Chajms Sicht

Eine jüdische Sicht auf die Dinge

13. Juli 2014 – 15 Tammuz 5774
von Chajm
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Die Saat geht auf

Synagoge Baumweg (Frankfurt am Main) im Juli 2014

Synagoge Baumweg (Frankfurt am Main) im Juli 2014

Worum geht es bei der Solidarität mit Gaza? Um Frieden? Das wäre schön!

Die Ereignisse in Israel und Gaza sind offenbar Auslöser (aber nicht der Grund!) offenen Antisemitismus zu zeigen. Das Bild oben zeigt die Synagoge Baumweg im Juli 2014.
Das Skandieren von »Kindermörder Israel« gehört natürlich zum Standardrepertoire der Friedensdemonstranten, aber zuweilen bleibt es nicht dabei.
In Essen suchen die Demonstranten die Nähe der Alten Synagoge – siehe Bericht hier.
In Frankfurt am Main wurden Fahnen der Hamas gezeigt: Islamisten demonstrierten gemeinsam mit Linken und Neonazis (siehe Bericht hier). Im Anbetracht dieser Gemengelage wundert man sich aber doch, dass die Demonstranten die Mikrofone der Polizei nutzen durften. Bedeutet: Mit dem Gerät deutscher Polizisten wird hier gegen Israel (und irgendwie auch gegen Juden) demonstriert.

In anderen Städten wie Dortmund, München und Berlin wurde ebenfalls demonstriert. In den seltensten Fällen für Frieden.

Was sich hier offen zeigt, schlummert nicht erst seit Anfang Juli in den Menschen und es wird sich mit großer Sicherheit ausweiten, wenn dem nicht massiv entgegengetreten wird. Bisher wird wenig dagegen unternommen. Besser wird es nicht. Die Saat der antiisraelischen und antijüdischen Propaganda geht auf. Selbst die Positionen von extremen Gruppierungen wie der Hamas werden fraglos übernommen.

11. Juli 2014 – 13 Tammuz 5774
von Chajm
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Noch mehr Raketen

Bis zum 7. Juli (siehe hier) wurden seit dem 1. Juli 2014 165 Raketen aus Gaza abgefeuert. Nur wenige Tage später, am 10. Juli 2014 sind es bereits 584. Umgerechnet 292.000 Euro – Geld das man prima für humanitäre Hilfe hätte ausgeben können, oder auch (verrückte Idee) für die Gehälter der Angestellten der eigenen Verwaltung. Diese Details unterstreichen: Der Hamas geht es nicht um ein eigenes Land mit funktionierender Infrastruktur, sondern primär um den Erhalt der eigenen Macht.

Raketen bis zum 10. Juli 2014

Oder man formuliert es um und schreibt, dass die Hamas nach einer breit angelegten militärischen Kampagne ruft, weil sie dringend aus ihrer innenpolitischen Lage muss. Aus irgendeinem Grund hat es ein Artikel, der das ähnlich sieht, auf die Seite von Spiegel Online geschafft.

Es ist wenig überraschend, dass die 584 Raketen von der Propaganda heruntergespielt oder ausgeblendet werden. Und das fruchtet und das ist wirklich überraschend, denn eigentlich sollte es jeden Menschen nachdenklich machen, dass die Hamas von einer humanitären Katastrophe spricht, aber andererseits viel Geld dafür ausgibt, den Staat Israel herauszufordern.
Ist die Propaganda also so gut, dass einfacherer Gemüter in die Falle tappen? Oder ist die Wahrnehmung nur noch ideologisch gefärbt? (Rhetorische Frage)

Denn bereits jetzt gab es erste Demonstrationen gegen Israel. Etwa in Dortmund. Dort durfte »Tod, Tod, Israel!« gerufen werden. Für die Stadt Essen hat der Linkspartei Jugendverband Solid für den 18. Juli zu einer Demo eingeladen (ruhrbarone berichten). Im Aufruf zu der Veranstaltung wird gesagt, was gefordert werden soll: »Sofortiger Stopp der Bombardierungen Gazas durch die israelischen Armee und die Freilassung der politischen Gefangenen.« Ein Text der übrigens zuvor lautete: »Sofortiger Stopp der militärischen Aggressionen der israelischen Armee und die Freilassung der politischen Gefangenen.«

Derweil in Israel :

Etwas, was der Staat hinnehmen soll, nach Ansicht der Demonstrationsorganisatoren.

