Chajms Sicht

Eine jüdische Sicht auf die Dinge

19. August 2014 – 23 Av 5774
von Chajm
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Etwas kommt als Bonbon daher

Wenn gute Ideen von Menschen kommen, die bisher eher durch Polemik aufgefallen sind, dann kann man die Idee feiern und eine Hinwendung zum Guten attestieren, oder man schaut mehrfach hin und entdeckt interessante Gedanken, die man vielleicht so nicht teilt. Henryk Broder hat einen Text über die Lösung des Israel-Palästina Konflikts geschrieben. Dieser wird derzeit von allen möglichen Menschen gemocht und weitergereicht, die bei Broder sonst direkt abwinken, die Idee eines jüdischen Staates nicht besonders attraktiv finden, oder sich besonders mit Palästina solidarisieren.

In der Welt erschien Broders Text »Wollen wir mit dem Quatsch nicht endlich aufhören?«. In diesem fordert er, dass Israel den Palästinensern zu einem eigenen Staat verhelfen solle. Nicht ganz uneigennützig, sondern damit es selbst Ruhe hat. Juden in aller Welt sollten Projekte in Gaza fördern.
Der Hintergrund sei, dass die Juden Europas keinerlei positive Perspektive hätten. Selbsterhaltung durch Auswanderung also.
Zunächst beginnt er launig mit einem Rabbiner aus der Siedlung Tekoa:

Einer der skurrilsten Vorschläge kam ausgerechnet von einem orthodoxen Rabbiner aus der Siedlung Tekoa in der Westbank, die horizontale Lösung.
von hier

Die Rede ist hier von Rabbiner Menachem Froman, einem nationalreligiösen Rabbiner, der die Errichtung von Wohnsiedlungen in der Westbank unterstützte, aber zugleich für einen interkonfessionellen Dialog eintrat. Er war überzeugt davon, auch in Tekoa leben zu können, wenn die Stadt sich in einem Staat Palästina befände. Rabbiner Froman hatte keinerlei Berührungsängste und verhandelte auch mit der Hamas, zu der er nicht die schlechtesten Beziehungen hatte. Er war also eine Figur mit vielen Facetten die sich für eine jüdische Präsenz auf dem Gebiet Israels im halachischen Sinne aussprach, aber nicht unbedingt immer im staatlichen Sinne. Das sind natürlich interessante Ideen.

Dann zählt Broder auf, welche Trittbrettfahrer der Konflikt aktiviert hätte und dabei hat er Recht. Aber bei der weitergehenden Befundaufnahme wird der Text schwierig, obwohl es demographisch zunächst plausibel erscheint:

Es gibt für Juden keine Zukunft in Europa. In 20, 30 Jahren wird es noch den Zentralrat der Juden in Deutschland und in Frankreich den CRIF (Conseil Représentatif des Institutions Juives de France) geben, also intakte Funktionärsstrukturen, aber keine Juden mehr.
von hier

Das ist nahezu richtig: In beiden Ländern geht die Anzahl der Juden zurück und das durchaus rasant. Es werden dann vermutlich nur Kerngemeinden in größeren Städten übrig bleiben.
Das ist in Frankreich auch eine Folge des grassierenden Antisemitismus und in Deutschland eine Folge der Altersstruktur der Gemeinden. Bei Broder könnte man jedoch herauslesen, dass der Vormarsch des Islam (mit dem er sich ja viel beschäftigt hat) die Ursache dafür sein könnte:
»Sie werden nicht nur Deutschland, sie werden ganz Europa verlassen, München, Zürich, Paris, Brüssel, London, Wien und sogar so idyllische Orte wie Malmö, wo eine winzige jüdische Gemeinde von einer aggressiven muslimischen Community gemobbt wird. […]
von hier«
und

»Die Älteren werden sich mit einem Restleben als “Schutzjuden” vermutlich abfinden.«von hier

Womit wir bei Broders Thema wären: Dem Islam. Darum geht es in dem Text, nicht um eine nachhaltige Lösung des Konflikts. Das wird natürlich Beifall bei denen erheischen, die den Islam in Europa nicht besonders mögen.
Wenn es darum ginge, eine Lösung zu entwickeln, würde er nicht ein Schutzjudentum, in Europa, gegen ein anderes, in Israel-Palästina, eintauschen wollen.

