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Kaschrut und Politik?

Im deutschsprachigen Raum gibt es mehrere Kaschrutlisten; also Listen in denen man ablesen kann, welche Produkte nun koscher sind und welche nicht. Gemeinden und Organisationen verstehen das als Unterstützung der »observanten« Mitglieder.
Die Gemeinde Kahal Adass Jisroel hat eine erstellt, es gibt eine vom Bet Din Berlin mit Rabbiner Yehuda Teichtal von Chabad Lubawitsch, die Israelitische Kultusgemeinde Wien gibt jährlich eine Liste (»Hamadrich«), es gibt eine Liste der Orthodoxen Rabbinerkonferenz (»Rabbi, ist das koscher?«), die Israelitische Religionsgesellschaft Zürich gibt ebenfalls eine heraus.

In anderen Ländern (außerhalb von Deutschland, Österreich und der Schweiz) gibt es mehrere Organisationen die koschere Lebensmittel zertifizieren und mit einem »Stempel« versehen. Natürlich geht jede dieser Organisationen davon aus, gründlicher zu sein als alle anderen und damit auch vertrauenswürdiger. Ob nun alle Kunden allen vertrauen, ist eine andere Frage. Man soll schon von Personen gehört haben, die Produkte mit bestimmten Zertifizierungen mit spitzen Fingern zurückgelegt haben und den Ladenbesitzer angeschaut haben, als würde der Schweinskopfsülze verkaufen.
Es ist ein Gerücht, dass es Listen gibt, welcher Kaschrutaufseher vertrauenswürdig ist, also keine Koscherliste für Koscherlistenersteller.

Umso erstaunlicher ist es, dass es Leute gibt, die bei Facebook fragen: »Warum brauchen wir jetzt eine zweite Kaschrutliste?« Oder: »Was ist die Absicht dahinter?« Man ist versucht zu antworten: »Aus welcher Parallelwelt kommt diese Frage?« Wie weit weg von der Realität ist denn das?
»Warum brauchen Sie noch ein Buch, Sie haben doch schon eines?«
Wie lautet die nächste Frage? Vielleicht: Warum setzen sich nicht einfach alle Beteiligten weltweit an einen Tisch und geben eine gemeinsame Liste heraus?
Jeder, der schon einmal eine Gemeindevollversammlung besucht hat, wird genau wissen, warum diese Frage naiv ist.
Aber zurück zum Hintergrund der Frage – der ist auch für mich ein wenig demotivierend – denn vor wenigen Wochen schrieb ich einen Artikel für die Jüdische Allgemeine, in dem ich einige Listen vorstellte und eine Vision für die Zukunft entwarf (alle Herausgeber stellen Daten zur Verfügung, Profis bauen daraus eine App). Wenige Tage später präsentiert sich eine nagelneue Liste im Netz und der Artikel ist schon wieder überholt. Nachdem sich lange nichts auf dem Gebiet getan hat und die neue Liste der Orthodoxen Rabbinerkonferenz nicht nur inhaltlich überzeugen konnte.
Jetzt gibt es eine weitere (online): Die des »Vaad haKaschrut Deutschlands«. Hier gibt es (übrigens sehr smart gelöst) Listen von Produkten die »einfach koscher« sind, Listen mit Produkten die »koscher leMehadrin« (also besonders strikt) sind und Listen mit Produkten von denen die Hersteller sagen, sie seien koscher. Darüber hinaus findet man eine Liste aller Firmen, die sich beteiligte Rabbiner angeschaut haben.

Da müsste man eigentlich »Mazal Tov! Schkojach!«

Aber ich schrieb bereits: Manche fragen sich ernsthaft ob das sein muss. Der Hintergrund ist wohl eher politisch, denn der »Vaad haKaschrut« (die Kaschrutaufsicht) ist eine Einrichtung von Chabad und das scheint einigen (jetzt aufgepasst, thematisch passender Kalauer) »nicht zu schmecken«. Wenn es darum geht, es einfacher zu machen in Deutschland koscher zu leben, sollten wir doch eigentlich zufrieden sein, wenn es mehrere Organisationen gibt, die sich damit beschäftigen. Das erhöht Transparenz, die Zertifizierungen liegen nicht in einer Hand und sind somit hoffentlich keinen politischen Spielchen unterworfen.
Also alles gut und ein Angebot mehr verfügbar.