8. Juli 2014 – 10 Tammuz 5774
von Chajm
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Raketen aus Gaza – was nun?

In Deutschland wurde es die Nacht hindurch und am Morgen auf allen Kanälen gesendet: Aus Gaza werden Raketen abgefeuert. Grund für die eilige Berichterstattung? Auf ein Schiff mit deutschen Urlaubern, die AIDAdiva, fielen Teile von Raketen. Nach Medienberichten Reste israelischer Abwehrgeschosse. Wäre eine Rakete auf dem Schiff niedergegangen würde wohl ununterbrochen berichtet werden. Und das ist sie, die Logik. Werden israelische Städte beschossen, wird Israel zur Zurückhaltung aufgefordert. Sind Urlauber betroffen, erhält die ganze Geschichte gleich eine andere Brisanz.

Und der Beschuss hat wieder zugenommen. Es scheint Phasen zu geben, in denen israelische Reaktionen offensichtlich provoziert werden sollen.

Hier das Jahr 2014 bis Juli (der noch nicht einmal zur Hälfte vorüber ist). Alle Zahlen aus öffentlichen Quellen, möglicherweise waren es sogar mehr Geschosse.

Raketen aus Gaza 2001-2014

Raketen aus Gaza 2001-2014

Wenn man bedenkt, dass eine Rakete in der Herstellung etwa 500 Euro kostet, kann man feststellen, dass die Hamas vom 1. bis zum 7. Juli bereits 82.500 Euro nur für den Beschuss israelischer Städte ausgegeben hat. (In der Grafik die Zahlen)

Raketen Januar 2014 bis Anfang Juli 2014

Raketen Januar 2014 bis Anfang Juli 2014

Mit dem Ergebnis, dass den eigenen Bürgern damit nicht geholfen ist und Israel Reservisten mobilisiert. Rückgerechnet bis zum Jahr 2001 wären das etwa 5 Millionen Euro. Seitdem hat sich die Lage der Bevölkerung nicht verbessert. Sicher hätte man das Geld auch in humanitäre Projekte investieren können? Der Erfolg der Propaganda (»Israel marschiert in Gaza ein!«) ist im Ausland sicherlich groß, aber dennoch: Was hat es an der Lebenssituation der Menschen in Gaza verändert?
Natürlich kann man mit militärischer Aggression über innenpolitische Defizite hinwegtäuschen und die Bevölkerung beschäftigen. Ist das der politische Masterplan? Machterhalt über einen weiterschwelenden Konflikt mit Israel? Offenbar lautet die Antwort Ja.

Von der Angst in der israelische Familien leben müssen, muss an dieser Stelle nicht einmal gesprochen werden. Wer ein wenig Empathie besitzt, kann das vielleicht nachvollziehen.

7. Juli 2014 – 9 Tammuz 5774
von Chajm
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Tex Rubinowitz

Euphorisiert erhöhte Schmulik erneut die Geschwindigkeit. A3 bei Aschaffenburg. Seit Jahrzehnten Baustelle. Es spielte keine Rolle. Der 5er BMW lag ruhig auf der Fahrbahn. Er hatte extra für das neue Auto ein Zimmer in Mosbach angemietet. Der Rhein-Neckar-Kreis hatte das Kürzel MOS und der neue Flitzer nun das Kennzeichen MOS-AD. Auf dem Landratsamt des Kreises juckte das niemanden. Dabei hatte Schmulik gerade die Anzahl der jüdischen Bewohner um 100% gesteigert. Auf dem Papier lebte nun genau 1 Jude in Mosbach. Der arme Kerl. Das hatte Schmulik aber nicht aber nicht so euphorisiert. Vielmehr war es eine Nachricht im Radio.

Er rief sofort Daniel an: Weiterlesen →

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7. Juli 2014 – 9 Tammuz 5774
von Chajm
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Ein jüdisches Magazin!

Ein jüdisches Magazin als richtiges Printprodukt!
Das jüdische Magazin LEV ist ein echtes gedrucktes Magazin für die Generation der jungen jüdischen Erwachsenen. Das ist bereits interessant. Noch interessanter ist aber, dass es sich um Eigeninitiative handelt. Die Köpfe dahinter haben den offensichtlichen Mangel festgestellt und ihn dann selber behoben.
Selbstverständlich musste ich direkt Kontakt mit Machern hinter dem Magazin aufnehmen.

