Morgengebet in der Alten Synagoge Essen

Rabbiner Friberg betet vor. Foto mit freundlicher Genehmigung von Ilja Kagan (alle Rechte verbleiben bei Ilja Kagan)  Ilja Kagan

Rabbiner Friberg betet vor.
Foto mit freundlicher Genehmigung von Ilja Kagan – hier sein facebook-Profil (alle Rechte verbleiben bei Ilja Kagan)

Im Dezember, zu Chanukkah, beherbergte die Alte Synagoge Essen schon das Limmud-Festival und erlaubte es einen Tag lang, dass Jüdinnen und Juden sich zu Geschichte, Musik, Tradition, Politik, Gesellschaft, Literatur, Kunst und auch Religion austauschen, diskutieren und vielleicht auch ein wenig lernen. Am Abend zündete man gemeinsam die Chanukkah-Kerzen und nach langer Zeit schien wieder der Schein einer Chanukkiah aus diesem Gebäude heraus auf die Straße.

Jetzt, im März 2016, kam hier ein weiteres Lebenszeichen hinzu. Der Anlass war eine Tagung mit Leuten aus dem gesamten Bundesgebiet: Das Ernst Ludwig Ehrlich Studienwerk wählte Essen als Ort für ein Seminar am 2. und 3. März 2016 in Essen. Im Rahmen der Veranstaltung bot man dann auch ein Schacharit (Morgengebet) an. Im Hauptraum der Synagoge fand also am 2. März 2016 das erste Schacharit seit den Novemberpogromen 1938 statt. Das ist in mehrfacher Hinsicht bemerkenswert. Natürlich historisch, aber auch wenn man sich speziell die Geschichte der »Alten Synagoge« nach 1945 anschaut. Zunächst zweckentfremdet und furchtbar verunstaltet, dann schließlich »Dokumentationszentrum« mit Gedenkstättencharakter und seit einigen Jahren auch »Haus jüdischer Kultur« mit einer starken Öffnung auch in das Jüdische Ruhrgebiet hinein. Und dann noch die Tatsache, dass es da für zwei Tage das Angebot gab, zu einem Werktags-Schacharit zu gehen. Auch wenn nicht wenig Juden im Ruhrgebiet leben, ein Schachachrit an einem Werktag ist immer noch eine absolute Ausnahme (leider – in Dortmund gibt es das noch).

Der Tagungsort war also eine gute Wahl für diejenigen, die davon vor Ort hätten profitieren können – denn prinzipiell hätte jeder (Jude) am Schacharit teilnehmen können und speziell Studenten waren, insbesondere bei facebook, dazu eingeladen worden. Leider verpassten einige Ruhrgebietler diesen Meilenstein des jüdischen Ruhrgebiets, der, im Widerspruch zu seiner historischen Bedeutung (großes Wort) ganz leise daherkam. Rabbiner Shaul Friberg betete vor und unterbrach immer wieder ganz kurz für kleine Anmerkungen und Anweisungen. Die präsentierte er mit einem feinen Gespür für Humor und ohne gezwungene Lockerheit. Gerade für Einsteiger dürfte diese Herangehensweise einen guten Zugang zum Schacharit eröffnet haben.

Gerne wieder und häufiger! Es war großartig, dabei gewesen zu sein.
Möglicherweise belebt die Gründung des Hillel-Hubs Ruhrgebiet die Region noch etwas mehr.
Dazu muss man noch sagen: Der Zuzug von Chabad nach Essen war bisher kaum im Umfeld spürbar. Vielleicht, weil Chabad direkt in der Jüdischen Gemeinde Essen wirkt und deshalb nur eine eingeschränkte Ausstrahlung hat?

Schacharit im Hauptraum der Synagoge.  Foto mit freundlicher Genehmigung von Ilja Kagan - hier sein facebook-Profil

Schacharit im Hauptraum der Synagoge. Foto mit freundlicher Genehmigung von Ilja Kagan – hier sein facebook-Profil

Wer facebook hat, kann sich dort (hier klicken) ein ganzes Album von Ilja Kagan mit den Bildern anschauen.

