Chajms Sicht

Eine jüdische Sicht auf die Dinge

Piraten, Volkstrauertag und Gaza

| 15 Kommentare

Man kann angesichts der medialen Lage und der Darstellung Israels in der Öffentlichkeit wohl nicht mehr verlangen, dass der durchschnittliche Leserbriefschreiber und Onlinezeitungskommentator sich irgendwie differenziert äußert oder Empathie empfindet. Bevor man einwendet, er empfinde doch Empathie, aber eben für die Leute in Gaza, muss man direkt vorweg nehmen: Nein. Er empfindet vor allem etwas gegen Israel. Punkt. Sonst würde ihn das Leid der Menschen in Darfur, Syrien oder sonst irgendwo auf der Welt auch bewegen oder interessieren.

Von den Volksvertretern hingegen erwartet man differenziertere Stellungnahmen. Dietmar Schulz Abgeordneter des Landtages in Nordrhein-Westfalen (und übrigens auch Jurist) erfüllt diese Erwartung nicht so richtig. Er twitterte zu einer Gedenkveranstaltung zum Volkstrauertag:


Kurzum: Wir weinen hier um die Juden und die bomben fleißig.
Eine Schlussfolgerung liegt nahe und muss an dieser Stelle wohl nicht extra gezogen werden.
Nahezu überflüssig zu erwähnen, dass der Mann Abgeordneter der Piraten ist.
Vielleicht sollte die Bundeszentrale für politische Bildung den neuen Abgeordneten mal ein kleines Paket an Basisinformationen schnüren?

hat tip an Orden des Leibowitz

Autor: Chajm

Chajm ist nicht nur Autor dieses Blogs und Bewohner des Ruhrgebiets, sondern auch Herausgeber von talmud.de und Organisator des Minchah-Schiurs im Ruhrgebiet. Einige seiner Artikel gibt es nicht nur im Internet, sondern beispielsweise auch in der Jüdischen Allgemeinen. Über die Kontakt-Seite kann man Chajm eine Nachricht senden.

15 Kommentare

  1. Der Tweet war scheisse, ja! Dietmar Schulz ist jedoch definitiv KEIN Antisemit, er hat massgeblich geholfen, Antisemiten aus der Partei zu entfernen.

  2. Er hat sich antisemitisch geäußert, das ist ein Fakt. Ob er ein Antisemit ist oder nicht, ist dabei völlig egal.

    • Das klingt genau danach was ich erwartet habe: Israel entfesselt einen Krieg. Dass die Hamas dieses Jahr schon über 1000 Raketen auf Israel geschossen hat und die Eskalation der Hamas zugenommen hat, wird verschwiegen. Nach dem Motto: Israel schießt alles ohne Grund in Gaza nieder. Das ist genau die Intension von Deutschen, die sich die Wahrheit zurecht biegen. Israel hätte still halten sollen. Realitätsfremd bis zum Geht nicht mehr.
      Hier gibt es nichts mehr zu deuteln. Worte kann man nicht zurück nehmen.

    • Ich denke, er hat überhaupt noch nicht vollständig erfasst, was er geschrieben hat und versteht die Einwände dagegen überhaupt nicht.

      • Das ist ja genau das Problem, was immer wieder solche Menschen haben, wenn sie so was von sich geben. Sie verstehen (erfassen) ihre eigenen Worte nicht bzw. was diese über sie aussagen.

        • Ich denke schon, daß er die Tragweite seiner Worte erfasst hat. Wenn nicht, ist das ein Armutszeugnis für einen Juristen und Landtagsabgeordneten. Wie kann ein Normalbürger noch Vertrauen in seine Funktionen haben? Vielleicht war hier “Methode Hanemann”! (Hanemann geht Du voran, du hast die längsten Hosen an) im Spiel oder Herr Schulz will sich als linker, antizionistischer Vordenker seiner Partei profilieren.
          Im Nachhinein kommt nur lauwarme Luft, die die Glaubwürdigkeit nicht herstellt.
          Weiterhin ist es interessant, wie die Partei mit Herrn Sch. umgeht. Einen Steigbügelhalter hat er schon, Herr Gugat versucht verzweifelt, die Scherben zu kitten. Versucht. Kann er aber nicht, weil seien Argumente nicht ziehen.

