein wenig so vor, als möchte man doch christliche Tradition schreiben, aber neuerdings hat man diese jüdisch-christliche oder christlich-jüdische Tradition entdeckt und niemand kann so recht sagen, woher dieser Begriff eigentlich stammt. Der Begriff Tradition erweckt nämlich den Eindruck, es habe in den letzten zweitausend Jahren eine friedliche Symbiose beider Religionen gegeben. Dabei hat es die auch in der jüngeren Geschichte nicht gegeben. Die jüdische Geschichte in Deutschland ist ja eine jahrhunderte lange Geschichte der Ausgrenzung und zum Schluss dann auch recht einseitigen Liebe. Wie Ramona Ambs schon in ihrem Text Ausgeprägtes Markenbewusstsein feststellt, wird der Begriff aber auch nur dann benötigt, wenn es darum geht, sich gegen eine weitere Partei abzugrenzen:

Als Familienministerin von der Leyen 2006 eine Wertekonferenz (Bündnis für Erziehung) einberief, lud sie dazu nur Vertreter der christlichen Kirchen ein. Das Christentum sei Grundlage, immerhin handle man nach den christlichen Zehn Geboten. von hier

Almut Schulamit Bruckstein oruh stellt dies nun auch im Tagesspiegel fest:

Nein, es gab keine jüdisch-christliche Tradition, sie ist eine Erfindung der europäischen Moderne und ein Lieblingskind der traumatisierten Deutschen. Jüdisch-christlich ist eine Konstruktion, geprägt von einer Genese des Fortschritts, die in der Reformation und in der Französischen Revolution gipfelt. Erst nach der Schoah hat in Deutschland ein jüdisch-christlicher Dialog begonnen. Dabei entsprachen die Trennlinien dieses Dialogs paradoxerweise ziemlich genau den Trennlinien zwischen muslimischen und christlichen Überzeugungen heute. Selten gibt es für die offensichtlichen Gemeinsamkeiten dieser beiden Traditionen auch ein öffentliches Zeugnis, wie etwa zur Zeit, als die Republik über Navid Kermanis Äußerungen zum Kreuz in helle Aufregung geriet und Fürsprecher wie Micha Brumlik am Ende doch, wenn auch eher leise, darauf hinwiesen, dass auch für viele Juden wie soll man es sagen jede Form der Kreuzestheologie letztlich Blasphemie bleibt. von hier

Aber Bruckstein oruh folgert auch etwas daraus:

In Zeiten, in denen muslimische Traditionen unter Generalverdacht stehen, bedarf es einer erneuten Liaison der jüdischen Intellektuellen mit den Muslimen dieses Landes. von hier

Nötig wäre es alleine schon deshalb, weil diejenigen, die gegen den Islam hetzen immer so tun, als würden sie Israel und die Juden toll finden und dabei versuchen, beide als Gegenpol zum Islam zu montieren.

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Zum jüdisch-islamischen Dialog

Der jüdisch-islamische Dialog ist, ausgerechnet in diesen Zeiten, nicht das leichteste Unterfangen, aber er findet statt (auch in dieser Mailingliste). Für diejenigen, die sich erst langsam auf dieses Terrain wagen wollen, habe ich einige Eckpunkte zusammengestellt. Den Beitrag verfasste ich für das famose Blog des Österreichischen Jüdischen Museums. Er ist hier zu finden.
Falls Ihr Anregungen oder Fragen dazu habt, gerne in den Kommentarbereich im Blog des OJM.

