Populäre Nicht-Fakten über Israel

In vielen hitzigen Diskussionen begegnet man häufig den gleichen Argumenten. Diese beruhen nicht immer auf den tatsächlichen Fakten. Häufig erwischt man sich, wie man immer und immer wieder die gleichen Dinge beschreibt. So wie die Nicht-Fakten immer und immer wieder genannt werden.
Ein paar populäre folgen hier:

Siedlungsbau

Populäre Verwendung:
Die Siedlungen stehen einem Frieden entgegen. Sie verunmöglichen Friedensgespräche.

UN Teilungsplan von 1947

UN Teilungsplan von 1947

Die Tatsache, dass Israel überhaupt als legitimer Staat anerkannt wird, dürfte der wichtigste Grund sein, aus dem die Gegner des jüdischen Staates keinen Frieden wollen.
Der UN-Teilungsplan, der am 29. November 1947 verabschiedet wurde, schuf einen arabischen Staat aus dem Nichts. Denn bis 1946 war das Land noch britisches Mandatsgebiet. Bevor die Briten kamen, gehörte es politisch zum osmanischen Reich.
Als dann aber der Staat Israel seine Unabhängigkeit ausrief, wollte man die Gunst der Stunde nutzen und den neuen Staat (der auf Grundlage des Teilungsplans entstand) und seine Bevölkerung vernichten. Die Niederlage der vereinigten Armeen schuf die Grundlage für die heutige zerfahrene politische Situation. Auch für die Flüchtlingsfrage. Hätte man 1947 keinen Krieg gegen den neuen Staat geführt, wäre die Situation heute eine andere. Man könnte auch sagen: Man hat alles auf eine Karte gesetzt und verloren.

Die Westbank wurde zusammen mit Ostjerusalem, dem Sinai, Gaza und den Golanhöhen im Sechstagekrieg eingenommen. Den Sechstagekrieg begannen arabische Staaten. Wieder mit dem Ziel, den Staat Israel zu vernichten.
1967 wurde ein Waffenstillstand unterzeichnet. Im August 1967 fand in Khartum eine Gipfelkonferenz aller arabischen Staaten statt, die dort die Leitlinien für die zukünftige Politik dem Staat Israel gegenüber verabschiedeten:
»Kein Frieden mit Israel,
keine Verhandlungen mit Israel,
keine Anerkennung Israels.«
1967 wurde ein Waffenstillstandsvertrag geschlossen – mit einer Waffenstillstandslinie. Diese wurde aber nicht als Grenze des einen oder anderen Territoriums definiert.

Im August 2005 räumte Israel die Siedlungen in Gaza. Allerdings brachte das den Frieden nicht näher, denn seitdem wird Israel mit Raketen aus dem Gazastreifen beschossen.
2008 bot Ehud Olmert an, eine teilweise Räumung der Westbank durchzuführen (Abkoppelungsplan) – ein Plan, der in Israel nicht gerade populär war, aber ohnehin von der palästinensischen Seite abgelehnt wurde.

Alternativ: Die Siedlungen verstoßen gegen internationales Recht
Artikel 49 der Vierten Genfer Konvention verbietet die Deportation von Bevölkerungsteilen oder ganzen Bevölkerungen von besetzten Gebieten. Ebenso darf keine eigene Bevölkerung an diesen Orten angesiedelt werden.
Arabische Bewohner wurden nicht aus den Gebieten gebracht und ausgewiesen, ebenso wenig wurden jüdische Bewohner in das Land gebracht. Sie entschlossen sich einfach dazu, dort zu wohnen.
Zudem: In der Genfer Konvention geht es um Gebiete, die einem anderen Staat zugerechnet werden. Die sogenannte Westbank wurde 1948 von Jordanien besetzt und 1967 wieder erobert.

Hebron wurde bis 1929 kontinuierlich von einer jüdischen Bevölkerung bewohnt. Bis 1929 weil in diesem Jahr die jüdische Bevölkerung einem Pogrom zum Opfer fiel.

Israel ist ein koloniales Projekt

Schon allein die Tatsache, dass die Irgun gegen die britischen Truppen kämpfte, zeigt doch etwas wesentliches: Man kämpfte gegen die Anwesenheit einer Kolonialmacht.

Völkermord

Tatsächlich führten die Auseinandersetzungen seit 1948 zu etwa 711 000 Flüchtlingen, die von UNRWA registriert wurden. 2010 waren es etwa 4,8 Millionen. Nicht, weil so viele hinzugekommen sind. Die 4,8 sind Kinder und Enkel der 711 000 von 1948.
Der Status Flüchtling wird auf Kinder und Enkel weitervererbt.

