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Ein jüdischer Kalender für vier Jahre

Luach Book

Jüdische Kalender-Apps regieren derzeit und das mit jeder Berechtigung.
Es ist einfach, sie zu verwenden und sie sind überall dabei und liefern meist die gewünschte Information.

Aber natürlich gibt es »noch immer« gedruckte jüdische Kalender auf dem Markt.
Auch auf dem deutschsprachigen. Es gibt (gute) Wandkalender, aber auch Taschenkalender.
Es gibt einen literarischen, einen liberalen und einen knappen gegen eine Spende.
Die beiden erstgenannten enthalten auch einen umfangreichen Serviceteil

Zu allem Überfluss kommt nun ein vierter hinzu.
Der inoffizielle Arbeitsname dieses Büchleins (164 Seiten) lautete »Jüdischer Kalender ohne Schnickschnack«.
Es ist ein kleines Buch geworden. Reduziert auf die wesentlichen Dinge:

Man findet

den bzw. einen jüdischen Kalender
Den jüdischen Kalender für die Jahre 5776, 5777, 5778 und 5779. Geordnet nach den jüdischen Monaten mit einer Angabe des Wochentages und des Datums nach allgemeiner Zeitrechnung
alle Schabbatot mit Angabe des Wochenabschnitts
Der Name des Wochenabschnitts/der Paraschah ist jeweils zum Schabbat vermerkt. Besonderheiten sind direkt am jeweiligen Schabbat vermerkt.
Eine ausführliche Liste der Wochenabschnitte findet man im Anschluss an das eigentliche Kalendarium. Dort sind auch die Lesungen des Mafir vermerkt und natürlich die Lesungen der Haftarah.
Die Liste orientiert sich an den Erfordernissen in der Diaspora, Minhag Aschkenaz. Die Liste der Torah- und Haftarahlesungen umfasst jedoch wesentlich mehr Minhagim.
Besonderheiten für Beter
Wird Tachanun gesagt oder nicht? Fügt man die Brachah für den Tau ein, oder nicht? Derartige Dinge sind natürlich vermerkt.

Man findet keine

bunten Bilder
Der Kalender soll ein ablenkungsfreies Kompendium für das jüdische Jahr sein.
Wer ein bestimmtes Datum sucht, soll fündig werden,
wer wissen will, welcher Wochenabschnitt an diesem Schabbat in der Synagoge gelesen wird, soll diese Information auch möglichst schnell finden können.
Damit man das nicht in jedem Jahr erneut kaufen muss, gibt es vier Jahre zusammen.
Das Verzeichnis der Wochenabschnitte und Haftarot hat natürlich darüber hinaus Bestand.
Dieser Kalender könnte sogar am Platz in der Synagoge aufbewahrt werden.
Adressen aller Rabbiner in Deutschland
Es ändert sich viel und es sich ändert sich vieles schnell. Diese Informationen gibt es online.
Adressen aller Gemeinden
Diese Änderungen geschehen nicht so sehr häufig und nicht sehr schnell, aber die Informationen sind alle online verfügbar. Die wenigsten benötigt man jeden Tag.

Wo ist das Buch erhältlich?

Natürlich online (amazon, buecher.de, buch.de, ebook.de, buchkatalog.de)
Oder über die Angabe der ISBN natürlich auch im lokalen Buchhandel:
ISBN-10: 3738632484
ISBN-13: 978-3738632484

zum Preis von 7,50 Euro – immerhin nur ungefähr 1,88 Euro pro Jahr!

Hier ein paar Einblicke (anklicken um sie zu vergrößern)


oder bei google-books.

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Die Tora des Herder Verlags

Die Tora von Herder

Der Verlag Herder hat eine neue Ausgabe der Tora(h) auf den Markt gebracht. Eine Rezension von mir dazu gibt es hier bei der Jüdischen Allgemeinen.