Der Text ist also sehr geschickt konstruiert. Er bietet vorgeblich eine bahnbrechende Lösung an, handelt tatsächlich aber von etwas vollkommen anderem. Er kommt als Bonbon daher, ist aber vielleicht auch sehr bittere Medizin oder vielleicht sogar ein wenig Gift.

Zu so viel Können muss man natürlich gratulieren.
Aber, hat es uns weitergebracht?
Vielleicht fruchtet die Beschäftigung mit dem Leben Rabbiner Froman etwas mehr…

18. August 2014 – 22 Av 5774
von Chajm
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Verpasst!

In der Abwesenheit (siehe Bild oben) des Baal haBlog passierte hier nichts. Tatsächlich erschienen aber in dieser Zeit zwei Artikel in der Jüdischen Allgemeinen:

Chasak! Wenn der letzte Abschnitt eines Buches beendet ist, spricht die Gemeinde, gefolgt vom Ba’al Korei, der den Abschnitt gerade gelesen hat, laut: »Chasak, chasak wenitchasek« (Sei stark, sei stark – und wir sollen gestärkt sein!). Was soll das und woher kommt das? Hier nachlesen.

Teffilin und Wa’etchanan: Im Zusammenhang mit dem Schma Jisrael begegnet uns die Mizwa, Tefillin zu legen. Die kleinen Kapseln für Arm und Stirn enthalten Toraabschnitte, die auch Teil unserer Parascha sind: »Und du sollst sie (diese Worte) binden zum Zeichen an deine Hand, und sie sollen sein zum Denkband zwischen deinen Augen« (5. Buch Mose 6,8).
Was haben die Teffilin aber mit Krieg zu tun? Der ganze Artikel hier.

23. Juli 2014 – 25 Tammuz 5774
von Chajm
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Vollständige Fehleinschätzung

Wolfgang Benz ist ein Experte für Antisemitismus. Er leitete das Zentrum für Antisemitismusforschung der TU Berlin und eckte böse an, als er begann, sich auch mit Islamfeindlichkeit zu beschäftigen. Wenig überraschend, dass Leute wie Broder ihm widersprachen. Aber es gab auch Zustimmung. Dadurch machte er zuletzt von sich reden.

Was die heutige Lage betrifft, kommt Benz zu einer vollständigen Fehleinschätzung. In einem Interview mit der Berliner Zeitung sagte er:

Es haben sich zum Teil seltsame Leute zusammengerottet, einige haben blödsinnige Parolen gerufen. Das wird von Interessenten mit großem Medienhall als Wiederaufflammen des Antisemitismus dargestellt, als sei es so schlimm wie nie zu vor.
von hier: Berliner Zeitung

Synagoge Baumweg (Frankfurt am Main) im Juli 2014

Synagoge Baumweg (Frankfurt am Main) im Juli 2014

Wie hier und hier bereits angerissen, sprechen wir im Juli 2014 ja nicht von ein paar Chaoten, die Israel kritisieren, sondern von Übergriffen auf Menschen und jüdische Einrichtungen (oder Einrichtungen die für jüdisch gehalten werden), oder von offenen antisemitischen Parolen (»Juden ins Gas« dürfte keine Auslegungssache sein). Der vereitelte Anschlag auf die Alte Synagoge Essen ist schon ein Zeichen einer Ausdrucksform des aggressiven Antisemitismus. Der Briefschreibende Feuilleton-Antisemitismus existiert noch, aber er hat schlagkräftige und aggressive Begleitung bekommen.
Man kann beobachten: Es ist schlimmer als zuvor, auch weil jetzt auch antisemitisch gehandelt wird und nicht nur mehr geredet.

21. Juli 2014 – 23 Tammuz 5774
von Chajm
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Handfest

Was sich bei Juden schon seit Beginn der israelischen Antwort auf den Raketenbeschuss bemerkbar gemacht hat, ist nun auch in der Allgemeinheit angekommen:
Viele der Friedensdemonstrationen sind ein Ventil für handfesten Antisemitismus, niemals seit der Schoah haben europäische Straßen so offensichtliche Bekundungen von Antisemitismus gehört.
Neuer Slogan ist seit neuester Zeit die Formulierung »Jude, Jude, feiges Schwein, komm heraus und kämpf allein«. Die hat etwas bewegt. Die Berliner Polizei schätzt das nicht als Straftat ein, möchte es aber dennoch verbieten.
Zu schreiben, wie die Zeit, der Konflikt hat längst auch Deutschland erreicht, ist angesichts dessen verzerrend, denn das würde bedeuten, die Konfliktparteien seien in Deutschland präsent. Tatsächlich sind die Juden in Deutschland keine Konfliktpartei. Das sollte jedem vernünftigen Menschen klar sein. Weiterlesen →