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Den Himmel auf die Erde bringen

Der Rebbe von Lubawitsch ist ein interessantes Phänomen. Ich habe einige Schiurim von Rabbinern gehört, die Chabad eher nicht nahestehen, oder nahestanden und dennoch darüber berichteten, wie sehr die Begegnung mit dem Rebben ihr Leben beeinflusst hat. Der ehemalige Oberrabbiner Großbritanniens, Sir Jonathan Sacks hat auf einer Veranstaltung darüber berichtet (Video hier), wie der Rebbe ihn dazu brachte, Rabbiner zu werden. Aber auch andere Personen berichten spürbar begeistert von den Begegnungen. Ganz egal, wie man zu Chabad stehen mag, das muss man anerkennen. Aber es scheint über die Begegnungen hinaus zu gehen. Auch das, was er gesagt oder gelehrt hat, scheint die Leute erreicht zu haben.
Da Problem: Nicht alles, was er gelehrt hat, kann man sich einfach erschließen. Man müsste sich das Gesamtwerk anschauen und sich die Dinge betrachten, die faszinierend zu sein scheinen.
Tzvi Freeman hat sich die Arbeit gemacht und für 365 Tage das zusammengestellt, was er für die bemerkenswertesten Texte des Rebben hält. Keine, speziell, für seine Anhänger gesammelten, sondern allgemeine Aussagen zur Aufgabe des Menschen auf der Welt und zur sozialen Verantwortung etwa. Freeman nennt diese kurzen Texte »Meditationen«. Ein Begriff, mit dem ich nicht so viel anfangen kann.
Dieses Buch gibt es seit einiger Zeit in deutscher Sprache unter dem Titel »Den Himmel auf die Erde bringen«.

Der Herausgeber, genannter Tzvi Freeman, scheint nicht mit den Lehren von Chabad aufgewachsen zu sein, sondern sie sich erst später angeeignet zu haben. In seinem Vorwort schreibt er darüber, wie er sich mit Lao Tse, Alan Watts oder dem Dalai Lama beschäftigt habe und sich nach der Begegnung mit dem Rebben dem Judentum zugewandt habe. Freeman hat vielleicht gerade deshalb kein halachisches Werk erstellt, sondern eines, dass auf diejenigen zugeschnitten ist, die Spiritualität entdecken wollen. Das Wort hat in den westlichen Gesellschaften einen schalen Beigeschmack, weil Spiritualität häufig eine Weltflucht beinhaltet. Man kümmert sich um das eigene Sein – mehr Ich, weniger Gesellschaft. Heute wäre eines der Stichworte auch »Glück«. »Glück« steht den Menschen zu. Sie dürfen das einfordern und scheitern, wenn es ihnen nicht zugeteilt wird.
Aber zurück zum Buch von Freeman. Durch seine Auswahl zeigt er, dass die Auseinandersetzung mit dem »Ich« nicht bedeuten muss, dass man die Gesellschaft und Familie ausblenden muss, sondern dass das Ich sich einbringt, um für alle etwas zu erreichen. Dementsprechend heißen die Kapitel etwa »Innerer und äußerer Reichtum«, »Die Grenzen des Lichts überwinden«, »Wir sind alle eins« oder »Mikrokosmos Ehe«. Auf die Themen und ihre Auswahl muss man sich also einlassen wollen. Die Sprache bleibt dabei jedoch verständlich und selten abgehoben (doch es gibt ein oder zwei abgehobene Stellen).
Vor den Abschnitten steht jeweils eine Zahl (eins bis 365) – wir ahnen: Man könnte das Buch dazu verwenden, jeden Tag einen Satz oder Abschnitt zu lesen und ihn auf sich wirken lassen.

Blick in »Den Himmel auf die Erde bringen«

Typographisch ist das Buch meisterhaft umgesetzt. Die Schrift, gut ausgewählt, die Seiten und dem Anspruch entsprechend gestaltet. Das Buch hat eine richtigen Leineneinband und einen blauen Farbschnitt auf den Seiten. Es ist also stabil und es überlebt es durchaus, wenn man es länger mit sich herumträgt. Die letzten 365 Tage hat es jedenfalls überlebt und ist noch immer in gutem Zustand. Das war also eine Art literarischer Langzeit-Test.

Ein weiterer Blick ins Buch

Es gibt einen kleinen Kritikpunkt. Er betrifft die zitierten Quellen. Es werden recht viele Verweise auf die Torah, den Talmud, den Midrasch, die Kabbalah zitiert, leider fehlt jedoch eine Liste auf der man diese Stellen nachschlagen könnte. Für den Leser, der neugierig geworden ist, wäre das sicherlich ein hilfreiches Werkzeug.

