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Heeb und Berlin und die deutsche Provinz

Da kommen wir der Sache schon näher, aber wir bleiben im Metabereich. Fabian Wolff, dessen Rezension von Der gefrorene Rabbi ich schon angemerkt habe, dass sich da was aufgestaut hat, darf im Heeb Magazine nachlegen und er gibt sich Mühe, auch kräftig auf den Tisch zu hauen, damit man ihm zuhört:

But there is certainly no real sense of Jewish identity in Berlin, that is, beyond religion and nightmarish memory. The Jewish culture is at worst jocular, at best, spectral. Its painful but, at least, I live.
von hier – heeb magazine

Sich in Berlin zu beschweren, ist schon Klagen auf allerhöchstem Niveau, denn hier in der Provinz besteht folgendes Problem nicht unbedingt

Problem is: There are not that many actual Jews around to satisfy all Hebrew needs auch von hier – heeb magazine

Aaußerhalb von Berlin – in der richtigen Diaspora, scheint an einigen Orten zu gelten: Je weniger desto besser. Einige Akteure leben ganz gut damit, dass man sie hofiert und beobachten wachsam, dass andere Juden sich nicht zwischen das wärmende Licht der öffentlichen Aufmerksamkeit und die eigene Person schieben. Das macht es aber auch für diejenigen Nichtjuden, die ein Interesse an der Entwicklung des Judentums haben und sich freuen, dass es wieder wächst, übersichtlicher.
So sind alle zufrieden – mit Ausnahme von denjenigen, die das Problem erkannt haben, welches Fabian Wolff für Berlin beschreibt. Lass Dir gesagt sein, Fabian: Es geht schlimmer.

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Heeb auf Deutsch?

Überraschung für die Leser der Zeit! Nachdem die Juden in Deutschland vor einiger Zeit Titelthema waren, hat nun das Zeit Magazin eine komplette Ausgabe monothematisch gestaltet – einzige Ausnahme sind die Partnerschaftsanzeigen. Typisch jüdisch? lautet der Titel dieser Ausgabe. Am Ende herausgekommen ist fast (!) eine deutschsprachige Ausgabe des Heeb Magazins. So berichtet Harald Martenstein darüber (hier), wie er damit umgeht, wenn Leser ihn für einen Juden halten. Vermutlich weil er intelligent ist und Humor hat und zuweilen auch recht frech. Dazu ein Text von Shalom Auslander über seinen Glauben an G-tt – reichlich chuzpedik und großartig, Olga Mannheimer schreibt über jüdische Identität und als Service eine Deutschlandkarte mit den meisten jüdischen Gemeinden und ihrer Größe (mit den alten Zahlen des Zentralrats von 2008). Vorweg genommen hat man allerdings, dass es natürlich typisch jüdisch sei (an den Rändern des Hefts werden alle Beiträge kommentiert oder mit einem Witz begleitet) über das Heft zu sprechen und etwas daran zu kritisieren. Das ist richtig: Den Platz den man Henryk Broder eingeräumt hat, hätte man gut gegen einen Text von Maxim Biller eintauschen können. Er lieferte für Heeb – Germany Issue einen schwarzen, schwarzen Artikel in deutscher Sprache, der auch so in Deutsch abgedruckt wurde. Auf der Homepage ist lediglich die englische Übersetzung verfügbar (hier). Im Prinzip wäre es eine gute Ergänzung zum Titelthema vor einigen Wochen geworden, so ist es einfach eine recht gelungenes Heft geworden.

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Heeb – die Deutschlandausgabe

Heeb Germany Issue
Die neue Ausgabe des Heeb-Magazins (hier im Blog schon häufiger Thema) ist die Germany Issue. Unter anderem mit einem Rezept für einen Final Solution German Chocolate Cake:

Inspired by Black Forest cake, this version of the chocolate and cherry creation ratchets up the intensity with a cocoa-logged filling, espresso and a crown of sugar shards. Execute with thoroughness and precision. Like the Germans would. von hier

Unter Queer as Volk gibt es einen Reiseführer durch das schwule Berlin und natürlich einen Artikel zu Tarantinos neuem Film Inglourious Basterds, der wahrscheinlich noch Ende August in die Kinos kommt:

Auf die feuilletonistische Verarbeitung dieses Films in Deutschland bin ich schon jetzt gespannt.
Zahlreiche Darsteller deutscher Figuren sind tatsächlich namhafte deutsche Schauspieler… Wer sich auf die Diskussion vorbereiten will, kann also einen Blick ins aktuelle Heeb Magazine werfen.

