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Zwei Meldungen zu Synagogen

Zwei Meldungen, die unterschiedlicher nicht sein könnten:

  • aus Berlin: Die Synagoge Fraenkelufer boomt – dank Facebook, schreibt der Deutschlandfunk hier. Die Synaoge scheint gerade auf einer Beliebtheitswelle zu reiten und immer mehr jüngere Juden zu begeistern. Was hat man dort richtig gemacht? Wenn man ich es richtig verstehe, dann hat man Engagement zugelassen und einfach mal laufen lassen.
  • Die Synagoge Luzern muss wohl schließen, berichten die Schweizer Zeitung »Der Bund« und das Online-Magazin zentral+. Der Artikel von zentral+ lässt jedoch eine gewisse abwertende Tendenz erkennen. Er sieht das Problem vor allem in der Orthodoxie, die hier als abgrenzend wahrgenommen wird. Tatsächlich nimmt die Gemeinde keine Mitglieder auf, die in Mischehen leben. Interessant, was passieren würde, wenn man das auch in Deutschland einführen würde. Das würde die Mitgliederzahlen dramatisch sinken lassen.

Irgendwo zwischen den zwei Meldungen finden sich zahlreiche Gemeinden wieder.
Einige spüren die sinkende Gesamtzahl der Gemeindemitglieder in Deutschland, andere arrangieren sich irgendwie und suchen nach Auswegen. Ein winzigkleines Erfolgsrezept (funktioniert nur in Gemeinden, die zumindest manchmal von Interessierten besucht werden) scheint jedoch zu sein (bitte nachmachen), dass Gemeinden, die sich um neue Gesichter kümmern, diese neuen Gesichter auch vermutlich wiedersehen. Ich war schon in einigen Gemeinden, in denen ich von der Ankunft bis zum Aufbruch unbehelligt blieb. Zwar wurde über den Besucher gesprochen, aber nicht so sehr häufig mit ihm. Es fehlt also scheinbar am »Neue-Leute-Management« und vielleicht kann man neue Gesichter mit einem freundlichen »Schabbat Schalom – schön jemanden neuen zu sehen«, als mit einem »Haben Sie das Handy ausgemacht?«.

Zitat

Fraenkelufer

»Keine Synagoge muss leer sein. Wo Leute die Initiative ergreifen, sich nicht bremsen lassen, dranbleiben, auch wenn es schwierig wird, da bewegen sie auch etwas. Und das spornt dann wieder andere an«, so Jonathan Marcus. Das sei der Schlüssel für ein lebendiges Gemeindeleben: aktiv sein von unten und nicht institutionalisiert von oben.

Jonathan Marcus zur Belebung der Synagoge Fraenkelufer in der Jüdischen Allgemeinen(hier)

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Wieder Neues aus Berlin

Am 27. Januar 2014 konnte über die neue Gemeinde Kahal Adass Jisroel berichtet werden. Diese ist unabhängig von der Einheitsgemeinde. Nur zwei Monate später gibt es eine weitere unabhängige Gemeinde. Die »Unabhängige Synagogengemeinde Berlin – Bet Haskala«, die sich ganz klar im Reformjudentum positioniert. Damit wären zwei große Pole des Judentums abgedeckt. Die Orthodoxie und das Reformjudentum.
Wenngleich es Reformangebote unter dem Dach der Einheitsgemeinde gibt, ist wohl der Kurs der Einheitsgemeinde ursächlich für die zweite Neugründung in diesem Jahr. Nun ist sogar der ehemalige Vorsitzende der Einheitsgemeinde Albert Meyer ausgetreten. Der Vorsitzende der neuen Gemeinde ist Benno Simoni.

Auf der Facebookseite der Initiative wird dies auch deutlich formuliert:

Facebook-Seite der Unabhängigen Synagogengemeinde

Facebook-Seite der Unabhängigen Synagogengemeinde

»Unabhängig von der Willkür übergeordneter Organe, Synagogengemeinde auch über den Schabbat hinaus, Berlin als Ursprung des Reformjudentums- unser Auftrag!« (siehe hier)

Die Frage ist offen, ob die neue Gemeinde dynamisch gewachsen ist, oder ob sie eine Struktur schaffen will für einen Inhalt, der erst noch hineingefüllt werden soll. Aber es ist ein starkes Symptom dafür, dass sich diejenigen, die aktiv sein wollen, nicht mit den Strukturen auseinandersetzen wollen, sondern sich andere Wege suchen. Für eine Gemeinde natürlich keine günstige Entwicklung.