Eine kleine Zusammenfassung der Situation in Deutschland im Hinblick auf Demonstrationen und Reaktionen gibt es von mir hier in englischer Sprache: blogs.timesofisrael.com/jewish-germany-and-operation-protective-edge-2/
Aber auch hier gilt: Es gibt vermutlich keine einfache Lösung für das gesellschaftliche Problem eines manifesten Antisemitismus. Das ist ein Problem der Gesellschaft, nicht der jüdischen Gemeinschaft. Diese trägt am Ende aber die Konsequenzen.
Also:
Auswanderung? Komplette Assimilation? Nicht mehr jüdisch leben? – wären ein paar Optionen.
Jemand hat mal gesagt (war es Bubis?): Juden können nach jederzeit Israel gehen – das beunruhigend ist, dass die übrigen 80 Millionen Deutschen diese Möglichkeit nicht hätten.

13. Juli 2014 – 15 Tammuz 5774
von Chajm
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Die Saat geht auf

Synagoge Baumweg (Frankfurt am Main) im Juli 2014

Synagoge Baumweg (Frankfurt am Main) im Juli 2014

Worum geht es bei der Solidarität mit Gaza? Um Frieden? Das wäre schön!

Die Ereignisse in Israel und Gaza sind offenbar Auslöser (aber nicht der Grund!) offenen Antisemitismus zu zeigen. Das Bild oben zeigt die Synagoge Baumweg im Juli 2014.
Das Skandieren von »Kindermörder Israel« gehört natürlich zum Standardrepertoire der Friedensdemonstranten, aber zuweilen bleibt es nicht dabei.
In Essen suchen die Demonstranten die Nähe der Alten Synagoge – siehe Bericht hier.
In Frankfurt am Main wurden Fahnen der Hamas gezeigt: Islamisten demonstrierten gemeinsam mit Linken und Neonazis (siehe Bericht hier). Im Anbetracht dieser Gemengelage wundert man sich aber doch, dass die Demonstranten die Mikrofone der Polizei nutzen durften. Bedeutet: Mit dem Gerät deutscher Polizisten wird hier gegen Israel (und irgendwie auch gegen Juden) demonstriert.

In anderen Städten wie Dortmund, München und Berlin wurde ebenfalls demonstriert. In den seltensten Fällen für Frieden.

Was sich hier offen zeigt, schlummert nicht erst seit Anfang Juli in den Menschen und es wird sich mit großer Sicherheit ausweiten, wenn dem nicht massiv entgegengetreten wird. Bisher wird wenig dagegen unternommen. Besser wird es nicht. Die Saat der antiisraelischen und antijüdischen Propaganda geht auf. Selbst die Positionen von extremen Gruppierungen wie der Hamas werden fraglos übernommen.

11. Juli 2014 – 13 Tammuz 5774
von Chajm
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Noch mehr Raketen

Bis zum 7. Juli (siehe hier) wurden seit dem 1. Juli 2014 165 Raketen aus Gaza abgefeuert. Nur wenige Tage später, am 10. Juli 2014 sind es bereits 584. Umgerechnet 292.000 Euro – Geld das man prima für humanitäre Hilfe hätte ausgeben können, oder auch (verrückte Idee) für die Gehälter der Angestellten der eigenen Verwaltung. Diese Details unterstreichen: Der Hamas geht es nicht um ein eigenes Land mit funktionierender Infrastruktur, sondern primär um den Erhalt der eigenen Macht.

Raketen bis zum 10. Juli 2014

Oder man formuliert es um und schreibt, dass die Hamas nach einer breit angelegten militärischen Kampagne ruft, weil sie dringend aus ihrer innenpolitischen Lage muss. Aus irgendeinem Grund hat es ein Artikel, der das ähnlich sieht, auf die Seite von Spiegel Online geschafft.

