Kauf den Tallit einfach bei H&M

Shop H und M
Das war eine tolle Überraschung! Sonst bringt H&M immer Tücher und Schals auf den Markt, die an die Kefije erinnern und statten so ganze Horden Jugendlicher mit wenig positiven Kleidungsstücken aus.

Jetzt wurde weltweit der Tallit-Style auf den Markt gebracht.
Dazu gibt es drei schlechte Nachrichten:

  • Erste: Natürlich gab es Proteste dagegen. Angeblich sei das ein heiliges Symbol. So zitiert die Jüdische Allgemeine jemanden der das so empfindet (siehe auch hier). Auch bei facebook gab es die generelle Bereitschaft sich zu empören. Aber warum? Die JA zitiert die Unternehmenssprecherin mit einer Entschuldigung. Wofür sollte sie sich entschuldigen? Vielleicht bei Antisemiten, die sich provoziert fühlen?
    Gefühlt war das ein Aufreger für engagierte Nichtjuden, die da einen Skandal witterten.
  • Zweite: Der Schal ist für Frauen gedacht. Aber wenn man es ganz genau nimmt, dürften (jüdische) Frauen das Tuch gar nicht anziehen – denn es heißt ja, eine Frau dürfe sich nicht kleiden wie ein Mann.
  • Dritte: Der Schal ist bereits ausverkauft!

Unbestreitbarer Vorteil:
Wenn die Innenstädte voller Tallesim sind, weil sehr sehr viele Menschen den Schal tragen, kann man unbehelligt mit seinem eigenen richtigen Tallit auf die Straße gehen.
Oder: Zitzit kaufen, anbringen – fertig ist ein günstiger Tallit.

Scheinbar gab es bei H&M auch dieses Kleid:

Chajm

Chajm ist nicht nur Autor dieses Blogs und Bewohner des Ruhrgebiets, sondern auch Herausgeber von talmud.de und Organisator des Minchah-Schiurs im Ruhrgebiet. Einige seiner Artikel gibt es nicht nur im Internet, sondern beispielsweise auch in der Jüdischen Allgemeinen. Über die Kontaktseite kann man Chajm eine Nachricht senden. Chajms Buch »Badatz!« 44 Geschichten, 44 zu tiefe Einblicke in den jüdischen Alltag, gibt es im Buchhandel und bei amazon.

8 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Der wirkliche Aufreger hätte sein müssen, dass die JA den Tallit ganz selbstverständlich als ausschließlich männliches Kleidungsstück bezeichnete und ignorierte, dass dieser in progressiven Gemeinden auch von Frauen (und in Münster von einer Frau) getragen wird. Wobei selbst die Orthodoxie auf Nachfrage einräumt, dass es tatsächlich kein halachisches Verbot zum Tallit-Tragen gibt).

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  2. Ich bin nicht wirklich gebildet auf dem Gebiet, was Frauen halachisch an Kleidungsstücken, die Kultuszwecken dient, tragen dürfen. Aber, soweit ich weiss, ist ein Tallit per se kein „männliches“ Kleidungsstück, so wie eine Hose (was übrigens auch eine Frage des Kulturkreises ist. In Sfarad trugen Frauen vielfach sehr wohl Hosen, in der Türkei, im Vorderen Orient…).
    Wie gesagt, ich bin nicht so weit gebildet und auch nicht so interessiert, daß ich die Details genau wüsste. Aber uns hat einmal ein Chabadrabbiner gesagt, daß es halachisch NICHT verboten ist für eine Frau, Tallit und Tefillin anzulegen, nicht einmal von orthodoxer Seite. Man „macht“ es nur nicht.
    Von nicht-orthodoxer Seite ist es ohnehin eine andere Sache.
    Also finally etwas differenzierter, finde ich, als Dein Postulat, dass „(jüdische) Frauen das Tuch gar nicht anziehen (dürften) etc.“).

    Shavua tov.

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    • Zum einen sollte man nicht alles sooo sehr ernst nehmen zum anderen hat Rabbiner Mosche Feinstein Tallitot für Frauen tatsächlich als erlaubt betrachtet – wenn die Frauen tatsächlich die Mitzwah erfüllen möchten – vorausgesetzt sie tragen einen, der sich von dem der Männer unterscheidet. Aus dem oben genannten Grund. Der von H&M sieht ja schon recht aschkenasisch männlich aus 🙂

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  3. „Rabbiner Mosche Feinstein Tallitot für Frauen tatsächlich als erlaubt betrachtet () vorausgesetzt sie tragen einen, der sich von dem der Männer unterscheidet.“

    Ist das tatsächlich so, dass sich der schwarz-weiss-gestreifte Tallit ein „männlicher“ Tallit ist?
    Es ist doch noch gar nicht so lange her, da waren Tallitot z.B. mit Blumen bestickt etc. … Kann man im Israel-Museum in Jerusalem sehen (Tallit aus Deutschland – ist mir deshalb in Erinnerung, weil ich ihn wirklich besonders schön fand).

