Artikel

Limmud Ruhrgebiet 2018

Für alle (jüdischen) Bewohnerinnen und Bewohner des Judentums, egal ob religiös oder nicht religiös dürfte »Limmud Essen« ein interessanter Termin werden. Wie 2015 (siehe hier die Rückschau) und 2017 steht die Alte Synagoge Essen einen Tag lang im Zeichen des Austauschs von Jüdinnen und Juden untereinander. Es wird zusammen gelernt, diskutiert, vielleicht auch gemeinsam Musik gemacht. Abhängig davon, für welche Workshops man sich entscheidet. 2015 gab es politische Themen, psychologische, religiöse oder einfach nur kulturelle.

Alle Informationen zur Veranstaltung am 11. Februar 2018 gibt es hier.

Artikel

Eine Torah aus Essen

Die Bilder der Alten Synagoge Essen gingen um die Welt. Ebenso die Nachricht, dass es dort nun wieder Gebete gab. Aber auch an einem anderen Ort hat man an der Geschichte der Synagoge angeknüpft: In New York. Der letzte Rabbiner der in der Synagoge amtierte, Rabbiner Dr. Hugo Hahn, floh nach der Reichspogromnacht in die USA und gründete dort mit anderen Essenern (unter anderem) eine neue Gemeinde. Die HaBonim Gemeinde.

Rabbiner Hahn musste in Deutschland miterleben, wie die Synagoge angezündet wurde und ausbrannte. Aus den Trümmern zog Rabbiner Hahn die Überreste einer Torahrolle. Der aktuelle Rabbiner der Gemeinde, Rabbiner Joshua Katzan hat mir nun Fotos dieser Rolle gesendet. Sie ist in ein Kunstwerk eingearbeitet und hängt im Gemeindezentrum.

Torah aus Essen in New York

Torah aus Essen in New York

Neben der Torah erinnert ein Bild an die Tradition an welche die Gemeinde einst anknüpfte:

Torah und Bild der Alten Synagoge Essen

Torah und Bild der Alten Synagoge Essen

Der Kantor, Bruce Halev, berichtete in einer Mail, dass noch einige der Gemeindemitglieder in Essen geboren wurden. Wenngleich er Rabbiner Hahn nicht mehr kennengelernt hat, so wird die Erinnerung an die Synagoge Essen doch weitergetragen – wie man an dem Bild im Gemeindezentrum sehen kann.

Vielleicht kriegen wir noch heraus, ob die Mikweh, die der Architekt in seinem Grundriss eingezeichnet hatte, nicht vielleicht doch gebaut wurde, aber heute vielleicht noch auf ihre Entdeckung wartet. Bei twitter war das ein kleines Thema:

Die Geschichte der Alten Synagoge Essen ist also nicht an ihrem Ende angelangt. Wie immer in der jüdischen Geschichte hat man die Erinnerung an diesen Ort an einen anderen getragen und sie aufbewahrt. Nach nun 71 Jahren gibt es über das Internet eine Brücke. Heute sehen nun auch Menschen außerhalb der HaBonim Gemeinde die Torahrolle aus den Trümmern der Synagoge.
Übrigens bedeutet HaBonim – die Erbauer.

Dank an dieser Stelle erneut an Rabbiner Katzan für die Übersendung der Fotos.

Artikel

Als die Alte Synagoge Essen noch nicht alt war

Als die Synagoge, die wir heute als »Alte Synagoge« Essen kennen, im Jahr 1913 eröffnet wurde, war sie natürlich die »neue« Synagoge und architektonisch sehr interessant. Heute noch beeindruckt die Größe der Synagoge. Ihre dicken Mauern haben sie davor bewahrt, vollständig abgetragen zu werden – obwohl sie wohl vorwiegend den Lärm der umgebenden Straßen abhalten sollten.
Der Architekt Edmund Körner dokumentierte sein Werk ausführlich.

Seine Fotografien geben uns heute einen guten Eindruck davon, wie das Gebäude gewirkt haben muss, als es als Synagoge verwendet wurde.
Diese Nutzung dauerte nur etwa 25 Jahre.

Die Fotos sind nun hier das erste Mal digitalisiert und öffentlich verfügbar.

