Archiv für die Kategorie 'Deutschland'

Sep 02 2010

Rabbiner in Deutschland – so sieht es aus

von Chajm unter Deutschland,Jüdisches

Fast wirkt er wie eine Fortschreibung des Artikels über die mögliche Abschiebung von Rabbiner Navon (siehe hier), der Beitrag von Detlef David Kauschke in der aktuellen Jüdischen Allgemeinen in dem es um die aktuelle Situation der Rabbiner in Deutschland geht:

Jahrzehntelang wurde die rabbinische Unterversorgung der Gemeinden hierzulande beklagt, die eine »spirituelle Wüste« habe entstehen lassen. [...]
Nun der Faktencheck: Wie viele von den vor vier Jahren feierlich eingeführten Absolventen sind mit einer Vollzeitstelle in Deutschland tätig? Keiner. Ein anderes Beispiel: Von den beiden am Montag ordinierten Rabbinern bleibt einer hier, er übernimmt eine Gemeinde in Potsdam. Sein Kollege wird Religionslehrer in Österreich. [...]
Die Gründe, dass frisch gebackene Rabbiner Deutschland den Rücken kehren, mögen vielfältig sein. Doch ein Hauptgrund ist, auch das gehört zum Faktencheck, dass die Absolventen keine Stelle finden. [...]
von hier

und da knüpft der Text an die vielen verteilten Beiträge zur aktuellen Schieflage an (wie dieser Beitrag hier). Wohin geht die Reise?

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Aug 29 2010

Sarrazins Buchvermarktung

von Chajm unter Deutschland

Thilo Sarrazin ist ein geschickter Vermarkter seines Buches (»Deutschland schafft sich ab«). Schon bevor die ersten Exemplare über die Verkaufstheken geschoben wurden, befeuert er die Feuilletons und die Stammtische mit Häppchen aus dem Buch, führt populistische Debatten mit Themen, die einen gewissen Marktanteil garantieren. Früher ging Sex ganz gut. Das hatte Aufregungspotential und man musste kein ausgewiesener Fachmann auf dem Gebiet sein, um zu dem Thema etwas zu sagen. Heute scheint es der Islam, oder auch die Migration zu sein. Broder warnt beispielsweise vor dem Islam und verkauft damit sein Buch »Hurra, wir kapitulieren« ganz gut, ist aber kein Experte auf dem Gebiet. So kann man Ehre, Respekt und Unterwerfung zu den Leitlinien des Islam erklären und irgendwie alles bedienen, was die entsprechende Klientel verschlingt. Necla Kelek hat auch keine Ausbildung, die ihr den Islam näher gebracht hätte — gilt, aber als türkischstämmige Soziologin, als Leuchte auf dem Gebiet und darf deshalb auch über den Islam erzählen. Natürlich verkaufen sich auch ihre Bücher nicht so schlecht. Nun also Thilo Sarrazin, der schon in seinem „Lettre Internationale“ Interview im September 2009 sagte

Die Türken erobern Deutschland genauso, wie die Kosovaren das Kosovo erobert haben: durch eine höhere Geburtenrate. Das würde mir gefallen, wenn es osteuropäische Juden wären mit einem um 15 Prozent höheren IQ als dem der deutschen Bevölkerung. Ich habe dazu keine Lust bei Bevölkerungsgruppen, die ihre Bringschuld zur Integration nicht akzeptieren.

Nun wiederholte er einen Satz daraus (wie originell), in einem Interview mit der Welt am Sonntag:

Sarrazin: Alle Juden teilen ein bestimmtes Gen, Basken haben bestimmte Gene, die sie von anderen unterscheiden. von hier

Daran ist zunächst nichts auszusetzen, denn tatsächlich sind einige Juden genetisch miteinander verwandt bzw. es gibt Hinweise auf gemeinsame Vorfahren und es gibt auch Studien darüber, ob aschkenasische Juden nun intelligenter sind, als andere Gruppen (siehe hier, oder hier Are Jews smarter?).
Interessant ist dabei die indirekte Wertung, die vorgenommen wird: Schlaue Juden — blöde Einwanderer. Die einen hätten wir gerne, die anderen bitte nicht. Selektion könnte man das nennen. Nützliche Menschen gegen unnütze Menschen. Die einen sind volkswirtschaftlich nützlich, die anderen nicht. Sind am Ende beide Menschengruppen unterschiedlich wertvoll? Also können wir Juden froh sein, dass einige von uns die Statistik heben, denn wären wir nur Durchschnitt, dann wären wir nicht gut für die deutsche Volkswirtschaft und müssten nun darum bangen, dass Sarrazin eine Ausweisung anregt. Und überhaupt! Was ist mit sefardischen Juden in Deutschland?
Das ist ein Fakt, den man in der Diskussion herausarbeiten sollte. Dass Sarrazin sagte, dass es ein gemeinsames Gen aller Juden gibt, gehört als Teilwahrheit ins Reich der Phantasie. Viel schlimmer sind seine Schlussfolgerungen daraus und der Subtext!

