Chabad unter die Lupe genommen

Das Heer des Rebben

War Chabad vor einigen Jahren in noch ein Phänomen das deutsche Juden aus dem Ausland kannten (Wollen Sie Tefillin legen?), so sind heute zahlreiche Emissäre (die sog. Schluchim) von Chabad auch in Deutschland aktiv und das mit beachtlichen Erfolgen, während andere Bewegungen nicht richtig von der Stelle kommen, oder in weitaus kleinerem Maße wachsen. Sieht man von Lauder ab. In 15 Städten ist Chabad aktiv und weltweit tun etwa 4000 dieser Schluchim mit ihren gesamten Familien den Dienst.
Was ist das Erfolgsgeheimnis von Chabad? Warum kopieren andere Strömungen nicht einfach Teile davon? Wie finanziert sich Chabad? Was sind die häufigsten Vorwürfe gegenüber Chabad?

Man könnte sagen, all das beschreibt Sue Fishkoff in ihrem Buch Das Heer des Rebben. Allerdings ist das Buch mehr als ein wissenschaftlicher Text über die Absichten und Arbeitsweisen von Chabad. Fishkoff hat etwa ein Jahr Chabadniks in verschiedenen Gegenden besucht und ihnen bei ihrer Arbeit über die Schulter geblickt und zugleich jüdische Vertreter vor Ort zum Engagement von Chabad befragt.
Die Reaktionen sind was vorhersagbar ist, wenn man das Phänomen kennt gemischt. Einige begrüßen das Engagement, andere lehnen es rundherum ab. Sie tut das praktisch als embedded journalist und das ist, für ein Buch über Chabad, neu.
Bisher gibt es zwar einige Artikel über Chabad, aber kaum einen, der sich mit nahezu allen Aspekten beschäftigt hat. Sie tut das natürlich besonders für die USA und hier ist die allgemeine jüdische Infrastruktur eine andere, als in Deutschland etwa. Der Leser erfährt simultan etwas über die Überzeugungen und Arbeitsweisen von Chabad als religiöser Organisation und zugleich über die einzelnen Vertreter vor Ort und vermutlich, so liest man es zwischen den Zeilen, wenn man das Engagement der jungen Rabbiner buchstäblich beobachtet, ist dieser Punkt ausschlaggebend für den Erfolg. Es ist der Schaliach vor Ort, der durch seinen Einsatz und den persönlichen Kontakt zu den Menschen das Gesicht ausmacht. Er bindet die Personen so ein, wie es ihnen möglich ist. Einige Menschen werden dementsprechend auch finanziell eingebunden. Es ist also das persönliche Gesicht, nicht die Organisation als Abstraktum, das den Erfolg der Aktivitäten garantiert. Die Männer und ihre Familien geben der Marke Chabad einen Wert und sorgen dafür, dass man generell ein positives Bild hat, wenn über die Organisation gesprochen wird, auch wenn man viele oder einige der Überzeugungen ablehnen mag:

Nicht jeder mag Chabad. Die sehr öffentliche und unübersehbare Art von Jüdischkeit der Bewegung wirkt auf einige befremdlich, genau wie die Art und Weise, wie Schlichim in eine Stadt brausen und sich unter lauten Posaunenstößen in Gemeinden einrichten, in denen die jüdische Bevölkerung ein eher diskretes Profil gepflegt hat. Dadurch, dass Chabad sich weigert, nicht-orthodoxe jüdische Gruppen anzuerkennen, steht es weder mit der Mehrheit der Rabbiner, die in den USA arbeiten, im Einklang noch mit den meisten nationalen jüdischen Organisationen.
Zitat aus Kapitel 1

Fishkoff gibt dafür durchaus auch Beispiele und spart keine Themen aus, die kontrovers diskutiert werden dürften. Etwa die Rolle des Rebben, die Verehrung seiner Person am Ohel und die Praxis Briefe an den Rebben zu schreiben und eine Antwort zu erwarten wie das funktioniert, steht natürlich im Buch. Einen historischen Abriss über die Entwicklung der Bewegung gibt es natürlich auch.

Das kann man aus Interesse lesen, weil es auch unterhaltsam geschrieben ist, aber auch um zu sehen, wie das System funktioniert und das ist verblüffend: Es ist nicht etwa so, dass eine zentrale Organisation alle Zweigstellen mit Geldern versorgt, sondern die Abgesandten zwar aussucht, vorbereitet und vernetzt, aber sie finanziell nicht so ausstattet, dass sie eine vollständige Infrastruktur aufziehen könnten. Nach einem Jahr muss die Familie des Rabbiners sich selbst und die Aktivitäten selber finanzieren können. Dazu müssen Sponsoren und lokale Aktive gewonnen werden. Das hat (besonders, wenn wir nach Deutschland blicken) den Vorteil, dass die Infrastruktur mit den Ansprüchen wächst und dementsprechend bezahlbar bleibt.
Es wird also kein Gemeindezentrum gebaut und dann geschaut, wie man es mit Leben füllen könnte und zugleich die finanziellen Verpflichtungen erfüllen kann. Es geht vielmehr los mit der Wohnung der Familie, dann kommt häufig eine Möglichkeit für Kinderbetreuung dazu, dann größere Räume und so weiter. Viele Male wird das im Buch geschildert. Das reicht von der kleinen Wohnung der Familie bis zum riesigen Chabad-Zentrum mit Synagoge, Mikwe und allem, was dazugehört. Die Chabad-Zentren in Deutschland mischen also nicht mit beim großen Verteilungskampf um die Gelder, die das Land oder der Staat ausschüttet und so wundert man sich darüber, dass es doch (oder gerade deshalb) funktioniert und andere Gruppen einen aufzehrenden Kampf um Mittel führen, weil man ansonsten ein funktionierendes jüdisches Leben nicht finanzieren könne (wie es hier formuliert wird).