Zum Abschluss ein Zitat von Rabbiner Schneerson:

Ich war vor dem Krieg in Deutschland, und ich sage euch:
Dasselbe, was damals dort geschah, kann jederzeit überall wieder passieren, wenn Fragen der Moral nicht an den öffentlichen Schulen behandelt werden.

Details zum Buch:
Tzvi Freeman
Den Himmel auf die Erde bringen
ISBN 978-3-9524212-1-5
172 Seiten
20,80 Euro

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Neuer Siddur mit deutscher Übersetzung – ein Vorabbericht

Die letzten Siddurim, die mit deutscher Übersetzung erschienen, waren der Schma Kolejnu und Teffilot lekol haSchanah. Schma Kolejnu war ein echter Meilenstein: Modernes Layout, Anweisungen, Einschübe für besondere Tage. Allerdings nicht für alle Feiertage einsetzbar. Hier fehlten ein paar Seiten. Der alte Siddur Sefat Emet war und ist zwar (ein wenig unübersichtlich und für Einsteiger nicht nutzbar), aber im Vorteil, weil man ihn häufiger nutzen kann. Teffilot lekol haSchanah war/ist ein neuer Siddur für nichtorthodoxe Gemeinden. Er ist in mehreren Bänden erschienen und nicht extrem umfangreich. Eine vollständige Transliteration mit Übersetzung braucht viel Platz. Übrigens hat auch die orthodoxe Rabbinerkonferenz einen Siddur für den Schabbat veröffentlicht – Siddur Schomer Jisrael. Hier schien der Fokus besonders auf der Transliteration gelegen zu haben und ist gestalterisch und herstellungstechnisch eine Zwischenlösung für diejenigen, die noch nicht mit einem vollständigen zwei- oder einsprachigen Siddur beten können.

Jetzt gerade erscheint eine neue Ausgabe: »Siddur Tehillat Haschem« in deutscher Sprache. »Siddur Tehillat Haschem« ist das Standard-Gebetbuch der Chabad-Bewegung. Es gibt eine hebräische Ausgabe, eine englische, eine russische und nun auch eine deutsche. Sie fußt auf der englischen, also zweisprachigen, Ausgabe. Auf diese Weise hat ein gemischtes Publikum Bücher mit den gleichen Seitenzahlen und grundsätzlich mit einem ähnlichen Layout. Deutscher Text ist häufig etwas länger, deshalb kann man nicht von einem gleichen Layout sprechen.
Und genau dieses Layout macht die Struktur der Gebete deutlich und versucht zugleich eine Brücke zu »alten« Ausgabe des Tehillat haSchem und Siddurim im Allgemeinen zu schlagen. Zahlreiche Beter wollen Siddurim die noch so aufgebaut sind, wie sie in der Zeit vor dem Siddur von Artscroll waren. Der Artscroll-Siddur war der erste Siddur, der deutliche Anweisungen gab, Textkästen einführte und den Leser durch das Gebet führte und auch mal ein Gebet mehrfach abdruckte, damit dieser nicht ständig blättern musste. Zudem fügte Artscroll einen Kommentar hinzu. Dieser Siddur war, aus heutiger Sicht nicht der allerbeste Wurf (langer Fließtext in Kursivschrift?!), aber wegweisend für spätere Projekte.
»Siddur Tehillat Haschem« versucht beide Gruppen zu bedienen und ist deshalb interessant. Die Wahl der hebräischen Schrift folgt ebenfalls diesem Ansatz: Es ist eine erneuerte Variante einer klassischen Siddurschrift.
Anmerkungen sind deutlich erkennbar und hervorgehoben. Einschübe in die Gebete für besondere Anlässe sind ebenfalls klar kenntlich gemacht und leicht zu verwenden. Zu einigen Gebeten gibt es Transliterationen im Anhang. Der ungeübte Beter dürfte also durch das Gebet gelotst werden.

Die Übersetzung orientiert sich an den vorhandenen deutschen und verbindet auch an dieser Stelle die Traditionalisten mit denjenigen, die eine aktuelle Übersetzung fordern. So verwendet man das Wort »Ewiger«, um den Namen G-ttes (HaSchem) zu umschreiben – so wie es auch schon in Siddurübersetzungen anderer Herausgeber praktiziert wurde.

Siddur Tehillat HaSchem Detailansicht der Amidah

Siddur Tehillat HaSchem Detailansicht der Amidah

Zum Inhalt: Auch wenn der Siddur für einen Nussach gemacht ist, der nicht in allen Gemeinden praktiziert wird, so dürfte es der vollständigste Siddur mit deutscher Übersetzung seit langer Zeit sein.