Chajm

Chajm ist nicht nur Autor dieses Blogs und Bewohner des Ruhrgebiets, sondern auch Herausgeber von talmud.de und Organisator des Minchah-Schiurs im Ruhrgebiet. Einige seiner Artikel gibt es nicht nur im Internet, sondern beispielsweise auch in der Jüdischen Allgemeinen. Über die Kontaktseite kann man Chajm eine Nachricht senden. Chajms Buch »Badatz!« 44 Geschichten, 44 zu tiefe Einblicke in den jüdischen Alltag, gibt es im Buchhandel und bei amazon.

15 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Wo hat Chabad denn dauerhaft eine echte Ausstrahlung?
    In Gemeinden, wo es sonst keinen weiteren Rabbiner gibt, kann Chabad wirken, allerdings ist doch ziemlich deutlich, dass da extrem wenig junge Leute dauerhaft inspiriert werden.
    In den grossen Gemeinden versucht Chabad bisweilen einen ganz schön grossen Fuss in die Tür zu bekommen, allerdings habe ich trotzdem nicht den Eindruck, da passiert viel ausser den üblichen Dienstleistungen. Bei russischen Juden über 60 ist Chabad auf jeden Fall sehr beliebt.
    Hillel Hub, ja, da bin ich auch gespannt. Die wollen in ganz Deutschland aktiv werden. Wer schickt die denn nun eigentlich wieder? Und was genau wollen die machen? Und was genau ist das eigentlich? Campusrabbis? Modern-Orthodox? Oder verschiedene Richtungen? Ich habe bislang nur so ein „Rauschen“ gehört, dass die in Deutschland etwas machen wollen.
    Deutschland ist ja echt so ein Kiruv-Experimentierfeld, jeder darf da mal ran, mit oder ohne Geld (und manchmal mit VIEL Geld, s. Chabad & Lauder Foundation) und ein paar Jugendliche und junge Erwachsene „outreachen“. Wahrscheinlich garantiert das einigen Kiruvfamilien auch die Parnusse – bei Chabad ist es offensichtlich, aber auch bei allen anderen Kiruvrabbinern ist letztendlich offensichtlich, dass das nicht unbeding altruistisch ist, sondern eine Arbeitsplatzbeschaffungsmassnahme (was für ein Wort!).
    Vieles verschwindet allerdings dann letztendlich sang- und klanglos wieder.

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    • Kiruv-Experimentierfeld? Nu – das wäre doch hervorragend! Das würde bedeuten, hier würde etwas passieren 🙂 Ist jedenfalls besser etwas zu probieren, als die Leute einfach nur zu verwalten und zu hoffen, dass etwas passiert. Da kann man ruhig mehr probieren. Vielleicht gewinnt man ja ein paar Menschen für jüdisches Leben.
      Chabad leistet da an einigen Orten großartige Arbeit und bindet auch jüngere Leute. Die 60+ Generation wird auch von den Nicht-Outreach-Programmen erreicht. Auf ihnen lag doch lange sogar der hauptsächliche Fokus – weil da diejenigen waren, die in die Gemeinden kamen. Da wurde eine Zielgruppe bearbeitet, die sowieso schon gekommen ist.

      Einiges ist verschwunden, anderes nicht. Aber ich würde sagen: Natürlich muss man einiges wieder beenden oder begraben – aber man muss es probieren. Dass die Outreacher auch von etwas leben müssen, würde ich nicht so sehr negativ sehen. Gerade auch vor dem Hintergrund, dass einige Gemeinden nicht gerade magnetische Wirkung auf die Leute unter 60 entwickelt haben 😉

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  2. „Chabad leistet da an einigen Orten großartige Arbeit und bindet auch jüngere Leute.“
    Ja? Wo denn? Ist das wirklich substantiell?