Formales: Irritiert war ich zunächst über die konsequente Rechtsbündigkeit des Buches und habe mich gefragt, ob das eine Anspielung auf hebräische Bücher sei? Es dauerte ein wenig, mich daran zu gewöhnen, dass ein Abschnitt unten rechts endet. Offenbar ist dies aber ein Layoutkniff, denn das Das Heer des Rebben wurde im Wettbewerb Die schönsten Schweizer Bücher, ausgelobt durch das Schweizer Bundesamt für Kultur, prämiert. Diesen Preis erhalten Bücher, weil sich durch Gestaltung, Konzeption und Verarbeitung auszeichnen. Dass diese Besonderheit der Gestaltung nicht erklärt wird, finde ich hingegen gut. Erklärungen zu hebräischen oder jiddischen Begriffen sind jeweils direkt (unübersehbar) eingeschoben, werden jedoch auch in einem Glossar gesammelt. Geblättere kann man sich also sparen, hat den Begriff doch bei der Hand, wenn man ihn später erneut braucht.

Wer sich für das Judentum und seine aktuelle Entwicklung interessiert, wird schwerlich an dem Buch vorbeikommen. Auch, um wichtige Argumente im Umgang mit Chabad zu kennen. Also ergeht an dieser Stelle ein Kaufbefehl! (Erhältlich bei booksnbagels)
Einige Kapitel gibt es übrigens auch online.

Chajm

Chajm ist nicht nur Autor dieses Blogs und Bewohner des Ruhrgebiets, sondern auch Herausgeber von talmud.de und Organisator des Minchah-Schiurs im Ruhrgebiet. Einige seiner Artikel gibt es nicht nur im Internet, sondern beispielsweise auch in der Jüdischen Allgemeinen. Über die Kontaktseite kann man Chajm eine Nachricht senden. Man kann/soll Chajm auch bei twitter folgen: @chajmke. Chajms Buch »Badatz!« 44 Geschichten, 44 zu tiefe Einblicke in den jüdischen Alltag, gibt es im Buchhandel und bei amazon.

105 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Schöner Artikel, Chajm. Danke. Ja ich habe auch diese wirklich gastfreundliche, offene Art kennen lernen duerfen. Bereits vor meiner Rueckkehr nach Dtland hatte ich mich mit der jued.Gemeinde in meiner zukuenftigen Stadt in Verbindung gesetzt, einfach um bereits Kontakt aufzunehmen. Die einzigen, die mir geantwortet haben, waren Chabad. Und sie waren es auch (in Person der Rav), die mich kurz nach meiner Rueckkehr dann besorgt fragten, ob ich auch zu Pessach nicht allein sei. die „normale Gemeinde“ hatte sich nicht so „gesorgt“.
    Noa

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  2. Völlig richtig, Anat. Das, was man von Chabad bekommt, kann man sowieso nicht in Geld aufwiegen. Es ist das vorbehaltlose Empfangen von „allen“ Juden, was andere Bewegungen eben nicht so auszeichnet.
    Noa

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  3. … Es ist das vorbehaltlose Empfangen von allen Juden …

    @Noa:
    Na, da bin ich mir aber nicht so sicher! Jedenfalls nicht, was die Chabad Gruppe, die ich in meinem Land kennengelernt hatte, angeht.

    Shalom

    Miles

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      • Ein paar Sachen sind ja allgemein bekannt:

        Wenn Chabad den Giur der Mutter nicht anerkennt, dann anerkennen sie auch die Person nicht als jüdisch.

        Das ist ein Punkt.

        Sehr interessanter Blog über „die andere Seite“ von Chabad hier: Besonders die ersten Jahre sind sehr aufschlussreich. Am besten fängt man ganz von vorne, im untersten Untergrund der Archive an. Man kann es lesen wie einen Roman/ein Tagebuch, es ist sehr gut geschrieben…

        Natürlich ist auch das nur EIN Beispiel von dem was EINE Person erlebt hat, aber ich denke, dass diese Person, was den philosophischen Hintergrund von Chabad angeht, nicht ganz falsch liegt…

        http://onionsoupmix.livejournal.com/

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  4. Pingback: Chabad in der Diskussion – Ein Standpunkt « grenzgaenge

  5. AUch ich kann nur von persönlichem Eindruck sprechen. Ich selbst wurde selten so freundlich aufgenommen, und angenommen. (ausser natuerlich in Jerusalem, wo ich mich voellig integriert fuehlte) BIsher habe ich nicht darueber gesprochen, ob man „mich und meinen Giur anerkennt“ oder nicht. Ich werde freundlich begruesst und bin beim Shiur dabei, bin beim Rabbiner und seiner Familie eingeladen gewesen zum Shabbat und man hat mich menschlich behandelt. Ich habe keine Ahnung, ob es wichtig ist, dass man mir explizit sagt: ja, wir erkennen deinen giur an… Man nimmt mich dort als Mensch wahr und schickt mich nicht fort, man ignoriert mich nicht (wie in einer anderen „nicht Chabad-gemeinde“, und was will ich mehr? Aber vielleicht werde ich ja im Laufe der Zeit eines Besseren belehrt und noch enttäuscht werden.
    Wessen GIur wurde denn nicht anerkannt? wuerde mich mal interessieren ob man GENERELL bei Chabd orthodoxe Giurim nicht anerkennt????FRitzbe, bitte erzaehl mal mehr.
    Noa

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    • Wenn die Mutter einen Reform-Giur oder einen Konservativen Giur gemacht hat, anerkennt Chabad die Person nicht als jüdisch.

      (Ein schönes Beispiel dazu war im „Lea Dubin“-Blog, aber ich glaube der wurde mittlerweile vom Netz genommen. Ein anderes Beispiel war auf dem Blog „fromerly frum“, aber ich sehe gerade, dass der nun privat ist) Auf jeden Fall kommt diese Konstellation in den USA relativ häufig vor. Manchmal geht es sogar auf die Grossmutter zurück.

      Diesen Leuten sagt Chabad, dass sie einen Giur machen müssen, um jüdisch zu sein. Das kann für jemanden, der sich sein Leben lang jüdisch gefühlt hat, ziemlich hart sein.

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      • …weitere KOmplikationen ergeben sich dann aus der Tatsache, dass Giorot keinen Kohen heiraten dürfen…

        Stell dir einmal die Konstellation vor: Mädchen aus Konservativem Haus (Grossmutter mütterlicherseits hat konservativen Giur gemacht, seither war man „traditionell“ aber nicht „observant“ im halachischen Sinne) liebt kohen. Beide wollen mehr über ihre Wurzeln erfahren, gehen zu Chabad, erleben dort wunderbare Freitag-Abend-Essen, und dann stellt sich heraus:
        1) dass sie einen Giur machen muss
        2) dass die zwei nie heiraten können werden…

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  6. @Miles Erzähl doch mal ein wenig. Das macht mich neugierig. Musst ja keinen Ort oder Namen nennen.