Vor der Schoah erschien eine ganze Reihe von gedruckten Torah-Übersetzungen mit verschiedenen Ansätzen. Die verschiedenen Ausgaben lassen erahnen, wie rege und intensiv die inhaltliche Auseinandersetzung mit den Texten war. Die Drucke waren oft hervorragend. Schön gestaltete Bände, sehr häufig mit Kommentar und hebräischem Originaltext. Das meiste davon in Fraktur gedruckt – natürlich. Das verhindert, dass man die alten Bände einfach nachdrucken konnte.

Und so ist es noch besser, dass es Verlage gibt, ein gewisses unternehmerisches Risiko eingehen, diese Schätze bergen und uns die Übersetzungen wieder verfügbar machen. Die Übersetzung von Ludwig Philippson (1811-1889) ist so ein Schatz. Recht flüssig zu lesen und unter Vermeidung vieler Wiederholungen. Wie man hier nachlesen kann, ist die sprachliche Überarbeitung gut gelungen.
Der revidierte Text begleitet im gedruckten Buch auch den hebräischen Originaltext der Torah und das ist gewissermaßen der Schlüssel zum Layout der gesamten Torah-Ausgabe.
Dieser wurde nicht für diese spezielle Tora-Ausgabe neu gesetzt, sondern schon im vorletzten Jahrhundert. Die Ausgabe von Max Me‘ir Halevi Letteris (1800-1871), die ab 1851 veröffentlicht wurde, lieferte den hebräischen Text.
Das gute daran ist, dass der Text von Letteris gut lesbar ist (siehe auch hier). Letteris wählte eine gute Schrift für seine Torahausgabe. Im Geist der Zeit und zur Internationalisierung griff er zu lateinischen Strukturhinweisen. Diese wurden auch in die Herder Ausgabe übernommen. Hier heißt es »Caput 1« statt Kapitel 1 und wie im Letteris-Original gehen auch die Wochenabschnitte im Text etwas unter. Sie stehen zwar oben auf dem Seitenrand, aber nicht explizit im Fließtext. Während bei Letteris die Aufrufe zur Torah im Text stehen, findet man sie in der Herder Ausgabe am Textrand.
Wenn eine Letteris-Seite ihr Ende findet, ist aber auch dann die Seite mit der Übersetzung beendet. Eine Neupositionierung des hebräischen Textes (und ein Auseinanderschneiden) hätte vermutlich bedeutet, dass man dies auch auf den folgenden Seiten hätte tun müssen. Oder einfacher ausgedrückt: Das hebräische Textvolumen gibt vor, wie viel Übersetzung auf der linken Seite steht.
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Initialwörter in hebräischen Texten

Eine Initiale kennt man im Deutschen ja ganz gut (und wenn alles geklappt hat, sieht man auch eine am Beginn dieses Textes). Das ist ein schönes Gestaltungselement. Wenn es smart ausschauen soll, dann kann man auch schmuckvolle Initale verwenden.
In hebräischen Drucken – in erster Linie in religiöser Literatur – findet man weniger Initiale als vielmehr ganze Initialwörter. Das ist ein Element welches man sehr selten in anderen Sprachen sieht. Noch nie gesehen? Doch! Wer schon einmal ein Werk von Artscroll (Mesorah) gesehen hat, der hat auch das Initialwort gesehen.

Der Platz unter dem ersten Worten des Textes ist frei und man erkennt, welcher Text folgt und wie er zusammengehört:

Artscroll Siddur - Initialwort

Artscroll Siddur – Initialwort

Das Initialwort wäre also hier:

Initialwort im Artscroll Siddur - hervorgehoben

Initialwort im Artscroll Siddur – hervorgehoben

Man sieht recht gut (hier durch den gelben Kasten hervorgehoben), dass unter dem ersten Wort Raum gelassen wurde. Dieser strukturiert den Text insgesamt ein wenig. Der gesamte Block benötigt keine Überschrift, sondern nutzt das erste Wort als solche. Ein Element zur Textstrukturierung. Nicht erst seit Artscroll.