Machen wir also einen kleinen Rundgang und beginnen mit der Fassade. Ähnlich präsentiert sie sich heute auch:

Alte Synagoge Essen - Ansicht von der Alfredistraße aus.

Alte Synagoge Essen – Ansicht von der Alfredistraße aus.

Weiterlesen

Artikel

Morgengebet in der Alten Synagoge Essen

Rabbiner Friberg betet vor. Foto mit freundlicher Genehmigung von Ilja Kagan (alle Rechte verbleiben bei Ilja Kagan)  Ilja Kagan

Rabbiner Friberg betet vor.
Foto mit freundlicher Genehmigung von Ilja Kagan – hier sein facebook-Profil (alle Rechte verbleiben bei Ilja Kagan)

Im Dezember, zu Chanukkah, beherbergte die Alte Synagoge Essen schon das Limmud-Festival und erlaubte es einen Tag lang, dass Jüdinnen und Juden sich zu Geschichte, Musik, Tradition, Politik, Gesellschaft, Literatur, Kunst und auch Religion austauschen, diskutieren und vielleicht auch ein wenig lernen. Am Abend zündete man gemeinsam die Chanukkah-Kerzen und nach langer Zeit schien wieder der Schein einer Chanukkiah aus diesem Gebäude heraus auf die Straße.

Jetzt, im März 2016, kam hier ein weiteres Lebenszeichen hinzu. Der Anlass war eine Tagung mit Leuten aus dem gesamten Bundesgebiet: Das Ernst Ludwig Ehrlich Studienwerk wählte Essen als Ort für ein Seminar am 2. und 3. März 2016 in Essen. Im Rahmen der Veranstaltung bot man dann auch ein Schacharit (Morgengebet) an. Im Hauptraum der Synagoge fand also am 2. März 2016 das erste Schacharit seit den Novemberpogromen 1938 statt. Das ist in mehrfacher Hinsicht bemerkenswert. Natürlich historisch, aber auch wenn man sich speziell die Geschichte der »Alten Synagoge« nach 1945 anschaut. Zunächst zweckentfremdet und furchtbar verunstaltet, dann schließlich »Dokumentationszentrum« mit Gedenkstättencharakter und seit einigen Jahren auch »Haus jüdischer Kultur« mit einer starken Öffnung auch in das Jüdische Ruhrgebiet hinein. Und dann noch die Tatsache, dass es da für zwei Tage das Angebot gab, zu einem Werktags-Schacharit zu gehen. Auch wenn nicht wenig Juden im Ruhrgebiet leben, ein Schachachrit an einem Werktag ist immer noch eine absolute Ausnahme (leider – in Dortmund gibt es das noch).

Der Tagungsort war also eine gute Wahl für diejenigen, die davon vor Ort hätten profitieren können – denn prinzipiell hätte jeder (Jude) am Schacharit teilnehmen können und speziell Studenten waren, insbesondere bei facebook, dazu eingeladen worden. Leider verpassten einige Ruhrgebietler diesen Meilenstein des jüdischen Ruhrgebiets, der, im Widerspruch zu seiner historischen Bedeutung (großes Wort) ganz leise daherkam. Rabbiner Shaul Friberg betete vor und unterbrach immer wieder ganz kurz für kleine Anmerkungen und Anweisungen. Die präsentierte er mit einem feinen Gespür für Humor und ohne gezwungene Lockerheit. Gerade für Einsteiger dürfte diese Herangehensweise einen guten Zugang zum Schacharit eröffnet haben.

Gerne wieder und häufiger! Es war großartig, dabei gewesen zu sein.
Möglicherweise belebt die Gründung des Hillel-Hubs Ruhrgebiet die Region noch etwas mehr.
Dazu muss man noch sagen: Der Zuzug von Chabad nach Essen war bisher kaum im Umfeld spürbar. Vielleicht, weil Chabad direkt in der Jüdischen Gemeinde Essen wirkt und deshalb nur eine eingeschränkte Ausstrahlung hat?

Schacharit im Hauptraum der Synagoge.  Foto mit freundlicher Genehmigung von Ilja Kagan - hier sein facebook-Profil

Schacharit im Hauptraum der Synagoge. Foto mit freundlicher Genehmigung von Ilja Kagan – hier sein facebook-Profil

Wer facebook hat, kann sich dort (hier klicken) ein ganzes Album von Ilja Kagan mit den Bildern anschauen.