    @SG:
    Sehr gerne! Also, anders als Noa brauchte ich keinen Gijur zu machen, um als Jude anerkannt zu sein, und ich war trotzdem (vor ein paar Jahren muss ich ehrlicherweise dazu sagen) nach dem öffentlichen Anzünden des Chanukka-Leuchters in einer grösseren Schweizer Stadt nicht bei dem anschliessenden Dinner erwünscht gewesen! Das alles mit den tröstenden Worten, „wir sind eine kleine Gemeinde und wollen gerne unter uns bleiben“. Olala … und ich hatte zu diesem Anlass – weil ich mal ein guter Jude sein wollte – sogar eine Kippa auf dem Haupt, und ich hätte an diesem Abend auch ausnahmsweise kosher gegessen.

    Naja, wenigstens hatten mir diese armen Irren, als wir frierend auf dem Bahnhofsplatz standen und Shalom Alejchem anstimmten, schnell noch eine Kerze in die Hand gedrückt – und einen Krapfen haben sie mir zum Schluss auch noch spendiert! Trotzdem: nach diesem Auftritt kann mir alles, was mit Chabad zu tun hat, gestohlen bleiben! Selbst dann, wenn das nur eine Ausnahme gewesen sein sollte!

    Shalom

    Miles

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  7. –auch wenn das nur eine Ausnahme gewesen sein sollte…
    also, das klingt aber wirklich nicht sehr differenziert, wenn ich das so sagen darf.
    Ich weiss, eigene Erlebnisse prägen sehr, aber würdest du es tatsächlich nicht auf einen zweiten Versuch ankommen lassen? Du lehnst ja auch nicht alle Menschen die Christen sind ab, nur weil du mit 2 oder 3 dieser Kategorie mal Zores hattest, oder?
    grins
    Noa

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  8. … Du lehnst ja auch nicht alle Menschen die Christen sind ab, nur weil du mit 2 oder 3 dieser Kategorie mal Zores hattest, oder?

    @Noa:
    natürlich nicht! Nur: Zores hatte ich mit Christen bislang höchst selten, mit Juden aber umso mehr! 🙂 Aber Du hast schon recht, ich sollte jetzt nicht alle Chabadniks über einen Kamm scheren! Und wer gute Erfahrungen mit den Jungs gemacht hat – na dann, umso besser!

    Shalom

    Miles

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  9. @Miles: Chabad? Kann ich gar nix zu sagen, weil ich hier in Zentral-Pott weder welche getroffen, noch die in Düsseldorf besucht habe. Aber, ich empfehle gerne das Buch von Michael Chabon: „Vereinigung der jiddishen Polizisten“, dass sich sehr unterhaltsam mit der Frage „Tzaddik ha-Dor“ auseinandersetzt. Wobei die Beschreibung von “ Das Heer des Rebben mehr als spannend klingt.

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  10. „Die sehr öffentliche und unübersehbare Art von Jüdischkeit der Bewegung wirkt auf einige befremdlich“

    Das könnte man falsch verstehen. Anderer orthodoxe Gruppen sind nicht weniger öffentlich und unübersehbar. Nur kriegt Otto-Normal-Goi (oder ein eher assimilierter Jude) die nicht so häufig zu Gesicht. Ein Litwak oder Chassid aus einer anderen Strömung wirkt mindestens genauso befremdlich. Nur bleiben die eben eher unter sich. Und weil sie entweder gar keinen Kiruw machen, oder dabei weniger offensive Strategien verfolgen, ist der Gesamteffekt, das Chabadniks die einzigen orthodoxen Juden (ausserhalb von MO) sind, die viele Aussenstehende jemals erleben. Was natürlich zu Missverständnissen führt, denn Chabad ist in mancherlei Hinsicht alles andere als repräsentativ für andere (ultra-)orthodoxe Gruppen.

    „Dadurch, dass Chabad sich weigert, nicht-orthodoxe jüdische Gruppen anzuerkennen, …“

    Selbstverständlich. Chabad rechnet sich schliesslich eindeutig dem orthodoxen Lager zu, und da gilt das Primat der Halachah. Was einschliesst, dass man Gruppen, die dieses Primat nicht akzeptieren, nicht ernst nehmen kann.

    Neben Kritik von „links“ und „Kritik“ von Gemeindevorständen, die sich vom Chabad-Aktivismus bedroht sehen, gibt es auch Kritik von „rechts“, von anderen (ultra-)orthodoxen Gruppen, die Teile der Chabad-Lehre ausserhalb der jüdischen Tradition verorten:
    Frage an Rav Schach sz“l: „Welche andere Religion ist dem Judentum am ähnlichsten“.
    R. Schach: „Chabad. Vielleicht.“

    „aufzehrenden Kampf um Mittel führen, weil man ansonsten ein funktionierendes jüdisches Leben nicht finanzieren könne“
    Blödsinn von denjenigen, die sowas frech behaupten. Jüdische Gemeinden anderswo bekommen vom jeweiligen Staat keinen Cent. Und funkionieren ganz hervorragend. Trotzdem? Eher: Gerade deshalb.

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    • @ YK Was natürlich zu Missverständnissen führt, denn Chabad ist in mancherlei Hinsicht alles andere als repräsentativ für andere (ultra-)orthodoxe Gruppen.

      Chabad ist nicht repräsentativ für andere Gruppen, da gebe ich Dir recht. Ist aber ziemlich einleuchtend, wenn man kurz nachdenkt jede Gruppe kann nur sich selbst repräsentieren, auch wenn sie sich innerhalb des gemeinsamen orthodoxen Judentums bewegt. Raum für Missverstädnisse sehe ich da keinen: das Judentum ist nun mal mit einer Bandbreite an Meinungen und Strömungen gesegnet.

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  11. Na ja, bei chabad ist auch hauptsache, die „Mittel“ trudeln ein. Ich weiss nicht, ob sie sich gross darum kümmern aus welcher Quelle. An vielen Orten angeln sie sich sehr reiche Mäzene, die irgendwie unverhofft zu Geld gekommen sind.