  • Gebete für Kinder
  • Das Morgengebet für Werktage
  • Segenssprüche (für Reisende, für verschiedene Mitzwot, über Speisen, Tischgebet, bei der Hochzeit etc.)
  • Minchah (das Nachmittagsgebet)
  • Ma’ariw (das Abendgebet)
  • Gebet vor dem Schlafengehen
  • Gebete für den Schabbat
    • Minchah für Freitag
    • Kerzenzünden
    • Kabbalat Schabbat
    • Abendgebet
    • Smirot
    • Kiddusch für Freitagabend
    • Morgengebet
    • Kiddusch für den Tag
    • Minchah für Schabbat mit den übersetzten Pirkej Awot
    • Dritte Mahlzeit
    • Hawdalah
  • Heiligung des Mondes (Kiddusch Lewanah)
  • Segenssprüche über den Lulaw
  • Hallel
  • Gebete für Rosch Chodesch
  • Gebete für die Festtage
    • Eruw
    • Kiddusch
    • Amidah für Festtage
    • Jiskor
    • Mussaf für die Festtage und Chol haMoed
    • Priestersegen
    • Gebet um/für Tau
    • Gebet um/für Regen
    • Gebete für den Vorabend von Rosch haSchanah
    • Gebete für den Vorabend von Jom Kippur
    • die Hoschanot
    • Hakafot für Simchat Torah
    • Chanukkah
    • Purim
  • Gebete für den Monat Nissan wie eine Haggadah für den Schabbat haGadol, Suche nach Chametz und Pessach-Opfer
  • Gebete für Fastentage, Slichot
    • Behab – hier genannt: für Montag – Donnerstag – Montag
    • für den 10. Tewet
    • für das Esther-Fasten
    • für den 17. Tammus
    • für ein erkranktes Kind (versehen mit dem Zusatz: G-tt bewahre)
    • ein langes Awinu Malkejnu
  • Segenssprüche bei Verlobung und Trauung
  • Beschneidung
  • Auslösung des Erstgeborenen
  • Mischnajot für Trauernde
  • Torahlesungen und eine Liste der Haftarot nach dem Brauch von Chabad

Im Anhang findet man noch Verse für Personennamen, ausgewählte Vorschriften und Bräuche, Regelungen für besondere Tage, Transliterationen, Abbildungen (wie man Tallit und Teffilin anlegt etc.), Trauerkaddisch, Kaddisch de’rabbanan.
Ganz hinten im Buch findet man noch eine Tabelle von Erlaubten und verbotenen Unterbrechungen im Gebet.

Die vorliegende Fassung ist noch nicht die endgültige, deshalb will ich an dieser Stelle noch nicht auf typografische und gestalterische Details eingehen. Möglicherweise werden einige Dinge noch geändert.

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Bejt Din für Nordrhein-Westfalen

Seit Januar gibt es in (und für) Nordrhein-Westfalen ein Bejt Din (ein rabbinisches Gericht). Eine entsprechende Mitteilung wurde heute (10. April 2016) veröffentlicht. Allerdings ist dieses Bejt Din kein Bejt Din von Gemeinden oder Organisationen, sondern mit Rabbinern mit verschiedenen Hintergründen besetzt sein. Einer von ihnen ist Rabbiner Chaim Barkahn, der in Düsseldorf Chabad aufgebaut hat. Derzeit dürfte er der dienstälteste Rabbiner in Düsseldorf sein. Seine Kollegen aus der Jüdischen Gemeinde Düsseldorf wechselten in den letzten Jahre einige Male. Wer die anderen Rabbiner sind, wird wohl nach Pessach offiziell bekannt gegeben.
Das Bejt Din hat angekündigt, sich mit allem zu beschäftigen, was ein Bejt Din so zur Aufgabe hat:
Scheidungen, Klärungen des jüdischen Status, Kaschrut-Aufsicht, monetäre Angelegenheiten sowie Konversion zum Judentum.
Die Neueröffnung eines neuen koscheren Restaurants in Düsseldorf in diesen Tagen (Rimon) steht schon unter der Aufsicht dieses Bejt Din.
Die 30.000 Juden des Bundeslandes könnten sich also nun an eine zentrale Anlaufstelle in Düsseldorf wenden und wären theoretisch nicht mehr darauf angewiesen, sich durch die Gemeinden und Gemeinderabbiner zu fragen – zumal nicht alle Gemeinden einen eigenen Rabbiner haben. Die Zusammensetzung soll wohl auch sicherstellen, dass kein Geschmäckle entsteht, wenn Gemeinderabbiner X sich mit seinem Gemeindemitglied Y beschäftigen soll, oder Jude X kein besonders gutes Verhältnis mit der Gemeinde hat, bei der Rabbiner Y angestellt ist. Das soll schon vorgekommen sein.