Auch andere Siddurim (und auch halachische Texte) machen davon Gebrauch.
Ein paar Beispiele:

Siddur Tehillat HaSchem – der Siddur von Chabad:

Siddur Tehillat HaSchem

Siddur Tehillat HaSchem

Kol Peh Chadasch das (zu Unrecht, vielleicht weil es günstig ist ) beliebte Siddur aus Israel:

Initialwort in Siddur kol Peh Chadasch

Initialwort in Siddur kol Peh Chadasch

Und ein Machzor Kol Bo von der Hebrew Publishing Company:

Machzor nach Nussach Sfard mit jiddischer Übersetzung

Machzor nach Nussach Sfard mit jiddischer Übersetzung

Was man schnell an dieser zufälligen Auswahl bemerkt ist, dass sich die Zweizeiligkeit eine Art Standard zu sein scheint.

Es ist durchaus möglich, dass diese Art der Strukturierung alte hebräische Handschriften nachahmt, aber aus praktischen Gründen auf die Vergrößerung der ersten Worte verzichtet. Vielleicht weil man einfach mehr Buchstaben einer Größe zur Verfügung hatte und auf viele Größenänderungen verzichten musste. In vielen Handschriften findet man jedenfalls Initialwörter – oft noch zusätzlich verziert oder vergrößert:

Dies ist eine spezielle Art von hebräischem Textsatz. Wer einmal damit begonnen hat auf diese Feinheit zu achten, der wird das schnell in vielen hebräischen Büchern finden und sich vielleicht wundern, wie einfach sich Absätze (technisch gesehen aber nicht) strukturieren lassen. Ob das auch für deutschsprachige Texte funktioniert, müssen Leser entscheiden.

Der praktische Teil

Für InDesign Nutzer könnte sich nun die Frage stellen – schön, aber wie mache ich das? Diese Frage versuchen wir nun zu lösen. Weiterlesen

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Haggadah online

Ausschnitt aus der Tegernsee Haggadah

Ausschnitt aus der Tegernsee Haggadah

Eine kleines Projekt, in dem schon ein paar Stunden Aufwand stecken: Eine Haggadah online. Diese gibt es nun eine vollständig (hoffentlich) online und in deutscher Sprache. Was eigentlich ein Novum sein sollte; wenn man über eine Haggadah mit hebräischem Text und einigen Illustrationen spricht.
Der eigentliche Beginn der Seite lag in ein paar Basisinformationen zur Haggadah und der Präsentation der Bilder aus einer Haggadah, die im 15. Jahrhundert entstanden ist. Aber dann kamen aber immer mehr Textabschnitte hinzu und schließlich machte es keinen Sinn mehr, den einen Text mit einer Übertragung vorzustellen, aber einen anderen nicht. Das Ergebnis ist also hier zu betrachten.
Schließlich wurde der Text auch unter eine Creative Commons Lizenz (Creative Commons Namensnennung 4.0 International Lizenz) gestellt. Vielleicht verwenden ja deutschsprachige Nutzer den Text als Startpunkt für eine eigene Haggadah und teilen diese ebenfalls (was sie tun müssten, laut Lizenz). Mal schauen, ob das jemand tut.

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Judas

Buchcover Amos Oz: Judas

Buchcover Amos Oz: Judas

Es ist Winter in Jerusalem.
Ein nasser, kalter, unfreundlicher Winter zwischen den Jahren 1959-1960.
Jerusalem ist von drei Seiten umschlossen von Feindesland.
Hin und wieder fallen Schüsse.
Schmuel Asch, ein bärtiger, sozialistischer, zionistischer, asthmatischer und etwas nachlässiger Student wird direkt zu Beginn des Buches seiner Umgebung entrissen. Einige Sätze reichen, um dem jungen Mann auf ein leeres Spielbrett zu stellen.
Seine Freundin heiratet einen anderen, seine Eltern verlieren ihr Geschäft und können so das Studium von Schmuel nicht mehr bezahlen. Seine Arbeit zum Thema »Jesus in der Perspektive der Juden« kann er nicht mehr fertigstellen.
Die Geschichte führt ihn aber dann in das »Haus Abrabanel« Bejt Abrabanel. Weiterlesen