Artikel

Im Ruhrgebiet wird weitergelernt

Fenster in der Alten Synagoge Essen

Fenster in der Alten Synagoge Essen

Der vorletzte Tag von Chanukkah war der Tag, an dem es in der Alten Synagoge Essen eine Art Regional-Limmud gab und die Synagoge wieder zu einem aktiven Zentrum jüdischer Kultur machte. Viele Räume wurden wieder genutzt, man stritt etwa darüber, ob man Israel kritisieren dürfe, hatte die Möglichkeit sich musikalisch weiterzubilden und zündete am Abend dann gemeinsam im Vorraum der Synagoge die Chanukkah-Kerzen. Das Spektrum der Workshops war groß und es tat gut, sich auch einmal inhaltlich austauschen zu können. Nicht nur Chanukkah-Feier – auch eine Umgebung die dem Thema des Festes gerecht wird: Eine Re-Aktivierung des Judentums. Klingt pathetisch – ist auch so gemeint.

Programm-LimmudAm späten Nachmittag fand ich mich inmitten einer Gruppe von Leuten, in einem Seitenbereich des riesigen Synagogensaals und diskutierte mit ihnen über die zwei Schöpfungen des Menschen gleich zu Beginn der Torah. Ich erzählte, warum mich die Interpretation von Rabbiner Soloveitchik so extrem fasziniert und schilderte ein wenig die Punkte, die ich für wesentliche Beobachtungen im Schöpfungsbericht der Torah hielt. Andere Anwesende ergriffen die Möglichkeit, sich über den Text auszutauschen und es wurde schnell auch sprachlich (und sehr präzise) argumentiert. Warum wird im Hebräischen jene Formulierung verwendet und nicht eine andere? Woher nehmen die früheren Kommentatoren die Gewissheit, dass der erste Mensch beidgeschlechtlich geschaffen wurde? Was spricht dafür? Was dagegen?
Aber mit dem Ende des Limmud-Tages muss das aber nicht enden: Der Minchah-Schiur, der nun schon seit Ende 2011 existiert, knüpft (also ein paar Enthusiasten und meine Wenigkeit) genau da an: Austausch über jüdische Inhalte in einer entspannten Atmosphäre.
Es geht weiter am 10. Januar 2016 in Gelsenkirchen. Jüdische Bewohner des Ruhrgebiets sind herzlich eingeladen, sich auszutauschen. Details und einen Link zu einer Mailingliste gibt es hier.

Interessant dürfte sein, ob die Person, welche die Idee hatte, die Synagoge an den Hohen Feiertagen mit Leben zu füllen, die Idee weiterverfolgt. Das wäre ein sehr interessantes Projekt.

Artikel

Limmud im Ruhrgebiet – Alte Synagoge Essen

Fenster in der Alten Synagoge Essen

Fenster in der Alten Synagoge Essen

Die Alte Synagoge Essen ist heute ein Haus jüdischer Kultur. Lange Jahre war die Synagoge ein Gedenkort und ein Ort an dem Pfarrer (ein wenig Polemik darf an dieser Stelle erlaubt sein) über das Judentum referiert haben.
Doch heute ist die Situation eine andere. Das Haus hat seit dem Weggang der langjährigen Leiterin einen Sprung nach vorne gemacht. Die Dauerausstellung informiert über das Judentum und das jüdische Leben, aber nicht nur aus einer religiösen Perspektive und ist nicht nur Ablageort für alte Kultgegenstände. Es geht auch um jüdische Identität und alles, was damit zu tun hat. Viele Dinge kann man anfassen, einige Sachen ausprobieren und die Architektur auf sich wirken lassen. Das Haus wird gerne besucht, auch wenn es heute nicht als Synagoge dient. Heute ist das Gebäude also nicht nur von außen eine Sehenswürdigkeit.