Es ist wenig überraschend, dass die 584 Raketen von der Propaganda heruntergespielt oder ausgeblendet werden. Und das fruchtet und das ist wirklich überraschend, denn eigentlich sollte es jeden Menschen nachdenklich machen, dass die Hamas von einer humanitären Katastrophe spricht, aber andererseits viel Geld dafür ausgibt, den Staat Israel herauszufordern.
Ist die Propaganda also so gut, dass einfacherer Gemüter in die Falle tappen? Oder ist die Wahrnehmung nur noch ideologisch gefärbt? (Rhetorische Frage)

Denn bereits jetzt gab es erste Demonstrationen gegen Israel. Etwa in Dortmund. Dort durfte »Tod, Tod, Israel!« gerufen werden. Für die Stadt Essen hat der Linkspartei Jugendverband Solid für den 18. Juli zu einer Demo eingeladen (ruhrbarone berichten). Im Aufruf zu der Veranstaltung wird gesagt, was gefordert werden soll: »Sofortiger Stopp der Bombardierungen Gazas durch die israelischen Armee und die Freilassung der politischen Gefangenen.« Ein Text der übrigens zuvor lautete: »Sofortiger Stopp der militärischen Aggressionen der israelischen Armee und die Freilassung der politischen Gefangenen.«

Derweil in Israel :

Etwas, was der Staat hinnehmen soll, nach Ansicht der Demonstrationsorganisatoren.

8. Juli 2014 – 10 Tammuz 5774
von Chajm
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Raketen aus Gaza – was nun?

In Deutschland wurde es die Nacht hindurch und am Morgen auf allen Kanälen gesendet: Aus Gaza werden Raketen abgefeuert. Grund für die eilige Berichterstattung? Auf ein Schiff mit deutschen Urlaubern, die AIDAdiva, fielen Teile von Raketen. Nach Medienberichten Reste israelischer Abwehrgeschosse. Wäre eine Rakete auf dem Schiff niedergegangen würde wohl ununterbrochen berichtet werden. Und das ist sie, die Logik. Werden israelische Städte beschossen, wird Israel zur Zurückhaltung aufgefordert. Sind Urlauber betroffen, erhält die ganze Geschichte gleich eine andere Brisanz.

Und der Beschuss hat wieder zugenommen. Es scheint Phasen zu geben, in denen israelische Reaktionen offensichtlich provoziert werden sollen.

Hier das Jahr 2014 bis Juli (der noch nicht einmal zur Hälfte vorüber ist). Alle Zahlen aus öffentlichen Quellen, möglicherweise waren es sogar mehr Geschosse.

Raketen aus Gaza 2001-2014

Raketen aus Gaza 2001-2014

Wenn man bedenkt, dass eine Rakete in der Herstellung etwa 500 Euro kostet, kann man feststellen, dass die Hamas vom 1. bis zum 7. Juli bereits 82.500 Euro nur für den Beschuss israelischer Städte ausgegeben hat. (In der Grafik die Zahlen)

Raketen Januar 2014 bis Anfang Juli 2014

Raketen Januar 2014 bis Anfang Juli 2014

Mit dem Ergebnis, dass den eigenen Bürgern damit nicht geholfen ist und Israel Reservisten mobilisiert. Rückgerechnet bis zum Jahr 2001 wären das etwa 5 Millionen Euro. Seitdem hat sich die Lage der Bevölkerung nicht verbessert. Sicher hätte man das Geld auch in humanitäre Projekte investieren können? Der Erfolg der Propaganda (»Israel marschiert in Gaza ein!«) ist im Ausland sicherlich groß, aber dennoch: Was hat es an der Lebenssituation der Menschen in Gaza verändert?
Natürlich kann man mit militärischer Aggression über innenpolitische Defizite hinwegtäuschen und die Bevölkerung beschäftigen. Ist das der politische Masterplan? Machterhalt über einen weiterschwelenden Konflikt mit Israel? Offenbar lautet die Antwort Ja.

Von der Angst in der israelische Familien leben müssen, muss an dieser Stelle nicht einmal gesprochen werden. Wer ein wenig Empathie besitzt, kann das vielleicht nachvollziehen.

7. Juli 2014 – 9 Tammuz 5774
von Chajm
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Tex Rubinowitz

Euphorisiert erhöhte Schmulik erneut die Geschwindigkeit. A3 bei Aschaffenburg. Seit Jahrzehnten Baustelle. Es spielte keine Rolle. Der 5er BMW lag ruhig auf der Fahrbahn. Er hatte extra für das neue Auto ein Zimmer in Mosbach angemietet. Der Rhein-Neckar-Kreis hatte das Kürzel MOS und der neue Flitzer nun das Kennzeichen MOS-AD. Auf dem Landratsamt des Kreises juckte das niemanden. Dabei hatte Schmulik gerade die Anzahl der jüdischen Bewohner um 100% gesteigert. Auf dem Papier lebte nun genau 1 Jude in Mosbach. Der arme Kerl. Das hatte Schmulik aber nicht aber nicht so euphorisiert. Vielmehr war es eine Nachricht im Radio.

