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Als die Alte Synagoge Essen noch nicht alt war

Als die Synagoge, die wir heute als »Alte Synagoge« Essen kennen, im Jahr 1913 eröffnet wurde, war sie natürlich die »neue« Synagoge und architektonisch sehr interessant. Heute noch beeindruckt die Größe der Synagoge. Ihre dicken Mauern haben sie davor bewahrt, vollständig abgetragen zu werden – obwohl sie wohl vorwiegend den Lärm der umgebenden Straßen abhalten sollten.
Der Architekt Edmund Körner dokumentierte sein Werk ausführlich.

Seine Fotografien geben uns heute einen guten Eindruck davon, wie das Gebäude gewirkt haben muss, als es als Synagoge verwendet wurde.
Diese Nutzung dauerte nur etwa 25 Jahre.

Die Fotos sind nun hier das erste Mal digitalisiert und öffentlich verfügbar.

Machen wir also einen kleinen Rundgang und beginnen mit der Fassade. Ähnlich präsentiert sie sich heute auch:

Alte Synagoge Essen - Ansicht von der Alfredistraße aus.

Alte Synagoge Essen – Ansicht von der Alfredistraße aus.

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Creative Commons auf talmud.de

Creative CommonsSeitdem die Haggadah auf talmud.de (Haggadah hier|Bericht darüber hier) erschien und mit einer Creative Commons Lizenz versehen wurde, war eigentlich klar, dass weitere Texte folgen müssen.
Im Idealfall werden diese auch genutzt, weiterverbreitet und zu anderen Werken verarbeitet. Noch idealer wäre es, wenn auch andere Nutzer Dinge (Texte, Übersetzungen, Publikationen) auf der Festplatte liegen haben und diese teilen möchten – damit daraus wieder anderes entsteht. Andere Werke oder Wissen. Im deutschsprachigen jüdischen Bereich ist das ja derzeit noch eine Seltenheit.
Das Upload-Formular und einige Sätze zu diesem Projekt findet man hier auf talmud.de.

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Haggadah online

Ausschnitt aus der Tegernsee Haggadah

Ausschnitt aus der Tegernsee Haggadah

Eine kleines Projekt, in dem schon ein paar Stunden Aufwand stecken: Eine Haggadah online. Diese gibt es nun eine vollständig (hoffentlich) online und in deutscher Sprache. Was eigentlich ein Novum sein sollte; wenn man über eine Haggadah mit hebräischem Text und einigen Illustrationen spricht.
Der eigentliche Beginn der Seite lag in ein paar Basisinformationen zur Haggadah und der Präsentation der Bilder aus einer Haggadah, die im 15. Jahrhundert entstanden ist. Aber dann kamen aber immer mehr Textabschnitte hinzu und schließlich machte es keinen Sinn mehr, den einen Text mit einer Übertragung vorzustellen, aber einen anderen nicht. Das Ergebnis ist also hier zu betrachten.
Schließlich wurde der Text auch unter eine Creative Commons Lizenz (Creative Commons Namensnennung 4.0 International Lizenz) gestellt. Vielleicht verwenden ja deutschsprachige Nutzer den Text als Startpunkt für eine eigene Haggadah und teilen diese ebenfalls (was sie tun müssten, laut Lizenz). Mal schauen, ob das jemand tut.

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Miqra al pi ha-Mesorah

Chumasch

Oberflächlich betrachtet, geben die meisten Torah-Ausgaben den gleichen hebräischen Text wieder. Das gilt auch für die Vokalzeichen und für die Teamim (Kantillationszeichen). Tatsächlich geht es hier ins Detail. Wenige Ausgaben sind genau gleich. Tatsächlich sind die Herausgeber der jeweiligen Ausgaben häufig auch redaktionell tätig geworden. Beispiele sind etwa Mordechai Breuer, der den Text der Ausgabe Keter Jeruschalajim editiert hat, oder die (in Deutschland gängige) Ausgabe von Wolf Heidenheim, oder auch der Tanach von Koren. Zudem gibt es noch, die bei christlichen Theologen verbreitete Biblia Hebraica Stuttgartensia, die nun ebenfalls erneut überarbeitet wurde.
Online gibt es eine Ausgabe von Mechon Mamre, zu der vermerkt ist, dass sie sorgfältig überarbeitet wurde, allerdings ist nicht ganz klar, was dort überarbeitet wurde. Wer also den Text weiternutzen möchte, darf das nicht tun, weil er mit einem Copyright versehen ist. Die anderen Texte übrigens schon gar nich und wer tippt schon den Text komplett ab?