    Habe aber auch schon von einem out-of-town-Amerikaner gehört, dass ihm unangenehm aufgestossen ist, wie er um eine „Spende“ für eine Mikwa „gebeten“ wurde.

    Aber wie du oben beschrieben hast, funktionniert das alles dezentral, also kann man auch nicht von einem Shaliach in X auf einen anderen in Y schliessen…

    Auf jeden Fall kann man sagen, dass Chabad ein grosses Talent hat, „Sponsoren“ zu finden und Gelder locker zu machen, und ich denke schon, dass sie ihre Kräfte so einsetzen, dass sie die grösstmögliche „Wirkung“ entfalten, d.h. sie fangen bei den Milliardären an und gehen dann langsam die Forbes-Liste runter.

    Und ich nehme an, wenn der „Hauptsponsor“ besondere Wünsche hat („organisiere mir ein Konzert“), so werden die erfüllt.

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  12. An vielen Orten angeln sie sich sehr reiche Mäzene, die irgendwie unverhofft zu Geld gekommen sind. Habe aber auch schon von einem out-of-town-Amerikaner gehört, dass ihm unangenehm aufgestossen ist, wie er um eine Spende für eine Mikwa gebeten wurde.

    Na, da haben wir’s dann ja wieder: diese Juden und das liebe Geld! 🙂

    Shalom

    Miles

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    • haha, Miles auf den Punkt getroffen!
      Gleich mit der Pauschal-Verdächtigung der Mäzene: irgendwie unverhofft zu Geld gekommen.

      Und ganz ehrlich: wenn dieser Amerikaner irgendwann mal etwas mit einer jüdischen Organisation / Gemeinde in seinem Leben zu tun hatte, wurde er gewiss schon oft auf Spenden angesprochen. Süß finde ich auch die Anführungen bei „gebeten“ wurde wahrscheinlich bei vorgehaltener Waffe dazu gezwungen, einen Koffer voll Bargeld auszuhändigen.

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  13. an Chajms Sicht: danke für diesen Artikel. Hebt sich wohltuend ab, weil differenziert und vor allem auch inhaltlich stark. Ich fand besonders diese Beobachtung treffend:

    „Es ist also das persönliche Gesicht, nicht die Organisation als Abstraktum, das den Erfolg der Aktivitäten garantiert. Die Männer und ihre Familien geben der Marke Chabad einen Wert und sorgen dafür, dass man generell ein positives Bild hat, wenn über die Organisation gesprochen wird, auch wenn man viele oder einige der Überzeugungen ablehnen mag.“

    Chabad unter dem Aspekt der Marken-Identität zu betrachten, finde ich interessant und lohnend. Mich persönlich fasziniert außerdem eine andere Frage, die du zwar anführst, aber nicht beantwortest: Warum kopieren andere Strömungen nicht einfach Teile davon?

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    • @Hendrik Moss Die Frage nach der Kopie habe ich schon häufiger aufgeworfen, weil ich beobachte, dass viele Dinge ja nicht im Geheimen passieren und niemand darauf ein Patent hat. Sie sind also durchaus kopierbar und transparent (das Buch gibt einen tiefen Einblick). Weitere Fragen sind, ob das überhaupt erwünscht ist und ob die anderen Strömungen überhaupt ein Interesse daran haben, soviel Zeit in Kiruv/Outreach zu investieren.
      Wir haben Lauder die erfolgreich sind, wenngleich sie nicht im gleichen Maße lokal handeln.

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        • ja, da habe ich mich ungenau ausgedrückt. Ich wollte sagen — Engagement brauchen die Gemeinden dringend. Und Chabad hat offenbar an vielen Orten Wege gefunden, wie man engagierte Juden anzieht.

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          • Man kann das nicht verallgemeinern (soll man auch nicht), aber es vielleicht eine Frage des Wollens. Es gibt Gemeinden, die kommen auch zurecht, wenn die Gebete mittelmäßig bis schlecht besucht sind. Chabad (und ähnliche Gruppen) müssen sich Engagierte ja auf dem freien Markt suchen und müssen deshalb dafür sorgen, dass die Leute kommen.

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  14. … Warum kopieren andere Strömungen nicht einfach Teile davon? …

    wahrscheinlich ist ein Grund, weil im Judentum das Missionieren abgelehnt wird!? Ich denke, die Chabadniks sind derzeit die Einzigen, die mit dem Jiddischsein missionierend rumhausieren, oder? Na ja, zur Zeit zwar ’nur‘ in Kreisen von assimilierten, reingeborenen Juden, aber das könnten die Chabad-Rabbis in Zukunft ja immerhin auch noch auf Katholiken und Schiiten ausdehnen! O tempora, o mores! 🙂

    Shalom

    Miles

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    • nein, mir geht’s nicht um die Chabad-spezifischen Inhalte. Mir geht’s um die Strategie dahinter mal einfach jüdische Fortbildung anbieten. Ob Chabad die einzigen sind, wage ich mal zu bezweifeln Israel hat eine lange Reihe von Organisationen, die genau dasselbe tun. Und „missionierend raumhausieren“ klingt so abwertend jeder möchte, dass in seine Synagoge möglichst viele Menschen zu den Gebeten / Programmen kommen, Lauder ist da nicht anders.

      Das mit der Mission besorgt mich nicht so rasend, aber alleine in diesem Thread habe ich gelesen, dass Chabad niemanden als jüdisch anerkennt, wenn der Giur der Mutter nicht-orthodox war hat sich bis jetzt offenbar noch nicht auf Katholiken und Schiiten ausgedehnt :).