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Neues aus Berlin

Das jüdische Berlin ist so groß, dass eigentlich jeden Tag etwas passieren müsste. Dynamisch ist die Stadt auf jeden Fall.
Kürzlich habe ich gelernt, dass es eine weitere Kahal Adass Jisroel in Berlin gibt, die am 28. Januar 2014 offiziell gegründet werden wird. Nicht zu verwechseln mit der Israelitischen Synagogen-Gemeinde Adass Jisroel. Die Kahal Adass Jisroel ist offensichtlich modern-orthodox orientiert und ist im Verbund mit dem Rabbinerseminar zu Berlin zu betrachten. Also alles Einrichtungen, die Lauder nahestehen.

Dann kümmert sich Chabad um die zahlreichen Israelis in Berlin, oder zumindest bemüht sich Chabad um die Israelis in der Stadt. Eine Einrichtung am Alexanderplatz scheint auch recht gut zu funktionieren.

Mit den Mitteln des Films könnte man die Dynamik darstellen, die wir gerade betrachtet haben und dann ein »Inzwischen« einblenden und zur Berliner Gemeinde übergehen.
In der Gemeinde hat die Opposition Neuwahlen gefordert, eine entsprechende Unterschriftensammlung unter den wahlberechtigten durchgeführt und sie der Gemeinde übergeben.
Offenbar sogar mit dem notwendigen Stimmenanteil, der für die Einleitung einer Neuwahl ausreichen würde. Aber der Gemeindevorstand war nicht untätig und griff zu einem Schachzug. Man sandte den Unterzeichnern des Neuwahl-Gesuchs ein Schreiben zu. Dieses solle man an die Gemeinde zurücksenden und bestätigen, dass man die Liste unterzeichnet habe.
Jetzt formulierten die Initiatoren einen offenen Brief an den Zentralratsvorsitzenden Dr. Graumann. Den Brief kann man hier nachlesen.
Langweilig ist es also auf gar keinen Fall. Für Beobachter mag das unterhaltsam sein, aber für die Beteiligten ist das möglicherweise kräftezehrend. Die Beispiele vom Eingang dieses Postings erinnern daran, dass man einiges erreichen könnte…

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JüdischesBerlin! Warum?

Innerhalb Deutschlands gibt es nur wenig Gemeindeblätter, die sich wirklich von der Masse abheben. Frankfurt hat ein hervorragendes, glänzendes, Magazin und Berlin hatte ebenfalls ein glänzendes, kurzweiliges Gemeindemagazin.
Dass man die Formate mit der Zeit ein wenig anpasst und Layouts an den Geschmack der Leser anpasst, versteht sich (hoffentlich) von selbst. Auch große Printmagazine unterliegen ja einer gewissen Evolution. Die Lesegewohnheiten der Zielgruppe ändern sich ja auch.

Nun hat Jüdisches Berlin die Gemeindezeitung/das Gemeindemagazin der Jüdischen Gemeinde Berlin gleich mehrere Stufen genommen und präsentiert sich vollkommen anders.

Bisher sah eine durchschnittliche Seite so aus:
jberlin_alt_uebersicht

Also eine leicht leserliche Serifenschrift, die Überschrift im Text. Text in vier Spalten – dreispaltig wäre vermutlich optimal gewesen. In diesem konkreten Beispiel steht der deutsche Text auf der gegenüberliegenden Seite.
Auf der Außenseite findet man die Seitenzahl mit der Nummer der aktuellen Ausgabe. So ist oben Platz für die zweisprachige Angabe dessen, was sich inhaltlich auf der Seite abspielt.

Das hat man nun geändert:
jberlin_neu

Das Layout ist nun zweispaltig und offensichtlich in Helvetica (und Arial) gesetzt. Die Seitenzahl steht dick unten auf der Seite. Hinzu kommt, dass der Text in den zwei Spalten nicht immer auf der gleichen Höhe liegt und dadurch ein wenig unruhig wirkt. Die Überschrift ist in blauer Schrift über die Spalte gesetzt. Zusätzlich ist man von einem Magazinformat (230×297) zum Format DIN A4 übergegangen. Natürlich muss dann natürlich auch der Satzspiegel nachgezogen werden. Die aktuelle Überarbeitung wirkt jedoch ein wenig radikal und macht einen weniger professionellen Eindruck als zuvor. Die Zeitschrift wirkte wertiger. Warum also die Umorientierung? Immerhin ist das eines der Gesichter, mit denen sich die Gemeinde präsentiert. Bei den eigenen Mitgliedern, aber auch nach außen.

