Limmud.de 2012

In der Kommandozentrale rauchen die Köpfe, es gibt Aufregung über Druckfehler, Änderungen in letzter Sekunde, Aufstellungen von Ausweich- und Notfallplänen, fröhliche Wiedersehen von alten Freunden, und das Madrichim-Team packt Bergeweise Bastelmaterial aus. Was ist los? Limmud in the City! Erstmals findet dieses nun schon traditionelle Lern-Festival in der Jüdischen Oberschule in Berlin statt, und nicht, wie bisher, auf dem Gelände der EJB Werbellinsee.
Das ist Berlin

Alles Neu bedeutet auch Alles Anders. Es müssen technische Materialien überprüft, Steckdosen gefunden, und Raumplanungen über den Haufen geworfen werden. Auf dem Hof der Schule steht ein riesiges Zelt als Küche und Speisesaal, Bierzelt-Flair mit koscherem Catering. Vor der Schule hat sich eine Bar/Lounge materialisiert, ein Blick hinein übertrifft die kühnsten Erwartungen. Und der Kaffee wird professionell mit aufgeschäumter Milch und Herz-Verzierung vom Barista serviert. Sogar die Pappbecher für den regulären Kaffee zu den Mahlzeiten sind mit Limmud.de – Design. Das Team hat sich, wieder mal, selbst übertroffen! Es ist unglaublich, was diese Leute jedes Jahr auf die Beine stellen, und wie viel Herzblut in die Vorbereitung und Durchführung fliesst. Spätestens nach dem offiziellen Grand Opening lässt der Eröffnungsstreß langsam nach, und auch in der Kommandozentrale (Limmud-Büro in einem Klassenzimmer) wird die Betriebstemperatur etwas heruntergefahren.
Der Programm kommt im neuen Design (und in einer schicken Stofftasche, inclusive Notitzblock) daher, die über 500 Teilnehmer aus Berlin, Deutschland, Europa und der ganzen Welt. Eine kurze Umfrage zeigt, daß viele neue Teilnehmer dabei sind, für die es das erste Limmud ist, aber eine recht große Anzahl ist bereits zum wiederholten Mal angereist ist. Limmudniks, sind, offenbar, Wiederholungstäter.
Dieses Jahr sind mehr und längere Pausen eingeplant als bisher, um die Diskussion unter den Teilnehmern zu fördern, sowie eine lange Mittagspause, was gleichzeitig auch die Entdeckung der städtischen Umgebung ermöglicht.
Inhaltlich gibt es wieder eine gute Durchmischung an Themen: Politik, Religion, Kultur, gesellschaftliche Themen, ebenso eine ekletische Auswahl an Filmen, unter Anderem ein inoffizielles Vor-Screening von Arnon Goldfingers Dokumentations-Film „Die Wohnung“ am Donnerstag.
Am Freitag stand eine Diskussion mit dem Präsident des Zentralrats der Juden Dr. Dieter Graumann auf dem Programm, der sehr offen auf alle Fragen des großen Publikums einging, die eine Vielzahl von Themen umfassten. Zentrales Thema war die Pluralität der Jüdischen Gemeinden Deutschlands, eine Pluralität, die bei Limmud.de bereits lange Tradition hat.
Das dieses Jahr zum zweiten Mal stattfindende Speed-Dating (ab dem zweiten Mal ist es schon Tradition!) war wieder sehr gefragt; mit Spannung wird erwartet, ob es, wie im letzten Jahr, zu weiteren Hochzeiten kommen wird. Ein Bericht über den Ablauf des Datings wird bald in der Jüdischen Allgemeinen erwartet, ein Reporter schlich sich ein, obgleich er schon lange nicht mehr zu haben ist, und wird brandheiß berichten.
An Schabbat wurden dieses Jahr die Synagogen Berlins mit einbezogen, zusätzlich zu vier verschiedenen Minjanim am Veranstaltungsort.
Es gab viel positives Feedback der Teilnehmer zum neuen Veranstaltungsort, es kamen einige Berliner spontan, auch tageweise, und das Angebot der Stadtführungen wurde gut angenommen. Das Flair war natürlich ganz anders, das dörfliche Insel-Gefühl wollte sich nicht so recht einstellen. Dieses Jahr war es eben urban. Mit Coffee-Bar und Lounge.

Naomi

Gastautorin im Blog. Sie berichtet aus der weiten Welt.

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