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    • „Ich denke, die Chabadniks sind derzeit die Einzigen, die mit dem Jiddischsein missionierend rumhausieren, oder?“

      Nein, sie sind bei Weitem nicht die Einzigen… Heutzutage hat jeder seine kleine „Kiruv-Organisation“: Torah Mizion, esh hatorah, ohr someach, Gateways, Shalhevet, Shofar, you name it, bis hin zum unsäglichen Leib Tropper mit seiner „Eternal Jewish Family“ (wurde von einem gewissen Guma Aguiyar, der zufällig irgendwo Erdöl gefunden gesponsert)

      Übrigens sind Chabad auch nicht die Einzigen, die sich so finanzieren, und sie sind mit ihrem Finanzgebahren unter den Hareidim auch nicht die Schlimmsten (siehe Chassidut Spinka)

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      • Chabad auch nicht die Einzigen, die sich so finanzieren LOL. Außerhalb der Gemeinden Deutschlands finanziert sich der Großteil jüdischer Organisationen über Spenden. Und nebenbei: Nicht jeder, der eine Organisation finanziell unterstützt, ist an das Geld mit betrügerischen Methoden gekommen oder ist zufällig auf Erdöl gestoßen.

        Zedakah ist eine große Sache und kann u.a. auch bedeuten, dass man eine Organisation, eine Synagoge, einen Verein finanziell unterstützt. Muss man nicht schlechtreden.

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    • Nu, Chabad missioniert ja nicht im eigentlichen Sinne des Wortes. Sie wenden sich ausschließlich an Juden, um ihnen die Halacha aus ihrer orthodoxen Sicht wieder näher zu bringen.

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      • @SG:
        na, wenn das mal keine Missionierungstätigkeit ist, was die tun? Einen heute weltoffenen, Cheeseburger essenden, in Designerklamotten rumlaufenden, jüdischen Jugendlichen dazu ‚bekehren‘ zu wollen, morgen doch lieber mit Kippa, Tallit katan und Pejes rumzulaufen – ich weiss nicht, ich weiss nicht! 🙂 Aber ich verstehe Deinen Punkt natürlich und so einigen wir uns auf die Floskel: „missionieren im weitesten Sinne des Wortes“ bzw. „missionieren im engsten Sinnes des Wortes“. Sollte für Dich als Judaisten akzeptabel sein, oder? 🙂

        Shalom

        Miles

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        • @ Shabbes Goi: bezog mich auf Miles‘ Kommentar zum Missionieren. Ich will jetzt da keine große Wortdefinitions-Debatte vom Zaun brechen, aber ich sehe das wie du: ist keine Mission, was die Herren und Damen von Chabad betreiben.

          Leider ist das aber eines der Totschlag-Argumente in der Diskussion um Chabad. Das führt dazu, dass man das Wesentliche aus den Augen verliert — wofür steht diese Bewegung inhaltlich? Und, nicht weniger wichtig: was können Gemeinden und Bewegungen von Chabads Erfolg lernen?

          Antworten

          • Wofür steht diese Gemeinde inhaltlich: gerade das wird in Kiruv-Arbeit eigentlich wenig thematisiert.

            Die Kiruv-Arbeit ist eher „praktisch“: komm, leg Tefilin, komm zünde Kerzen, komm, erlebe einen Freitag-Abend…

            Auf die Details der Chabad-Philosophie geht man da eher weniger ein. Und vielleicht gibt es in der Chabad-Philosphie durchaus Sachen, mit denen sich ein aufgeklärter Mensch nicht identifizieren kann. Aber darauf stösst man die frisch Angekommenen nicht mit der Nase.

            Antworten

            • Diese Praxis scheint den Leuten zu gefallen, nicht? Es ist ja nicht so, als würde man Inhalte verbergen, die sind ja überall eingewoben. Es gab oder gibt einige Einrichtungen, die den inhaltlichen Teil (und den praktischen eigentlich auch komplett) als wenig spannend identifiziert haben und deshalb die Arbeit nach anderen Kriterien gestalten. Das ist natürlich langfristig kein Konzept. Man war/ist wohl der Meinung, Relgion sei nicht smart genug, um sie zu verkaufen. Chabad hat das ja recht eindrucksvoll bewiesen.

              Antworten

              • Na ja, aber es können sich daraus auch innerfamiliäre Verwerfungen ergeben…

                Früher: Rabbi, rabbi, mein Kind is ojs frum, was soll ich tun?

                Heute: Rabbi, rabbi, mein Kind wird fromm, was soll ich tun?

            • Wo wir doch gerade ausgerechnet Parshas Chukkas haben, lohnt es sich wohl, darauf hinzuweisen, dass die Torah (mit oder ohne Chabad) und die „Aufklärung“ ab einem gewissen Punkt zu ziemlich verschiedenen Schlussfolgerungen kommen. Ist das nicht einer der zentralen Aussagen hinter dem Chok von Parah Adumah? „Naaseh we-nischmah“ (in dieser Reihenfolge) ist keine Erfindung von Chabad…

              Antworten

          • Bzgl Mission: Aus meiner persönlichen Erfahrung kann ich sagen, dass es etlichen der Chabadniks, die mich auf meinem Weg zu Torah und Mitzwoth aktiv begleitet haben, nicht genug war, sie wollten mich auch mit einem gewissen Nachdruck zu einem Chabadnik machen – an dem Punkt haben sich dann unsere Wege langsam aber sicher getrennt. Dies scheint mir doch bei anderen Kiruw-Organisationen nicht so zu sein.

            Antworten

  15. … hat sich bis jetzt offenbar noch nicht auf Katholiken und Schiiten ausgedehnt …

    Schade, eigentlich! Ich kenne nämlich zumindest etliche Katholiken, die sind von ihrem Habitus aber sowas von jüdisch (krumme Nase, vorlaut, unverschämt, geizig, dauer-geil)! 🙂

    Aber wie sagte man mir einst so schön (glaube, es war sogar mein Rabbi!?): „Jüdisch kann man nicht werden, man kann es nur sein, egal welcher Glaubensrichtung man anhängig ist“! Gar nicht so schlecht, der Spruch, oder!? 🙂

    Shalom

    Miles

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      • Oh mein G-tt, so war das gewiss nicht gemeint! Wir wollen doch den später dazugestossenen kein Unrecht tun und ihnen unsere, oben genannten, allerbesten jüdischen Tugenden und Eigenschaften absprechen wollen, oder? Das haben die Konvertiten nämlich nicht verdient! 🙂

        Shalom

        Miles

        Antworten

    • @Miles: So wie Du Deinen Rabbi hier immer zitierst, würde ich mal denken, er hat gesagt:
      „Jüdisch kann man nicht werden, man kann es nur sein, egal VON welcher Glaubensrichtung man ABhängig ist!