Chabad Berlin hat vorgemacht, wie man ein DIN A4 Format mit Leben füllen könnte. Nicht sehr spektakulär, aber solide.

Falls es weitere Evolutionsschritte geben wird, wäre es vielleicht überlegenswert, einige Elemente des alten Layouts wieder zu reaktivieren?

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Jüdische Witze aus Berlin

Vorsicht: In diesem Artikel geht es nicht um die Gemeindepolitik.

Der Tagesspiegel fand, es sei eine gute Idee, Berliner Juden jüdische Witze erzählen zu lassen und ein entsprechendes Video auf die Webpage hochgeladen (welches man nicht auf anderen Websites einbetten kann). Das Video ist hier zu sehen.
Die Idee ist großartig, auf die hätten eigentlich auch ein paar deutschsprachige jüdische Blogger kommen können (und warum setzt das niemand um? Mobiltelefon rausnehmen, Witz mitschneiden, online stellen!). Bei der Umsetzung hapert es aber massiv. Die Tonqualität ist beispielsweise unterirdisch. Die Witze sind recht brav und irgendwie zündet keiner so richtig (mit Ausnahme des Pizza-Witzes). Plus: Es wird schon wieder der Witz von den Gestrandeten erzählt, die auf einer einsamen Insel mehrere Synagogen bauen. Es bleibt nur zu hoffen, dass das eine ironische Metaebene hat

Als Hinweis für den Tagesspiegel: So geht es richtig.

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Berlin macht weiter

Brief der Allgemeinen Rabbinerkonferenz

Dass es um die Stimmung in der Berliner Gemeinde nicht so sehr großartig bestellt ist, ist im jüdischen Deutschland so normal geworden, dass man gar nicht mehr genau hinhört, wenn Gegner und Apologeten der jeweiligen und aktuellen Gemeindeleitung berichten (in den eigenen Gemeinden gibt es oft ausreichend eigenen Ärger). Nun werden die Stimmen aber so laut, dass man schon einmal hinhört. Jetzt berichten auch die großen Medien in Deutschland über die Vorgänge in Deutschlands größter Gemeinde. Zu einer handfesten Auseinandersetzung ist es gekommen, eine Prügelei, über die offenbar auch im Ausland berichtet wurde.
Hintergrund? Es gibt finanzielle Probleme. Der Senat Berlins hat die Zuschüsse aus dem Staatsvertrag (5,5 Millionen Euro Personal) auf Eis gelegt. Die Gemeinde hat offenbar keinen aktuellen Wirtschaftsplan vorgelegt. Um überhaupt Gehälter auszahlen zu können, wollte der Vorstand ein Grundstück der Gemeinde beleihen. Ein Plan, der zumindest hinterfragt wurde. Auch weil man wohl wissen wollte, welches Grundstück denn genau. Im Verlauf der Abstimmung muss es dann zu den Tumulten gekommen sein und so betraten die Repräsentanten die Bühne der Weltpresse.
Zuletzt musste auch die Allgemeine Rabbinerkonferenz die Gemeinde daran erinnern, dass die Vorgänge keine inneren Angelegenheiten seien, sondern letztendlich auch auf die Gesamtwahrnehmung des Judentums zurückfielen. Der gesamte Brief ist hier dokumentiert. Ein Bericht der Berliner Zeitung hier.
Aber: Es gibt viele (jüdische) Aktive in der Stadt, die all das nicht beeindruckt. Längst nicht alle Juden sind übrigens auch Gemeindemitglieder.

So ging kürzlich die Initiative Hamakom an den Start (irgenwiejuedisch berichtete direkt), die sich für unterschiedliche Facetten jüdischer Identität und Kultur einsetzen und ein sinnstiftendes jüdisches Leben in Berlin erleben und erlebbar machen will. (Zitat von Website), daneben gibt es auch eine Initiative namens deghetto, die israelischen Netzwerke und natürlich viele kleinere Gruppen für verschiedene religiöse Zwecke. Dazu kommen die größeren Spieler, wie Chabad und Lauder. Ruhig ist es um die Gemeinde Adass Jisroel geworden, die keine öffentliche Förderung erhält. Es ist also überall dort lebendig, wo engagierte Leute sich engagieren dürfen. Berlin macht also weiter, während die Gemeinde augenblicklich noch Schlagzeilen macht.
Zusammen werden die Pfade wohl nicht mehr führen.