Nun gibt es eine Ausgabe, die Miqra `al pi ha-Mesorah מקרא על פי המסורה , die sich am Aleppo-Codex und zahlreichen weiteren masoretischen Texten orientiert und den redaktionellen Prozess auch transparent gemacht hat (in hebräischer Sprache hier). Auch im Text selber wird auf Varianten hingewiesen:

maso_phrase
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Und auch wichtig: Der Inhalt steht unter einer Creative Commons Lizenz – kann also für andere Projekte weiterverwendet werden. Einige Teile sind noch in Arbeit, aber das vorliegende Ergebnis ist bereits beachtenswert.

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Ahawah Rabbah

Kürzlich berichtete ein Bekannter, dass man in seiner Gemeinde (Ja, in Deutschland) einen Einschub in das Gebet Ahawah Rabba macht. Statt lo nevosch – le’olam wa’ed sagt man in dieser Synagoge lo nevosch ve’lo nikalem ve’lo nikashel le’olam wa’ed. Die Formulierung kommt einem vielleicht bekannt vor, denn sie stammt aus dem s(e)fardischen Ahawat Olam. Also nicht aus Ahawah Rabba. Noch komplizierter: Die sfardische Variante des Ahawat Olam unterscheidet sich wiederum von der sefardischen Variante.

In der angesprochenen Gemeinde gibt es nun eine seltsame (?) Mischung, die zwei Traditionen in Verbindung bringt:
Schon der Talmud erzählt in Berachot 11b von zwei Varianten. Anscheinend ist eines die Tradition Palästinas und eines die Tradition Babylons. Die Aschkenasim haben als Ausgleich (offenbar stets auf der Suche nach einem Kompromiss) Ahawat Olam in kürzer und veränderter Fassung ins Abendgebet übernommen.

Jetzt könnte man meinen, bis auf den Anfang und den Einschub, seien die Gebete gleich. Das dachte ich anfänglich auch, das ist aber nicht so.
Weil der Vergleich von Siddur zu Siddur sehr sehr mühsam ist, habe ich also eine Synopse der Texte erstellt. Vielleicht hat ja noch jemand Interesse daran, deshalb entlasse ich diese Synopse als Creative Commons Dokument in die Öffentlichkeit.
Hinweise sind natürlich herzlich willkommen. Vielleicht kennt ja jemand eine weitere Variante oder kennt eine Herleitung.

Das Dokument kann man hier herunterladen.

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Jüdische Texte Open Source

Sefaria.org

Kürzlich erst berichtete ich von der Idee, wichtige Texte des Judentums so abzulegen, dass sie für alle bereitstehen und auch von allen Nutzern theoretisch erweitert werden könnten. Ein gutes Werkzeug ist google docs und tatsächlich haben viele Nutzer sich die Seiten angeschaut und einige haben pdfs und Word-Dateien heruntergeladen. Den Inhalt verbessert oder verändert hat zunächst niemand.

Während die Dokumente online gingen (buchstäblich zeitgleich), ging jedoch auch sefaria.org testweise an den Start und das bewegt das Vorhaben auf eine neue Ebene. Die Seite ist sehr einfach zu benutzen und macht optisch den Eindruck einer Mischung zwischen Buch und Webanwendung. Für das Offener Talmud Vorhaben wird die Seite sich in Zukunft auch öffnen, denn Deutsch wird als Pflegesprache hinzugefügt werden, das sagte mir der Kopf hinter dem Projekt bereits zu.
Aber nicht nur den Talmud wird es geben, sondern vermutlich auch jeden anderen hebräischen Text. Das Projekt ist eine Benutzeroberfläche für jüdische Texte und hat einige Elemente des klassischen jüdischen Buches übernommen: Randglossen. Allerdings in digitaler Form.

Nun könnte man viel zur Funktionsweise von sefaria.org schreiben, aber die Grundfunktionen habe ich in einem kurzen Video zusammengestellt. Es ist ein kleiner Rundgang:

Was noch fehlt sind Druckfunktionen und Exportformate. Sicher wird das bald folgen. Natürlich fehlen auch weitere Pflegefreiwillige. Das gesamte Projekt kann auch auf einem anderen Server installiert werden. Alle Quellen sind über github verfügbar (programmiert in Python). Hier.

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OpenSource Talmud?

Talmud - Blatt Berachot 2a

Beispiel für eine konkrete Anwendung: Talmud - Blatt Berachot 2a

Auf talmud.de gibt es eine Reihe von Auszügen aus dem Talmud. Allerdings ohne Originaltext. Einfach als Möglichkeit, sich ein kleines Bild zu machen, wie die Texte funktionieren.