Flur in der Alten Synagoge

Flur in der Alten Synagoge

Und jetzt geht man noch einen Schritt weiter: Das Haus hat sich Limmud geöffnet und steht damit an einem Tag Jüdinnen und Juden zur Verfügung um sich zu Geschichte, Musik, Tradition, Politik, Gesellschaft, Literatur, Kunst und natürlich auch Religion auszutauschen. Übrigens unabhängig vom Alter.
Und das alles am Vorabend des letzten Chanukkah-Tages – am 13. Dezember 2015. Alle Informationen dazu gibt es übrigens hier. Es steckt vermutlich keine tiefere Symbolik dahinter (immerhin ist Chanukkah das Fest der »Tempelwiedereinweihung«), aber es ist eine gute Gelegenheit für diejenigen, die im Ruhrgebiet und drumherum leben, sich auszutauschen und ein paar neue Gesichter zu sehen. Ganz nebenbei ist, wie gesagt, das Haus schon eine Attraktion. Wenngleich an diesem Tag recht viele Chanukkahfeiern in den lokalen Ruhrgebietsgemeinden sind, so kann man doch erwarten, dass dieser Tag etwas besonderes werden dürfte. Hoffentlich, vielleicht, eventuell … etwas vergleichbares gab es im Ruhrgebiet noch nicht.

Wer sich überlegt zu kommen, sollte einfach kurzentschlossen hier klicken und sich anmelden.

Der Vollständigkeit halber: In Dortmund gab es schon einmal (2012) eine lokale Ausgabe eines Limmud-Tages. Die wurde aber recht zurückhaltend an die Nachbargemeinden kommuniziert.

Inside the Old Synagogue Essen

Artikel

Über Chabad sprechen

Sprechen über Chabad kann spannend sein und dazu führen, dass man über die eigenen Strukturen spricht und sie hinterfragt.
Wenn man in einem jüdischen Umfeld über Chabad spricht jedenfalls.

Am 2. Mai lud die Alte Synagoge Essen in der Reihe Donnerstagsgespräche zu einem Vortrag über Chabad. Die Veranstaltung wurde auf Facebook so angekündigt:

Vortrag: Die Lubawitscher Chassidim
eine jüdische fundamentalistische Strömung

Tatsächlich aber wollte der Referent, Professor Micha Brumlik diesen Standpunkt so nicht teilen und sieht in den Anhängern von Chabad keine Fundamentalisten.
Tatsächlich war dies eine Frage aus dem Publikum, das nahezu ausschließlich aus interessierten Nichtjuden bestand. Vielleicht waren drei Juden im Publikum und tatsächlich richtete sich der Vortrag eher an Einsteiger in die Materie.
So schilderte Professor Brumlik in nucem die Geschichte der drei Rebben, streifte die spezielle Sicht von Chabad aufs Judentum und verweilte etwas länger bei den Punkten, denen man häufiger begegnet, die aber für Chabad offenbar nicht im Zentrum des Interesses stehen. Zum einen, dass die Seelen der Juden sich von denen der Nichtjuden unterscheiden (Übersetzung des Textes aus dem Buch Tanja und Kommentar dazu hier). Zum anderen, dass es Chabadniks gibt, die im letzten Rebben den Maschiach sähen.
Beide Details sind ein wenig überholt. Dass Rabbiner Menachem Mendel Schneerson der Maschiach sei, ist keine Mainstream-Annahme innerherhalb von Chabad. Das schob Professor Brumlik später jedoch auch nach. Kurz erwähnt wurde, was heute im Vordergrund der (erfolgreichen) Arbeit von Chabad im Vordergrund steht, nämlich das Engagement der Familien des jeweiligen Rabbiners.

Vor einem jüdischen Publikum hätte man vielleicht die Frage diskutieren können, wie Chabad es schafft, Infrastrukturen zu schaffen, wo etablierte Gemeinden zuvor scheiterten. Lokale Fragen nach dem Wirken wurden aus dem Publikum gestellt, konnten aber nicht hinreichend beantwortet werden, weil Professor Brumlik aus Frankfurter und Berliner Perspektive berichten konnte, die lokalen Konstellationen nicht kennt.
Die Fakten waren weder neu (für engagierte Juden jedenfalls nicht), noch spannend.
Vielleicht, weil der Vortrag auf ein nichtjüdisches Publikum zugeschnitten war, fehlten Verweise auf die, für Deutschland ja recht neue, Konkurrenz zwischen verschiedenen Strömungen und Auffassungen darüber, wie Gemeinden organisiert sein sollten. Der Zielgruppe dürften die Informationen ausgereicht haben, um selber tiefer in die Materie einzusteigen.