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Die Torah – eine deutsche Übersetzung

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Schaut man sich in Bücherregalen um, dann entdeckt man in vielen Synagogen (und Haushalten) noch Torah-Übersetzungen von Professor Leopold Zunz. Diese stammt übrigens nicht von Professor Leopold Zunz. Rabbiner Heymann Arnheim (1796-1865) übersetzte die ersten vier Bücher des Pentateuchs und Rabbiner Dr. Michael Sachs (1808-1864) das fünfte. 1837 gab Zunz dann eine deutsche Ausgabe des gesamten Tanachs heraus.
Diese Ausgabe wird bis heute verwendet und auch nachgedruckt. Dabei ist das Deutsch dieser Ausgabe nicht das aktuellste. Der Oheim am Born ist heute keine Formulierung, die man überall hört.
Auf der anderen Seite gibt es zahlreiche Interessenten, die immer wieder nach einer »jüdischen« Ausgabe der Torah fragen. Ein paar deutschsprachige gibt es natürlich:
Es gibt (wieder) eine vollständige Ausgabe des Kommentars von Samson Raphael Hirsch – mehrbändig (und großartig) und auch eine Torahausgabe von Rabbiner Gunther Plaut (ebenfalls mehrbändig) für den liberalen Markt.
Als Komplettband gibt es den Pentateuch von Rabbiner Joseph Wohlgemuth und Rabbiner Selig Bamberger. Hebräisch-Deutsch, dafür fehlt ein Kommentar und der Text wird als großer Block dargestellt. Ein Angebot für beides gibt es bisher nicht. Also ein wenig Kommentar und ein übersetzter Text. Bis jetzt natürlich nur. Denn ab jetzt gibt eine Art Synthese. Eine deutschsprachige Torah mit einem kleinen Kommentar und einer modernen Aufmachung.

Blick ins Buch Schemot

Für diese Ausgabe der Torah, wurde der Text von Zunz, Arnheim und Sachs aktualisiert. Die Satzstellung wurde in vielen Fällen beibehalten, besonders, um die Verbindung zum hebräischen Original aufrecht zu erhalten (Verb zu Beginn des Satzes, oft einem »und« folgend). Abgeglichen wurde der Text dann mit der Übersetzung von Rabbiner Samson Raphael Hirsch (1808-1888). Ziel war es, einen Eindruck vom jüdischen Verständnis der Torah zu schaffen.
Dies bedeutet, dass auch einige Begriffe nicht interpretierend übersetzt werden, sondern im hebräischen Original stehen bleiben und kommentiert werden. Tza’arat wäre ein solches Wort.
Tzaarat Torah

So wird etwa das »Auge für Auge«-Prinzip erklärt oder was das besondere am Turmbau zu Babel ist, oder es wird mal ein Blick in den Torahkommentar von Raschi gewagt.

Am Ende des Buches findet der Leser eine Übersicht über »alle« Haftarot nach aschkenasischem, sefardischen, jemenitischen oder italienischem Brauch.

Einen Wochenabschnitt kann man hier zur Ansicht herunterladen. Google Books bietet eine umfassende Voransicht.

Der Preis lieht bei 26 Euro und das Buch hat einem Umfang von 460 Seiten. Bei einer winzigen Auflage ist leider kein besserer Preis zu erreichen und es flossen natürlich keinerlei externe Zuwendungen für die Realisierung dieses Projekts. Wenn ein gewisses Grundinteresse vorhanden ist, wird Buch mit allen Haftarot folgen.

Das Buch ist über den Buchhandel erhältlich (zu bestellen) oder auch über amazon.de.

