Archiv für die Kategorie 'Jüdisches'

Mrz 11 2010

Das Internet ist verboten – vielleicht

von Chajm unter Israel und so, Jüdisches

Das Internet ist nun schon mehrmals ausdrücklich, zumindest für Charidim, verboten worden. Mit Ausnahmen. Wer es beruflich benötigt, darf einige Seiten nutzen. Eines der Probleme scheint zu sein, dass dies nur wenige tatsächlich interessiert. Die meisten Nutzer scheinen sich nichts daraus zu machen. Die Nutzerzahlen der charejdischen Seiten sind recht hoch und Diskussionen finden auf den Seiten ebenfalls statt. Erst werden charejdische Seiten verboten – plopp – erscheinen welche mit rabbinischer Erlaubnis.
Für die Jüdische Allgemeine habe ich das Phänomen beobachtet. Den Artikel gibt es hier. Für viele dürfte erfreulich sein, dass der Artikel keine pdf Datei mehr ist, sondern nun vollständig als normale html Seite zur Verfügung steht. Die Jüdische Allgemeine hat heute ihren Internetauftritt neu gestartet. Erfreulich ist auch, dass alle anderen Texte aus der Vergangenheit ebenfalls online sind (hier meine).

Das Internet sei ein »Ort voller Schmutz«. Aber auch hier gebe es nur »Haschem« und »keinen G’tt außer ihm«. Mit diesen sehr eindrücklichen Worten beschrieben die Verantwortlichen bei »Etrog« ihre Sicht des weltweiten Netzes. Nach einer rabbinischen Entscheidung verließ die charedische Seite Im Dezember vergangenen Jahres das Netz, kehrte im Februar allerdings wieder zurück, unter dem neuen Namen »tog«, aber mit der gleichen Botschaft: »Die Mission geht weiter«. Die Macher verstehen die Seite (www.tog.co.il) als eine Art Lichtstrahl inmitten der vielen schlechten und gottlosen Angebote dieser virtuellen Welt. Sie verbreitet weiterhin »reine, gefilterte und aufbereitete« Nachrichten für charedische Juden, und steht entsprechend unter strenger rabbinischer Aufsicht. Den gesamten Artikel gibt es hier

Leitartikel ist ein Text von David Harnasch darüber, wie das Internet die jüdische Welt verändert. Aber irgendwie ist ihm HaOlam.de da mit reingerutscht…

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Mrz 03 2010

Potsdamer Synagoge weiter im Gegenwind

von Chajm unter Jüdisches

Über das Projekt Synagoge Potsdam wurde hier bereits einige Male berichtet, etwa hier und hier. Schon 2007 ging es darum, ob das Konzept Bestand hat und das Judentum dort eine Zukunft hat.
Heute erschien in den Potsdamer Neuesten Nachrichten ein Interview mit Ud Joffe, der kurzerhand alle religiösen Personen zusammensammelte um mit einem Minjan zu beten, also Gemeindeaufbau so betreibt, wie er üblicherweise funktionieren sollte.

Aber das jüdische Konzept der zumeist russischstämmigen Juden Potsdams ist nicht stark genug?

Es sind viele russische Bürger nach Israel und Deutschland gekommen, die ich sehr respektiere. Aber wenn ihnen nicht geholfen wird, die Frage nach ihrem „Jude sein“ zu beantworten, ist spätestens in ein zwei Generationen Schluss mit dem Judentum in Deutschland.
Ein Jolkafest in der Synagoge, ist das der Stein des Anstoßes?
Mitglieder unserer Betergemeinschaft Minjan haben solche Aktivitäten in der jüdischen Gemeinde sogar an Jom Kippur erlebt, dem wichtigsten jüdischen Feiertag. Oder gerade am letzten Wochenende zum Purim-Fest. Die Gemeinde muss sich stärker bewusst werden, was es heißt, eine jüdische Gemeinschaft zu sein. von hier

Das gesamte, interessante, Interview findet man hier.

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Feb 28 2010

Vom Antisemiten zum Juden – Gähn

von Chajm unter Jüdisches

Die Welt überrascht mit einer Geschichte über einen Umkehrer. Ein junger polnischer Skinhead, selbstverständnlich Antisemit, entdeckt seine jüdischen Wurzeln und wird wieder ein Jude mit allem, was dazugehört (hier bei der Welt nachzulesen). Die Geschichte machte dann auch die Runde durchs Facebook und wurde auch in einigen anderen Netzwerken erwähnt. Die Geschichte ist ja auch toll und erzählt etwas über die Wiederentdeckung des Judentums in Polen – leider ist die Geschichte schon knapp drei Jahre alt. Siehe nämlich hier.