In weiten Zügen wurden die bisherige Ausführungen von Professor Brumlik zum Thema Chabad etwas unspektakulärer präsentiert und weniger zugespitzt. Das emotionalisierte und elektrisierte natürlich nicht besonders und lies den Abend etwas brav geraten. Jedenfalls braver, als ich es erwartet hätte.
Übrigens ist es begrüßenswert, dass man überregional bekannte Referenten einlädt und den Meinungsaustausch nun zumindest ermöglicht hat. Eine stärkeres jüdisches Interesse wäre auch begrüßenswert.

Artikel

Noll ist gedanklich noch in Essen

Während die meisten observanten Juden den Monat Elul und die Hohen Feiertage dazu verwendet haben, introspektiv tätig zu werden und noch einmal das eigene Tun kritisch zu hinterfragen und zu schauen, wo man den Nebenmenschen verletzt haben könnte, geht der Schriftsteller Chaim Noll lieber mit anderen ins Gericht. Über die Achse des Guten wiederholt er seine Polemik gegen den Islam, die er auch schon in der Alten Synagoge Essen an den Mann bzw. die Frau bringen durfte und einen wichtigen Beitrag zur Diskussion Wie man nicht über Antisemitismus im Islam spricht leistete. Gar mitten in Brennpunkt wie dem Ruhrgebiet. Hier ist die Frage, ob und wie man gegen Antisemitismus vorgeht, der sich ein religiöses Mäntelchen überstreift, keine theoretische, die man in feuilletonistischen Texten abhandeln kann, sondern eine ganz reale. Hier vor Ort haben wir es mit Jugendlichen zu tun, die durch arabischsprachige Fernsehsender mit Antisemitismus geimpft werden und für die Jude schon Schimpfwort an sich ist. Im Mai kritisierte ich die Veranstaltung, vor allem aber ihre Platzierung. Wenig glücklich damals auch die (Über-)Reaktion des muslimischen Vertreters in der ganzen Geschichte.

Nach diesem Durcheinander übergab man praktischerweise den Schlüssel an Uri Kaufmann, der neue Leiter der Alten Synagoge. Der fasste die Aktionen, die zwar nach seiner Einstellung, aber vor Amtsantritt stattfanden, ganz unaufgeregt aber pointiert in einem Interview zusammen und zeigte, dass man einen Satz wie einen Torpedo einsetzen kann. Wenig Lärm und dann Treffer:

Wenn jemand über den Koran spricht, sollte er schon eine gewisse fachliche Kompetenz mitbringen, zum Beispiel Arabisch, und den Koran lesen können. Dazu reicht eine Sozialisation in Ostdeutschland nicht aus. von hier

Chaim Noll hingegen meint,

Inzwischen hat die Stadt Essen das Problem auf ihre Weise gelöst, durch Appeasement der militanten muslimischen Funktionäre. Da die Leiterin der Alten Synagoge Edna Brocke nach 23 Jahren in den Ruhestand ging, lag es in der Logik des Oberbürgermeisters, einen anschmiegsameren neuen Leiter zu suchen. Er fand ihn in dem Schweizer Historiker und Ausstellungsmacher Uri Kaufmann
von hier

Etwas weiter vorher schreibt er im seinem Text:

In diesem Sinne war offenbar auch sein Brief gemeint. Über meinen Vortrag hinaus zu dem Herr Balaban eingeladen war, aber nicht erschien versuchte er Einfluss auf die künftige Arbeit der Alten Synagoge zu nehmen.
auch von hier

Das ist schön polemisiert. Geht aber an den Fakten vollständig vorbei. Die Stadt Essen schrieb die Stelle von Kaufmanns Amtsvorgängerin bereits Ende 2010 aus und stellte Kaufmann schon zu Beginn des Jahres 2011 ein und keinesfalls nach der Noll-Lesung im Mai. So extrem wichtig war der Auftritt Nolls wohl doch nicht. Eine Podiumsdiskussion mit Noll und richtigen Experten in diesem Themenfeld wäre vielleicht ein interessanter Ansatz gewesen.
Nicht, dass etwa der Eindruck entsteht, man müsste den selbsternannten Kritikern per se den Mund verbieten.
Chaim Noll sollte vielleicht auch mal loslassen können. Andere Themen gibt es genug.