Gerade gesehen, dass Blogkollege Ronny Jitzchak auch einen Text dazu gemacht hat und auch auf das Thema Wertigkeit eingeht.

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Aug 26 2010

Jüdisch und unterwegs

von Chajm unter Deutschland,Jüdisches

Kennen Sie diese Ferienbungalowparks? Die sind perfekt, wenn man für ein paar Tage oder eine Woche eine kleine Auszeit nehmen möchte. Dicht gedrängt stehen die Häuschen aneinander, eigentlich wie zu Hause, nur dass es da kein Spaßbad und keinen Tennisplatz gibt. Wir nutzen diese Möglichkeit, so oft es geht. Man packt die Sachen zusammen und fährt los, zum Beispiel in die Niederlande.
Den gesamten Artikel gibt es auf den Seiten der Jüdischen Allgemeinen

Übrigens findet man dort auch meinen vorletzten Artikel aus der Reihe Neulich beim Kiddusch, auf den ich hier noch nicht hingewiesen habe. In diesem geht es um das Spannungsfeld Politik und Synagoge… hier.

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Aug 22 2010

Neues Restaurant in der Bochumer Gemeinde

von Chajm unter Deutschland,Jüdisches

Die Jüdische Gemeinde Bochum beherbergt seit einiger Zeit ein Restaurant. Wie man dem Blog genussbereit entnehmen kann, ist es nicht schlecht und nicht koscher:

Die kleine Karte umfasst nur wenige Gerichte aus der ostjüdischen, New Yorker und israelischen Tradition. Auf die Frage, ob die Gerichte koscher seien, ist Aleksander Chraga ein wenig zurückhaltend. „Was wir machen, ist ‚kosher style‘, eine einfacherer Form“, erklärt er. Die Zutaten sind koscher, und auch in der Küche besteht durchaus die Möglichkeit, nach den Kaschrut-Regeln zu kochen. von hier

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Jul 26 2010

Rabbiner soll abgeschoben werden

von Chajm unter Deutschland,Jüdisches

Mosche Navon ist Reformrabbiner und lebt zur Zeit in Bochum. Von dort aus betreut er derzeit einige Gemeinden der Union Progressiver Juden, etwa eine Gruppe in Unna. Einträglich sind diese Engagements aber offenbar nicht – jedenfalls nicht ausreichend hoch, um damit den eigenen Lebensunterhalt zu bestreiten, sagt die Stadt Bochum, laut eines Berichtes der WAZ und deshalb soll Rabbiner Navon mit seiner Familie nun abgeschoben werden (siehe Bericht hier) (ruhrjuden hat den Text noch). Doch Navon ist nicht nach Bochum gekommen, um von dort aus die Gemeinden der Union zu betreuen, sondern um in der Jüdischen Gemeinde Bochum zu arbeiten. Diese hatte ihn nach Bochum geholt – scheinbar weil er Russisch spricht. Sein Engagement dauerte nur etwa ein Jahr, dann erhielt Navon seine Kündigung und schon war der Israeli arbeitslos und ohne rechte Perspektive im neuen Land. Die Gemeinde scheint sich heute nicht mehr für ihn zu interessieren. Vielleicht hätte dieses regelrechte Drama vermieden werden können, wenn die Auswahl des Rabbiners etwas um-/vorsichtiger vor sich gegangen wäre.

Update: Die WAZ, bzw. derwesten.de hat den Bericht zwischenzeitlich gelöscht. Auf Nachfrage teilte die WAZ mit, es hätte technische Probleme gegeben. Der Text ist nun hier zu finden.

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Jul 22 2010

Badatz und der neue Teppich

von Chajm unter Deutschland,Jüdisches

»Badatz« war das Geräusch, das die Pappschachtel machte, als sie auf dem Boden unserer neuen Küche auftraf, nachdem ich meiner Frau die Botschaft überbracht hatte: Ich wollte unsere neue Wohnung gern einigen Verwandten und Bekannten zeigen. Deshalb hatte ich sie zu einem festlichen Kiddusch eingeladen. »Badatz« wäre auch das Geräusch gewesen, das der feuchte Schwamm an meinem Kopf gemacht hätte, den meine Frau nach mir warf – wenn ich mich nicht rechtzeitig geduckt hätte.

Den vollständigen Text aus der Reihe Neulich beim Kiddusch gibt es auf den Seiten der Jüdischen Allgemeinen.