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  4. Schau Dir mal das hier an…

    http://www.imj.org.il/imagine/galleries/viewItemE.asp?case=29&itemNum=362541
    Der Tallit stammt aus dem 18./19. Jahrhundert aus Deutschland.
    Er wäre dann eigentlich nach Deiner Meinung ein „Frauen-Tallit“. Ich habe so einen Tallit auch in Süddeutschland in zwei Museen gesehen. Scheint also keine Ausnahme gewesen zu sein, zumindest bis Ende des 19. Jahrhunderts, dann hat sich die strenge Variante schwarz-weiss durchgesetzt.

    Oder der hier
    http://www.imj.org.il/imagine/galleries/viewItemE.asp?case=29&itemNum=380292
    oder der
    http://www.imj.org.il/imagine/galleries/viewItemE.asp?case=29&itemNum=362628

    Ich glaube, die „Optik“ des Tallit ist vielmehr eine kulturelle Sache:
    Blumenmuster waren doch auch schon sehr früh mit Weiblichkeit verknüpft. Wenn es also so wäre, dass es da um Frauen- bzw. Männerkleidung gegangen wäre, hätten die Männer so einen Blumenschal oder so etwas Zartes mit rosa und hellblau (der deutsche Tallit) ja gar nicht anziehen dürfen…denn die Frauen im 18. und 19. Jahrhundert trugen ja definitiv oft Blumenstolas und -schals.
    Der Stil von Tallit, der heute auf jeden Fall am meisten verbreitet ist (weiss mit schwarzen Streifen) kommt ursprünglich aus Osteuropa, wie das meiste, was in der heutigen Tradition präferiert wird, egal ob liberal oder orthodox.
    http://www.imj.org.il/imagine/galleries/viewItemE.asp?case=29&itemNum=362940

    Neugierig muss ich mal fragen: du bist doch liberal-egalitär oder habe ich das falsch verstanden?
    Tragen die Frauen in deiner Community „Männer-Tallitot“ oder „Frauen-Tallitot“?

    Mich hätte letztendlich noch genauer das Halachische interessiert.
    Hast Du eine detaillierte Quelle, die Du verlinken könntest (z.B. den Feinstein)?

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  5. ¿Was heißt eigentlich Frauen-Tallit und Männer-Tallit? Vor Jahren meinte die Vorbeterin einer kleinen Dorfsynagoge, in denen damals übergemeindliche G-ttesdienste stattfanden, ich könnte ihr meinen Tallit schenken, weil der mit seinen roten Streifen eher ein Frauen- als ein Männertallit wäre. In der Oranienburger Straße zu Berlin tragen die meisten, die ihren eigenen Tallit mitbringen, einen solchen mit anderen/bunteren als den klassischen mit schwarz- oder blau-weißen Streifen. Viele BeterInnen nutzen aber die von der Synagoge zur Verfügung gestellten Tallitot und die sind klassisch.

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  6. Also, ich bin Nicht-Jüdin. Da kann ich aber auch nichts für. 😉
    Ich respektiere, dass sich viele Juden/Jüdinnen über das Tuch von H&M aufregen, darin einen Affront gegen den wichtigen Gegenstand der jüdischen Gebetstradition sehen. Eine solche Reaktion empfinde ich – mit Verlaub – als etwas übertrieben. Möglicherweise liegt meine Betrachtungsweise daran, dass ich nicht sonderlich religiös bin..
    Klar, hat das Tuch auf den ersten Blick Ähnlichkeit mit dem Tallit. Schaut man genauer hin, stellt man fest: es ist ein Schal in beige mit schwarzen Streifen.
    Nicht mehr, nicht weniger.
    Diejenigen Mädels, die es sich gekauft haben und es tragen, haben den Kauf mit Sicherheit nicht mit dem Hintergedanken getätigt, Juden und ihre Tradition zu beleidigen.
    By the way: in der nächsten Saison ist es eh wieder „out“! 🙂

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