          • Sie nennen mich einen Steigbügelhalter, weil ich solidarisch mit einem Parteifreund bin, von dem ich weiss, dass er kein Antisemit ist, was ihm vorgeworfen wurde und ihm deshalb zur Seite stehe? Nun denn… Ihre Wortwahl ist beleidigend.

            Für mich ist das einfach mein Verständnis von Solidarität. Ich weiss nicht, wie Sie das definieren. Ich bin so erzogen worden, das man seinem nächsten hilft und ihn unterstützt. Kritisieren darf und soll, ja muss, man trotzdem.

            Meine Argumente mögen Sie nicht erreichen: damit kann ich leben. Ich verurteile den Tweet. Er hätte nie geschrieben werden sollen. Er kann antisemitisch interpretiert werden, wenn man das möchte. Alleine diese Möglichkeit macht ihn falsch. Meine persönliche Erfahrung mit Dietmar und meine Erfahrung aus über 20 Jahren antifaschistischer Arbeit sagen mir jedoch: er ist kein Antisemit. Dietmar möchte sich bestimmt nicht als Vorkämpfer installieren, wie Sie schrieben, er hat andere Schwerpunkte. Das heisst nicht, das man ihm unterstellen sollte, Antisemit zu sein.

            Was meinen Sie überhaupt mit “Steigbügelhalter”? Absurd. Seien Sie versichert: wenn Dietmar sich für mich jemals als Antisemit darstellen sollte, tue ich alles, um das zu bekämpfen. Das ist er nicht. Und bis dahin verteidige ich ihn gegen unverhältnismässige Unterstellungen. Ich stelle nur mal die Frage: wer kann BEWEISEN, das er KEIN Antisemit ist? Das ist schlicht möglich.

            Elisabeth BG, sie kennen mich nicht, ich verstehe, wenn Sie meinem Urteil über Dietmar nicht folgen (wollen). Aber basteln Sie keine Verschwörung, das ich ein Steigbügelhalter für irgend etwas sei.

            Mit besten Grüssen
            Michael Gugat

            • Tippfehler: es muss natürlich richtig heissen “Ich stelle nur mal die Frage: wer kann BEWEISEN, das er KEIN Antisemit ist? Das ist schlicht UNmöglich.

            • @ MG Steibügel kann man auch aus Solidarität halten. Solidarität ist auch Hilfe, Fehler korrigieren zu helfen. Nicht Fehler kleinreden. Und wenn sie keine weiteren Anmerkungen haben, als meinen Vorwurf an Sie zu kritisieren, ich kann auch damit leben. Denn mein Beitrag richtete sich weniger gegen Ihre Rolle ( Sie waren für mich, mit Verlaub,eine Randfigur)

              • Eine Nebenrolle? Stimmt, da sind wir uns einig… :-)

                Und kleinreden möchte ich gar nichts. Der Tweet ist und bleibt schlicht falsch. Ohne wenn und aber. Und Dietmar ein Mensch. Das darf man nie vergessen und sollte den grundsätzlichen Respekt bewahren. Oder hat er vorher schon einmal mit mit irgendwelchen Aussagen zu erkennen gegeben, dass er eine fragwürdige Gesinnung hat? Wenn ja, dann her damit. Ich verschliesse mich nicht Beweisen und Argumenten.

                Und nun beschliesse ich für mich diesen Thread. Ich Danke Ihnen und allen anderen, die auf die Problematik des Tweets hingewiesen haben. Antisemitismus und Rassismus dürfen nie auch nur ansatzweise geduldet werden. Ich stimme bis hierhin mit allen überein.

                Behalten wir aber den Respekt vor denen, die einfach einen Fehler gemacht haben und diesen einsehen.

                LG
                Michael Gugat

    • Ein weiter Fall von “Die Deutschen werden den Juden Auschwitz nie verzeihen”? ( Zvi Rex )

  3. Pingback: Die Piraten und ihr Antisemitismusproblem « Zwischenwelten

Hinterlasse eine Antwort

Pflichtfelder sind mit * markiert.


9 − = 1