Alexander Logvinenko, der ursprünglich aus der Ukraine stammt und nun in Wuppertal lebt, hatte die ursprüngliche Idee und suchte sich Gleichgesinnte und fand Chaya Tal (damals Köln), die sich auch für andere Projekte engagierte und heute die deutschsprachige Redakteurin ist. Deutschsprachig wird deshalb extra genannt, weil das Magazin auch einen Anteil russischsprachiger Artikel enthält. Allerdings fällt bei der Lektüre auf, dass es keine gegenseitigen Übersetzungen sind, sondern vollkommen andere Artikel mit einem anderen (eigenen) inhaltlichen Schwerpunkt.

Doch zurück zur Entstehung: 2012 also begann man unter dem Namen OR (also Licht) und für die selbständige Gruppe Shearim, die in Essen orthodoxe (junge) Leute sammelt und eigenständig Aktivitäten entfaltet.
Mit einer wachsenden Leserschaft hatte das Magazin OR nun auch andere Themen im Visier und so bauten Alexander und Chaya das Ganze in ein vollkommen eigenständiges Magazin um, wobei dem Magazin die Wurzeln im observant-orthodoxen Bereich anzusehen sind – nicht vom Design her, sondern inhaltlich. Eine Präferenz für eine besondere Gruppierung konnte ich dabei aber noch nicht feststellen.
Innenteil des Magazins LEV
Dieses neue Magazin erhielt nun den Namen LEV. Spannend ist, dass LEV sowohl hebräisch interpretiert werden könnte (also לב Herz), aber auch Russisch (Löwe). Das war wohl auch beabsichtigt und ist ein Hinweis auf die Zweisprachigkeit des Magazins. Der Löwe ist als Wappentier des Stammes Jehuda gewählt worden. Man hat hier also wenig dem Zufall überlassen – oder es im Nachhinein gut erklärt.
Mit der Namensänderung kam auch ein neues Design, einige neue Autoren, reaktivierte »alte« und bemühte sich um Unterstützung der Jewish Agency for Israel. Das Ergebnis kann sich bisher sehen lassen, das Layout ist tatsächlich recht modern und inhaltlich biedert man sich nicht bemüht der Zielgruppe an. Das mag daran liegen, dass die Zielgruppe auch selber produziert.

Das Themenspektrum ist recht breit. Historische, politische, religiöse Themen, Berichte über jüdische Identität aber auch (Vorsicht Alliteration!) Rezepte und Rezensionen. Tzahal-Mann Arye Shalicar, Natan Sharansky oder Bestseller-Autor Tuvia Tenenbom haben bereits Artikel verfasst. Die Rabbiner Brukner, Baumel und Radbil haben diese Möglichkeit zur Kommunikation der Generation <60 (um das übertrieben auszudrücken) genutzt und nutzen sie auch in der aktuellen Ausgabe.
Innenteil des Magazins LEV
Verteilt wird das Magazin derzeit über, sagen wir »Hubs«, also Menschen, die als Verteiler dienen und im Magazin selber wird dazu aufgerufen, den Kreis der Interessenten zu vergrößern. Heute sitzen zwei Redakteure übrigens in Israel und begleiten von dort aus das Erscheinen im Zweimonats-Rhythmus. Es ist davon auszugehen, dass LEV eine größere Reichweite erhält: wenn die Macher weiterhin so engagiert bei der Sache bleiben.
Wer das Magazin bereits kennt, der möchte vielleicht etwas anfügen, wer es noch nicht kennt, der kann sich über facebook.com/LEVJournal informieren oder eine Mail an levzeitschrift@gmail.com schreiben.

1. Juli 2014 – 3 Tammuz 5774
von Chajm
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Drei tote Jugendliche

Am späten Nachmittag des 30. Juni war es traurige Gewissheit. Die drei entführten Jugendlichen Eyal Jifrach (19), Jaakow Naftali Frankel (16) und Gilad Michael Schaar (16) würden nicht mehr zu ihren Familien zurückkehren. Ein herber Schlag in die Magengrube war das auch für die meisten Juden in der Diaspora, denn das Interesse und die Anteilnahme am Schicksal der Jungen war beispiellos groß.
Fassungslos musste man lesen, dass sogar die Fahrzeuge, welche die Körper der Jugendlichen abtransportieren sollten, angegriffen wurden.