Er rief sofort Daniel an: Weiterlesen →

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7. Juli 2014 – 9 Tammuz 5774
von Chajm
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Ein jüdisches Magazin!

Ein jüdisches Magazin als richtiges Printprodukt!
Das jüdische Magazin LEV ist ein echtes gedrucktes Magazin für die Generation der jungen jüdischen Erwachsenen. Das ist bereits interessant. Noch interessanter ist aber, dass es sich um Eigeninitiative handelt. Die Köpfe dahinter haben den offensichtlichen Mangel festgestellt und ihn dann selber behoben.
Selbstverständlich musste ich direkt Kontakt mit Machern hinter dem Magazin aufnehmen.

Alexander Logvinenko, der ursprünglich aus der Ukraine stammt und nun in Wuppertal lebt, hatte die ursprüngliche Idee und suchte sich Gleichgesinnte und fand Chaya Tal (damals Köln), die sich auch für andere Projekte engagierte und heute die deutschsprachige Redakteurin ist. Deutschsprachig wird deshalb extra genannt, weil das Magazin auch einen Anteil russischsprachiger Artikel enthält. Allerdings fällt bei der Lektüre auf, dass es keine gegenseitigen Übersetzungen sind, sondern vollkommen andere Artikel mit einem anderen (eigenen) inhaltlichen Schwerpunkt.

Doch zurück zur Entstehung: 2012 also begann man unter dem Namen OR (also Licht) und für die selbständige Gruppe Shearim, die in Essen orthodoxe (junge) Leute sammelt und eigenständig Aktivitäten entfaltet.
Mit einer wachsenden Leserschaft hatte das Magazin OR nun auch andere Themen im Visier und so bauten Alexander und Chaya das Ganze in ein vollkommen eigenständiges Magazin um, wobei dem Magazin die Wurzeln im observant-orthodoxen Bereich anzusehen sind – nicht vom Design her, sondern inhaltlich. Eine Präferenz für eine besondere Gruppierung konnte ich dabei aber noch nicht feststellen.
Innenteil des Magazins LEV
Dieses neue Magazin erhielt nun den Namen LEV. Spannend ist, dass LEV sowohl hebräisch interpretiert werden könnte (also לב Herz), aber auch Russisch (Löwe). Das war wohl auch beabsichtigt und ist ein Hinweis auf die Zweisprachigkeit des Magazins. Der Löwe ist als Wappentier des Stammes Jehuda gewählt worden. Man hat hier also wenig dem Zufall überlassen – oder es im Nachhinein gut erklärt.
Mit der Namensänderung kam auch ein neues Design, einige neue Autoren, reaktivierte »alte« und bemühte sich um Unterstützung der Jewish Agency for Israel. Das Ergebnis kann sich bisher sehen lassen, das Layout ist tatsächlich recht modern und inhaltlich biedert man sich nicht bemüht der Zielgruppe an. Das mag daran liegen, dass die Zielgruppe auch selber produziert.

Das Themenspektrum ist recht breit. Historische, politische, religiöse Themen, Berichte über jüdische Identität aber auch (Vorsicht Alliteration!) Rezepte und Rezensionen. Tzahal-Mann Arye Shalicar, Natan Sharansky oder Bestseller-Autor Tuvia Tenenbom haben bereits Artikel verfasst. Die Rabbiner Brukner, Baumel und Radbil haben diese Möglichkeit zur Kommunikation der Generation <60 (um das übertrieben auszudrücken) genutzt und nutzen sie auch in der aktuellen Ausgabe.
Innenteil des Magazins LEV
Verteilt wird das Magazin derzeit über, sagen wir »Hubs«, also Menschen, die als Verteiler dienen und im Magazin selber wird dazu aufgerufen, den Kreis der Interessenten zu vergrößern. Heute sitzen zwei Redakteure übrigens in Israel und begleiten von dort aus das Erscheinen im Zweimonats-Rhythmus. Es ist davon auszugehen, dass LEV eine größere Reichweite erhält: wenn die Macher weiterhin so engagiert bei der Sache bleiben.
Wer das Magazin bereits kennt, der möchte vielleicht etwas anfügen, wer es noch nicht kennt, der kann sich über facebook.com/LEVJournal informieren oder eine Mail an levzeitschrift@gmail.com schreiben.