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Ende des Experiments

Hypertexte

Mit »Der Talmud – Hypertext« kündigte ich das Experiment moreschet.de an. Eine Möglichkeit, dass viele Hände an der Übersetzung jüdischer Texte mitarbeiten. Zugleich schrieb ich aber auch:

Chance und Gefahr ist die Möglichkeit, dass jeder Nutzer die Texte bearbeiten kann:
Gefahr nicht unbedingt, weil nicht absehbar ist, was User dort eintragen, sondern vielmehr, weil es durchaus sein könnte, dass die Beteiligung an der Textarbeit sehr zurückhaltend sein wird – das Interesse am Inhalt jedoch sehr hoch.

Tatsächlich gab es rund 80 Anmeldungen für Benutzerkonten, allerdings kaum Textarbeiten. Um nicht zu viele verschiedene Seiten mit Texten pflegen zu müssen, wandern nun die Texte wieder zurück zu talmud.de – siehe etwa hier. Dafür werden sie dort sorgfältig bearbeitet und mit Kommentaren versehen. Damit wird die Anzahl der Texte zwar nur langsam wachsen, aber immerhin irgendwie wachsen.

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Torah für Kinder

Cover von Erzähl es deinen Kindern

Da wurde eine Lücke geschlossen: Bruno Landthaler und Professorin Hanna Liss legen nach langer Arbeit eine Torah-Ausgabe für Kinder (zwischen 6 und 12) vor. »Endlich« muss man sagen. Jüdische Kinderliteratur ist ja, wegen des kleinen Markts, nicht sonderlich verbreitet.

Liss und Landthaler überarbeiteten die einzelnen Wochenabschnitte kindgerecht und fassten das Ergebnis nun als Buch zusammen. »Erzähl es deinen Kindern« ist der Titel der Reihe. Reihe deshalb, weil es am Ende fünf Bücher sein werden. Also eines zu jedem Buch der Torah.

Zu jedem Wochenabschnitt gibt es eine Einleitung, die sich vermutlich an Eltern oder Vorleser richtet. Dann ein Zitat aus dem hebräischen Originaltext und dann anschließend die entsprechende Erzählung. Mitunter kann es vorkommen, dass nicht jeder Text sich für kleinere Kinder eignet. Dieser Text wurde dann kursiv gesetzt und zeigt so, dass man ihn für kleinere Hörer überspringen kann.

An den Rändern haben die Autoren Hinweise untergebracht. Etwa Erklärungen zu einzelnen Begriffen, oder Hinweise dazu, dass der Abschnitt auch zu bestimmten Gelegenheiten in der Synagoge gelesen wird.
Zwölf Bilder des israelischen Illustrators Darius Gilmont sind jeweils auf Einzelseiten untergebracht.

Die (Vor-)Lesetexte dürften Kindern keine Schwierigkeiten bereiten und sie langsam an die Torah heranführen. Erzählt wird natürlich nicht immer der gesamte Wochenabschnitt, sondern Teile davon. Wie das für, sagen wir mal, vorschriftslastige, Wochenabschnitte gelingt, davon kann man sich schon jetzt ein Bild auf kleinetora.juedische-bibel.de machen.

Im Vorwort wird auf eine weitere kindgerechte Heranführung an das Thema Torah und Tanach Bezug genommen: 1964 hat Dr. Abrascha Stutschinsky seine Bibel für Kinder erzählt im Zürcher Javne Verlag veröffentlicht, später erschien sie auch bei Scriba Verlag Köln. Die Autoren der aktuellen Ausgabe verweisen auch auf das Alter. 50 Jahre sei der Text nun alt. Viel wichtiger ist jedoch, dass die Texte nicht nach Wochenabschnitten geordnet sind. Dr. Stutschinsky hangelt sich an den Erzählungen des Tanach entlang und verwendet diese als einteilende Abschnitte. Etwa Die Erschaffung der Welt, Der siebente Tag, Der Turm und so weiter. Das sollte jedoch aber nicht heißen, dass die Ausgabe von Dr. Stutschinsky überholt sei. Sie ist noch immer aktuell und folgt auch inhaltlich einer anderen Herangehensweise. Dr. Stutschinsky hat bei seiner Nacherzählung der Geschichten aus der hebräischen Bibel immer wieder Elemente aus dem Midrasch verarbeitet und öffnet kleinen Lesern und Zuhörern ganz selbstverständlich eine Tür zum Textverständnis, welches in der Tradition verankert und ihr verpflichtet ist.