    Das Kiruvwesen würde ich generell auf jeden Fall kritischer betrachten.
    Es ist nicht alles gut, was es kostenlos gibt ;).

    Kiruv kommt ja meistens aus Amerika und ist mehr oder weniger ultraorthodox (nicht unbedingt die Geldgeber, aber die Aktivisten) und möchte die Menschen auch in solches transformieren. Das würde für Deutschland auf lange Sicht bedeuten, dass sich die Gemeinden auch trotz Kiruv entleeren würden, wenn Kiruv denn erfolgreich wäre, weil – solche outgereachten Leute bleiben nicht hier. Dazu gibt es dann doch zu wenig Infrastruktur (Jugendyeshiva, Seminary, Kollel). Spätestens die Kids würde man irgendwann wegschicken, wenn man vorher nicht schon selbst ginge, und man selbst würde dann hinterherziehen, wenn diese Kids sich konsolidiert hätten (Ehe, Kollel).

    Vielleicht ist ja die beste Zeit aber auch des Kiruv vorbei (gemessen an den Zahlen, die in den den 70er bis 90er Jahren erzielt wurden, wo ganze Generationen in Scharen zu Ohr Somayach, Aish, Chabad und anderen Outreachinstitutionen gestürmt sind)?

    Wo siehst Du etwas tatsächlich bleibendes (nicht verschwunden)?
    Also dauerhaft, meine ich?

    Und sehnst Du Dich danach, outgereached zu werden? 😉 😀

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  3. Substantiell? Natürlich!
    Ich schaue nach Dnjepropetrovsk und sehe das größte Gemeindezentrum der Welt. Viele junge Leute haben sich angeschlossen und organisieren da jüdisches Leben.
    Aber die Leute bleiben, wenn sie einigermaßen mobil sind und noch relativ ungebunden, nicht hier. Wozu auch? Judentum in Deutschland ist kein Selbstzweck und mittelfristig wird es das auch nicht mehr so geben wie man das sich so erträumt. Lediglich an einigen Hotspots wird es dann noch Gemeinden geben. Berlin, Frankfurt, Düsseldorf, München, Dortmund halte ich für sicher. Aber das geht natürlich nur dann, wenn ein paar Prozent der irgendwie-observanten eine entsprechende Infrastruktur schaffen und nicht in einer hängenbleiben, die auf viel größere Gemeinden ausgelegt ist.
    Und da können sich, meiner Meinung nach, zuvor noch viel mehr Organisationen und Initiativen austoben.Weil vorher einfach nicht viel passiert ist.
    Jeder Versuch ist besser als das Nichtstun.

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  4. „Und da können sich, meiner Meinung nach, zuvor noch viel mehr Organisationen und Initiativen austoben.Weil vorher einfach nicht viel passiert ist.“
    Das klingt sehr frustriert… und nach der Erwartung, dass Organisationen „von aussen“ es schon richten werden und alles andere sowieso keinen Sinn hat.
    Also ich möchte nicht, dass sich jemand an mir, meiner Familie oder meinen Freunden „austobt“ (ist schon geschehen und ist nicht gut gegangen).

    Du hast da jetzt auch zwei Sachen (zwei Länder) zusammengeworfen. Zuerst sprichst Du von Dnjepropetrovsk, dann von „hier“. Das sind zwei sehr unterschiedliche Länder mit unterschiedlichen Bedingungen und Vorgeschichten…(und „Grösse“ bedeutet nicht Inhalt. Was drinnen ist, weiss ich jetzt immer noch nicht. Chabad in Berlin hat ja auch ein Riesenhaus. Das sagt aber noch nicht, wieviele Leute, und vor allem junge Familien, dort hingehen).
    Ich würde in der Diskussion darum gerne „hier“ bleiben, zumal ich annehme dass Du Dnjepropetrovsk nicht wirklich profund von innen kennst. Deutschland aber schon.