Ob die Gemeinden begeistert reagieren, wird sich zeigen. Jedenfalls müsste kein ad hoc Bejt Din mehr zusammengerufen oder organisiert werden – wenn Bedarf ist.
Gespannt darf man sein, welche Namen nach Pessach dann noch genannt werden und wie das die Entwicklung der Gemeinden insgesamt beeinflussen wird.

Praktische Information: Anfragen werden in deutscher, russischer, hebräischer, englischer und jiddischer Sprache entgegen genommen.
Zu erreichen wäre der Bet Din NRW Telefon 0211 – 514 4191, Fax 0211 – 514 4190 oder unter der Emailadresse bet.din.nrw@gmail.com

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The Heart and the Wellspring

The Heart and the Wellspring in Gelsenkirchen

The Heart and the Wellspring in Gelsenkirchen

Energiegeladen und dynamisch. Mit dieser Beschreibung könnte man die Rückschau auf das Konzert von »The Heart and the Wellspring« oder eigentlich »HaLew Wehama‘ajan הלב והמעיין« (am 5. November 2015) in der Synagoge Gelsenkirchen gleich wieder beenden und hätte damit alles gesagt.
Von der ersten Minute des Auftritts an, nahmen die fünf Musiker ihr Publikum mit auf einen wilden Ritt durch verschiedene Musiktraditionen und da passte es ganz gut, dass die Musiker auch aus verschiedenen Traditionen kommen. Das ist schon rein optisch gut erkennbar. Chilik Frank trägt Schläfenlocken (endlich hatte das Publikum einmal einen »echten« Juden bei den Klezmerwelten) und ist Breslover Chassid, Ariel Alaev trägt die Kopfbedeckung der bucharischen Juden und stellte sich in einem kurzen russischen Redebeitrag auch als bucharischer Jude vor. Er nahm dies zum Anlass, ein Lied aus Duschanbe zu spielen und katapultierte das Publikum mit Energie in eine vollkommen andere Musiktradition.

The Heart and the Wellspring in Gelsenkirchen

The Heart and the Wellspring in Gelsenkirchen

Naor Carmi, beschrieb zu Beginn des Konzerts kurz die musikalische »Vision« der Gruppe: Die Musik der verschiedenen chassidischen Gruppen zu sammeln, neu zu interpretieren und einem breiten Publikum zugänglich zu machen. Aber dennoch spielte die Band nicht nur chassidische Musik (mit recht vielen Niggunim aus der Tradition von Chabad). Auch traditionelle Stücke wie »Schalom Alejchem« waren Bestandteil der Zugabe.
Naor Carmi (am Kontrabass), der stets lächelte und bescheiden von der Musik erzählte, aber auch begeistert von den Zaddikim (»Männer ohne jedes Ego«), berichtete, scheint aber das musikalische Gehirn der Gruppe zu sein – auch wenn Chilik Frank aufgrund seiner auffälligen Erscheinung zumindest optisch im Vordergrund steht. Carmi schreibt die Arrangements und hat sich in Israel übrigens auch viel mit arabischer Musik beschäftigt. Akiva Turjeman gab den Songs mit seiner Stimme – wie soll man das nennen – einen israelischen Style.
Asaf Zamir (Perkussion) ist anscheinend ein Mizrachi-Jude und auch er ließ in eine andere Musiktradition blicken, machte aber auch ein wenig Beatboxing und trommelte mit Hilfe seines Kopfes oder auf seinem Kopf und spielte in Zusammenarbeit mit dem Publikum. Das kam natürlich gut an. Fast so gut wie das Hava Nagilah, dass die Gruppe ebenfalls präsentierte und das war einer der wenigen Augenblicke in denen man den Eindruck hatte, hier wird dem Publikum doch das gegeben, was es verlangt. Auf der anderen Seite merkt man, dass die Jungs echte Bühnenprofis sind und diese Dinge offenbar gut dosiert zum Einsatz bringen. Vielleicht präsentieren sie einem israelischen Publikum einen anderen Querschnitt aus ihrem musikalischen Werk.

Vielleicht war es gar nicht so schlecht, dass das Konzert zeitlich vom Klezmerworkshop abgekoppelt war. Wären die jungen Teilnehmer des Workshops im Publikum gewesen, hätten sie vermutlich bei der überbordenden guten Laune das Zentrum der Jüdischen Gemeinde vollständig zerlegt.

