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	<title>Chajms Sicht &#187; 9. November</title>
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	<description>Chajms Sicht über talmud.de hinaus</description>
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		<title>J&#252;discher Alltag in Deutschland &#8211; ungesch&#246;nt</title>
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		<pubDate>Tue, 11 Nov 2008 19:44:37 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Chajm</dc:creator>
				<category><![CDATA[Deutschland]]></category>
		<category><![CDATA[Jüdisches]]></category>
		<category><![CDATA[9. November]]></category>

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		<description><![CDATA[Die Mahn- und Vers&#246;hnungsreden vom vergangenen Sonntag hallen noch nach, da wird das Echo durch Sergey Lagodinsky geschluckt und die h&#228;sslichen Fakten auf den Tisch gepackt. Kanzlerin Dr. Angela Merkel betonte in ihrem Video-Podcast dass der 9. November ein Tag des Gedenkens sei, der dazu verpflichtet, die Zukunft verantwortlich zu gestalten. Bei den Synagogener&#246;ffnungen, denen [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Die Mahn- und Vers&#246;hnungsreden vom vergangenen Sonntag hallen noch nach, da wird das Echo durch Sergey Lagodinsky <em>geschluckt</em> und die h&#228;sslichen Fakten auf den Tisch gepackt.</p>
<p>Kanzlerin Dr. Angela Merkel betonte in ihrem <a href="http://www.bundesregierung.de/nn_1272/Content/DE/Artikel/2008/11/2008-11-08-video-podcast.html">Video-Podcast</a> dass der 9. November ein Tag des Gedenkens sei, der dazu verpflichtet, die Zukunft verantwortlich zu gestalten. Bei den Synagogener&#246;ffnungen, denen ich in der letzten Zeit beiwohnen durfte, wurde h&#228;ufig betont, wie sicher Deutschland f&#252;r Juden sei und was f&#252;r eine Auszeichnung, dass man heute wieder j&#252;disches Leben in Deutschland sehen k&#246;nne. Dar&#252;ber, wie dieses Leben aussieht, gibt es verschiedene  &#8211; h&#228;ufig sehr romantisierte (<a href="http://www.sprachkasse.de/blog/2008/08/05/judentum-in-deutschland-ein-golem/">siehe auch hier</a>) &#8211; Vorstellungen und da kommt Sergey Lagodinsky ins Spiel. Er versucht zu erkl&#228;ren, wie die Realit&#228;t aussieht.</p>
<blockquote><p>Der deutschen &#214;ffentlichkeit ist dieser Alltag weitgehend unbekannt, f&#252;r die deutsch-j&#252;dischen Funktion&#228;re ist er weitgehend uninteressant und bisweilen etwas peinlich. Seit 1989 hat Deutschland sich neue Juden aus der Sowjetunion geholt und sich seitdem entspannt zur&#252;ckgelehnt: Sie werden es schon selbst regeln, hei&#223;t es in der Politik, die sich auf der Garantie von Hartz IV und sozialer Grundsicherung f&#252;r Zuwanderer ausruht und die Aufgaben der sozialen Integration an die j&#252;dischen Gemeinden &#252;bertr&#228;gt, die daf&#252;r weder qualifiziert noch geschaffen sind. <a href="http://www.welt.de/welt_print/article2703892/Juedischer-Alltag-in-Deutschland.html">von hier</a></p></blockquote>
<p>und weiter heisst es:<br />
<span id="more-1060"></span></p>
<blockquote><p>Der dritte Widerspruch der heutigen deutsch-j&#252;dischen Existenz ist einer zwischen politischer Rhetorik und ihrer humanit&#228;ren Relevanz. Bereitwillig nutzt die deutsche Politik die neue j&#252;dische Existenz als Zeichen der eigenen demokratischen Emanzipation. Kaum eine Rede von deutschen Politikern zur deutschen Vergangenheit, aber auch h&#228;ufig zur deutschen Gegenwart, kommt ohne den Ausdruck der Freude und Dankbarkeit daf&#252;r aus, dass es in diesem Lande wieder ein j&#252;disches Leben gibt. Die abstrakte Existenz j&#252;discher Gemeinden in Deutschland ist politisch viel wert, die konkrete und w&#252;rdige Existenzsicherung j&#252;discher Menschen im Alter scheint da von geringerer Relevanz zu sein. <a href="http://www.welt.de/welt_print/article2703892/Juedischer-Alltag-in-Deutschland.html">auch von hier</a></p></blockquote>
