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Weg mit der Armbanduhr!

By ??????? [Attribution], via Wikimedia Commons

Rabbi Schmarjahu Josef Chajm Kanievsky
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Armbanduhren gehören nicht an die Handgelenke der Männer. Vielleicht oder eventuell jedenfalls.
Rabbiner Kanievsky hat eine gewisse Autorität für halachische Fragestellungen der Charedim. Nun ware es dem Internetportal Kikar Schabbat immerhin eine Melung wert, zu berichten, dass Rabbiner Kanievsky wiederholte Male darauf hinwies, dass Männer keine Armbanduhren tragen sollten. Dies würde gegen das Verbot לא ילבש verstoßen: Eine Frau darf sich nicht anziehen, wie ein Mann und umgekehrt.
Interessanterweise wies man ihn wohl darauf hin, dass es Fotos von anderen Entscheidern (es wird etwa Rabbiner Elasar Menachem Man Schach genannt) gibt, auf denen sie Armbanduhren trügen.

Rabbiner Kanievsky fügte dann hinzu, dies hätten sie nur getan, bis sie gelernt hätten, dass man dies nicht tun sollte. Naja, könnte man antworten, dass ist nicht so schlimm, das iPhone zeigt die Uhrzeit ja auch an, oder kann sie sogar ansagen. Apps dazu gibts ja im Internet. Ich bin mir aber nicht sicher, ob Rabbiner Kanievsky das für eine gute Idee halten würde…

Der Artikel hat auf Kikar Schabbat jedenfalls zuletzt 93 Kommentare vorweisen können und 342 Facebook (?!) Likes. Verblüffend.

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Jetzt ist es aber verboten!

HaModia Bericht Asifa Jetzt ist es aber verboten haben die versammelten Rabbiner gesagt, wenn man schaut, was bei einer (charedischen) Versammlung herausgekommen ist, die am Sonntag in New York City stattfand.
Superlativ war die Zahl der Anwesenden: 40.000 Männer kamen in das Citi Field Stadion (oder wie die charedische Zeitung HaModia schreibt Myridaden) und hörten, was es zum Internet zu sagen gäbe. Das war nichts wirklich neues. Das Internet ist schlecht, seine Benutzung ist schlecht (ganz gleich, ob Mail, Skype oder das Aufrufen einer Internetseite) und am Besten wäre es, es ganz zu meiden. Natürlich muss man nicht hinzufügen, dass das Ereignis über das Netz gestreamt wurde, damit möglichst viele Menschen es hören oder sehen und da wird erneut deutlich, dass Realität und Anspruch unterschiedlicher nicht sein können.
Während sich einige Rabbiner noch fragen, wie man das Internet effektiv verbieten kann, nutzen es andere bereits fleißig und tauschen sinnvolle Informationen aus, erhalten Draschot per Mail, kaufen, spenden über das Netz oder halten Verbindung zu ihren Verwandten in Europa oder Israel. Sicher wäre es einfach, die Verwendung mit speziellen Bedingungen zu verknüpfen, aber es ist ganz offensichtlich, dass die geschätzten Rabbinen es nicht schaffen werden, ihren Anhängern das Netz zu verbieten. Es gab wohl kaum ein anderes Thema, bei dem die Meinung der Entscheider so weit von derjenigen abweicht, die sich gemeinhin durchgesetzt hat. Der Effekt wird deren Autorität nicht gerade untermauern.

Hier berichtet jemand über seine Erwartungen an das Megaereignis und dessen vorhersagbaren Ausgang.

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Wie bedeckt müssen Frauen sein?

