Eine Torah aus Essen

Die Bilder der Alten Synagoge Essen gingen um die Welt. Ebenso die Nachricht, dass es dort nun wieder Gebete gab. Aber auch an einem anderen Ort hat man an der Geschichte der Synagoge angeknüpft: In New York. Der letzte Rabbiner der in der Synagoge amtierte, Rabbiner Dr. Hugo Hahn, floh nach der Reichspogromnacht in die USA und gründete dort mit anderen Essenern (unter anderem) eine neue Gemeinde. Die HaBonim Gemeinde.

Rabbiner Hahn musste in Deutschland miterleben, wie die Synagoge angezündet wurde und ausbrannte. Aus den Trümmern zog Rabbiner Hahn die Überreste einer Torahrolle. Der aktuelle Rabbiner der Gemeinde, Rabbiner Joshua Katzan hat mir nun Fotos dieser Rolle gesendet. Sie ist in ein Kunstwerk eingearbeitet und hängt im Gemeindezentrum.

Torah aus Essen in New York

Torah aus Essen in New York

Neben der Torah erinnert ein Bild an die Tradition an welche die Gemeinde einst anknüpfte:

Torah und Bild der Alten Synagoge Essen

Torah und Bild der Alten Synagoge Essen

Der Kantor, Bruce Halev, berichtete in einer Mail, dass noch einige der Gemeindemitglieder in Essen geboren wurden. Wenngleich er Rabbiner Hahn nicht mehr kennengelernt hat, so wird die Erinnerung an die Synagoge Essen doch weitergetragen – wie man an dem Bild im Gemeindezentrum sehen kann.

Vielleicht kriegen wir noch heraus, ob die Mikweh, die der Architekt in seinem Grundriss eingezeichnet hatte, nicht vielleicht doch gebaut wurde, aber heute vielleicht noch auf ihre Entdeckung wartet. Bei twitter war das ein kleines Thema:

Die Geschichte der Alten Synagoge Essen ist also nicht an ihrem Ende angelangt. Wie immer in der jüdischen Geschichte hat man die Erinnerung an diesen Ort an einen anderen getragen und sie aufbewahrt. Nach nun 71 Jahren gibt es über das Internet eine Brücke. Heute sehen nun auch Menschen außerhalb der HaBonim Gemeinde die Torahrolle aus den Trümmern der Synagoge.
Übrigens bedeutet HaBonim – die Erbauer.

Dank an dieser Stelle erneut an Rabbiner Katzan für die Übersendung der Fotos.

Chajm

Chajm ist nicht nur Autor dieses Blogs und Bewohner des Ruhrgebiets, sondern auch Herausgeber von talmud.de und Organisator des Minchah-Schiurs im Ruhrgebiet. Einige seiner Artikel gibt es nicht nur im Internet, sondern beispielsweise auch in der Jüdischen Allgemeinen. Über die Kontaktseite kann man Chajm eine Nachricht senden. Chajms Buch »Badatz!« 44 Geschichten, 44 zu tiefe Einblicke in den jüdischen Alltag, gibt es im Buchhandel und bei amazon.

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