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Feb 25 2010

Liberale Pessach Haggadah

von Chajm unter Jüdisches, Seforim


Zwar steht Purim vor der Tür, aber Pessach wird kurz darauf folgen. Haggadot in deutscher Sprache gibt es ein paar, allerdings sind die wenigsten aktuelle Ausgaben. Eine liberale Haggadah gab es vor einiger Zeit im Knesebeck Verlag, doch diese war eher liberale darin, dass man den traditionellen Text etwas besser übersetzte und im Tischgebet die Imahot mit einbezog. Das führte bei einigen Familien, die nicht alles sprechen wollten, zu herumgeblättere.
Doch eine liberale Haggadah, wie es sie vor der Schoah in Deutschland gegeben hat, gab es in vielen Gruppen nur noch als Kopiervorlage. Rabbiner Caesar Seligmann beispielsweise schuf eine recht intensiv bearbeitete Haggadah und diese war ein Stück weit Vorbild für die aktuelle Ausgabe einer deutschsprachigen (und hebräischsprachigen natürlich) Haggadah. An dieser habe ich die letzten Nächte verbracht und mache sie nun als Buch der Welt verfügbar.
Erhältlich ist sie ab sofort hier für 5,50 Euro. Großbesteller erhalten Rabatt ;-) Hinweis für Besteller: Die Lieferung dauert etwa 8 Tage.
Oben ist ein kleiner Querschnitt zu blätterzwecken eingebunden.

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Feb 17 2010

Wer sagt was über den Kiddusch?

von Chajm unter Deutschland, Jüdisches

Wenn es um Gemeinden, Synagogen und ihren Kiddusch geht, kann man sich nicht auf alle Aussagen darüber verlassen. Mancherlei Berichterstatter scheint eine eigene Agenda zu haben. Welche Typen es da gibt, steht in meinem neuesten Artikel zu Neulich beim Kiddusch für die Jüdische Allgemeinehier-online.

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Feb 17 2010

Neue Synagoge im März

von Chajm unter Deutschland, Jüdisches

In der Diskussion und schon im Text zur gegenwärtigen Situation des Judentums in Deutschland wurde immer wieder gefragt, warum einige Gemeinden große Synagogen bauen, obwohl der Kurs und der Ausblick für die nächsten Jahre nicht ganz klar ist.
Es scheint Einigkeit darüber zu herrschen, dass Synagogen aus einer lebendigen Gemeinde heraus wachsen sollen und dementsprechend angemessen proportioniert sein müssen.
Im kommenden Monat (Mitte März 2010) wird eine Synagoge eröffnet, von der noch nicht ganz klar sein dürfte, wie es in den nächsten Jahren weitergeht. Die Synagoge wird 90 Plätze haben, die bauende Gemeinde, nämlich Herford hat etwa 100 Mitglieder. 2002 waren nur etwa 11 Gemeindemitglieder unter 21. Die Frage nach der Zukunftsperspektive steht also im Raum, auch wenn die Gemeinde durch ein paar Personen unterstützt wird, die der Gemeinde in Bielefeld den Rücken gekehrt haben (siehe hier), die selber nur etwas mehr als 280 Mitglieder zählt. Ambitioniert wäre also eine passende Bezeichnung für das Gesamtprojekt.
Auf den Internetseiten des Jüdischen Kulturzentrums Bielefeld findet man auch eine Kurzdarstellung des Projekts „Synagoge Herford
Die Synagoge selbst ist nach dem Vorbild der Vorkriegssynagoge gestaltet worden und gleicht ihr äußerlich; das dürfte für einen Synagogenneubau in Deutschland einmalig sein. Architektonisch ist es also ein interessantes Projekt. Nebenan befindet sich das Gemeindehaus.
Die Baukosten belaufen sich auf 1,7 Mio. €, wobei jeweils ein Drittel von der Gemeinde, der Kommune und dem Land NRW getragen wird.