Für jüdische Zuschauer und Zuhörer war der Auftritt von »HaLew Wehama‘ajan הלב והמעיין« ein großes Ereignis. Für nichtjüdische Zuhörer eine weitere Erinnerung daran, dass da nicht Musik von gestern gespielt wird, sondern durchaus auch von heute – mit Pop-Qualität. Jiddisch ist übrigens auch keine Sprache von gestern. Das zeigte Chilik Frank, der als jiddischer Native-Speaker die Musik kommentierte.

Der Sound vor Ort hatte übrigens Studioqualität.

“the heart and the wellspring” in #Gelsenkirchen #hassidic #chassidic #music #eliyahu #jewish #hebrew #jüdisch

Ein von Chajm Guski (@chajmke) gepostetes Video am

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Kurzer Einblick in eine jüdische Hochzeit

In Montreal wurde jüdisch geheiratet (ja, soll häufiger vorkommen) – Levi Chayo und Mushky Krasnianski, beide aus Chabad-Familien – und das Lokalfernsehen war dabei.

Es gibt Fotos und zwei Videos – es ist nicht sehr lang. Wer also einen Blick auf/in eine jüdische Hochzeit werfen möchte, hat hier die Gelegenheit:

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Rosch haSchanah – Rückschau

Shofar on Rosh haShanah - #roedelheim #machzor

An Rosch haSchanah ist auch Rückschau angesagt. Hier im doppelten Sinne. Auf das persönliche Rosch haSchanah und insgesamt auf das gesamte Jahr im Allgemeinen. Dass man am Ende des Jahres zurücksieht, ist ansonsten keine besondere Neuigkeit.
Man schaut, was das vergangene Jahr gebracht hat, aber man sollte nicht vergessen zu schauen, wo man vielleicht selber vollkommen daneben gelegen hat. Im Idealfall kommt man über diesen Weg darauf, was man im Folgejahr verbessern müsste. So baut man an sich selber weiter. Im Sinne von Rabbiner Josef Soloveitchik, der schreibt, dass Teschuwah ein aktiver Akt des Menschen sei. Der Einzelne erschaffe in diesem Prozess der »Teschuwah« ein vollkommen neues »Ich« und deshalb ist sie individuell.

Im schlechten Fall schreibt säuert man formelhafte Entschuldigungen zwischen Rosch haSchanah und Jom Kippur ab – über facebook, twitter oder per Mail »Ich entschuldige mich bei allen, denen ich bla bla bla«. Möglichst unpersönlich und wenig anlassbezogen.

Aber auch im größeren, organisatorischen, Rahmen: Was kann man verbessern und ändern? Wie kommen wir alle besser weg? Strukturelle Veränderungen?

Und wenn wir über strukturelle Veränderungen, mit Bezug auf das Judentum in Deutschland, sprechen, kommen wir um einen großen Spieler nicht herum: Chabad.
Deshalb habe ich die Aussicht darauf, einer von 10 Betern zu Schacharit in einer nicht so sehr kleinen Synagoge zu sein, kurzerhand gegen eine kleine Chabad-Synagoge eingetauscht.
Die kleine Synagoge war bis auf den letzten Platz besetzt und nahezu alle Beter machten aktiv mit und vermissten keinen Einsatz in den Pijutim oder sonst überall, wo Interaktion mit dem Vorbeter/Schaliach Tzibur gefragt ist. Es gab sogar Birkat Kohanim und bei Mussaf war ich der einzige, der nicht vollständig auf dem Boden kniete – obwohl dieser mit Teppich ausgelegt war. In den letzten Jahren wäre ich der einzige gewesen, der das gemacht hat und irgendwie kommt man sich dann doch freaky vor, wenn einen die anderen Beter fragend beobachten. Der Nussach Ari (Machzor zum anschauen) weicht in Bezug auf die Schmoneh Essre und Mussaf nicht gravierend vom aschkenasischen Ritus ab. Die Psukej de’Zimrah sind jedoch ein wenig verwirrend, wenn man mit einem aschkenasischen Machzor mitbetet.
Die Atmosphäre war dicht, dem Tag angemessen und offen. Deshalb war es kein Problem, sich unter die Stammbeter zu mischen. Durch die kleine Synagoge hatte alles auch irgendwie einen informellen Charakter – möglicherweise würde dieser in einem größeren Gebäude auch verloren gehen.
Kurzum: Als Beter fühlte man sich wohl. Sicher ist dies ein(!) Mosaiksteinchen des Erfolges von Chabad, aber natürlich ist eine solche Atmosphäre nicht nur durch Chabad oder den lokalen Abgesandten von Chabad, herstellbar.
Ich hatte jedenfalls nicht den Eindruck, die Anwesenden würden dort ihre Zeit absitzen.
Ein angenehmer Beginn von 5774 – auch in der Rückschau.