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Wir sind lieb und dürfen bleiben

Es war zu erwarten, dass die Wogen hoch schlagen nach dem Schweizer Votum gegen Minarette und im entsprechenden Artikel dazu wird auch heiß diskutiert. Meist darüber, ob es gegen die Religionsfreiheit verstößt oder nicht. Das ist für uns in Deutschland ein Gedanke, der selbstverständlich ist – dass Religionsfreiheit gibt und dass sie durch den Staat garantiert wird. Er schützt sogar die Einrichtungen verschiedener Religionen und die Politik arbeitet daran zu versichern, man sich nicht mal eben auf Durchreise hier, sondern gehört als Bürger in dieses Land.
Gerade las ich in der (großartigen) Weltwoche, einen Kommentar der sich für mich so liest, als fühlten sich Juden in der Schweiz auch nach längerer Zeit des Lebens dort noch immer nicht als vollwertige Bürger, sondern eher als geduldete Gäste und müssten sich deshalb besonders vorsichtig und kleinlaut verhalten. Glossenkollege Beni Frenkel schreibt in der Weltwoche:

Ähnlich wie die Juden, die nur Geflügel schächten dürfen und trotzdem ein unbehelligtes Leben in der Schweiz führen, müssen auch religiöse Muslime gewisse Abstriche an ihrer Observanz erdulden. …
Das alles entspringt einer grossen Dankbarkeit der Schweiz gegenüber. Dafür, dass man hier als religiöse Minorität nicht nur geduldet wird. Da verzichtet man gerne auf gewisse Rechte. von hier

Da scheinen wir in der Bundesrepublik einen Schritt weiter zu sein, denn man wird hier nicht mehr als geduldet, sondern Juden und Jüdinnen haben die Möglichkeit ganz normale Bürgerinnen und Bürger zu sein, die ein Recht darauf haben, dass sie sich auch mit koscherem Fleisch versorgen können und keinerlei Einschränkungen durch den Gesetzgeber zu befürchten haben. Was für ein mediales Fest wäre das, wenn ein deutscher Politiker zu Charlotte Knobloch sagen würde Dafür dass sie Teil der Gesellschaft sein dürfen, müssen sie schon auf gewisse Rechte verzichten.

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Minarettdiskussion

Stopp Ja
Die Schweiz ist ein Land, in dem es ganze vier Minarette gibt (wie Jörg Lau informiert) und nun gibt es kaum einen Ort im Internet, an dem sich Befürworter und Gegner der Schweizer Volksabstimmung nicht heftigst angehen. Das ist beim erwähnten Blogeintrag von Jörg Lau der Fall, aber beispielsweise auch bei Spreeblick. Dabei gibt es einige wenige Punkte die man der Diskussion noch hinzufügen kann. Während einige das (vorläufige?) Minarettverbot als Sieg der direkten Demokratie feiern, schlagen andere die Hände über dem Kopf zusammen. Kann also die direkte Demokratie direkte Grundwerte – und das Recht auf freie Religionsausübung ist ein solches, zumindest im deutschen Grundgesetz (Artikel 4, 2) – aushebeln? Was ist, wenn morgen mit 50,1 Prozent der Stimmen beschlossen wird, Nichtchristen aus dem Land zu verweisen? Oder die Ausübung des Judentums aus irgendeinem Grunde zu verbieten? Offenbar reicht es ja nur aus, bestimmte Ängste anzusprechen, damit das Abstimmungsergebnis wie gewünscht ausfällt. Tatsächlich dürfte die Abstimmung nur der Beginn sein. Weitere Initiativen zum Verbot von Moscheen generell und islamischen Kulturzentren werden wohl folgen. Wenn man schon einmal dabei ist, kann man ja gleich auch Synagogen verbieten. Ein Schächtverbot besteht übrigens bereits.
Es sollte klar sein, dass nicht wichtig ist, was architektonisch passiert, sondern in den Köpfen der Menschen. Sollte der Schweizer Bürger sich tatsächlich um eine vermeintliche Islamisierung sorgen, dann sollte er sich Sorgen um Staaten machen, die mit Schweizer Hilfe tatsächlich ein solches Programm fahren, aber der Iran ist ein guter Handelspartner der Schweiz.
Eine Diskussion über Minarette und den Bau von Moscheen im Allgemeinen kann, meines Erachtens nach, nur auf baubehördlicher Ebene geführt werden (passt es architektonisch ins Straßenbild? ist es sicher? welche Änderungen müssen vorgenommen werden, damit es passt) und nicht, ob man es grundsätzlich erlaubt oder nicht, ob eine Gruppe ihre religiösen Einrichtungen ausstatten darf wie sie es wünscht. De facto sollte da gleiches Recht für alle gelten.
Lassen wir einen prominenten jüdischen Architekten zu Wort kommen – Salomon Korn- Weiterlesen