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Jul 15 2010

Bewusste Ernährung und Kaschrut

von Chajm unter Deutschland,Jüdisches

Strictly Kosher Beef

Alfred Biolek legt viel (man möchte meinen übertrieben viel) Wert auf gute Küche und ist für seine Auslassungen über gute Produkte in seiner früheren Fernsehsendung Alfredissimo bekannt. Von Alfred Biolek heißt es interessanterweise, er sei Jude, was natürlich nicht so ganz den Tatsachen entspricht.

In der Sendung wußte der Maître zu berichten, woher der Wein kommt, wer die Wurst hergestellt hat, wo das Rind stand, dessen Fleisch gerade verzehrt wird, wann er die Kräuter in Südfrankreich vom Bauer seines Vertrauens abgeholt hat. Übertrieben vielleicht, ja.
Aber mittlerweile gibt es jedoch einen regelrechten Trend in diese Richtung. Nach vielen Skandalen rund um die Lebensmittelindustrie, wenden sich immer mehr (die es sich leisten können) anderen Nahrungsmitteln zu.
Interessantweise greifen da nun die gleichen Mechanismen und ethischen Vorstellungen, die Juden schon etwas länger kennen.
Mein Text in der aktuellen Jüdischen Allgemeinen:

Gut, sauber und gerecht sollen Lebensmittel hergestellt werden. So könnte man knapp die jüdischen Speisegesetze zusammenfassen. »Buono, pulito e giusto« ist auch das Motto von Carlo Petrini. Der italienische Journalist und Gastroexperte ist kein Jude, sondern Mitbegründer eines Vereins, der sich als Gegenbewegung zur Fast-Food-Wirtschaft versteht und sich dementsprechend »Slow Food« nennt. Die Bewegung mit Ablegern auch in Deutschland und sogar in Israel fordert eine »neue Küche« und eine neue Art der Ernährung: Man solle genussvoll und bewusst essen, wann immer möglich auf regionale Produkte zurückgreifen statt auf Importe von weit her. der gesamte Text ist hier lesbar

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Jun 02 2010

Flottille schlägt Wellen

Die Emotionen zum Flottillendesaster schlagen hoch, in großer Geschwindigkeit. In einer Geschwindigkeit und Intensität wie sie nur dann erleben, wenn Israel beteiligt ist – jedenfalls kann ich mich nicht daran erinnern, dass die Bombardierung der Tanklastzüge bei Kunduz mit ungefähr 140 Toten zu solch heftigen Reaktionen geführt hat. Hier wurden gerade die Auswirkungen verglichen, nicht die Umstände!

Da werden heftigst Argumente ausgetauscht: Hatte die Marine das Recht auf die Erstürmung des Bootes? War die Bootsbesatzung bewaffnet, worum ging es eigentlich der Schiffsbesatzung wirklich?

Die ganze Geschichte und ihre Entwicklung hat mehrere „Schichten“. Versuchen wir sie einzeln zu betrachten und nicht alles in eine riesige Suppe werfen:

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Mai 31 2010

Limmud 2010 im Bild

von Chajm unter Deutschland,Jüdisches

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Mai 30 2010

Nie gehört: Antisemitismus in Deutschland

von Chajm unter Deutschland,Jüdisches

Der Eurovision Song Contest in Oslo endete mit dem Sieg Deutschlands. Rekordeinschaltquote, Rekordaufmerksamkeit, Rekordergebnis. Der israelische Kandidat Harel Skaat war auch nicht schlecht und sammelte von vielen Ländern ein paar Punkte ein.
Nun ist einigen aufmerksamen Zuschauern aufgefallen, dass Deutschland von Israel keine Punkte erhalten hat (wie übrigens viele andere Länder auch nicht, weil es nur 10 Möglichkeiten zur Punktevergabe gibt). Diejenigen, die am wenigsten über politische Zusammenhänge nachdenken, haben entsprechend gehandelt und das getwittert und gefacebooked. Jörg Marx hat sich das genau angeschaut und ist zu einem verblüffenden, vollkommen überraschenden Ergebnis gekommen: Unter Deutschen gibt es Antisemitismus! Über eine Seite namens Openbook fahndeten er und der Politikblogger nach entsprechenden Kommentaren. Die sind ekelig, widerwärtig und alles andere als schön. Aber eines ist es nicht: Neu. Diejenigen die sich da äußern, brauchen nur einen Anlass, aber keinen Grund. Jude ist zu einem gängigen Schimpfwort aufgestiegen. Das ist alles nichts neues und da wundert es auch nicht, dass unter tausenden von tweets auch Personen mit antisemitischer Einstellung diese auch äußern. Tun wir also nicht so, als seien die paar geistigen Tiefflieger unser größtes Problem. Sie sind der sichtbare Teil eines verbreiteten Phänomens.

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