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Die Rabbinerkonferenzen – Freunde?

Briefwechsel Rabbinerkonferenzen

Eine ganze Zeit lang gab es in Deutschland zwei Rabbinerkonferenzen. Die Orthodoxe Rabbinerkonferenz der orthodoxen Rabbiner und die Allgemeine Rabbinerkonferenz für die meisten Rabbiner, die nicht Mitglied der Orthodoxen Rabbinerkonferenz sind oder waren und zu verschiedenen Strömungen des Judentums gehören.

Wenn man gewisse Spannungen erwartet hätte, hätte man sie natürlich hier erwartet. Doch mit der wachsenden Anzahl von Chabad-Rabbinern, wurde eine weitere Rabbinerkonferenz begründet, die allerdings Deutscher Rabbinerrat heißt. Weil von der wachsenden Anzahl von Chabad-Rabbinern die Rede war, ist klar, zu welcher Strömung die Mitglieder dieser Konferenz größtenteils gehören: Zu Chabad.
Es hat den Anschein, als sei das notwendig geworden, weil die Orthodoxe Rabbinerkonferenz keine Chabad-Rabbiner aufnehmen wollte.

Die beiden Organisationen existierten ersteinmal unabhängig voneinander und dann muss es Widerstand gegen die Formierung des Rabbinerrates gegeben haben, denn, so berichtet jedenfalls Chabad, wandte sich jemand offenbar an das Oberrabbinat des Staates Israel, genauer gesagt, an den sefardischen Oberrabbiner Schlomoh Amar und der wiederum wandte sich mit einem Brief an Chabad.

I turn to you, dear Rabbis of Germany, and call upon you to try and find what unites the Jews for the sake of G-d, and not what causes Machlokes (Chas V’Shalom). It is befitting for the honor of Torah that all Orthodox forces in Germany united together and work hand in hand in the face of the challenges and important missions which are facing you, and I do not see any obstacle in your path.
Auszug aus der englischen Übersetzung von hier

Chabad wiederum antwortet darauf und lässt wenige Fragen bezüglich der Einschätzung der Orthodoxen Rabbinerkonferenz offen:

It is true that Germany has an organization of modern-Orthodox Rabbis known as the ORD, which unites the Rabbis of the official communities, but for some odd reason this organization is only willing to accept Rabbis of official communities, and is steadfastly refusing to accept religious Rabbis, leaving the vast majority of religious Rabbis without any central body supporting them.

This is not the place to present all the shameful episodes and harrassment which the ORD has given to Rabbis who tried to join their ranks, we will just present a few short points, and hopefully at some point the Rabbi will grant us the opportunity to present the complete picture.

The Rabbi is surely aware of the sad situation in Germany, which has official communites which are affiliated with the Reform movement, and some communities which are „united“ (that have both an orthodox and reform departments), but even the latter do not follow the Torah way.
Auszug aus der englischen Übersetzung von hier

Der Autor des Artikels, Shalom Abramowitz, zeigt ebenfalls eine klare Haltung zur religiösen Ausrichtung der ORD:

The genuinely Orthodox Rabbis (including Chabad Rabbis) have been trying as much as possible to influence their local communities to adhere to Halachic standards and to to fall for any Reform-Style ideas presented by the ORD.
von hier

Eines steht fest: Langweiliger ist es durch den Zuwachs nicht geworden.
Doch die Differenzen werden vermutlich nicht durch das israelische Oberrabbinat gelöst werden, sondern irgendwann die Tatsache, welche der beiden Konferenzen tatsächlich mehr Einfluss auf ihre Anhänger haben.

Warum man sich übrigens an das Rabbinat des Staates Israel wendet, ist mir noch nicht so ganz klar. Es ist ja für den Staat Israel zuständig und nicht für Deutschland.

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Chabad jetzt auch im Ruhrgebiet

Chabad macht nun den Sprung von Düsseldorf ins Ruhrgebiet. Lange Zeit hatte es den Status eines Gerüchts, nun aber ist es sicher, dass Rabbi Vilenkin und seine Frau in Dortmund schon im November/Dezember aktiv werden und Rabbi Schmuel Aranoff wohl im Dezember das Chabad-Zentrum in Essen eröffnet.