    Mir fehlt bei der unkritischen Haltung gegenüber Kiruvorganisationen immer, und da hat mich im Gespräch mein Bruder draufgebracht, das Nachdenken darüber, was für INHALTE von Kiruvorganisationen mittransportiert werden. Das interessiert leider sehr, sehr wenige, weil alle denken: DIE retten uns jetzt, die bringen Lebendigkeit und Frömmigkeit, „lebendiges Judentum“ in die Gemeinden etc. Mit denen wird dann alles gut.
    Dass die auch ganz andere Dinge mitbringen, die man vielleicht nicht so erwünscht, wird dabei dann überhaupt nicht hinterfragt (z.B. fundamentalistisches Gedankengut).

    Für die grössere Gruppe werden aber auch die gängigen Kiruvorganisationen ohnehin nicht viel helfen, weil sie in der Regel zu viel zu extremistisch sind. Plus: wer will denn das Gefühl haben, dass man ihm noch auf die Sprünge helfen muss und dass das, was er oder sie mitbringt, nicht viel wert ist?
    Das funktoniert nur bei Jugendlichen und sehr jungen Erwachsenen. Darum fokussieren die Kiruvorganisationen ja auch so gerne auf diese Gruppe – logischerweise.

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    • Was heißt frustriert… ich würde sagen, »realistisch« 😉 Ich höre, dass viele sich beschweren über das, was derzeit angeboten wird. Aber zugleich gibt es nur eine kleine Anzahl von kleinen Initiativen und das finde ich dann schon ärgerlich. Alle scheinen zu warten. Und wenn dann jemand von außen kommt, finde ich diese Option besser, als eine abwartende Haltung. Wer den Wandel gewollt hätte, hätte schon längst etwas beginnen können. Und diesen Punkt sehe ich nicht.

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      • „Und wenn dann jemand von außen kommt, finde ich diese Option besser, als eine abwartende Haltung. “

        Ich habe zwar schon zur unkritischen Haltung geschrieben, aber noch mal:
        Du bekommst ohne dass du etwas bestellt hast einen Kuchen geliefert. Du kennst den Absender nicht. Er sieht erstmal supertoll aus, mit Streusseln oder Creme oder was Du am liebsten magst.
        Aber… sollte man einen Kuchen ungeprüft annehmen, nur weil er gratis und ohne dass man wirklich den Bäcker kennt ins Haus geliefert wird?
        Vielleicht bist du auf einige seiner Zutaten hochallergisch? Vielleicht ist er zu riesig und man würde sich überfressen? Vielleicht ist er gar nicht koscher? Oder er hat einfach nur die falsche Geschmacksrichtung? Oder er ist schon zu alt? Oder verdorben?
        Und eigentlich würdest du lieber mit deinen Freunden einen eigenen Kuchen backen?

        Was spricht denn gegen kleine Initiativen?

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        • Kuchen? Hervorragend! Wer liebt Kuchen denn nicht?
          Ich verstehe ja, was Du sagen willst, aber ich mag generell die Mentalität nicht:
          Dass man die Programme anderer generell ablehnt, sie nicht mag oder irgendwie substantiell kritisiert, aber selber (nicht auf Dich persönlich bezogen) noch nichts probiert hat oder andere gerne davon abhält etwas zu tun.
          An anderen Orten würde man sagen: »Konkurrenz belebt das Geschäft.« Hier ist es eher, dass man mit seinem Nichtangebot der Konkurrenz nichts entgegenzusetzen hat und deshalb zu »Wettbewerbsregulationen«.
          Ich bin froh, dass es auch Gemeinden gibt, die Konkurrenz schlecht aussehen lassen, weil sich soviel bewegt.

          Kleine Initiativen finde ich großartig. Ich organisiere selber eine mit. Aus diesem Grund kenne ich aber auch die Haltung, die man diesen Initiativen gegenüber einnimmt, aber auch die Energie, die Akteure dafür aufwenden.