<p>F&#252;r einige Gemeindemitglieder vielleicht ein alter Hut &#8211; sofern man sich das vergegenw&#228;rtigt hat, f&#252;r viele Romantiker vielleicht ein herber Schlag, f&#252;r diejenigen die etwas bewegen wollen und k&#246;nnen vielleicht ein nachdr&#252;cklicher Hinweis darauf, zu handeln. W&#228;hrend sich die <em>Alten</em> an die Gemeinden wenden mit dem Wunsch um Hilfe, emanzipieren sich die <em>Jungen </em> von den Gemeinden (nicht &#252;berall, es gibt erfolgreiche Programme gegen diesen Trend) und nehmen so nicht am <em>j&#252;dischen Alltag</em> teil. In kleineren Gemeinden ist dieser Trend noch viel sp&#252;rbarer.</p>
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		<title>Ein Projekt zum Novemberpogrom</title>
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		<pubDate>Fri, 31 Oct 2008 12:03:32 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Chajm</dc:creator>
				<category><![CDATA[Deutschland]]></category>
		<category><![CDATA[Jüdisches]]></category>
		<category><![CDATA[9. November]]></category>

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		<description><![CDATA[Der J&#252;dische Kulturverein Kinor aus Gelsenkirchen macht derzeit ein Projekt bekannt, dass durch den Weltkongress russischsprachiger Juden initiiert worden ist. Es wurden etwa 10.000 Abzeichen vorbereitet, die sogenannten „Kristallsplitter“. Diese haben die Form eines Davidsterns und tragen die Aufschrift „Nie wieder!“ in den Sprachen der Teilnehmerl&#228;nder. Sie sollen am 9. November 2008 als Erinnerung und [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src='http://www.sprachkasse.de/blog/wp-content/uploads/2008/10/kristallsplitter.jpg' alt='Kristallsplitter' /></p>
<p>Der <em>J&#252;dische Kulturverein Kinor </em> aus Gelsenkirchen macht derzeit ein Projekt bekannt, dass durch den <em><a href="http://www.wcrj.org">Weltkongress russischsprachiger Juden</a></em> initiiert worden ist. Es wurden etwa 10.000 Abzeichen vorbereitet, die sogenannten „Kristallsplitter“. Diese haben die Form eines Davidsterns und tragen die Aufschrift „Nie wieder!“ in den Sprachen der Teilnehmerl&#228;nder. Sie sollen am 9. November 2008 als Erinnerung und Mahnung getragen werden. Laut Aussage des Weltkongresses soll die Aktion in den USA, Gro&#223;britannien, Italien, Tschechien, Polen, Bulgarien, Lettland, Estland, Rum&#228;nien, &#214;sterreich und Deutschland durchgef&#252;hrt werden.</p>
<blockquote><p>
Es w&#228;re f&#252;r uns eine gro&#223;e Ehre, wenn Sie an unserer Aktion teilnehmen w&#252;rden. Es erscheint uns einer Geste von gr&#246;&#223;tem symbolischen Wert, wenn gerade in Deutschland an jenem Tage soviel Menschen wie m&#246;glich diese Abzeichen f&#252;r kurze Zeit tragen werden, deshalb rechnen wir mit Ihrer Unterst&#252;tzung.</p></blockquote>
<p>hei&#223;t es in einem Begleitschreiben des Kongresses.</p>
<p>In Deutschland &#252;bernimmt unter anderem der J&#252;dische Kulturverein die Verteilung der „Kristallsplitter”. <a href="mailto:kinor@freenet.de">Kontakt per Mail</a> &#252;ber Frau Gubenko.</p>
]]></content:encoded>
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		<title>Zores um den 9.November</title>