Bevor man wieder so richtig Worte finden konnte, schrieb Rabbiner Jonathan Sacks:

Eyal, Gilad and Naftali were killed by people who believed in death. Too often in the past Jews were victims of people who practised hate in the name of the God of love, cruelty in the name of the God of compassion, and murder in the name of the God of life. It is shocking to the very depths of humanity that this still continues to this day.
von hier: blogs.timesofisrael.com

Bewegend ist der Bericht von Rabbi Pinchas Allouche, der mit Rabbiner Steinsaltz im Auto saß, als er die Nachricht vom Tod der drei Jugendlichen erhielt. Rabbiner Steinsaltz gründete die Mekor Chaim Jeschiwah von der zwei der Schüler stammten:

The news splashed across his face and turned it white. Tears streamed down his cheeks. Uncontrollably, he repeated the Psalmist’s words: “For Your sake we are killed every day; we are being slaughtered like sheep!” von hier: blogs.timesofisrael.com

Zwei Texte die man lesen sollte, noch bevor man sich in eine Analyse stürzt und sich bei der Lektüre der deutschsprachigen Medien aufregt — weil diese natürlich nicht mit der Empathie berichten, wie man das vielleicht hätte erwarten können. Auch werden nun Themen vermischt und suggeriert, Israel hätte Gaza als Reaktion auf die Nachricht vom Tod der Jugendlichen bombardiert: »Nachdem drei entführte Jugendliche tot aufgefunden wurden, hat Israel Ziele im Gazastreifen bombardiert« schrieb etwa die ZEIT und auch der SPIEGEL verwendet einen Doppelpunkt statt eines Strichs: »Getötete israelische Jugendliche: Israel fliegt Angriffe auf Gazastreifen«.
Angesichts weiterer Verdrehungen wie dieser, kann man nicht davon ausgehen, dass die Empathie sonderlich groß ist.
Die Jugendlichen wurden ermordet, weil sie Juden waren, das ist eine Tatsache, die eine politische Analyse von »Siedlungsprojekten« nicht überdecken kann.
Rabbiner Steinsaltz fordert deshalb:

Therefore, to best honor their memories – indeed, to confront evil –we must act always as proud Jews, in our deeds and through our lives.
von hier: blogs.timesofisrael.com

בלע המות לנצח

Gemeinden, die sich »messianisch« nennen, gibt es mittlerweile in vielen Städten. Das sind nicht immer große Gruppen, aber ihre Absicht ist klar: Sie wollen Juden zu Christen machen. Wie Evangelikale Zuwanderern ein »neues Heilserlebnis« vermitteln wollen: Der gesamte Artikel über die Missionierung von Zuwanderern ist auf den Seiten der Jüdischen Allgemeinen zu finden, hier.

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18. Juni 2014 – 20 Sivan 5774
von Chajm
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Drei Entführte – drei Finger

Drei israelische Schüler wurden entführt und wenngleich die Hamas noch immer die Verantwortung dafür von sich weißt, so verneinen ihre Offiziellen und ihre Sympathisanten nicht, dass sie Idee mögen.
Blitzschnell hat sich eine neue Geste verbreitet mit der man seine Sympathie für die Entführer (nicht für die Entführten) bekunden kann: Drei Finger. Bei facebook und twitter wird von den »Drei Schalits« gesprochen. Also in Anlehnung an den Entführten und freigelassenen Gilad Schalit. Das ist dann auch der entsprechende Hashtag für die ganze Geschichte: #ثلاث_شلاليط

Über die Twittersuche kann man sich anschauen, mit wie viel Begeisterung die Entführung aufgenommen wurde und sich lebhaft vorstellen, wie dies auf Menschen wirkt, die sich für das Schicksal der Entführten interessieren. Man sieht Kinder, junge Männer und Frauen, Gruppen von Menschen vor westeuropäischer Kulisse und Kinderzeichnungen. Unter anderem Abscheulichkeiten wie diese hier.

Zunächst erinnerte mich der Gruß ein wenig an Tri Prsta, den Serbischen Gruß, der ja auch mit drei Fingern gezeigt wird und seinen Ursprung in der Serbisch-Orthodoxen Kirche hat, aber in den 90er Jahren populär wurde.
Hier ist aber die Fingerstellung nicht so ganz, wie im neuen palästinensischen Gruß (jedenfalls nicht immer). Der ist wohl dem R4bia-Zeichen entlehnt.

Der Ausflug in die Welt des entsprechenden #drei_Schalits Hashtags offenbart, dass der Nahostkonflikt nicht mit einer abschließenden Grenzziehung beendet sein wird. Das zeigt vielmehr das tiefsitzende Problem einer Gesellschaft, die den Schaden und die Sorgen anderer zelebriert. Das sieht jedenfalls nicht danach aus, als mache man sich derzeit Sorgen um einen Frieden.
Hier wird ausschließlich der Sieg gefeiert. Über drei drei jüdische Jugendliche, die hier vielleicht stellvertretend für alle Israelis und sicherlich auch für alle Juden stehen. Und man kann das Phänomen nicht einmal auf die harten Anhänger der Hamas beschränken.
Die (geistigen) Unterstützer solchen Unsinns leben überall auf der Welt.