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          • Ich glaube wirklich, der Ansatz „Konkurrenz belebt das Geschäft“ ist ein naiver Ansatz – sorry, nicht böse sein.

            Ich glaube, viele Jugendlich und junge Erwachsene in D haben Kiruv selbst schon erlebt, Du doch sicher auch. Ich auf jeden Fall. In der Altersgruppe wird massiv geworben. Ich kenne auch ein paar Leute, die Kiruv „überlebt“ haben, was nicht immer schmerzlos zugeht und ich kenne welche, die sind auf Nicht mehr Wiedersehen in haredischen Kollels im Ausland verschwunden.
            Es geht da auch um Brainwash, in dem die Leute sich verloren haben.
            Kiruv ist darum meiner Meinung nach nicht zu unterschätzen. Die „Outreacher“ sind nämlich überhaupt nicht naiv, sie sind geschult und haben ausgearbeitete Programme in der Tasche, die permanent upgedated werden. Ich denke, wenn du den zweiten Link ernsthaft und im Detail studierst, dann wirst Du verstehen, was ich meine.
            Der Text ist voll mit Tipps, wie man Leute umgarnt und manipuliert und sie dahin zieht, wo man sie hinhaben will – natürlich ohne dass die das merken sollen (s. Zitat).
            Kiruv ist und bleibt ein Selbstzweck der jeweiligen Organisation. Es geht nicht da nicht um dich oder mich, um Individuen oder darum, in Deutschland Gemeinden zu retten oder aufzubauen. Es geht auch nicht wirklich um ein erfülltes Judentum. Es geht vielmehr darum, das zu machen, was diese Leute, die aus Amerika, Israel und sonst woher kommen, wollen und die Leute dem jeweiligen Judentum zuzuführen, was die jeweilige Kiruvorganisation protegiert. Das kann Chabad sein, yeshivish, sonstwie haredisch (die moderne Orthodoxie interessiert sich kaum für uns und hat auch nicht eine so grosse Kiruvmaschine).
            Das Ende des Liedes ist immer das gleiche. Da in Deutschland keine grosse Infrastruktur aufgebaut werden kann, bedeutet das, dass die outgereachten Leute oder ihre Kinder den bestehenden Gruppen im Ausland zugeführt werden, manchmal ihr Studium und alles andere abbrechen. Hab ich ja schon gesagt.
            Das Ganze hat auch sehr viel mit Politik, Geld und Macht zu tun.

            Ich persönlich halte solche kleinen Initiative wie Du sie machst, auf lange Sicht viel vielversprechender. Einmal, weil sie „ehrlich“ sind, zweitens, weil sie Menschen, die in einer solchen Gruppe arbeiten, ermächtigt, und drittens, weil nur wegen 1) und 2) eine Chance besteht, etwas tatsächlich aufzubauen, das wirklich „gesund“ sind.
            Wenn Du in die Kiruvcommunities reinschauen kannst, siehst Du, das vieles einfach nur hält wegen Macht, Druck, Zwanghaftigkeit, Angst, Unwissenheit.
            Diese Aspekte finde ich persönlich sehr zum Fürchten und kein erstrebenswertes Modell und unterstütze es darum nicht, auch wenn es im Moment kaum Alternative zu geben scheint.

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            • Ja, der Ansatz ist »hier« naiv – das schrieb ich ja. In einer Umgebung, in der man Menschen nicht nur verwaltet, sondern sie gewinnen will, sieht das schon ganz anders aus. Da dürften neue Player eine Herausforderung sein.
              Das Problem ist vielmehr dort zu suchen (das schrieb ich ja auch bereits) und nicht in den Kiruv-Organisationen…

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              • „Das Problem ist vielmehr dort zu suchen (das schrieb ich ja auch bereits) und nicht in den Kiruv-Organisationen…“

                Ich möchte das gerne umformulieren: „Das Problem ist dort wie da zu suchen“.