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  16. … mangelnde Niveau und diese Schlagworte …

    @SG:
    oha, wir müssen jetzt aufpassen und uns ein wenig zusammenreissen! Die Gesinnungspolizei liest und schreibt mit! 🙂
    Hendrik, reine Neugier: bist Du Jude?

    Shalom

    Miles

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  17. … Übrigens als überaus geizig habe ich nur die Schwaben kennen gelernt…

    @Yael:
    ist doch echt gut, mal wieder die alten Vorurteile abzureiten, oder? 🙂 Wir sprechen hier dann aber nur von Schwaben-Juden richtig? Oder meinst Du etwa auch nicht-jüdische Schwaben? Wenn ja, dann stimmt auch die ganze Vorurteilskiste nicht mehr und Juden wären evtl. genau so normal oder so gestört, wie der Rest der Welt auch! Donnerwetter, wäre das ein Ding!
    Ach übrigens … unglaublich, meine Kinder haben eigentlich auch keine Hakennase und das trotz jüdischer Mutter! Und mein Kollege, der mit seinem riesengrossen Zinken im Gesicht aussieht wi a Jid, ist komischerweise bekennender Protestant! Verrückte Welt, oder!? 🙂

    Shalom

    Miles

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  18. „Zedakah ist eine große Sache und kann u.a. auch bedeuten, dass man eine Organisation, eine Synagoge, einen Verein finanziell unterstützt. Muss man nicht schlechtreden.“
    In Deutschland ist es irgendwie bei vielen in Vergessenheit geraten, aber es ist durchaus üblich, 10%-20% des eigenen Netto-Einkommens in jüdische Zwecke (jüdische Schule, Synagoge, Zedakah, Kiruv, …) zu spenden. Da kommt schon was beisammen. In Deutschland bezahlt man im besten Falle Gemeindesteuern und ist dann „jotze gewejn“.

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  19. das Buch liest sich flüssig wie eine spannende Reportage, man merkt dass die Autorin eine erfahrene Journalistin ist. Die Rabbiner, das Gemeindeleben und die tagtäglichen Herausforderungen sind lebensecht beschrieben, wenn auch manchmal zu flüchtig. Was ganz klar wird im Laufe des Buches ist der enorme Einsatz der Rabbiner und ihrer Familien bei der Sandwich-Episode im Vorwort sind mir Tränen gekommen. Oder die junge Mutter mit Baby am Arm und Telefon am Ohr, die zum nächsten Termin ihres ehrenamtlichen „Friendship Circle“ für Kinder mit Behinderungen eilt das hat mich nicht kalt gelassen. Das Kapitel über die öffentlichen Chanukkah-Leuchter ist packend wie ein Gerichtsdrama geschrieben (in der Tat wurden Teile der Kontroverse vor Gericht ausgetragen). Die journalistischen Qualitäten geben hier den Ausschlag, über die beschriebene Chabad-Bewegung muss sich jeder selbst ein Bild machen: 5 von 5 Sternen

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  20. @Hendrik:
    Mir ist sehr wohl bewusst, dass das Halacha ist. Aber man will ja nicht gleich mit der Tür ins Haus fallen 😉 Sehr schön, dass sich hier mal jemand auskennt! Das Diskutieren auf Basis von Quellen hebt das Niveau IMHO schon mal ganz erheblich.
    (P. S.: Ist nicht Maasser Kessafim nach der Auffassung vieler Poskim ein „minhag tov“?)

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  21. Ein böser Löschangriff:
    Der seltsame Kauz, der das Blog hier betreibt, könnte eventuell für Kommentare haftbar gemacht werden, die sich mit dem vermeintlichen Engagement oder Verstrickungen irgendwelcher Politiker befassen. Der Kauz würde sein Geld lieber in Sachen Zedakah einsetzen (womit wir wieder beim Thema sind) und nicht einem Rechtsanwalt (auch wenn er jüdisch sein sollte) in großen Säcken vor das Büro stellen. Ich bitte freundlich, dies in Zukunft zu berücksichtigen.

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    • Nu, man kann aus dem Impressumssatz:
      „Haftungshinweis: Trotz sorgfältiger inhaltlicher Kontrolle übernehmen wir keine Haftung für die Inhalte externer Links. Für den Inhalt der verlinkten Seiten sind ausschließlich deren Betreiber verantwortlich.“
      auch machen:
      „“ Haftungshinweis: Trotz sorgfältiger inhaltlicher Kontrolle übernehmen wir keine Haftung für die Inhalte der hier geposteten Kommentare. Für den Inhalt geposteter Kommentare sind ausschließlich deren Auoren verantwortlich.

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  22. „Heute: Rabbi, Rabbi, mein Kind wird fromm, was soll ich tun?“

    Unterhalten sich zwei Reform-Rabbiner.
    „Mein Sohn hat angefangen Schabbat und Kaschrut zu halten und Tefillin zu legen, ich weiss gar nicht wo mir der Kopf steht.“
    „Ueberpruefe sofort Eure Mesusot!“ 😉

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  23. Als liberale Gemeibde haben wir gute Kontakte azcg zu Chabad Hannover.
    Dort herrscht durch die Persönlicheit des Rabbi Bennie eine warme
    menschliche Atmosphäre. Auch war es Chabad, von denen uns zwei Rabbiner
    ubd vier Bocherim besucht haben, obwohl wir liberal sind und bleiben.
    Chabad hilft uns trotzdem mit Lulav und Etrog und Einkaufsmöglichkeit
    für kosher food.
    Von liberaler Seite haben wir außer falschen Versprechungen
    keinerlei Untzerstützung erhalten.
    Selbst wenn man einer anderen Ausformung des Judentums angehört,
    kann man respektvoll und freundschaftlich miteinander umgehen.
    Klal Jisroel !
    h.o.weiler@weilernet.de

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    • @ h.o.weiler:
      „Selbst wenn man einer anderen Ausformung des Judentums angehört,
      kann man respektvoll und freundschaftlich miteinander umgehen.“
      Das ist, zugegebenermaßen von außen betrachtet, der Kernsatz, den sich alle jüdischen Ausrichtungen neben ihre Mesusot pinnen sollten.
      Die Tendenz, andere Ausrichtungen auszugrenzen, abzuwerten, sich selbst als die einzig Richtige zu definieren, ist, obwohl schon lange Tradition im Judentum, vom Ansatz und der Idee her, sehr unjüdisch. Halacha war noch nie die in Fels gehauene einzig seelig machende Wahrheit, als zunächst mündlicher Codex lebte sie immer von Diskurs und Diskussion, auch der Talmud ist eher ein Diskursprotokoll.
      Diskurs erfordert aber auch immer eine gewissen grundsätzlichen Respekt der anderen Seiten.