17. Juni 2014 – 19 Sivan 5774
von Chajm
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Drei Jungs

Drei Schüler wurden entführt, zwei davon lernten auf der Mekor Chaim Jeschiwah, gegründet von Rabbiner Adin Steinsaltz.
Rabbiner Steinsaltz schreibt:

Die Entführung unserer Schüler ist ein schockierendes, schmerzhaftes und beängstigendes Ereignis. Zu einem Zeitpunkt und einem Ort, der uns ruhig und friedlich erschien, wurden wir in ein Ereigniss hereingezogen, das wir nicht beeinflussen können.
Vielleicht ergeht es uns heute besser als in der Vergangenheit, als wir gar nicht in der Lage waren, auch nur den Versuch von Rettung oder Befreiung zu unternehmen. Wir sind der Israelischen Verteidigungsarmee (Tzahal) dankbar für ihre Bemühungen.
von hier

Entführungen sind, zumindest für die Hamas, ein politisches Instrument geworden. Spätestens seit dem Geschäft mit Gilad Schalit, der für 1027 gefangene Anhänger von Terrororganisationen ausgetauscht wurde. Das Mittel genießt aber offenbar so großes Ansehen, dass gleich drei Terrororganisationen die Verantwortung dafür übernehmen wollten. Die israelische Regierung sieht jedoch die Hamas als verantwortliche Kraft dahinter. Vor dem Hintergrund ihrer letzten Operationen mit gefangenen Israelis dürfte das auch wahrscheinlich sein. Damit setzt die Hamas natürlich auch Mahmud Abbas unter Druck. Er kann sich weder von den Entführungen vollumfänglich distanzieren – er hat ist ja mit der Hamas eine Einheitsregierung eingegangen – noch sie öffentlich unterstützen. Das würde seine Position gegenüber der internationalen Gemeinschaft vollständig unglaubhaft machen und ihn nachhaltig schwächen.

Das ist die Stunde der Armee und tatsächlich bewegt die israelische Armee viel, um die drei Teenager zu finden. Die internationale Anteilnahme, jedenfalls unter Juden, ist beispiellos. Unter dem Hashtag #BringBackOurBoys wird getwittert. Mittlerweile wurde der Hashtag jedoch von denjenigen gekapert, die offensichtlich die Sache der Entführer unterstützen und auch mit antisemitischen Abbildungen arbeiten:

Natürlich wird wieder der Begriff »Gewaltspirale« herumgeistern. Die einzige Spirale der Gewalt die sich hier erkennen lässt ist, dass wieder Menschen Terroranschläge verüben werden – ins Gefängnis kommen – und irgendwann freigepresst werden – das Mittel war effektiv – wieder verüben Menschen Terroranschläge etc. etc. und beteiligt sind Mitglieder der Einheitsregierung. Die jetzigen Inhaftierten bereiten sich vermutlich schon auf ihre baldige Freilassung vor.

Dann gibt es aber auch Reaktionen wie diese hier von Mohammed Zoabi, der als israelischer Araber davon spricht, dass der Terror arabische wie jüdische Israelis trifft.

Die deutschsprachigen Reaktionen (facebook, twitter, Blogs) auf die Geschichte sind wenig originell:
Sie betreiben die übliche Medienanalyse und kommen zu dem Ergebnis, dass die deutschsprachigen Medien nicht ausgewogen berichten, oder gar nicht. Das wird dann auch fleißig bei facebook geteilt. Der Erkenntnisgewinn liegt knapp über der Mitteilung, dass die Erde um die Sonne kreise und nicht umgekehrt. Nur, dass bei der Verkündung des heliozentrischen Weltbilds die aggressive Empörungsbereitschaft fehlt.
Irgendjemand findet dann auch immer einen Verblendeten, der in Gaza Bonbons und Süßigkeiten anbietet, wenn in Israel eine Tragödie passiert und wieder beginnt die Beschäftigung mit Nebenaspekten.
Da wird viel Aufwand betrieben um die Versäumnisse der Medien aufzudecken. Wir (der gesamte Kreis von Menschen, die sich nicht Israelkritisch nennen) wissen das mittlerweile und diejenigen, die es nicht wissen wollen, werden weiterhin die Nachrichten konsumieren, die ihnen genehm sind. Die beständige Ventilation gegen etwas füllt viele Bildschirmseiten und Kommentarspalten. Zielführender ist es mit Sicherheit, zu einem vernünftigen Nachrichtenangebot beizutragen und sachlich zu informieren.

