Das Buch Tanja – Sehr feine Ausgabe

Das Buch Tanja - Umschlag

Das Buch Tanja - Ansicht

Das ist etwas für die bibliophilen Seelen unter uns.
Das kann man getrost behaupten, auch wenn man von dem Buch zuvor niemals etwas gehört hat.

Obwohl in letzter Zeit wieder einige jüdische Bücher (also jüdische jüdische Bücher, nicht Bücher über das Judentum) neu gedruckt werden, so sticht die Ausstattung des Buches Tanja doch deutlich heraus. 930 Seiten, Goldschnitt, Leineneinband, Lesebändchen und Schutzumschlag. Im Innenteil wurde ähnlich sorgfältig gearbeitet. Die deutsche Typographie stammt von Professor Ralf de Jong, die hebräische wurde von Dr. Ittai Tamari verantwortet. Bisher habe ich keine derart aufwändige Neuerscheinung eines jüdischen Buches in deutscher Sprache gesehen. Man lernt dadurch etwas wichtiges.
Nämlich: Es wäre theoretisch doch möglich, so etwas (für den Leser) bezahlbar zu machen und überhaupt zu realisieren. Aber möglich ist es natürlich nur dann, wenn Sponsoren oder Spender die Herausgabe unterstützen. Im Ausland wird das bei jüdischen Büchern häufiger gemacht.
Im vorderen oder hinteren Bereich findet man häufig Widmungen dieser Unterstützer. Das setzt natürlich voraus, dass das Werk von einer gewissen Anzahl von Menschen für unterstützenswert gehalten wird.
Vielleicht könnte man das auch als Zeichen für die Zukunft deuten? Man wandelt den vielzitierten Spruch vom Haus, das man baut, weil man bleiben will ein wenig ab und behauptet wer ein Buch druckt will bleiben. Meint: Man vertraut darauf, dass das Buch aktuell in Zukunft eine interessierte Schar von Lesern und Lernern hat und haben wird und dass es sich lohnt (in wirtschaftlicher und ideeller Hinsicht) ein solches Projekt durchzuführen.

Bei dem Buch Tanja (oder auch Likkutej Amarim) handelt es sich um eine Schlüsselschrift (ich denke, das kann man so formulieren) von Chabad und so erklärt sich die Motivation der Unterstützer und die große Wertschätzung dem Inhalt gegenüber (den Inhalt habe ich in aller Kürze in der Rezension für die Jüdische Allgemeine angerissen, siehe hier – in aller Kürze darstellen lässt sich der nicht). So wird dann Goldschnitt wie dieser möglich:

Das Buch Tanja - der Goldschnitt

Goldschnitt

Im Inneren des Buches finden wir den hebräischen Originaltext, sowie die Übersetzung von Rabbiner Levi Sternglanz (die man hier online lesen kann). Ihr Stil ist sehr interessant. Die Übersetzung erinnert stark an klassische Texte. Das hat einen zeitlosen Charakter, schafft aber auch eine gewisse Distanz zum Text:

Die zweite Seele des Juden ist buchstäblich ein Teil G?ttes von droben, wie es steht: Und Er blies den Hauch des Lebens in seine Nase, und Du hast [die Seele] in mich geblasen
zitiert nach dem Text auf der Internetseite, hier

Damit folgt der Inhalt der Form. Sie liegt auch irgendwo zwischen klassisch und modern. Klassisch wäre die Verarbeitung und der hebräische Schriftsatz (Drugulin), modern mit Anleihen an hebräische Werke, die einen Kommentar beinhalten, wäre die Aufteilung der Seite und die farbliche Unterscheidung von Inhalt und Kommentar.

Blick in das Buch Tanja

Blick in das Buch Tanja

Auf den äußeren Rändern (die farblich abgesetzt sind) sind viele erklärende Kommentare untergebracht. Sie schaffen eine gewisse Lernatmosphäre. Sicher ist es auch kein Buch, welches man einfach mal herunterlesen kann. Viele Begriffe aus der Welt der Kabbalah begegnen einem. Dafür gibt es natürlich ein leicht aufzufindendes Glossar. Dieser Teil des Buches ist nämlich hinten auf anderem Papier gedruckt.

Buch Tanja - Deutscher Text mit Rand

Buch Tanja - Deutscher Text mit Rand

Lohnt sich das Buch für Nicht-Chabadniks? Wenn man sich auch inhaltlich mit Chabad auseinandersetzen will (im Sinne einer inhaltlichen Beschäftigung), dann sollte man zumindest ungefähr wissen, worum es dort geht und sich auf ein paar Seiten einlassen. Schaden tut es nicht. Der Umfang der zitierten Quellen ist riesig. Viele Themen tun sich auf, die man vielleicht vertiefen oder hinterfragen möchte und schon ist man drin im Buch. Die Quellen liegen nun in Buchform auf dem Tisch. Ein erstaunliches Projekt.

Eine weitere Rezension von mir gibt es in der aktuellen Ausgabe der Jüdischen Allgemeinen, hier online zu finden. Es handelt sich übrigens um eine einbändige Ausgabe.

Das Buch ist über books&bagels erhältlich.

Chajm

Chajm ist nicht nur Autor dieses Blogs und Bewohner des Ruhrgebiets, sondern auch Herausgeber von talmud.de und Organisator des Minchah-Schiurs im Ruhrgebiet. Einige seiner Artikel gibt es nicht nur im Internet, sondern beispielsweise auch in der Jüdischen Allgemeinen. Über die Kontaktseite kann man Chajm eine Nachricht senden.
Man kann/soll Chajm auch bei twitter folgen: @chajmke.
Chajms Buch »Badatz!« 44 Geschichten, 44 zu tiefe Einblicke in den jüdischen Alltag, gibt es im Buchhandel und bei amazon.

2 Kommentare

  1. Ja, nicht nur für Chabadniks.
    Mein Rov, der gerade in ein grosseren Stadt wechselt, hat es in seinen Yeschivezeiten gelernt.
    Ich lerne es gerade in telefonischer Chevrusa mit einem Litvischen aus Frankreich.
    Ich glaube es ist viel mehr Chassidut im weiterem Sinne, als konkrett Chabad, auch wenn für Chabad es ist die Bibel.
    Aus Tanya wird man heutigen Lubavitscher kaum verstehen und analysieren können, weil in Tanya fehlt die Grundlage für heutigen Verständnis von Moschiyach, dass bei Chabad sich eher erst in letzten Jahren entwickelt hat. Das ist auch der Grund, warum heute sogar viele Gegner von Chabad das Buch trotzdem lernen. Sie meinen, dass heutige N.-Y.Chabad mit dem Chabad in Lubavitsch wenig gemeinsam hat.
    Das ist nicht meine Meinung zur Chabad, ich halte mich mit meiner Meinung zu Chabadniks, die außer Zweifel Schomrey Schabbat sind (auch Kaschrut und Niddah) zurück. Ich wollte nur darauf eingehen warum das Buch bei Weitem nicht nur was für Chbadniks ist.

Kommentare sind geschlossen.