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      • Apropos Halacha und Talmud: Ein Amora wird unter keinen Umstaenden eine halachische Entscheidung eines Tanna in Frage stellen; ebenso die Geonim mit den Amoraim und Tannaim; die Rischonim mit den Tannaim, Amoraim und Geonim; die Acharonim mit den Tannaim, Amoraim, Geonim und Rischonim. Will sagen: auch wenn der Talmud von Diskussion lebt, wenn mal eine halachische Entscheidung getroffen wurde, dann ist die ab dann verbindlich.
        Bzgl „Respekt“: Hast Du uebrigens mal gesehen, wie es aussieht, wenn zwei Chavrusos zusammen Talmud lernen?

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        • @YM: „Will sagen: auch wenn der Talmud von Diskussion lebt, wenn mal eine halachische Entscheidung getroffen wurde, dann ist die ab dann verbindlich.“

          Auch wenn Dir aus Deiner Position diese Haltung fremd ist, glaube ich, dass es jedem freisteht, sich selbst und persönlich zu entscheiden, welche Mitzvot er einhält und welche nicht, so lange es eine bewußte Entscheidung dafür oder dagegen ist. Man sollte sich also grundlegend mit Halacha auseinandersetzen. Wenn man dieses Entscheidung oder Entscheidungen getroffen hat, steht es anderen zwar zu, ihre Meinung dazu kundzutun, aber nicht, darüber zu richten.

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          • @YM : „Bzgl Respekt: Hast Du uebrigens mal gesehen, wie es aussieht, wenn zwei Chavrusos zusammen Talmud lernen?“

            Ja, da geht es heiß her, aber grundsätzlich respektieren sie sich ja erstmal als gleichberechtigt, denn sonst würden sie ja gar nicht erst miteinander diskutieren und streiten.
            Im Falle der Konkurrenz unter den verschiedenen Ausrichtungen des Judentums sieht das ja komplet anders aus. Da wird anderen Ausrichtungen als der eigenen ja stellenweise jegliche Existenzberechtigung abgesprochen, in dem sie als nicht jüdisch deklariert werden.

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          • Es geht hier nicht darum, über die Entscheidungen von Individuen zu „richten“, sondern darum, deutlich zu machen, dass die Haltung, es stehe jedem Individuum frei, welche „Mitzwot“ für ihn er/sie verpflichtend sind und welche nicht, keinerlei Grundlage im jüdischen Schrifttum und in der jüdischen Tradition hat. Natürlich kann jeder defacto seinem Jetzer nachgeben, und Dinge nicht halten.
            In vager Analogie wäre das wie jemand, der routinemässig über rote Ampeln fährt und keine Steuern zahlt.
            Torah versucht, unser Wollen unserem Sollen anzupassen. Die von Dir propagierte Einstellung tut das genaue Gegenteil, sie führt dazu, dass das Sollen unserem Wollen angepasst wird.

            Die Einstellung, die das erlaubt, kommt wohl eher aus der „Aufklärung“. Damit geht sie wohl auch über frühere Bewegungen, wie „Sadduzäer“ und „Karäer“ hinaus. Sicher eine schöne Idee, aber keine jüdische.

            Ich kann sehr wohl das Individuum respektieren, aber eine Bewegung von institutionaliserter Häresie nicht.

            Ich finde es übrigens recht aufschlussreich, was auf dieser Seite alles nicht steht.

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            • Du stellst hier eine interessante Frage in den Raum.

              Soviel ich verstehe, entwickeln sich die „anerkannten“ jüdischen Institutionen im Laufe der Zeit, mit dem Zeitgeist der Umgebung. Die Reform-Bewegung macht das etwas schneller und extremer. Aber letztlich gibt es genügend Halachot mit denen die meisten (orthodoxen) Juden von heute sich nicht mehr identifizieren können. Sie reden sich dann darauf hinaus, dass das „Jetzt gerade eh nicht anwendbar ist“ (z.B. Todesstrafe für Homosexuelle, für mechaleley Shabbat, für Apikorsim, für Leute, die behaupten dass die Torah nicht von G-tt ist, Mitzwa Amalek (auch Babies) umzubringen, Verbot, Land zu verkaufen, Möglichkeit Kanaanäische und jüdische Sklaven zu halten).

              Wenn man wirklich strikt sein will, dürfte man einen Menschen, der Todesstrafe für Homosexuelle oder für nicht-religiöse Juden falsch findet, nicht zum Giur zulassen.

              Verstehst du, was ich meine?

              Dann ist doch das mit der Reform und wie man Shabbat und Kashrut hält, letztlich nur ein gradueller Unterschied.

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              • … Wenn man wirklich strikt sein will, dürfte man einen Menschen, der Todesstrafe für Homosexuelle oder für nicht-religiöse Juden falsch findet, nicht zum Giur zulassen …

                @Fritzbe:
                also, ich finde das nicht nur falsch, sondern sogar grottenschlecht! Und sowas steht tatsächlich irgendwo geschrieben? Na ja, hoffentlich kann man man auch Jude sein und trotzdem die „Todesstrafe gegen Homosexuelle (oder gegen wen auch immer)“ ablehnen!?

                Shalom

                Miles

              • @Fritzbe:
                Zunaechst: Deine Frage ist eine andere als die von SG. Er beschrieb den Fall, dass Individuen fuer sich entscheiden, welche Mitzwoth fuer sie bindend sind. Darauf habe ich oben geantwortet.
                Du beschreibst den Fall, dass eine ganze Bewegung Gebote fuer „im Moment nicht in Kraft“ deklariert. Zunaechst mal macht es aus meiner Sicht einen wichtigen Unterschied, ob ein Ignoramus etwas tut, oder jemand, der sich ausdauernd und eingehend mit der Materie beschaeftigt und ein Jiras Schamajim ist. Denn im letzteren Falle ist die Wahrscheinlichkeit wohl deutlich hoeher, dass er nicht leichtfertig am „Sollen“ herumdoktert.