                Denn: Kiruv verwaltet auch. Nur auf eine andere Art. Menschen, die mekarev gemacht werden, sind primär Objekte von Leuten, die Berufsjuden sind und ihr Geld an ihnen verdienen. Da muss man sich keine Illusion machen. Wer die Links, die ich gepostet habe, aufmerksam liest, wird das bemerken und hoffentlich vorsichtig sein.

                Ich verstehe grundsätzlich deine Frustration über das, was in den normalen Einheitsgemeinden passiert bzw. nicht passiert, sehr gut. Mir ensteht aber aus unserem Wechsel hier der Eindruck, Du bist nie wirklich in einen dauerhaften, engen Kontakt mit Kiruv gekommen und siehst darum Kiruv sehr idealistisch und blauäugig, quasi als „Erlösung“ – von dem Problem der materialistischen und in Unkenntnis und Unwollen zu Tode verwalteten Einheitsgemeinden.

                Dieser Frust, finde ich, darf aber nicht dazu führen, dass man alles andere kritiklos gut heisst, nur weil man sich nach Veränderung sehnt.
                Aber das habe ich ja auch schon mehrfach geschrieben, mehr gibts da auch nicht mehr zu sagen.

  5. PS
    Hier ein schönes Beispiel, wie manipulativ Kiruv in der Regel ist:
    https://thiswaytoeden.wordpress.com/2013/12/04/blowing-the-head-off-of-outreach/

    Mrs Eden zeigt genau auf, wie Schritt für Schritt die „richtige“ Person ausgewählt und dann „näher gebracht“ wird – natürlich ohne ihr jemals etwas vom Ziel oder den Methoden zu sagen.
    Es ist o.k., begeistert Jude zu sein und zu wollen, dass auch andere so begeistert jüdisch sind, aber ich finde, mein Gegenüber hat das Recht zu erfahren, was mein Ziel ist.
    Die Zeugen Yehovas tun das auch und darum kann ich sehr schnell sagen: danke, ich verzichte.
    Statt dessen aber gibt es bei Mrs Eden ein kleinschrittiges, manipulatives Spiel aus Suggestion von Interesse und Freundschaft bis die Person dann so weit ist, dass man sie in eine Kiruvyeshiva oder ein Kiruvseminar in Israel setzen kann, wo dann weitere Kiruvworker sich an der Person sich „austoben“ werden, wie Du so schön gesagt hast.

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  6. Warum nehmen Sie nicht einfach das Gute des anderen an? Ich bin keine Jüdin. Aber durch Chabad habe ich in den letzten Jahren dermaßen viel über die Tora und das Judentum begriffen wie nie zuvor. Es hat meine schon immer vorhandene Liebe zu Juden und Israel enorm wachsen lassen. Chabad-Rabbiner waren die ersten Juden, die mich aufgenommen haben, um aus der Tora aus jüdischer Sicht zu lernen. Es macht mich sehr, sehr traurig, wenn ich solche Auseinandersetzungen unter Juden lese. Ich glaube, dass gerade in einer zunehmend antisemitischen Welt der Zusammenhalt und die Einheit Ihre allergrößte Stärke und Schutz sein wird. Ich wünsche Ihnen Gespräche miteinander und nicht übereinander, damit sich Wege auftun, die alle Seiten massiv bereichern, wie z.B. die Möglichkeit zum Morgengebet in der „alten“ Synagoge.

    Shalom Ch. F.

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  7. @ Christel

    Wenn es Ihr Harmoniebedürfnis stört, dass sich Juden mit dem, was innerhalb des Judentums geschieht, kritisch auseinandersetzten, dann sei Ihnen etwas nahegelegt, das Ihnen anscheinend bislang noch nicht begegnet ist:
    2 Juden, 3 Meinungen.
    Das ist Judentum und findet sich schon in der Tora.
    Und ob und wieviel wir übereinander oder miteinander sprechen, lassen Sie getrost unsere Sorge sein!

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