Würde Israel gegen die arabische Bevölkerung einen Völkermord durchführen, wäre die Zahl dann nicht viel geringer? Seit 1948 starben 14.000 Menschen – das sind 14.000 zuviel, aber Völkermord?

Apartheid

Israel sei ein Apartheidsstaat etc.
Ungefähr 20 Prozent der israelischen Bevölkerung sind keine Juden. In der Regel sind es arabischsprachige Nichtjuden. Diese müssen nicht zur Armee (könnten sie aber), dürfen wählen und sich auch sonst frei entfalten (etwa Moscheen bauen). Aus dem öffentlichen Leben werden sie nicht ausgegrenzt. Es mag sein, dass es auf privater Ebene Misstrauen gibt, aber nicht staatlich verordnet oder gefördert. Arabische Bewohner Israels besuchen die gleichen weiterführenden Schulen und Universitäten, wie jüdische Israelis.

Antizionismus ist kein Antisemitismus

Antizionismus meint zunächst die Ablehnung des Staates Israel und seines Existenzrechts im Allgemeinen. Juden sollen und dürfen keinen eigenen Staat haben – schon gar nicht an dem Ort, an der das jüdische Volk in der Vergangenheit bereits lebte. Für Antizionisten gilt der Staat Israel als Ärgernis schlechthin und als Friedenshindernis. Erst mit dessen Auflösung könne Frieden herrschen. Häufig werden den Zionisten negative Eigenschaften zugewiesen. Eigenschaften, die schon im klassischen Antisemitismus den Juden vorgeworfen wurden.
Natan Scharansky:

»Kritik der israelischen Politik ist nicht zwangsläufig antisemitisch, aber Israel das Existenzrecht abzusprechen, ist immer antisemitisch. Wenn andere Völker das Recht haben, in ihrem Heimatland in Sicherheit zu leben, so steht dieses Recht dem jüdischen Volk genauso zu.«

Das bedeutet natürlich nicht, dass Kritik an israelischer Politik rundherum antisemitisch sei. Sie ist es natürlich nicht, wenn es um die Kritik an Politik geht und nicht um die Zuschreibung negativer Eigenschaften die Israel anhaften.

Chajm

Chajm ist nicht nur Autor dieses Blogs und Bewohner des Ruhrgebiets, sondern auch Herausgeber von talmud.de und Organisator des Minchah-Schiurs im Ruhrgebiet. Einige seiner Artikel gibt es nicht nur im Internet, sondern beispielsweise auch in der Jüdischen Allgemeinen. Über die Kontaktseite kann man Chajm eine Nachricht senden.
Man kann/soll Chajm auch bei twitter folgen: @chajmke.
Chajms Buch »Badatz!« 44 Geschichten, 44 zu tiefe Einblicke in den jüdischen Alltag, gibt es im Buchhandel und bei amazon.

15 Kommentare

  1. also dieses argument, dass die besetzten Gebiete gar nicht besetzt sind, finde ich ziemlich doof.

    Israel wurde 1948 gegründet aufgrund eines UNO-Beschlusses, im Mandatsgebiet Palästina (ohne Jordanien) einen jüdischen und einen arabischen Staat zu gründen. Deshalb ist es nur recht und billig, dass der arabisch stäat, der sich palästina nenen will, nun endlich einmal gegründet wird.

    Ich finde, wenn Israel einem Palästinenser-Staat verhindet oder ihm die legitimität abspricht, dann spricht es sich letztlich auch selber die legitimität ab, weil es letzlich die eigenen Gründungsbedingungen in Frage stellt…

    • Falsch,die Pallis wollen nur einen Staat wenn die Juden ihren nicht mehr haben und auch nicht mehr Existieren. Sonst hätten sie ja dem UNO Beschluss zugestimmt. Zumal sie, bevor die Juden ihren Staat hatten,ja auch keine eigenen hatten oder wollten. Dazu kommt das Begriff Palästinenser eine Erfindung der PLO aus dem Jahre 1964 ist. Es handelt sich schlicht und einfach um Araber.

    • „ist es nur recht und billig, dass der arabisch stäat, der sich palästina nenen will, nun endlich einmal gegründet wird.“

      Warum eigentlich? Die Paläs wollen keine Zweistaatenlösung. Und sind wir ehrlich: Die Juden wollen das auch nicht. Eigentlich glaubt ausser der UNO niemand mehr an die Zweistaatenlösung. Der logische Ausweg wäre dann also die Einstaatenlösung… „Gross-Israel“ mit integrierten Palästinensern.