Das bedeutet noch mehr Dynamik im Ruhrgebiet und macht es dem Beobachter noch schwerer, die Zusammenhänge zu verstehen:
In Dortmund ist eine weitere Gruppe ein Novum, in Essen gibt es neben der Gemeinde bereits heute eine orthodoxe Gruppe außerhalb der Jüdischen Kultusgemeinde vor Ort und hat mit dieser nicht viel zu tun. Diese Gruppe wird wiederum vom neuen Netzwerk Bund Traditioneller Juden unterstützt. In diesem wiederum ist der Vorstand der Jüdischen Gemeinde Gelsenkirchen aktiv. In Gelsenkirchen wiederum trifft sich der Minchah-Schiur, der aber die Infrastruktur der Jüdischen Gemeinde nicht nutzen kann/darf.
Wenn Konkurrenz wirklich das Geschäft belebt, dann wird das Ruhrgebiet, trotz sinkender Mitgliederzahlen, eine lebendige Region.

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Über Chabad sprechen

Sprechen über Chabad kann spannend sein und dazu führen, dass man über die eigenen Strukturen spricht und sie hinterfragt.
Wenn man in einem jüdischen Umfeld über Chabad spricht jedenfalls.

Am 2. Mai lud die Alte Synagoge Essen in der Reihe Donnerstagsgespräche zu einem Vortrag über Chabad. Die Veranstaltung wurde auf Facebook so angekündigt:

Vortrag: Die Lubawitscher Chassidim
eine jüdische fundamentalistische Strömung

Tatsächlich aber wollte der Referent, Professor Micha Brumlik diesen Standpunkt so nicht teilen und sieht in den Anhängern von Chabad keine Fundamentalisten.
Tatsächlich war dies eine Frage aus dem Publikum, das nahezu ausschließlich aus interessierten Nichtjuden bestand. Vielleicht waren drei Juden im Publikum und tatsächlich richtete sich der Vortrag eher an Einsteiger in die Materie.
So schilderte Professor Brumlik in nucem die Geschichte der drei Rebben, streifte die spezielle Sicht von Chabad aufs Judentum und verweilte etwas länger bei den Punkten, denen man häufiger begegnet, die aber für Chabad offenbar nicht im Zentrum des Interesses stehen. Zum einen, dass die Seelen der Juden sich von denen der Nichtjuden unterscheiden (Übersetzung des Textes aus dem Buch Tanja und Kommentar dazu hier). Zum anderen, dass es Chabadniks gibt, die im letzten Rebben den Maschiach sähen.
Beide Details sind ein wenig überholt. Dass Rabbiner Menachem Mendel Schneerson der Maschiach sei, ist keine Mainstream-Annahme innerherhalb von Chabad. Das schob Professor Brumlik später jedoch auch nach. Kurz erwähnt wurde, was heute im Vordergrund der (erfolgreichen) Arbeit von Chabad im Vordergrund steht, nämlich das Engagement der Familien des jeweiligen Rabbiners.

Vor einem jüdischen Publikum hätte man vielleicht die Frage diskutieren können, wie Chabad es schafft, Infrastrukturen zu schaffen, wo etablierte Gemeinden zuvor scheiterten. Lokale Fragen nach dem Wirken wurden aus dem Publikum gestellt, konnten aber nicht hinreichend beantwortet werden, weil Professor Brumlik aus Frankfurter und Berliner Perspektive berichten konnte, die lokalen Konstellationen nicht kennt.
Die Fakten waren weder neu (für engagierte Juden jedenfalls nicht), noch spannend.
Vielleicht, weil der Vortrag auf ein nichtjüdisches Publikum zugeschnitten war, fehlten Verweise auf die, für Deutschland ja recht neue, Konkurrenz zwischen verschiedenen Strömungen und Auffassungen darüber, wie Gemeinden organisiert sein sollten. Der Zielgruppe dürften die Informationen ausgereicht haben, um selber tiefer in die Materie einzusteigen.

In weiten Zügen wurden die bisherige Ausführungen von Professor Brumlik zum Thema Chabad etwas unspektakulärer präsentiert und weniger zugespitzt. Das emotionalisierte und elektrisierte natürlich nicht besonders und lies den Abend etwas brav geraten. Jedenfalls braver, als ich es erwartet hätte.
Übrigens ist es begrüßenswert, dass man überregional bekannte Referenten einlädt und den Meinungsaustausch nun zumindest ermöglicht hat. Eine stärkeres jüdisches Interesse wäre auch begrüßenswert.