Werfen wir doch einen Blick in beide Texte und stellen sie einander gegenüber. Dies veranschaulicht schon die verschiedenen Hintergründe.
Der Beginn des Wochenabschnitts Bereschit:

Die Bibel für Kinder erzählt von Dr. Abrascha Stutschinsky:

Vor vielen vielen Jahren gab es noch keinen Himmel, keine Sonne, keinen Mond und keine Sterne, keine Erde, keine Menschen und keine Tiere. Es gab nichts. Nur G-tt wohnte ganz hoch oben mit seinen vielen Engeln. Dort oben war es schön und hell von funkelnden Diamanten und Edelsteinen, und es ging sehr fröhlich zu, denn die Engel sangen wunderschön. Aber unten war es dunkel, kalt und still. Alles war mit Wasser bedeckt.
Da sagte G-tt einmal zu seinen Engeln:
»Ich will es auch unten schön machen.«
Und plötzlich hörte man eine Stimme:
»Es werde Licht!«
Das war die Stimme G-ttes.

(Die Bibel für Kinder erzählt, Seite 13)

Erzähl es deinen Kindern von Hanna Liss und Bruno Landthaler:

Ganz zu Anfang, als G’tt Himmel und Erde erschuf, war die Erde ganz leer, und überall herrschte Dunkelheit. Nur der Geist G’ttes schwebte über dem Wasser.
Da sagte G’tt: »Es soll Licht sein.« Und dann war da ein Licht.

(Erzähl es deinen Kindern, Seite 17)

Die Autoren nutzen durchgängig die Schreibung G’tt (mit Apostroph). Um denjenigen entgegen zu kommen, denen das wichtig ist, so heißt es im Vorwort. Im erklärenden Text zu dieser Schreibung wird G-tt jedoch mit ›o‹ geschrieben. Der frühere Düsseldorfer Rabbiner Michael Goldberger (seligen Angedenkens) frug übrigens einmal, warum wir G-tt immer mit einem Apostroph schreiben, und nicht mit einem Ausrufezeichen? Also: G!tt.

Im hebräischen Text wird ebenfalls auf das Tetragrammatons verzichtet. In der Regel heißt es ה‘. Auf dem Cover jedoch findet man das ausgeschriebene Tetragrammaton. Der G-ttesname ist, nach Moses Mendelssohn, mit »der Ewige« übertragen. Das ist, leider, die verbreitete Übertragung des Namens und deshalb auch hier zu finden. Zumindest bringt es den Vorleser dazu, zu versuchen, die Sache mit dem Namen G-ttes zu erklären. Redaktionell ist es schwierig, einem Text gerecht zu begegnen. Vor dem Hintergrund, dass zwei Juden drei Meinungen haben, muss man zunächst die Tatsache hervorheben, dass die Autoren Mut zu redaktionellen Entscheidungen hatten und nicht unsicher alle Entscheidungen auf die Leser abladen. Lediglich bei einer Entscheidung geht der Autor dieser Zeilen nicht ganz konform mit den Autoren (in aller Bescheidenheit). So bleibt die Arche Noach hier ein Schiff. Zwar erwähnen die Autoren im Text das hebräische Original (tewah), verschweigen aber, dass es sich dabei eher um einen Kasten handelte. Denn, was bedeutet Arche? Eine Frage, die mir während des Vorlesens des Textes gestellt wurde. Kasten, antwortete ich. Noachs Kasten ist aber auch nicht sonderlich charmant.