Für ein anderes Projekt (den Minchah-Schiur) entstand ein kleines Handout mit der Mischnah Awot (auch bekannt als Pirkej Awot), Hebräisch-Deutsch. Allerdings hätte es hier und da noch einiger Anmerkungen bedurft.
Beim Talmud ist es ähnlich: Warum ist dieser und jener Kommentar nicht dabei? Gibt es den übersetzt? Warum ist jenes Wort so übersetzt? Könnte man nicht etwas hinzufügen?
Dann wurde hier in einem Kommentar angemerkt, dass der Talmud (und eigentlich alle jüdischen Texte) doch eigentlich der Allgemeinheit zur Verfügung stehen müsste und so entstand die Idee für ein Experiment:
Man könnte die vorhandenen Texte in eine Form bringen, die es erlaubt, von vielen anderen Nutzern verändert, gelesen und ergänzt zu werden.
Gedacht, getan: Einige Texte stehen nun über Google Docs zur Verfügung und können im ersten Schritt von allen Nutzern betrachtet werden und von zugelassenen Nutzern auch bearbeitet werden.
Der Text kann schnell und einfach als Word, OpenOffice, RTF oder pdf abgespeichert werden und steht so schon ohne Zwischenlösung schnell zur Verfügung, kann aber auch in andere Software übernommen werden. Etwa in DTP-Programme. Etwa, damit er ausschaut wie auf dem Beispielbild.

In der Bearbeitung sieht ein Auszug der Mischnah Awot so aus:

Mischnah Awot
Im Größenwahn habe ich das Projekt zunächst Offener Talmud (Open Source Talmud) genannt. Die genaue Beschreibung und die genauen Nutzungsbedingungen (etwa, dass Text von jeder Person weitergegeben und weiterverwendet werden kann, solange dies unter den gleichen Bedingungen geschieht, oder dass der Textfür kommerzielle Zwecke verwendet werden darf, wenn die Autoren genannt werden und der Text wieder unter dieselbe Lizenz gestellt wird: Attribution-ShareAlike 3.0 Unported) sind jedem Dokument vorangestellt.

Im Augenblick verfügbar ist

Betrachten (herunterladen etc.) kann den aktuellen Stand jeder, bearbeiten jeder, der sich meldet (über den Kommentar oder das Kontaktformular. Wer einmal daran arbeitet, darf auch selber weitere Bearbeiter hinzufügen.

Technisches:
Interessanterweise kann google docs auch vokalisiertes Hebräisch, sogar mit Umschaltung der Textrichtung. Wie das funktioniert, habe ich hier dokumentiert:

Sollte das nicht zur Verfügung stehen, muss auf der Übersichtsseite der Dokumente das Zahnrad angeklickt werden (oben rechts), dann Einstellungen und dann der Reiter Bearbeiten und dann die (derzeit einzig verfügbare) Option Für Sprachen mit linksläufiger Leserichtung können Sie im Editor Steuerelemente zum Umstellen der Textrichtung einblenden. auswählen.

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Purim – Megillah gefällig?

Zu Chanukkah gab es hier einen Chanukkah-Madrich mit Transliterationen der wichtigsten Gebete und einigen Regeln, die man beachten sollte. Tatsächlich wurden die Dateien auch verwendet und ausgedruckt (leider hat niemand Fotos von den Heftchen in action gesendet).
Nun gibt es auch die Megillah für alle frei verfügbar. Die Gebete sind transliteriert, der Text übersetzt und die Teile der Megille-Lesung, die man laut gemeinsam sagt, sind dementsprechend auch transliteriert:

Die Megillah kann man direkt hier hier herunterladen!

Die pdf-Datei ist frei verfügbar für alle unter der Creative Commons Lizenz .

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Chanukkah kann kommen

Chanukkah kann kommen. Wer gerade kein Siddur zur Hand hat, oder eine Transliteration benötigt, oder jemanden zum Kerzenzünden motivieren möchte oder oder… – kann sich nun das vierseitige Handout herunterladen und hat dann den hebräischen Text, Transliteration und Übersetzung zur Hand. Einige kleine Regeln für Chanukkah sind vorangestellt.
Die pdf-Datei (und eine OpenOffice-Datei) ist frei verfügbar für alle unter der Creative Commons Lizenz .

Das gesamte Dokument kann man hier herunterladen (pdf): Chanukkah-Madrich

Update: Eine russische Version wird auch angeboten (pdf): Chanukkah-Madrich russisch

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Gebet für Eltern neugeborener Kinder

Aurora Mendelsohn hat das HaMapil adaptiert und eine Variante für die Eltern neugeborener Kinder geschaffen. Es ist so ein Gebet für den sicheren Schlaf des Neugeborenen entstanden.
Freundlicherweise hat sie die Texte (hebräisch und englische Übersetzung unter eine Creative Commons Lizenz gestellt und bei OpenSiddur.org zur Verfügung gestellt. Nun gibt es dort auch eine deutsche Übersetzung des Gebets mein Beitrag für OpenSiddur.org. Den Text kann man hier herunterladen. Ist vielleicht nicht perfekt, aber frei verfügbar für alle unter der Creative Commons Lizenz .

Hebräischen Text gemeinsam mit deutscher Übersetzung kann man hier herunterladen (pdf): HaMapil für Neugeborene