      Aber das geht aus verschiedenen Gründen auch nicht. Und so bleibt wohl nur die Weiterführung des heutigen „Zwischenzustandes“, wie hier nachzulesen ist: http://972mag.com/one-or-two-states-the-status-quo-is-israels-rational-third-choice/39169/

      • Nope – Zweistaaten-Lösung (zwei Völker *räusper* zwei Staaten) ist die beste Lösung angesichts der Lage.

        Der Staat Israel bis zum Jordan, und jenseits extra von den netten Briten geschaffen das Mandat Palästina, etwas Platz noch für „palästinensische Araber“ kann man da finden. 

        Dort können sie lustig weiter Bomben basteln, Kinder für den Dschihad erziehen und darob stolze Mütter mit Süßigkeiten verwöhnen, sobald man wieder einen von uns killte, usw, 
        oder aber 
        sie können dann endlich das tun, was die EU, Obama-USA und UNO so dringend verstehen, was sie eigentlich wollten: einen eigenen funktionierenden judenreinen Staat Palästina. 

        Beste Lösung. 
        Meine Meinung.

  2. Dass der Staat gegründet werden wird oder gegründet werden muss, steht doch eigentlich außer Frage.
    Die Option von 1948 ist ja vom Tisch und dann haben andere versucht, Fakten zu schaffen und zunächst einmal den jüdischen Staat zu verhindern. Jetzt wird die Situation schwieriger, aber eher durch die Zerklüftung des Gebiets und nicht durch die großen Gebiete, die besiedelt werden. Hier empfehle ich die manipulierbare Karte, mit der man schauen kann, wer wo wohnt und wie eine Friedenslösung aussehen könnte, auch durch eigenes Herumprobieren http://ispeacepossible.com/map.htm

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  4. Zunächst einmal finde ich, liegt Herr Scharansky einfach daneben. Israels Existenzberechtigung abzusprechen, ist nicht zwangsläufig antisemitisch, wohl aber antizionistisch. Aber als Jude fühle ich mich nicht angegriffen, wenn Israel in Frage gestellt wird. Verstehe mich dabei nicht falsch, in meinen Augen existiert Israel und das soll auch so bleiben.

    Aber Du gehst äußerst lasch mit diesen Nicht-Fakten um. Kann man noch wahnwitziger zwischen den Zeilen verlauten, die Araber hätten selbst schuld? Das ist absolut fragwürdig und gerade in der Geschichte waren wir Juden „literate“ und dabei geht es nicht nur um Gesetze, sondern vornehmlich um die Botschaften. Kannst Du den Arabern verübeln, dass sie jemanden wie Netanjahu nicht ausstehen können? Er hat den ganzen Friedensprozess rhetorisch vernichtet. Palästina soll nicht-militarisiert sein, um existieren zu dürfen? Die Einfuhren in die arabischen Gebiete werden von Israel kontrolliert, ganz eindeutig gibt es Schikanen, ein Volk, das zuweilen sehr rassistisch auf ihre Nachbarn und eine Minderheit in den eigenen Reihen reagiert?

    Bitte, Chajm, schön und gut, es gibt einiges, was in dieser Debatte gerne untertaucht, aber Israel ist nicht fair und alle sind bloß furchtbar gemein. So lässt Du es klingeln und es entsetzt mich.

    • »Kann man noch wahnwitziger zwischen den Zeilen verlauten, die Araber hätten selbst schuld?«

      Ich interpretiere die Vorgänge nicht, sondern stelle fest, was passiert ist. Die Taktik der umliegenden arabischen Staaten sah recht lange vor, dass es um das gesamte Land geht. Dieses dann zu verlieren, ist eine logische Konsequenz: Ursache – Wirkung.

      Netanjahu kommt in meinem Text doch gar nicht vor? Das ist gar nicht Thema der Auflistung und diesen Bereich klammere ich ausdrücklich aus.

  5. … aber Israel ist nicht fair und alle sind bloß furchtbar gemein. So lässt Du es klingeln und es entsetzt mich.

    @Pann:
    Reine Neugier! Wieso entsetzt Dich das?

    Shalom

    Miles

    • Schalom lieber Miles,
      Fragen, Fragen, aber keine Antwort darauf, nur finster verborgen schon dort, mit dem, was die nun Gefragten bereits schrieben, finster offen, finster zwischen den Zeilen…

      Ach komm, was kümmert’s uns? 

      Chanuka sameach!!! 😀

      An Dich, an alle die dieses Wunder im Herzen tragen, und damit, gewiß, auch an den geehrten blog-Betreiber, lieber Chajm.
      Ale saj gesunt, 
      es ist ein Licht, 
      unser Licht!

      A.mOr.

      PS/verbrennt euch nicht, ihr Finsterlinge! 🙄

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