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		<pubDate>Mon, 05 Nov 2007 10:34:10 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Chajm</dc:creator>
				<category><![CDATA[Jüdisches]]></category>
		<category><![CDATA[9. November]]></category>
		<category><![CDATA[Essen]]></category>
		<category><![CDATA[Stadt Essen]]></category>

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		<description><![CDATA[In der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 wurden 30000 j&#252;dische Menschen inhaftiert, zwischen dem 7. und 13. November auch etwa 400 Menschen ermordet. In besagter Nacht wurden 1.406 Synagogen und Beth&#228;user vollst&#228;ndig zerst&#246;rt, die Ritualgegenst&#228;nde teilweise geraubt und von einigen Orten wissen wir, dass dort Torahrollen auf der Stra&#223;e ausgerollt worden sind [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img style="float: right;" src='http://www.sprachkasse.de/blog/wp-content/uploads/2007/11/pogromnacht_briefmarke.jpg' alt='Pogromnacht' />In der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 wurden 30000 j&#252;dische Menschen inhaftiert, zwischen dem 7. und 13. November auch etwa 400 Menschen ermordet. In besagter Nacht wurden 1.406 Synagogen und Beth&#228;user vollst&#228;ndig zerst&#246;rt, die Ritualgegenst&#228;nde teilweise geraubt und von einigen Orten wissen wir, dass dort Torahrollen auf der Stra&#223;e ausgerollt worden sind und gesch&#228;ndet wurden. Die Erinnerung an diese Reichspogromnacht ist heute wichtiger Teil des demokratischen Diskurses und in den Orten, in denen es heute noch oder wieder j&#252;dische Gemeinden gibt, wird auch gemeinsam daran erinnert. Dieses Jahr allerdings vielerorten am Abend des 10. November weil am Abend des 9. November der Schabbat beginnt um man bekannterweise am Schabbat nicht trauern darf und auch nicht auf den Friedhof geht (<a href="http://www.gelsenkirchen.de/Leben_in_GE/Pressestelle/Aufruf_9._November_2007.asp">wie es hier beispielsweise gemacht wird</a>). In Essen allerdings stellt sich das Bild etwas anders dar, nachdem eine Angestellte der Stadt Essen eine antisemitische Hetzschrift in einer Auflage von 600 Exemplaren zusammen mit einer Integrationszeitschrift &#252;ber den Verteiler der Stadt verbreitete und die Stadt Essen keine exemplarischen Ma&#223;nahmen einleitete (wie sie doch h&#228;ufig von den Rednern gerade am 9. November gefordert werden). Anlass des Flugblatts war der Libanonkrieg im vergangenen Jahr zu dem die (aus dem Libanon stammende) Mitarbeiterin der Integrationsstelle Stellung beziehen wollte und unter anderem dies hier schrieb:</p>
<blockquote><p>Cana ist der heilige Ort, wo Jesus Christus eine Seiner ersten Wunder geschaffen hat als Er das Wasser in Wein verwandelte. Genau da, in Cana, begeht Israel ihre Massaker. Ist das von den Israelis &#220;berhaupt unerwartet? Sind sie nicht diejenigen, die Jesus Christus gekreuzigt haben??</p></blockquote>
<p>Also kein reines antiisraelisches Pamphlet sondern tats&#228;chlicher Antisemitismus von der mittelalterlichen Sorte. Nach einigem Hin- und Her &#8211; die Verfasserin wurde einige Male versetzt und arbeitet nun scheinbar wieder f&#252;r die Integrationsstelle &#8211; passierte also nichts substantielles und das veranlasste die j&#252;dische Gemeinde der Stadt nun, den Gedenkveranstaltungen fern zu bleiben (<a href="http://www.derwesten.de/nachrichten/nachrichten/politik/2007/10/26/news-1212127/detail.html">siehe hier</a>). Kurz vor dem 9. November wurde dann Stephan Kramer zur Streitschlichtung eingeladen und ein <em>Kompromiss</em> wurde erzielt:</p>