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Tag der offenen Moschee

Tja Ralph Giordano, wir waren in der Nachbarschaft und haben heute vom Angebot des Tages der offenen Moschee Gebrauch gemacht. Wenngleich ich zuvor schon in einigen war, auch zu Dialogsveranstaltungen oder Gelegenheiten, bin ich mitgekommen und habe es mir bei Gebäck und Tee gut gehen lassen. Einige Fotos habe ich auch gemacht:

Bereits im vergangenen Jahr habe ich hier dazu aufgerufen, die Chance zu nutzen und hinzugehen. Wie der Vorsitzende mir übrigens berichtete, wird die Moschee ausschließlich über Spenden- und Mitgliedsbeiträge finanziert. Lediglich das schmale Gehalt des Imams (er nannte die Summe, tatsächlich eher schmal) zahle der Dachverband Ditib für den Verein bzw. die Gemeinde. Man habe nun zwar noch Verpflichtungen den Banken gegenüber, aber man hat ein reges Gemeindeleben entwickelt und konnte dies mit Selbstverständlichkeit präsentieren. An das Nektar Kirchensteuer kommen die Moscheeverbände ja bisher nicht, vielleicht ein Glücksfall?

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Hingehen und anschauen statt sich verrennen

Der 3.Oktober ist mittlerweile traditionell (auch) der Tag der offenen Moschee. Überall im Land (wo genau steht hier) laden wieder mehrere islamische Gemeinden Nachbarn ein, sich in einer Moschee umzuschauen und zu lernen, was man dort macht. Aus Erfahrung von Dialog/Trialogsveranstaltungen weiß ich, dass dort, oder generell bei solchen Veranstaltungen, Menschen mit vorbereiteten Zettelchen auftauchen auf die sie sich Koranzitate geschrieben haben die sie für besonders schlimm halten. Früher hat sich die gleiche Klientel am koscheren Schächten versucht, oder bestimmte Talmudzitate bei der Hand. Das tritt ein wenig in den Hintergrund, solange man das Judentum benutzen kann um gegen den Islam zu argumentieren. Frei nach dem Motto Der Jude hats auch gesagt. Eine Dame mit so einem Zettelchen nahm mich mal an die Seite und sagte zu mir Sie da, aus Israel (sic!), sie sind doch auch gegen die.
In Köln wurde ja ein Jude prominenter Gegner einer Großmoschee (siehe hier) und häufig zitiert mit seiner nicht gehaltenen Rede gegen das Bauvorhaben. Offenbar beachtete aber Giordano nicht, dass man einiger seiner Argumente auch gegen observante Juden und die Rücksichtnahme auf sie, wenden kann. Wenn er sagt/schreibt:

Wo sind wir denn, dass wir uns überlegen müssen, ob unser Tun und Handeln radikalen Muslimen gefällt oder nicht? Wo sind wir denn, dass wir uns in vorauseilendem Gehorsam religiösen und anderen Fanatikern vorschreiben ließen, was wir veröffentlichen dürfen und was nicht?