Artikel

Der Islam mit antisemitischem Fundament

Böse Zungen behaupten, ich hätte mit einem Glas Wein auf die Nachricht reagiert, dass Frau Brocke die Einrichtung Alte Synagoge Essen verlassen würde. So ist es natürlich nicht. Ich habe den Korken einer Sektflasche knallen lassen. Jetzt konnte eine andere Richtung eingeschlagen werden. Die Stadt Essen wollte ein Haus jüdischer Kultur aus dem Haus machen. Wenn man im Ruhrgebiet lebt, hat man große Erwartungen an einen solchen Titel.
Natürlich kommt es immer anders als man denkt und der Kurs, den Frau Brocke eingeschlagen hat, geht irgendwie nun doch weiter. Unter dem kommissarischen Leiter Dr. Schwiderwoski (der die Amtsgeschäfte führt, bis der neue Leiter Dr. Uri Kaufmann im September seine Arbeit aufnimmt) macht das Haus nach dem Personalwechsel nicht mit einem inhaltlich jüdischen Thema Furore, sondern indem man gegen etwas ist. Die Beschäftigung mit Antisemitismus ist übrigens kein jüdisches Thema, es sollte eigentlich Thema der Gesamtgesellschaft sein.

So kündigte die Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit Essen einen Vortrag von Chaim Noll im Haus Jüdischer Kultur an, der zunächst unter der Überschrift Antisemitismus heute daherkommt. Das klingt zunächst nach einem Standardthema einer Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit und für die Alte Synagoge mit altem Profil ohnehin. Der kurze Text der Ankündigung kommt jedoch weniger verschlafen daher:

Judenfeindliche Ressentiments spielen seit der Niederschrift des Korans im 7. Jahrhundert und dem Massaker gegen die Juden von Medina im Jahre 628 durch Mohamed im Islam eine fundamentale Rolle. Bis heute kann dieser traditionelle Judenhass reaktiviert und politisch instrumentalisiert werden. Ein Beispiel dafür liefert die im Gaza-Streifen herrschende Organisation Hamas in ihrer Charta. Judenhass wird auf den Staat Israel übertragen, dessen Zerstörung das erklärte Ziel dieser Bewegung ist. Von hier

Weiterlesen

Artikel

Haus jüdischer Kultur

Das Ruhrgebiet ist Kulturhauptstadt 2010! Das bedeutet natürlich, dass sich kulturell eine Menge tut und einige Dinge in Bewegung gekommen sind.
Auf der Seite der Stadt Essen der Homepage für die Kulturhaupstadtsgeschichte fand ich einen kleinen Beitrag über die Umbauten der Alten Synagoge Essen in ein Haus jüdischer Kultur (hier), gefördert durch die Stadt Essen und das Land Nordhein-Westfalen. Dort heißt es:

Das zukünftige Haus jüdischer Kultur wird aber nicht museal und historisch, sondern als Begegnungsort mit jüdischer Kultur und jüdischem „Way of Life“ präsentiert. Juden werden häufig auf die Rolle von Opfern in der NS-Zeit reduziert, die jüdische Kultur oft auf eine Religionsgemeinschaft verkürzt. Die Alte Synagoge wählt einen neuen Zugang. von hier

Das könnte also bedeuten, der neue Zugang ist inklusive? Wenn ich mich erinnere, wie harsch man damals auf die Anfrage reagiert hat, die ehemalige Wochentagssynagoge für liberale G-ttesdienste nutzen zu dürfen (hier zum Nachlesen), vermute ich nicht, dass die Einrichtung ihre Ausrichtung geändert hat, sondern, dass uns hier alter Wein in neuen Schläuchen kredenzt wird.
Dazu gehört übrigens auch eine interaktive Ausrichtung der Aktivitäten, wie YouTube Präsentationen:

und eine Präsentation im FaceBook. Ich freue mich jedenfalls auf die Nachricht über die FaceBook Post Hallo, Dank unseres neuen Konzeptes freuen wir uns, dass Sie nun einmal monatlich unseren Raum XY mit jüdischem Leben füllen. Über eine Spende würden wir uns freuen.. Naja, man wird ja noch träumen dürfen…