<blockquote><p>Der zwischen Kramer und dem OB unter vier Augen ausgehandelte Kompromiss sieht vor: Es bleibt bei den getrennten Veranstaltungen am 10. November. Doch der Oberb&#252;rgermeister wird als Gast an der Gedenkfeier der J&#252;dischen Kultusgemeinde in der neuen Synagoge teilnehmen, im Gegenzug besucht der Gemeindevorsitzende Jewgenij Budnizkij die st&#228;dtische Veranstaltung in der Alten Synagoge. Es ist Symbolik unter Zeitdruck: Wenn um 19.30 Uhr die eine Feier endet, soll die andere eigentlich schon beginnen. Aber besser Stress als Streit. „Menschen guten Willens sollten sich nicht auseinanderdividieren lassen”, sagt Reiniger, und Stephan Kramer wertet das Ergebnis als „ersten Schritt, die Vertrauenskrise zu beenden und den Konflikt endg&#252;ltig beizulegen”. <a href="http://www.derwesten.de/nachrichten/staedte/essen/2007/10/30/news-1843622/detail.html">von hier</a></p></blockquote>
<p>Das bedeutet zun&#228;chst, man geht dem Konflikt aus dem Wege, bzw. vertagt die L&#246;sung des echten Problems. Die Welt berichtete bereits im September letzten Jahres von der unzureichenden L&#246;sung der Stadt:</p>
<blockquote><p>Keiner kann die Tat verstehen. Auch RAA-Leiter Helmuth Schweitzer ger&#228;t in Erkl&#228;rungsnot und betont, Khalil leiste „hervorragende Integrationsarbeit“. Die Fraktionen verurteilen die Schrift, halten Khalil pers&#246;nlich aber f&#252;r nicht gef&#228;hrlich. Auch Oberb&#252;rgermeister Reiniger w&#252;rdigt intern ihre Arbeit. Sie erh&#228;lt eine Abmahnung, distanziert sich von ihrem Schreiben und bittet um eine neue Aufgabe. <a href="http://www.welt.de/politik/article155320/Der_Nahostkonflikt_uebersetzt_auf_das_Ruhrgebiet.html">von hier</a></p></blockquote>
<p>Das man prinzipiell gegen den Antisemitismus vorgehen m&#252;sse, scheint auch klar zu sein, es wird dann gleich ein „aber” nachgeschoben. So sagte der Oberb&#252;rgermeister der Stadt Essen im letzten Jahr auf der Gedenkveranstaltung einen solchen <em>Ja-Aber-Satz</em>:</p>
<blockquote><p>In unserer Gesellschaft darf es keinen Raum f&#252;r jegliche Form von Antisemitismus geben.<br />
Das gilt f&#252;r alle. Wir m&#252;ssen das deshalb auch den Menschen, die als Migrantinnen oder<br />
Migranten, zumal aus dem muslimischen Kulturkreis, zu uns gekommen sind, sehr deutlich sagen und klar machen. Aus gegebenem Anlass habe ich in diesem Jahr auch beim Fastenbrechen im Ramadan wiederholt unsere Entschlossenheit unterstrichen, jeglicher Form von Antisemitismus entschieden entgegenzutreten.<br />
Entschieden entgegenzutreten hei&#223;t zugleich: Individuelles Fehlverhalten zu ahnden. Aber, auch das ist hinzuzuf&#252;gen: Die Ahndung kann nur nach sorgf&#228;ltiger Abw&#228;gung der Gesamtumst&#228;nde und unter Ber&#252;cksichtigung des Grundsatzes der Verh&#228;ltnism&#228;&#223;igkeit erfolgen. <a href="http://www.essen.de/deutsch/rathaus/Oberbuergermeister/2006_11_09_Gedenkveranstaltung_Reichspogrom_A_4.pdf">Zitiert von hier</a></p></blockquote>
<p>Das ist gar nicht ungeschickt, weil der Antisemitismus aus der Mitte der Gesellschaft in den Bereich der <em>Migranten</em> verlegt wird und sich das Muster <em>Wir und die Anderen</em> verfestigen kann. Am Thema selbst geht das vorbei, denn das ganze spielte sich ja nicht in einer Wohnung von Familie XY ab, sondern in einem st&#228;dtischen B&#252;ro und verteilt wurden die Pamphlete &#252;ber den Postverteiler der Stadt. Nach einem Zeichen zum 9. November sieht das also nicht aus&#8230;</p>
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