In Deutschland sind kurzfristig Aktionen zur Solidaritätsbekundung geplant, siehe hier.
In den Siddurim von Koren gibt es einen Mischeberach für diejenigen, die in Gefangenschaft gerieten. Online gibt es hier einen: Opensiddur.org.

16. Juni 2014 – 18 Sivan 5774
von Chajm
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Koscheres Fleisch – Vertrauensbrüche

avv_heller

Wenn man über Kaschrut und deren Einhaltung spricht, dann spricht man immer auch von Vertrauen: Vertrauen das der Käufer dem Verkäufer entgegenbringt, oder Vertrauen, das der Gast demjenigen entgegenbringt, der ihn bewirtet.
Man kann dem mit einer Flut mit Zertifikaten begegnen (dem Hechscher), es bis auf die Spitze treiben und irgendwann nur noch bestimmten Zertifikaten vertrauen. Das ist keine sehr angenehme Geisteshaltung. Das dürfte nicht also der charmanteste Weg sein. Meint man (vernünftigerweise).

Und dann passieren Dinge, wie diese:
In Frankfurt soll ein Händler (Aviv) nicht geschächtetes Fleisch als koscheres verkauft haben. Die Jüdische Allgemeine spricht von einem Schaden von einer halben Million Euro. irgendwiejüdisch schrieb schon in der vergangenen Woche über den Bericht, hier.
Gab es einen ähnlichen Vorfall nicht auch in Wien?

Der betroffene Lebensmittelhändler belieferte nicht wenige jüdische Einrichtungen im jüdischen Deutschland. So wie es heute ausschaut, mutmaßlich, also mit nicht-koscherem Fleisch. Wenn es tatsächlich so gewesen sein sollte (noch ist ja niemand verurteilt), dann hätte er mehrere Schäden verursacht. Zum einen das Grundmisstrauen in Kaschrut weiter geschwächt und denen Recht gegeben, die eine strengere Überwachung wollen, zum anderen hätte er die Kunden in die Irre geführt und sie finanziell geschädigt.
Das bedeutet aber auch: Der Verkäufer kann kein besonders observanter Jude sein. Ansonsten würde er vermutlich fürchten, für diese Irreführung auch irgendwann metaphysisch zur Verantwortung gezogen zu werden. Innerhalb der eigenen Gemeinde würde er vermutlich kein Bein mehr auf den Boden bekommen.

Eine Frage muss man aber stellen:
Was ist, wenn es nicht stimmt? Bislang sind es nur Vorwürfe.
Die Vorwürfe ergaben sich aus einer anderen Ermittlung der Polizei, so heißt es auch in der Jüdischen Allgemeinen.
Konkret bedeutete dies: Man beobachtete den Lebensmittelhändler wohl wegen des Besitzes und Schmuggels von Drogen.
Woher der Anfangsverdacht stammt, ist derzeit nicht bekannt. Wer in Antwerpen Rosinenkuchen orderte, könnte ja schließlich auch etwas anderes meinen. Das Journal Frankfurt berichtet in diesem Zuge von ergebnislosen Hausdurchsuchungen.
Eine Art Resteverwertung dieser Ermittlungen waren offenbar die Vorwürfe des Weiterverkaufs nicht-koscheren Fleisches. Und so ging die Ermittlungsbehörde taktvoll vor und sandte den Kunden von Aviv zu diesem Thema einen Fragebogen.
Und wie wir gerade sahen, ist der Einkauf koscherer Waren eine Frage des Vertrauens. Was machen also die Kunden, die einen solchen Fragebogen erhalten, der das Ziel hat, zu ermitteln, ob der Händler nicht-koscheres Fleisch verkauft?
Richtig: Sie kaufen woanders und besorgen sich das Fleisch in München oder in Frankreich. Der Markt Aviv musste also schon schließen, bevor etwas konkretes vorlag. Und das, obwohl der Gemeinderabbiner dem Laden sein Vertrauen ausgesprochen hat. Vertrauen die Gemeindemitglieder ihrem Rabbiner nicht? Vertrauten sie einem anderen Händler mehr?

Der Punkt ist: Mit dem Eintreffen des Schreibens bei den Kunden dürfte sich die Geschäftsgrundlage erledigt haben.