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Seit den Vorgängen in Beit Schemesch ist die Stimmung aufgeheizt und so mancher Kommentator im Netz oder der Printpresse sieht in der Orthodoxie generell eine Tendenz zur Radikalisierung. Die New York Times hat sich die Mühe gemacht, ein wenig Sachlichkeit in die Debatte einzubringen und einfach mal einen orthodoxen Rabbiner zu Wort kommen lassen. Rabbiner Dov Linzer von der Jeschiwah Chovevei Torah hat deshalb für die New York Ausgabe vom 20. Januar einen kleinen Text dazu verfasst (hier online). Rabbiner Linzer lässt keinen Zweifel an seiner Überzeugung:

This is not a problem unique to Judaism. But the Talmud, the basis for Jewish law, offers a perhaps surprising answer: It places the responsibility for controlling mens licentious thoughts about women squarely on the men.
Put more plainly, the Talmud says: Its your problem, sir; not hers.
von hier

Sein Abschluss ist auch eine Art von Aufruf an diejenigen, die sich lautstark einmischen:

Jewish tradition teaches men and women alike that they should be modest in their dress. But modesty is not defined by, or even primarily about, how much of ones body is covered. It is about comportment and behavior. It is about recognizing that one need not be the center of attention. It is about embodying the prophet Micahs call for modesty: learning to walk humbly with your God. von hier

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Der Wochenabschnitt per Mail

Rabbiner Ozer Alport hat eine Kolumne in der Freitagsausgabe der charejdischen Zeitung HaModia. In dieser greift er sich kurze Abschnitte aus dem aktuellen Wochenabschnitt aus und beleuchtet diese eingehend. Das ist in der Zeitung recht knapp gehalten, aber lesenswert (vorausgesetzt man interessiert sich für den Wochenabschnitt und hat ein wenig Vorwissen). Es gibt aber noch eine ausführliche Fassung. Diese ist kostenlos und kommt wöchentlich per Mail. Das funktioniert nicht über eine ausgeklügelte Website, sondern einfach, indem man Rabbiner Alport eine Mail schickt und ihn darum bittet, das Parsha Potpourri auch zu erhalten. Er wünscht sich mehr Leser und hat nichts dagegen, wenn man seine Artikel ausdruckt und verteilt. Schreibt er jedenfalls in den wöchentlichen Mails. Wer also die Mail erhalten möchte, schreibt an oalport@optonline.net .

Ein Beispiel aus der Mail zur Paraschah Chukat: Weiterlesen

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Jechadschehu

Jechadschehu ist Teil des Gebets für die Ankündigung von Rosch Chodesch in der Woche nach dem Schabbat, an dem man es spricht. Yoely Greenfeld hat das ganze vertont und in ein professionelles Musikvideo gepackt. Aber Vorsicht! Es ist keine richtige Pop-Version, sondern eher eine vorsichtige mit Synthesizer-Geigen und kleinem Männerchor. Charmant die aschkenasische Aussprache. Ob das nun der totale Schmalz ist, konnte ich nicht beurteilen, weil ich total auf die Siddurim in dem Video fixiert war. Erkannt habe ich einen ArtScroll Siddur und ein Exemplar von Tfilot kol peh chadasch (der eine typographische Vollkatastrophe ist, Bild hier). Jeder setzt also bei der Betrachtung der Videos andere Prioritäten.


Yoel(y) Greenfeld? Genau, der tauchte hier schon einmal auf (zusammen mit einem vollkommen ungehemmten Kind).

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Frauen gründlich entfernt

Dieser Ausschnitt aus dem charejdischen Blatt (in jiddischer Sprache) Der Tzaitung ging nicht nur um die jüdische Welt (ursprünglich kam die Nachricht wohl von hier):

Die Redaktion hatte Frau Clinton und eine weitere weibliche Person aus dem Bild gephotoshopped, damit männliche Leser des Blattes nicht durch Abbildungen von Frauen belästigt werden. Was in diesem Spektrum der religiösen Strömungen übrigens keine Seltenheit ist. HaModia beispielsweise bildet grundsätzlich keine Frauen ab.
Bei mir warf es die Frage auf, ob die Bildredaktion dieser Zeitungen wohl einen Bild-Redaktions-Goj (analog zum Schabbes-Goj) beschäftigt, der die Bilder vorsortiert und sich damit beschäftigen darf?