Istanbuli Synagoge JerusalemNatürlich ist es schwer, eine Grenze zwischen Fanatismus und strikter religiöser Observanz (oder nicht?) zu ziehen. Ist es fanatisch, wenn ich auf Joghurts mit Gelatine verzichte? Jedenfalls könnte man auch mit den gleichen Argumenten zurückweisen, dass sich Rabbiner um einen jüdischen Friedhof kümmern, der bei Aushubarbeiten einer Baustelle in Mainz gefunden wurde (hier). Niemandem würde im Traum einfallen, eine Einmischung jüdischer Stellen zurückzuweisen und das ist ein gutes Miteinander. Man nimmt Rücksicht auf die religiösen Traditionen des Anderen. Davon ausgeschlossen sind selbstverständlich die pseudoreligiösen Auslassungen von antisemitischen Hetzpredigern die eher politische Ambitionen haben. Es ist nahezu sinnlos, diejenigen zu loben die ihre Religion nicht leben und zu fordern, dass alle so leben sollen. Den Dialog mit den Vernünftigen suchen sollte weiterhin die Devise sein (deshalb gibt es ja beispielsweise die jüdisch-muslimische Mailingliste Abraham-Ibrahim) und ein wenig Empathie für observante Anhänger anderer Religionen. Der bosnische Großmufti Dr. Mustafa Ceri? fasst in seiner Dankesrede anlässlich der Verleihung des Theodor Heuss-Preises an ihn ganz gut zusammen, worin die eigentliche Gefahr besteht:

Unfortunately, our times are full of fears. Fear is spreading throughout the world. Fear is in our home, in our street and in our mind. Fear prevents us from progress, from sharing of ideas and positive achievements. Thus, freedom from fear is the most needed value of our times. To be free to go, to tell, to share, to think, to feel and most importantly to respect differences as much as similarities. We have to cherish life and creation, against the fear and ignorance.
We have no choice but to build up mutual communication in order to overcome fears from terror and terrorism. We have no choice but to use our mind as the best gift of God, to accept our common ground, to bridge our differences, and to appreciate our similarities.

Die Förderung solcher Kapazitäten sollte im Vordergrund stehen. Jörg Lau schrieb 2006 über ihn:

Zu Beginn des Jahres hat der Großmufti Ceric eine Erklärung der Europäischen Muslime herausgegeben. Darin geht es um Terrorismus, europäische Werte, die Menschenrechte und die Loyalität, die die europäischen Muslime dem freiheitlichen Verfassungsstaat schulden. Ceric sagt, er habe die Erklärung geschrieben, weil nach den Anschlägen von New York, Madrid und London endlich eine klare Verurteilung dieser Taten nötig war ohne das übliche relativierende Aber, dem dann in muslimischen Publikationen meist eine Liste der Sünden des Westens folgt. Der Massenmord an den bosnischen Muslimen in Srebrenica sei vom amerikanischen Senat schließlich auch ohne Wenn und Aber als Völkermord verurteilt worden: Genauso entschieden müssen wir Muslime die Verbrechen verurteilen, die irrigerweise im Namen des Islams verübt werden. Er wolle klarmachen, erklärt Ceric, dass die Terroristen nicht bloß die Christen oder die Ungläubigen angreifen. Wer Freiheit und Demokratie attackiert, der greift auch mich als europäischen Muslim an. von hier

Kurzum: Nicht immer von Dritten die Informationen erhalten, sondern einfach mal selber hingehen und sich informieren. Fragen kostet ja bekanntlich nichts. Das Bild oben zeigt übrigens keine Moschee, sondern eine alte Abbildung der Istanbuli-Synagoge in Jeruschalajim.

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und aus Fabrik wird Moschee…

In der Zeit macht erhellt Jörg Lau den Streit um den Neubau einer Moschee in Köln-Ehrenfeld, der mittlerweile auch die lokalpolitische Ebene verlassen hat und die Mainstreammedien erreicht hat und mittlerweile auch weitere Opfer fordert, weil so mancher sein Engagement ein wenig zu hoch einschätzt. So muß wohl nun auch die Grüne Politikerin Marlis Bredehorst erklären, warum sie während einer Bürgeranhörung am 29.Mai zum Thema Moscheebau (siehe hier) die Schoah einen Ausrutscher: und es gibt allerdings einen Ausrutscher: Mit den Juden sind wir nicht so friedlich umgegangen, das ist erst in der Nachkriegszeit so nun sagt sie, es sei ihr herausgerutscht:

Kölns Sozialdezernentin Marlis Bredehorst (Grüne) hat sich von einer Aussage distanziert, die ihr bei der Bürgeranhörung zum Moscheebau als unglücklich formulierter Nebensatz herausgerutscht sei. Sie hatte in ihrer frei vorgetragenen Rede zum Thema Die Rolle der Religionen im Integrationsprozess über das friedliche Zusammenleben von Katholiken und Protestanten gesprochen und dann auch das Judentum erwähnt. Mit den Juden sind wir nicht so friedlich umgegangen, hatte sie gesagt und von einem Ausrutscher gesprochen. von hier; Kölner Stadtanzeiger

Ralph Giordano schaffte es, von gleich zwei Parteien in diesem Streit regelrecht gehasst zu werden. Auch er war polemisch und muss sich nun für seine Form der Kritik rechtfertigen, Jörg Lau schreibt (ganz richtig), dass Kritik erlaubt sein muß, diese aber gezielt angebracht werden muß. Giordano fügt laut Jörg Lau vor allem ästhetische Gründe gegen eine Verhüllung der Frau an…
Noch interessanter ist die weitere Analyse Laus von dem, was Giordano gesagt hat:

Ralph Giordano aber wettert gegen islamophile Architektur in Ehrenfeld, als würde sie subversiv von außen aufgezwungen. Für ihn steht fest, dass erkennbar islamische Bauten eher zu weiterer Abkapselung beitragen als Integrationseffekte auszulösen.
Stimmt das? Die Geschichte des Synagogenbaus im 19. Jahrhundert spricht dagegen: Als die Juden mit der Emanzipation selbstbewusst wurden, begannen sie in Deutschland verstärkt orientalisch zu bauen, wie Salomon Korn es in seinen Forschungen gezeigt hat. Sie kombinierten morgenländische und neoislamische Elemente mit der deutschen Gotik und Romanik, um gleichermaßen Anderssein und Dazugehören zu betonen. In der Blüte der deutsch-jüdischen Kultur sahen viele Synagogen aus wie eine Mischung aus Kirche und Moschee. Wäre dieser Teil der Architekturgeschichte nicht mit den abgebrannten Synagogen vergessen, würde das neue islamische Bauen in Deutschland vielleicht nicht mit solcher hysterischen Abwehr begleitet. (Man schaue sich bitte einmal hier die virtuelle Rekonstruktion der Kölner Hauptsynagoge an. Sie sah ganz und gar wie eine Moschee aus. Wie würde wohl heute Pro Köln dagegen hetzen?) von hier

Es stimmt. Würde man darüber abstimmen lassen, ob eine Synagoge hier oder dort gebaut werden dürfe, das Ergebnis spräche wohl sehr eindeutig gegen den Neubau, aber für eine Verlegung des Baus aus der Innenstadt heraus. Zuweilen werden ganz pragmatische Gründe vorgeschoben: Dann sind hier weniger Parkplätze, dann sind hier zu viele Parkverbote, passt nicht ins Umfeld, werden wir bei einem Anschlag mit weggesprengt?…
Mittlerweile würden sich bestimmt auch Stimmen finden, die gegen einen Kirchenneubau sind (Glocken zu laut etc.) und von daher weht (unter anderem) der Wind. Ein Teil der Mehrheitsgesellschaft sieht sich bedroht durch Menschen die zu ihrer religiösen Überzeugung stehen und Werte mit sich herumtragen. Von der Spaßgesellschaft in eine Existenz der Beliebigkeit gedrängt, sind diejenigen, die sich an (religiöse) Regeln halten, suspekt. Vor allem, weil diese Werte weder im Judentum, noch im Islam, verhandelbar sind und nicht nur das eigene Wohnzimmer betreffen, sondern nahezu jeden sozialen Bereich. Die Vorbehalte sind wohl schon jeder und jedem begegnet, der/die observant lebt.