                Im einzelnen:
                Wer sich mal mit Traktat Sanhedrin/Makkos befasst hat und dort sieht, wie absurd hoch die Huerden nach juedischem Recht fuer eine Vollstreckung sind, koennte auf die Idee kommen, dass die Drohung mit der Todesstrafe weniger der Vollstreckung als eben der Drohung dient. Die Diskussion, ob ein Beis Din als blutruenstig bezeichnet wird, wenn einmal in 7 oder 70 Jahren jemand hingerichtet wird, ist hinlaenglich bekannt.
                Nirgendwo wird behauptet, es sei gut „Sklaven“ zu haben. Es wird nur das Verhaeltnis geregelt, wenn es dazu kommt. Uebrigens ist schon die Uebersetzung unscharf. Heisst es doch beispielsweise, dass der „Sklave“ beispielsweise im Falle eines Falles Anrecht auf das einzige Kissen im Hause habe.
                Im Bezug auf die hochaktuelle Diskussion um Ueberschuldung sowohl von privaten Haushalten als auch von Staaten: vielleicht waere der eine oder andere auch heute weniger leichtfertig, wenn man seine Schuld bei Nichtrueckzahlung mit eigener Arbeit abzutragen haette 😉

                In der Tat hast Du aber IMHO recht: wer meint, er wisse besser als das geoffenbarte Wort G-ttes, was richtig und was falsch ist, ist vielleicht kein optimaler Gijur-Kandidat.

                Ein Schluessel zum Verstaendnis, wer oder was Amalek ist, ergibt sich aus dem Text direkt: Amalek erscheint auf der Buehne unmittelbar nach dem das Volk fragt (Schmot 17, 7-8)
                ??? ? ??????, ??-???… ????, ????
                Ausserdem der Hinweis auf „Rifyon Yadayim“…

                YM

    • „Jahrzeit“? Ich dachte, er lebe noch 😉

      „Führung der gesamten jüdischen Nation“.
      Zweifellos hat er bedeutendes geleistet, aber implizit mal wieder so zu tun, aber waere er der einzige gewesen, scheint mir doch etwas chutzpedik.

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      • @YM: Gut, vielleicht und wahrscheinlich ist es eine etwas schludrige Übersetzung aus dem Amerikanischen, aber für mich als antifaschistisch sensibilisierten Gutmenschnik klingt bei „Führung der gesamten Nation“
        im Hintergrund immer auch ein bißchen Yemach Shmo durch.
        Aber das nur am Rande.

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  24. Paradoxon: Also, dass Buch ist heute angekommen, und ich stecke im ersten Kapitel und schon tut sich ein schier unüberwindliches Paradoxon vor mir auf: obwohl ich als apikoirer Shabbes-Goi die Existenz jeglicher göttlicher Entität, wie immer sie auch heißen möge, zwar nicht grundsätzlich negiere, aber für mich und mein Verhalten als absolut irrelevant deklariere, verletzt es mich dennoch zutiefst und persönlich, dass mir als Goi von den Lubawitschern eine göttliche Seele abgesprochen wird. Ich weiß zwar definitiv, dass ich keine habe, nicht mal eine nichtgöttliche, aber wenn andere sie mir absprechen, fühle ich mich doch sehr gekränkt!

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    • … eine göttliche Seele abgesprochen wird. Ich weiß zwar definitiv, dass ich keine habe, nicht mal eine nichtgöttliche, aber wenn andere sie mir absprechen, fühle ich mich doch sehr gekränkt!..

      @SG:
      ach, da brauchst Du Dich gar nicht gekränkt fühlen, denn Du weisst ja schliesslich von wem das kommt!!! Also, mein dritt-, nein, mein zweitbester Freund, ich jedenfalls spreche Dir gar nichts ab – weder Seele noch sonst irgendetwas anderes -und glaube mir, ich bin genau so jüdisch wie diese Lubawitscher! Diese aufmunternden Worte nur für den Fall, dass Du auf meine Meinung überhaupt etwas gibst! 🙂

      Shalom

      Miles

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  25. @SG:
    Guckst Du z. B. hier und hier fuer mehr darueber.
    Allgemein sollte man anmerken, dass Chabad diese Lehre aus dem Hauptwerk „Tanya“ ihres Gruenders „Shneur Zalman von Liadi“ bezieht, und der wiederum hat sie vom Ari z“l im speziellen und dem Zohar im allgemeinen. Soll heissen, das ist nichts unbedingt Chabad-spezifisches, sondern wird vermutlich bei anderen kabbalistisch angehauchten Gruppen, zum Beispiel anderen chassidischen Kreisen, in aehnlicher Form geglaubt.

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  26. Freunde, Juden und Mitbürger!
    Ganz herzlichen Dank für Eure Empatie .
    Allerdings war mein Posting ironisch gemeint.
    Ich bin Schauspieler und als solcher verfüge ich weder über eine göttliche, noch über eine sonstige Seele. Uns Schauspielern wird beim Ausbildungsabschluss von einem bocksfüßigem Mentor mittels einer Panflöte in einer mehrstündigen akustischen Zeremonie jegliche Seele ausgetrieben,
    damit sie uns auf der Bühne nicht hinderlich ist.
    Trotzdem Danke für die Anteilnahme!

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  27. Wobei die Seelenlosigkeit von uns Schauspielern jetzt dann nicht im Umkehrschluss bedeutet, dass wir alle schlechte und böse Menschen sind. Für uns ist Seele eher ein manipulatives Konstrukt, dass wir als echte Manipulatoren ungern bemühen.
    Wir sehen halt den Menschen, als das, was er ist, einen von seinen Gefühlen und Gedanken gesteuerten Akteur.
    Ich z.B. obwohl seelenlos, kann dem grundsätzlichen Mashiach-Gedanken, der auch die Chabadniks antreibt, viel abgewinnen. Aber eben nicht, weil es für mich eine göttliche Verheißung ist, sondern eigentlich eine reine Vernunftsfrage.

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  28. Pingback: Buch Tanja in Deutschland gedruckt | Chajms Sicht

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