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Feb 15 2010

Deutsche Version des Gitty Grunwald Artikels

von Chajm unter Jüdisches

Schon 2008 hatte das New York Magazine eine (umfangreiche) Geschichte über Gitty Grunwald gebracht. Wer das ist? Gitty Grunwald lebte mit ihrer Familie in Kirjas Joel, einer Stadt in den USA in der fast ausschließlich Satmarer Chassidim leben und kehrte diesen den Rücken. Allerdings behielt man ihre Tochter zunächst dort. Nun bringt der Spiegel die Geschichte von Mayan, die ebenfalls der Ultraorthodoxie den Rücken gekehrt hat (dieses Mal in Israel). Der Artikel erzählt aber auch ganz beiläufig eine andere Geschichte, nämlich dass die Ultraorthodoxie auf dem Vormarsch ist. Nicht, weil sich ihr so viele anschließen würden, sondern weil sie viele Kinder bekommen:

Die Ultraorthodoxen sind die am schnellsten wachsende soziale Gruppe innerhalb Israels: 2025 werden 22 Prozent der Schulkinder aus einer der strenggläubigen Gruppierungen kommen, so Schätzungen der Regierung. von hier

Aussteigergeschichte sind immer etwas besonderes, weil sie dem Leser einen wohligen Schauer über den Rücken laufen lassen. Wie aufgeklärt sind wir und wie aufgeklärt wir. Die ganze Wahrheit wird das letztendlich nicht sein.

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Feb 07 2010

Juden in Deutschland – Bestandsaufnahme

von Chajm unter Deutschland, Jüdisches

Die Berichterstattung über Juden in Deutschland in den Medien erreicht gelegentlich große Veröffentlichungsfrequenzen, wenn neue Synagogen eröffnet werden oder sonst irgendeine Gemeinde ein besonderes Ereignis begeht. Häufig fällt die Wendung von der »Renaissance des deutschen Judentums«, obwohl die Realität anders ausschaut und wir heute mehr oder weniger wissen, dass von den vielen Gemeinden nicht alle eine große Perspektive haben. Julius Schoeps rechnete vor, dass es von derzeit 104 jüdischen Gemeinden in knapp 30 Jahren zwei Drittel nicht mehr geben wird. In Osnabrück wurde kürzlich eine neue Synagoge eröffnet, eine in Ulm wird folgen. So frug angesichts des Baubooms in letzter Zeit Heide Sobotka, Redakteurin der Jüdischen Allgemeinen, in der ersten Ausgabe 2010, warum man nicht erst einmal jüdische Gemeinden aufbaut (hier), bevor man große Synagogen eröffnet.

Das Beth Midrasch hält nur so lange, wie seine Säulen von jüdischer Tradition und Religion getragen werden. von hier

In Deutschland hatten wir häufig die umgekehrte Entwicklung – meist unter dem Verweis, es fehle an geeigneten Räumlichkeiten. Hier wurden zunächst große Synagogen eröffnet und dann mit der Arbeit begonnen. Nur ist es für die wenigen Beter angenehmer, in einem kleinen Raum mit 14 anderen Personen zu beten, als in einem großen Synagogenraum, der für 200 Personen angelegt ist. Zudem wissen wir, dass mittlerweile die Anzahl der Gemeindemitglieder sinkt (hier). Wie auch Ron Yitzchak berichtet, bereitet die Fokussierung auf die falsche Gruppe bei der Gemeindearbeit uns heute Probleme. Die jungen Eltern und die Generation 30 plus, die mit ihren Kindern Judentum aufbauen könnte, wurde in kaum einer Gemeinde betreut.
Jörg Lau hat nun für die Zeit einen unaufgeregten Bericht bzw. eine kleine Bestandsaufnahme verfasst und dabei eben nicht auf die vermeintliche »Renaissance des deutschen Judentums« herbeigeschrieben, sondern geschaut, was sich tut. Natürlich stellt er auch fest, dass die Zahlen zurückgehen. Viel wichtiger ist der Punkt, dass Jörg Lau nicht nach den Funktionären schaut, sondern sich einige Vertreter herausgesucht hat, die über ihr jüdisches Leben Auskunft geben. Nebenher erfährt der nichtjüdische Leser, dass die jüngere Generation mit dem Konstrukt Zentralrat eigentlich recht wenig anfangen kann – eben weil ihre Interessen vollkommen andere sind. Oliver Polak ist einer derjenigen, über die berichtet wird:

Einer wie Oliver Polak will, wie er sagt, kein »Klassensprecher« für junge Juden sein. Er will auch nicht, dass in seinem Namen permanent mahnend gefaxt und gemailt wird: »Wenn ich mal schlecht gelaunt oder deprimiert bin«, ätzt er, »dann googel ich die aktuellen Pressemitteilungen des Zentralrats der Juden. Und dann geht es mir gleich besser, weil ich sehe, dass ich im Vergleich doch gar nicht so mies drauf bin.« von hier

Im Allgemeinen schneidet er alle Themen kurz an, leider aber nur das. Die Zeit hätte vielleicht für das Dossier eine runde Bestandsaufnahme machen können, mit mehr Stimmen zum Judentum in Deutschland.