Das Layout des Textes ist robust (ebenso wie das Papier – bei Kinderbüchern ja auch ein Thema). Bei der Schrift scheint es sich um die Atma Serif zu handeln. Wie bereits erwähnt, ist zusätzlicher Text kursiv gedruckt. Das Vorwort ist jedoch in der gleichen Schrift dargestellt. Hier muss der Leser, der mehr als eine Paraschah am Stück vorlesen möchte, sich also inhaltlich erst einmal ein wenig orientieren und schauen, wo er wieder einsetzt.
An einigen Stellen setzt das hebräische Zitat am Seitenende an und wird dann in der deutschen Übertragung erst auf der nächsten Seite fortgeführt (siehe unten auf der rechten Seite auf dem Foto). Hier wurde eine inhaltliche Einheit voneinander getrennt.

Innenansicht

Der erste Band Bereschit hat 128 Seiten und kostet 24,80 Euro und das ist ein Punkt, den man kritisieren muss. Natürlich ist die Produktion eines Kinderbuchs nicht besonders günstig und der Zentralrat hat dankenswerterweise schon Geld zugeschossen, zumal die Auflage nicht sonderlich hoch sein dürfte. Allerdings bedeuten 24,80 Euro pro Band, dass man am Ende für die gesamte Torah 124 Euro bezahlt. Das ist ein recht hoher Preis und deutet vielleicht darauf hin, dass eher jüdische Einrichtungen und Gemeinden zur hauptsächlichen Zielgruppe gehören. Wer engagiert ist und das notwendige Geld in die Hand nehmen möchte, erhält eine Torah für Kinder, die sicher auch die Eltern animieren wird, sich Gedanken über den Text zu machen.

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Majn Alef Bejs

Majn Alef Bejs

Abbildung aus »Majn Alef Bejs« – © Riva Kaminsky Danzig, Marc Kaminsky, Urszula Palusińska

Vielleicht eines der bestgestalteten jüdischen/jiddischen Kinderbücher der letzten Zeit:
»Majn Alef Bejs« von Jehoszue Kaminski und Illustrationen von Urszula Palusińska. Ein Buch mit dem Alef-Bejt und kurzen Texten dazu – in jiddischer Sprache und polnischer Übersetzung. Die Illustrationen sind zeitlos und erinnern vielleicht ein wenig an Zeichnungen aus den 50er Jahren. Sie kommen ohne Kitsch aus und verzichten auf pseudomoderne Elemente. Die Gedichte sind eingängig und dürften, mit jiddischen Grundkenntnissen, für deutschsprachige Leser zu bewältigen sein.
Herausgegeben wurde das Buch von der Czulent Jewish Association in Krakau.
Und für die potentiellen Leser nicht so schlecht: Man kann es auf der Seite von Czulent herunterladen.
Schon seit 2012 gibt es das Buch, es verwundert, dass man nicht schon damals überall darauf hingewiesen wurde. Auf einer Kinderbuchmesse in Bologna hat es nun den »Bologna Ragazzi Preis« erhalten. Vielleicht wird dies das Buch nun noch mehr Aufmerksamkeit erhalen – die ihm auch zusteht.

Aber nicht nur das! Czulent veröffentlichte auch das Buch »Jontew Lider«, aus dem die folgende Abbildung stammt:

Abbildung aus »Jontew lider«

Abbildung aus »Jontew lieder« © Sheva Csesler, Irving Massey, Urszula Palusińska

Mit Gedichten von Ida Maze und Szmuel Cesler. Auch hier wieder mit Illustrationen von Urszula Palusińska. Wirklich beeindruckend sind die Abbildungen und der Text für דעם טאג צו געדענקען »Der tog cu gedenkn«. Dieses Buch kann man ebenfalls bei Czulent herunterladen.

Misha Beletsky war so freundlich, darauf hinzuweisen.