Seit kurzer Zeit ist das kein Problem mehr, denn hasidicphotoshop.com übernimmt das jetzt:

So wie bei dem, oben gezeigten, Bild der Hochzeit des Jahres. Jetzt aber fit für die Veröffentlichung in Der Tzaitung. hasidicphotoshop.com hat noch zahlreiche andere Bilder auf Lager, bei denen die Frauen gründlichst entfernt wurden.

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Hurva Synagoge besetzt

Das Innere der Hurva Synagoge

Das Innere der Hurva Synagoge

Seit dem 15. März 2010 strahlt die Hurva Synagoge im jüdischen Viertel Jeruschalajims wieder im alten Glanz. Seitdem die Synagoge 1948 von jordanischen Soldaten gesprengt wurde, stand sie als Ruine in der Altstadt und erst 2005 wurde der Beschluss gefasst, die Synagoge nach den alten Originalplänen wieder aufzubauen. Schon drei Jahre vor Fertigstellung der Synagoge, im Februar 2007 wurde Rabbi Simcha HaCohen Kook zum Rabbiner erklärt.

Da es sich hier um ein historisches Monument handelt, war recht schnell klar, dass auch der israelische Staat sich an den Baukosten beteiligen würde, ursprünglich sollte der Staat Israel etwa 5 Millionen Euro beitragen, was in etwa 85% der Baukosten abdecken sollte. Federführend war die Company for the Reconstruction and Development of the Jewish Quarter Tatsächlich beschränkte sich die Summe dann auf etwa 2,3 Millionen Euro. Die restliche Summe zahlte der Geschäftsmann Vadim Rabinovich. Theoretisch der Grundstein für eine grandiose Geschichte und einen weiteren Magneten für jüdische Besucher Jeruschalajims. Tatsächlich ist es aber etwas anders gekommen, wie die Jerusalem Post berichtet.
Einige charejdische Juden nutzen die Synagoge nun für sich und sind nicht besonders begeistert über Besucher. Obwohl die Synagoge mit öffentlichen Mitteln bezahlt wurde, bestimmen sie nun, wer zu welcher Zeit die Synagoge anschauen darf und erheben eine Eintrittsgebühr von etwa 6 Euro. Allerdings gibt es auch hier eine Einschränkung: Zu sehen ist die Synagoge nur vom Frauenbereich aus. Der Bereich für Männer bleibt verschlossen.
Die Charejdim gehören zur Gemeinde von Jitzchak Schlomoh Zilbermann, der 2001 verstarb. Etwa 90 Familien gehören zu dieser Gemeinde in der Altstadt und etwa 20 Männer studieren nun den Tag über in der Hurva Synagoge, die nun anscheinend ihre Synagoge ist. Ein ähnliches Vorgehen wurde ja bereits an der Kotel beobachtet (siehe hier).

Creative Commons License Das Bild der Synagoge fällt unter die Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported License. Es stammt von Ranbar.

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Musik für die Simche

Irgendwie seltsam, dass sich charejdische Musiker mit der Musik von Lady Gaga beschäftigen, wirft aber ein interessantes Licht auf den Medienkonsum. Jedenfalls haben die Herren der Combo um Yoel Brach das getan und daraus ein Intro für eine Hochzeit gemacht. Jedenfalls haben sie es nicht schlecht gemacht:

Yoel Brach hat aber auch auf anderen Hochzeiten gespielt und das nicht schlecht. In folgendem Video interpretiert er Adon Olam. Sänger Yoel Greenfeld hängt sich richtig rein und liefert amtlich ab, wie man das heute so sagt. Viel interessanter fand ich jedoch den Jungen, der hinten an den Stühlen lehnt. Man merkt gleich, hier ist eine Simche im Gange…

Jetzt zum zweiten Teil. Yoel Greenfeld dreht richtig auf und auch der Junge ist kaum zu halten: Weiterlesen