In einem Punkt aber irrt Lau übrigens: die Einwanderung der Juden aus den ehemaligen Staaten der Sowjetunion ist nicht Helmut Kohl zu verdanken, sondern im Prinzip den letzten Tagen der DDR. Diese hatte die Regelung geschaffen und diese Regelung hat es geschafft, mit wiedervereinigt zu werden (siehe Bericht hier).

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Feb 03 2010

Rauchen

von Chajm unter Jüdisches



ISRAEL – Purim Festival, ursprünglich hochgeladen von BoazImages

Tatsächlich rauchen einige der Leser dieses Blogs und werden vermutlich nicht begeistert davon sein, wenn ich ankündige, einen Artikel für die aktuelle Ausgabe der Jüdischen Allgemeinen geschrieben zu haben, in dem es genau um dieses Thema geht. Rauchen ist nämlich kein kleines Problem. Ich hätte nicht gedacht, dass es tatsächlich stimmt, dass man in bestimmten charejdischen Kreisen Zigaretten zu Purim an Kinder verteilt – aber es scheint zu stimmen. Mir war das bisher vollständig unbekannt und deshalb findet das in dem Artikel natürlich keine Erwähnung. Den vollständigen Artikel findet man hier.

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Jan 30 2010

Entdeckungen

von Chajm unter Deutschland, Jüdisches

There was a mesusah

Man parkt den Wagen in der Innenstadt, geht um das Auto herum und wundert sich, dass es in Gelsenkirchen auch ein paar schöne alte Häuser gibt. Ich bewundere eine nette Haustür und entdecke die überspachtelte Stelle oben rechts im Rahmen der Tür. Neigungswinkel und Höhe würden passen. Es könnte die Aussparung für eine Mesusah sein. Ich bin offensichtlich ein Freak, weil ich Dinge uminterpretiere, damit sie in mein Weltbild passen. Dennoch beginne ich vorsichtshalber eine kleine Recherche und finde Bestätigung.
Das Haus Husemannstraße 75 wurde 1921-1922 von einem Architekten namens Josef Franke für den Kinderarzt Dr. med. Max Meyer erbaut und Dr. Max Meyer war orthodoxer Jude. Wenn man hinabtaucht in seine Geschichte, erfährt man, dass er in der Stadt eine Austrittsgemeinde Adass Jisroel gründen wollte:

Geboren am 10. Februar 1884 in Gelsenkirchen, (nach 1969 New York) Dr. med., Kinderarzt, Hindenburgstr. 75. Studiert in Straßburg, München, Berlin, Approbation 1909; Dissertation Berlin 1909.
Mitteilung über die Aberkennung des akademischen Grades veröffentlicht in »Deutscher Reichsanzeiger und Preußischer Staatsanzeiger« am 17. Januar 1941, Medizinische Fakultät Berlin.
10.5.1939 Emigration zunächst nach London, 83 Lordship Park, N16. Ehefrau folgt über Belgien im Januar 1940: gemeinsam weiter nach den USA. License 40, Ped. 645 West End Ave., New York City
aus: »Jüdische Kinderärzte 1933-1945« von Eduard Seidler, Karger, 2007.

Dort gibt es auch einen Hinweis auf Meyers Aktivitäten in der orthodoxen Vereinigung.
Mehr gab es nicht. Monographien über die jüdische Geschichte der Stadt enthalten fast ausschließlich Informationen über die liberale Gemeinde. Wenn man die Quellen betrachtet ist es klar. Fast alle beziehen sich auf Personen, die früher dort Mitglied waren und wenig über die orthodoxe Gemeinde berichten wollten.
Derzeit suche ich nach der Enkelin von Dr. Meyer, die vermutlich in Monsey lebt und auch Medizinerin sein soll. Wie ich bisher erfahren habe, war das Haus von Dr. Meyer der zentrale Ort für die lokale Orthodoxie. Es gab dort einen Raum für gemeinsame Gebete, er zahlte einen Rabbiner und er organisierte von dort aus zahlreiche Aktivitäten. Übrigens zusammen mit dem Vater von Recha Fröhlich, der Frau des nicht ganz unbekannten Shimon Schwab mit dessen Sohn ich ebenfalls Kontakt aufnahm, um mehr über die lokale Orthodoxie zu erfahren. Die Ergebnisse halte ich laufend hier fest.
So brachte mich eine Haustür zu einem verblüffenden Mann, der mit persönlichen Mitteln und viel Einsatz versuchte, etwas aufzubauen aber dessen Wirken in seiner Heimatstadt vollständig in Vergessenheit geraten ist.

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