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Herbstausgabe von Heeb

Heeb Cover

Die Herbstausgabe von Heeb ist seit heute auf dem Markt. Schon allein das Cover ist ein Grund das Heft zu bestellen/zu kaufen; klarer könnte der jüdische Standpunkt ja wohl kaum sein. Die Liste mit den Heeb 100 findet man hier. Interessanterweise ist Maxim Biller (bei Myspace) auf der Liste der Autoren, obwohl er doch eigentlich in deutscher Sprache, obwohl Halt! ein Artikel im New Yorker von Maxim Biller. An dieser Stelle ergeht also wieder der Kaufbefehl!

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Ausgezeichnet und gut aber keinesfalls schockierend neu

Aber bitte!! Herr Broder… im Oktober erschien die Sex-Issue des Heebmagazines und natürlich habe ich hier darauf hingewiesen und jetzt stolpern Sie daher und präsentieren das im SPIEGEL als tolle neue Entdeckung-

Heute gibt es „Heeb – The New Jewish Review“. Heeb ist ein Kunstwort, zusammengesetzt aus „Hebrew“ und „Hip“. Man könnte es mit „hippe Juden“ übersetzen. Ein wenig ist „Heeb“ auch ein Schimpfwort, wie „Negro“ für „Black American“. Und so wie es schwarze Amerikaner gibt, die sich selbst „negroes“ nennen, gibt es Juden, die einander „heeb“ rufen. „Heeb“ erscheint seit Anfang 2002 in New York mit vier Ausgaben pro Jahr.

Um auch mal einen historischen Vergleich zu bringen: Selbst der Skandal um die dänischen Karikaturen begann früher… Das ist alles nicht neues und war schon in vielen jüdischen Blogs häufig zu lesen, selbst im Mai vergangenen Jahres gab es hier schon einen Kaufbefehl für die aktuelle Ausgabe.


Was ist nur los mit diesem Mann, der früher einmal glänzende Werke ablieferte (wie sein Buch Der ewige Antisemit)? Ausgepowert? Und noch fünf lange Jahre bis zur Rente! Dennoch der Link auf den Artikel:
Bibel-Karikaturen: Sex mit Sarah

Vielleicht wollte er uns auch nur sagen: Seht her, das Judentum reagiert anders auf skandalöse Bilder – Nur: Selbst unsere Weisen wußten und stritten nicht ab, dass es in Torah und im Tanach überhaupt, auch Geschichten über Sexualität gibt und nahmen diese auch wahr und gingen zum größten Teil sehr offen damit um. Im Talmud heißt es

Drei sind ein Vorgeschmack der kommenden Welt – nämlich: Schabbat, Sonne und Beischlaf.
Drei ermuntern eines Menschen Sinn – nämlich: Stimme, Aussehen und Geruch.
Drei erheitern den Sinn des Menschen – nämlich: eine schöne Wohnung, eine schöne Frau und schöne Geräte. Berachot 57b

Nur manchmal verschließen sie die Augen vor dem offensichtlichen, obwohl es mir zuweilen vorkommt wie ein Augenzwinkern. Denken wir an die Geschichte von Rut und Boaz. Dort heißt es:

Mitten in der Nacht schrak er auf, griff um sich und da! Da lag eine Frau an seinem Fußende. Megillat Rut 3:8

Interessant zu wissen, woran Boaz das gemerkt haben musste, denn er sagt sofort: Mi at? – verwendet also im Originaltext (Vers 9) die feminine Anspracheform! Möglicherweise ist dem 11jährigen Jeschiwe-Bocher nicht ganz klar, was da gerade passiert, aber die großen Weisen versuchen (mit einem Augenzwinkern also, wie ich finde) die Situation zu retten. Raschi schreibt in seinem Kommentar, Boaz war nachts auf dem Dreschplatz um Torah zu lernen, aber durch das Betasten ihres Kopfes habe er gleich bemerkt, da befände sich eine Frau. Ibn Ezra versucht uns zu erklären, sie habe zu ihm gesprochen und Frauenstimmen seien sofort identifizierbar, oder Boaz habe im Mondlicht gesehen, sie habe keinen Bart. Aha er sieht also das Nichtvorhandensein eines Bartes aber nicht ihre …? Also mit Verweisen auf Sexualität kann man nicht daraus schließen, Juden würden anders auf skandalöse Themen reagieren. Juden meiner Generation kann ich nur raten, mehr Magazine wie Heeb zu lesen, wo jüdisch sein etwas normales ist und Antisemiten nicht die große Rolle spielen, die ihnen hierzulande immer zugedacht wird. Ein jüdisches Heft mit jüdischen Inhalten (meist nichtreligiöser Natur), gemacht von jüdischen Leuten mit einer entspannten Haltung, Selbstironie und ausreichend Zynismus. Für die Post-Broder-Generation halt.