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Limmud.de 2012

In der Kommandozentrale rauchen die Köpfe, es gibt Aufregung über Druckfehler, Änderungen in letzter Sekunde, Aufstellungen von Ausweich- und Notfallplänen, fröhliche Wiedersehen von alten Freunden, und das Madrichim-Team packt Bergeweise Bastelmaterial aus. Was ist los? Limmud in the City! Erstmals findet dieses nun schon traditionelle Lern-Festival in der Jüdischen Oberschule in Berlin statt, und nicht, wie bisher, auf dem Gelände der EJB Werbellinsee.
Das ist Berlin

Alles Neu bedeutet auch Alles Anders. Es müssen technische Materialien überprüft, Steckdosen gefunden, und Raumplanungen über den Haufen geworfen werden. Auf dem Hof der Schule steht ein riesiges Zelt als Küche und Speisesaal, Bierzelt-Flair mit koscherem Catering. Vor der Schule hat sich eine Bar/Lounge materialisiert, ein Blick hinein übertrifft die kühnsten Erwartungen. Und der Kaffee wird professionell mit aufgeschäumter Milch und Herz-Verzierung vom Barista serviert. Sogar die Pappbecher für den regulären Kaffee zu den Mahlzeiten sind mit Limmud.de – Design. Das Team hat sich, wieder mal, selbst übertroffen! Es ist unglaublich, was diese Leute jedes Jahr auf die Beine stellen, und wie viel Herzblut in die Vorbereitung und Durchführung fliesst. Spätestens nach dem offiziellen Grand Opening lässt der Eröffnungsstreß langsam nach, und auch in der Kommandozentrale (Limmud-Büro in einem Klassenzimmer) wird die Betriebstemperatur etwas heruntergefahren.
Der Programm kommt im neuen Design (und in einer schicken Stofftasche, inclusive Notitzblock) daher, die über 500 Teilnehmer aus Berlin, Deutschland, Europa und der ganzen Welt. Eine kurze Umfrage zeigt, daß viele neue Teilnehmer dabei sind, für die es das erste Limmud ist, aber eine recht große Anzahl ist bereits zum wiederholten Mal angereist ist. Limmudniks, sind, offenbar, Wiederholungstäter.
Dieses Jahr sind mehr und längere Pausen eingeplant als bisher, um die Diskussion unter den Teilnehmern zu fördern, sowie eine lange Mittagspause, was gleichzeitig auch die Entdeckung der städtischen Umgebung ermöglicht.
Inhaltlich gibt es wieder eine gute Durchmischung an Themen: Politik, Religion, Kultur, gesellschaftliche Themen, ebenso eine ekletische Auswahl an Filmen, unter Anderem ein inoffizielles Vor-Screening von Arnon Goldfingers Dokumentations-Film „Die Wohnung“ am Donnerstag.
Am Freitag stand eine Diskussion mit dem Präsident des Zentralrats der Juden Dr. Dieter Graumann auf dem Programm, der sehr offen auf alle Fragen des großen Publikums einging, die eine Vielzahl von Themen umfassten. Zentrales Thema war die Pluralität der Jüdischen Gemeinden Deutschlands, eine Pluralität, die bei Limmud.de bereits lange Tradition hat.
Das dieses Jahr zum zweiten Mal stattfindende Speed-Dating (ab dem zweiten Mal ist es schon Tradition!) war wieder sehr gefragt; mit Spannung wird erwartet, ob es, wie im letzten Jahr, zu weiteren Hochzeiten kommen wird. Ein Bericht über den Ablauf des Datings wird bald in der Jüdischen Allgemeinen erwartet, ein Reporter schlich sich ein, obgleich er schon lange nicht mehr zu haben ist, und wird brandheiß berichten.
An Schabbat wurden dieses Jahr die Synagogen Berlins mit einbezogen, zusätzlich zu vier verschiedenen Minjanim am Veranstaltungsort.
Es gab viel positives Feedback der Teilnehmer zum neuen Veranstaltungsort, es kamen einige Berliner spontan, auch tageweise, und das Angebot der Stadtführungen wurde gut angenommen. Das Flair war natürlich ganz anders, das dörfliche Insel-Gefühl wollte sich nicht so recht einstellen. Dieses Jahr war es eben urban. Mit Coffee-Bar und Lounge.