Der Talmud von Steinsaltz – es geht los

Steinsaltz Talmud Cover

Seiten aus dem Koren Talmud

Es geht wieder los! Ein neuer Daf Jomi Zyklus beginnt! Am Freitag, den 3. August beginnt der 13. Zyklus, seit der Einführung des Daf Jomi. Wieder wird Tag für Tag ein Blatt Talmud gelesen, so dass am Ende der gesamte Talmud gelesen wurde. In vielen Kalendern hat die Angabe des aktuellen Blatts Einzug gehalten. Anders als noch vor etwa sieben Jahren, haben viele heute einen viel einfacheren Zugang zu jüdischem Wissen und zum Meer des Talmuds, wie Rabbiner Adin Steinsaltz die gesamte Materie umschreibt. Denken wir noch einen weiteren Zyklus zurück, dann hat das Thema einen riesenhaften Sprung gemacht. Jüdisches Wissen würde ich eher auf dem Vormarsch sehen, als auf einem sinkenden Schiff.
Im Bereich der Basisliteratur (Siddur, Tanach) hat sich viel getan. Vieles ist benutzerfreundlicher geworden. Gestalterische Ansprüche werden nun auch an diese Art des Buches gestellt. Eine bloße Übersetzung war offenbar nicht mehr die Aufgabe. Eine leicht zu lesende und leicht handhabbare Ausgabe, die für Profis und Einsteiger zugänglich ist und Form und Funktion smart zusammenbringt.

Werfen wir also einen genaueren Blick in den Band Berachot (bis Blatt 8b kann man den Inhalt hier anschauen).

Interessanterweise bringt die englisch-hebräische/aramäische Ausgabe einen durchsichtigen Umschlag mit. Der ist sehr schön, aber ich bin mir nicht sicher, ob ich ihn belasse, oder entferne. Schlägt man das Buch auf, knistert es richtig:
Auspacken des Koren Talmud?
Öffnet man den Band lateinisch (von links nach rechts) findet man die englische Übersetzung zusammen mit dem Originaltext vor. Nebeneinander, abschnittsweise übersetzt:
Koren - Innenansicht
Damit sind wir schon mitten im nächsten großen Thema: Gelten irgendwelche, vielleicht ungeschriebenen, Regeln beim Layout vom Talmud-Ausgaben? Die frühen Ausgaben des Talmuds von Adin Steinsaltz mit der hebräischen Übersetzung und einem ausführlichen Kommentar (siehe kurze Rezension dazu hier) wurden dafür kritisiert, nicht dem Layout der Wilnaer Ausgabe zu entsprechen.

Um Regeln zu brechen, muss man sie beherrschen und wissen, was man tut. Im Falle des Seitenlayouts haben sich die Layouter von Koren für einen mutigen Schritt entschieden. Sie gehen nicht den naheliegenden Weg und bilden nicht das Layout einer Seite aus der Wilna-Edition nach und imitieren diese auch nicht. Sie referenzieren darauf, aber das Layout folgt einem anderen Prinzip. Sicherheitshalber ist das Standard-Blatt zu sehen, wenn man den Talmud Hebräisch öffnet. Wir sehen, dass das Wilna-Blatt eine Art de facto Standard für Talmud-Ausgaben geworden ist. Viele Elemente wurden übernommen, tragen jedoch in der englisch-hebräischen Ausgabe einen neuen Sinn. So wird der traditionelle Text nun von Steinsaltz-Kommentaren und Anmerkungen umrahmt und nicht von den Tosafot und Raschi (diese findet man vollständig vokalisiert im hebräischen Teil).
Die Übersetzung enthält zahlreiche Hinweise und Klarstellungen von Rabbiner Steinsaltz. Die reine Übersetzung ist jeweils fett gesetzt. Die Übersetzung ist nicht unanspruchsvoll, dementsprechend aber auch nicht zu vereinfachend. Schnell ist man beeindruckt, wie viel Text zusammenkommt, wenn eigentlich nur fünf Wörter Originaltext übersetzt worden sind. Eine reine Übertragung des Textes würde nicht weiterbringen und deshalb ist die Koren-Ausgabe (wie auch Artscroll) dazu geeignet, dass man tatsächlich mit ihr lernt. Man liest nicht nur den Text, sondern steigt regelrecht ein. Kleine Buchstaben markieren, ob ein Thema von einem Kommentar aufgegriffen wird. Die Kommentare sind teilweise bebildert. Wenn es um Münzen oder den Knoten der Kopf-Teffilin geht, ist das eine große Hilfe. Einige wenige Bilder offenbar da, um den Kommentar etwas aufzulockern. Einen Hahn muss man vermutlich nicht unbedingt abbilden. Die Bilder sind übrigens bunt. In der günstigeren Daf Jomi Ausgabe sind sie schwarz-weiß.
Kurzum: Beeindruckende Arbeit und ein bequemer leicht abfallender Strand ins Meer des Talmuds (um mal in der Sprache zu bleiben) – plötzlich ist man mittendrin.
Der Profi findet übrigens einen vollständig neu gesetztes Wilnaer Blatt vor. Vollständig vokalisiert!
Hadran befindet sich zwischen dem hebräischen und englischen Teil.

Die Daf Jomi und die Standardausgabe sind übrigens bei amazon erhältlich.

Chajm

Chajm ist nicht nur Autor dieses Blogs und Bewohner des Ruhrgebiets, sondern auch Herausgeber von talmud.de und Organisator des Minchah-Schiurs im Ruhrgebiet. Einige seiner Artikel gibt es nicht nur im Internet, sondern beispielsweise auch in der Jüdischen Allgemeinen. Über die Kontaktseite kann man Chajm eine Nachricht senden.
Man kann/soll Chajm auch bei twitter folgen: @chajmke.
Chajms Buch »Badatz!« 44 Geschichten, 44 zu tiefe Einblicke in den jüdischen Alltag, gibt es im Buchhandel und bei amazon.

11 Kommentare

  1. > „Wieder wird Tag für Tag der gesamte Talmud gelesen.“

    Das schafft nicht mal R‘ Chajm Kanievski 😉
    Gut Schabbes, und allen Betroffenen die besten Wünsche zum neuen Zyklus.

    YM

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